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Storytelling Marketing: vom Markenkern zur tragfähigen B2B-Geschichte

Vom Markenkern zur B2B-Erzählung: Vergleichen Sie StoryBrand, Drei-Akt-Struktur und PAS und wählen Sie die passende Dramaturgie für lange Kaufprozesse.

Nahaufnahme einer Laptop-Tastatur, darüber blau eingefärbter HTML-Quelltext

Die erste Entscheidung im Storytelling Marketing ist keine Produktionsentscheidung. Bevor ein Unternehmen festlegt, worüber es spricht, muss es zwei andere Fragen beantworten: Welche Geschichte erzählen wir, und nach welcher Struktur erzählen wir sie? Beides zusammen ergibt die Dramaturgie, und die Dramaturgie ist der einzige Teil der Kommunikation, der über alle Kontaktpunkte hinweg gleich bleiben muss.

Für mittelständische B2B-Unternehmen ist diese Klärung besonders folgenreich. Verkauft wird eine erklärungsbedürftige Lösung, entschieden wird über Monate, und zugestimmt werden muss von mehreren Personen mit unterschiedlichen Interessen. Ohne gemeinsamen erzählerischen Rahmen entsteht bei jedem neuen Anlass eine neue Botschaft. Mit ihm entsteht eine Argumentation, die sich mit jedem Schritt verdichtet, statt sich zu wiederholen.

Was Storytelling leistet, und warum die berühmten Beispiele in die Irre führen

Storytelling ist eine Methode, bei der mit Hilfe einer Geschichte eine Information vermittelt wird. Im Marketing wird sie genutzt, um emotionale Verbindungen zu schaffen, Markengeschichten zu erzählen und die Werte und Visionen eines Unternehmens zu vermitteln. Storytelling Marketing verknüpft eine Marke über Inspiration mit bestimmten Emotionen und beschreibt den Aufbau einer Geschichte rund um die Marke.

Die kanonischen Beispiele stammen fast alle aus dem Konsumgütermarkt. Das Deutsche Institut für Marketing führt acht Kampagnen als Referenz auf: Red Bull, WestJet, Mercedes-Benz, Coca-Cola, NIVEA, Toyota sowie die beiden Edeka-Kampagnen #issso und #HerrenDesFeuers. Alle acht sprechen ein großes Publikum an, das schnell und allein entscheidet. Ein Anlagenbauer, dessen Kunden über Monate und in wechselnden Gremien entscheiden, kann diese Kampagnen nicht kopieren. Übertragbar ist an ihnen nicht die Emotion, sondern das Muster.

Genau darauf beruht die Methode. Geschichten bestehen aus festen, sich wiederholenden Mustern, und Unternehmen nutzen diese Muster, um sich selbst als Marke mit eigenen Geschichten zu inszenieren und ein identitätsstiftendes Image aufzubauen. Die Wirkung ist laut Deutschem Institut für Marketing aktivierend, verbindend und interaktiv. Im B2B kommen drei praktische Effekte hinzu: Geschichten bleiben länger in Erinnerung, sie wirken nicht wie das übliche B2B-Verkaufsgespräch, und sie vereinfachen komplexe Themen für Käufer, die das Thema nicht täglich bearbeiten.

Der Weg vom Markenkern zur Markengeschichte

Eine belastbare Markengeschichte entsteht durch Verdichtung, nicht durch Ausschmückung. Fünf Entscheidungen führen vom Markenkern zur erzählbaren Fassung.

1. Wofür steht die Marke?

Der Markenkern beantwortet nicht, was ein Unternehmen anbietet, sondern woran es glaubt und welche Art von Fortschritt es ermöglichen will. Ein Maschinenbauer kann für präzise Fertigungsanlagen stehen. Erzählbar wird daraus erst die Überzeugung, dass Produktivität nicht auf Kosten der Anpassungsfähigkeit gehen darf. Aus einer Haltung lässt sich ein Konflikt ableiten, aus einem Leistungsversprechen nicht.

2. Wer erlebt die Geschichte?

Der Kunde ist die handelnde Figur, das Unternehmen der erfahrene Begleiter, der Orientierung gibt und Risiko senkt. Im B2B kann die Hauptfigur eine Geschäftsführerin sein, ein technischer Leiter, eine Einkaufsverantwortliche oder ein Projektteam. Entscheidend ist, dass die Perspektive festgelegt wird. Eine Geschichte, die alle Beteiligten gleichzeitig zur Hauptfigur macht, verliert ihre Spannung.

3. Welcher Konflikt trägt sie?

Gemeint ist kein künstliches Drama, sondern die Lücke zwischen heutigem und gewünschtem Zustand. Sie liegt meist auf mehreren Ebenen gleichzeitig:

  • Sachlich: Prozesse sind langsam, fehleranfällig oder teuer.
  • Persönlich: Verantwortliche fürchten Kontrollverlust oder eine Fehlentscheidung.
  • Organisatorisch: Abteilungen verfolgen unterschiedliche Ziele.
  • Grundsätzlich: Das Unternehmen muss sich verändern, ohne seine bewährten Stärken aufzugeben.

Die stärksten B2B-Geschichten verbinden mindestens die sachliche mit der persönlichen Ebene. Was technisch nicht funktioniert, erklärt das Problem. Warum es jemanden betrifft, macht es relevant.

4. Welche Veränderung wird möglich?

Das Zielbild muss konkreter sein als „mehr Erfolg" oder „digitale Zukunft". Ein gutes Zielbild beschreibt, was nach der Veränderung anders entschieden, gesteuert oder erreicht werden kann. Statt „Wir digitalisieren Ihre Produktion" also: Produktionsverantwortliche erkennen Abweichungen früher und planen Kapazitäten, bevor Engpässe entstehen.

5. Warum ist die Marke glaubwürdig?

Belege stehen nicht neben der Geschichte, sie sind Teil ihrer Dramaturgie. Verfahren, Referenzfälle, Messwerte und die nachweisbare Kenntnis der Kundensituation zeigen, dass der beschriebene Weg nicht nur denkbar, sondern bereits gegangen worden ist. Ohne diesen Teil bleibt jede Auflösung eine Behauptung.

Der Prüfsatz

Der Kern lässt sich in einem Satz testen:

Wir helfen [Zielgruppe], die trotz [zentraler Hürde] [gewünschte Veränderung] erreichen will, indem wir [Methode oder Rolle], sodass [konkretes Ergebnis] möglich wird.

Das ist kein Werbetext, sondern eine Prüfformel. Bleibt der Satz unscharf, fehlt meist eine der fünf Entscheidungen. Erst wenn er trägt, lohnt sich die Wahl einer Erzählstruktur.

Drei Strukturen im Vergleich

Für B2B Content Marketing werden vor allem drei Storytelling-Methoden genannt: die StoryBrand-Methode, die Drei-Akt-Struktur und die PAS-Formel. Alle drei arbeiten mit Spannung und Veränderung, lösen aber verschiedene Aufgaben.

MethodeGrundlogikGeeignet fürTypische Schwäche
StoryBrandDer Kunde verfolgt ein Ziel, trifft auf ein Problem und erhält von der Marke einen PlanDie übergreifende Markenaussage, die für alle Kunden giltWirkt schematisch, wenn der Konflikt zu stark vereinfacht wird
Drei-Akt-StrukturAusgangslage, Zuspitzung und Auflösung bilden einen BogenEinen konkreten Verlauf mit mehreren HürdenBraucht belastbare Wendepunkte, sonst zerfällt sie
PAS-FormelProblem, Zuspitzung, Lösung führen schnell zur EntscheidungEinen einzelnen Entscheidungsmoment bei bekanntem ProblemVerkürzt komplexe Kaufprozesse, kippt leicht ins Alarmistische

StoryBrand

StoryBrand ordnet die grundlegende Markenerzählung: Die Zielgruppe verfolgt ein Ziel, stößt auf ein Problem, begegnet einem glaubwürdigen Begleiter und erhält einen verständlichen Plan. Der eigentliche Wert der Methode liegt im Zwang zur Zurücknahme. Nicht Gründungsgeschichte, Produkt oder Technologie stehen im Mittelpunkt, sondern der Fortschritt des Kunden. Das hilft besonders Anbietern, deren Kommunikation bisher aus der Innensicht formuliert war.

Drei-Akt-Struktur

Die Drei-Akt-Struktur gliedert in Ausgangssituation, Konfrontation und Auflösung. Im ersten Akt werden der bisherige Zustand und das auslösende Problem sichtbar, im zweiten verschärft sich der Konflikt durch Widerstände, Risiken und fehlgeschlagene Lösungsversuche, im dritten wird gezeigt, wie die Veränderung gelingt. Sie ist die richtige Wahl, wenn eine Veränderung nicht sofort eintritt, sondern mehrere Erkenntnisse und Entscheidungen umfasst, etwa bei Fallgeschichten und Transformationsprojekten.

PAS-Formel

PAS steht für Problem, Agitation und Solution: Ein konkretes Problem wird benannt, seine Konsequenzen werden verdeutlicht, die Lösung erscheint als nächster Schritt. Die Formel wirkt, wenn Zielgruppe und Problem bereits scharf umrissen sind. Für eine ganze Markengeschichte ist sie zu eng, und die Zuspitzung darf im B2B nicht mit Ängsten arbeiten, die sich fachlich nicht belegen lassen. Übertreibung beschädigt Vertrauen schneller, als sie Aufmerksamkeit erzeugt.

Die Auswahlregel

Die Methode ergibt sich aus der Reichweite der Aussage, nicht aus dem Geschmack:

  1. Gilt die Aussage für alle Kunden gleichermaßen? Dann StoryBrand. Es geht um die Beziehung zwischen Kunde, Problem und Marke.
  2. Beschreibt sie einen konkreten Verlauf mit mehreren Hürden? Dann die Drei-Akt-Struktur. Sie braucht Substanz, gibt dafür aber Raum für einen realistischen Weg.
  3. Zielt sie auf einen einzelnen Entscheidungsmoment bei bereits erkanntem Problem? Dann genügt PAS.

Die Strukturen dürfen sich verschachteln, aber nicht vermischen. StoryBrand liefert das Grundgerüst, eine einzelne Kundentransformation wird darin als Drei-Akt-Geschichte erzählt, PAS besetzt einen Moment darin. Wer umgekehrt vorgeht und aus einer PAS-Zuspitzung die Markenaussage ableitet, bekommt eine Marke, die nur über Probleme spricht.

Eine Geschichte über einen langen Kaufprozess

Im Mittelstand muss die Geschichte über Monate konsistent bleiben und mit zunehmender Entscheidungsreife konkreter werden. Am Anfang steht meist eine latente Unzufriedenheit: Ein Prozess funktioniert noch, ist aber nicht mehr zukunftsfähig. Die Geschichte gibt diesem Zustand einen Namen und macht deutlich, dass Abwarten selbst eine Entscheidung mit Folgen ist.

In der Prüfungsphase verschiebt sich der Schwerpunkt auf die Frage, warum bisherige Lösungsversuche nicht ausreichen und welche Kriterien eine tragfähige Alternative erfüllen muss. Die Marke tritt hier als methodischer Begleiter auf, nicht als Problemlöser.

Zuletzt kommen Risiko, Umsetzbarkeit und interne Zustimmung hinzu. Technische Verantwortliche brauchen eine plausible Funktionslogik, der Einkauf wirtschaftliche Nachvollziehbarkeit, die Geschäftsführung ein strategisches Zielbild. Es bleibt dieselbe Geschichte mit demselben Konflikt, derselben Veränderung und derselben Rolle der Marke. Nur die Belege wechseln.

Für den Maschinenbauer aus dem ersten Abschnitt heißt das: Gewachsene Prozesse stoßen an ihre Transparenzgrenze, isolierte Optimierungen verschieben das Problem nur, eine integrierte Datengrundlage macht Leistung planbar. Ob dieser Bogen auf einer Seite, in einer Präsentation oder in einem Kundengespräch erscheint, ändert nur seine Länge, nicht seinen Kern.

Der Belastungstest

Eine tragfähige Markengeschichte besteht sieben Fragen:

  • Erkennt die Zielgruppe ihre reale Ausgangssituation wieder?
  • Ist der Konflikt relevant und ohne künstliche Dramatisierung formuliert?
  • Bleibt der Kunde die handelnde Figur?
  • Ist die Rolle der Marke klar, aber nicht überhöht?
  • Beschreibt das Zielbild eine konkrete Veränderung?
  • Stützen belastbare Belege den erzählten Weg?
  • Trägt der Kern auch dann, wenn Produktnamen und Fachbegriffe entfernt werden?

Fehlen mehrere Antworten, liegt das Problem selten in der Dramaturgie. Dann sind Markenkern, Zielgruppe oder Nutzenversprechen noch nicht geklärt.

Storytelling Marketing für Unternehmen in Hannover

Für mittelständische B2B-Unternehmen in Hannover erarbeiten wir Markengeschichten, die technische Kompetenz, wirtschaftlichen Nutzen und einen glaubwürdigen Veränderungsweg zusammenführen. Ausgangspunkt ist der Markenkern und die Frage, welche Struktur zu Ihrem Entscheidungsprozess passt.

Den strategischen Rahmen und unsere weiteren Leistungen finden Sie unter Content Marketing Hannover.