ONMA Ratgeber

Advetisements: das Werbemittel-Portfolio statt der einzelnen Anzeige

Was zu einem vollständigen Anzeigen-Set gehört, wie viele Varianten Google Ads zulässt, wie ein Motiv in mehrere Formate wandert und wie Sie das Set ordnen.

Smartphone auf dunklem Untergrund, auf dem Display eine Google-Trefferliste zur Suche „Online Marketing Experte“

Advetisements im Plural sind eine andere Aufgabe als ein einzelnes Werbemittel. Sobald eine Kampagne mehr als eine Anzeigengruppe, mehr als einen Kanal und mehr als eine Platzierung bedient, entsteht ein ganzer Bestand: mehrere Textvarianten, dasselbe Motiv in verschiedenen Seitenverhältnissen, Logos in zwei Farbfassungen, dazu Landingpage-Varianten und Nachweise darüber, welche Fassung wann freigegeben wurde. Dieser Bestand will geplant, benannt, abgelegt und gemessen werden. Wer ihn wachsen lässt, ohne ihn zu ordnen, tauscht nach ein paar Monaten Motive nach Gefühl aus und weiß nicht mehr, welche Fassung gerade wo ausgeliefert wird.

Diese Seite beantwortet fünf Fragen: Woraus besteht ein vollständiges Anzeigen-Set? Wie viele Varianten sind pro Anzeigengruppe sinnvoll und technisch überhaupt zulässig? Wie übersetzt man ein Motiv in mehrere Formate? Wie benennt und verwaltet man den wachsenden Bestand? Und wie testet man Varianten sauber gegeneinander, anstatt sie intuitiv auszutauschen?

Woraus ein vollständiges Anzeigen-Set besteht

Ein Set ist die Menge aller Bausteine, die eine Plattform kombinieren kann, plus alles, was zur Freigabe gehört. Praktisch fallen darunter vier Gruppen:

Textbausteine. Anzeigentitel, Beschreibungen, angezeigte Pfade und Erweiterungen. Sie sind das billigste Material im Set und werden am häufigsten unterschätzt.

Bildbausteine. Ein Leitmotiv, dazu Zuschnitte für die geforderten Seitenverhältnisse, Logo quadratisch und als Querformat, gegebenenfalls Freisteller ohne eingebrannten Text.

Bewegtbild. Wo Video ausgeliefert wird, benötigen Sie mindestens eine Fassung im Querformat und eine im Hochformat, die jeweils mit und ohne Ton verständlich sind.

Belege. Freigabestand, Rechtenachweis für Bildmaterial, Ablaufdatum von Aktionsaussagen und die Kennzeichnung als Werbung.

Der letzte Punkt ist kein bloßes Verwaltungsdetail. Seit dem 14. Mai 2024 ersetzt das Digitale-Dienste-Gesetz (DDG) das Telemediengesetz. Die Pflicht, kommerzielle Kommunikation klar als solche erkennbar zu machen, steht jetzt in § 6 DDG. Wenn ein Motiv redaktionell aussieht, gehört die Kennzeichnung ins Asset selbst und nicht nur in die Buchungsoberfläche.

Wie viele Varianten pro Anzeigengruppe sinnvoll sind

Hier hilft ein Blick auf die harten Grenzen, weil sie die Planung vorentscheiden.

Eine responsive Suchanzeige in Google Ads nimmt bis zu 15 Anzeigentitel mit je maximal 30 Zeichen und bis zu 4 Textzeilen mit je maximal 90 Zeichen auf. Die Kombination wird pro Auktion automatisch zusammengestellt. Gleichzeitig sind pro Anzeigengruppe maximal 3 aktivierte responsive Suchanzeigen möglich. Die Zahl der Varianten ist also nach oben hart begrenzt, und zwar auf zwei Ebenen: innerhalb der Anzeige durch die Bausteingrenze, oberhalb durch das Anzeigenlimit.

Eine responsive Displayanzeige akzeptiert bis zu 15 Bilder, 5 Logos, 5 kurze Anzeigentitel und 5 Beschreibungen. Aus diesen Vorgaben zusammensetzt Google die Formate für die jeweilige Platzierung selbst.

Daraus folgt eine schlichte Planungsregel: Das Set wird nicht so groß gebaut, wie Ideen da sind, sondern so groß, wie das System Bausteine annimmt, und danach nicht weiter. Für eine Anzeigengruppe im Suchnetzwerk bedeutet das in der Praxis:

EbeneRealistischer UmfangZweck
Aktivierte Anzeigen2 von 3 möglicheneine laufende Fassung, eine Testfassung
Anzeigentitel je Anzeigevon 8 bis 15Kombinationsspielraum ohne Beliebigkeit
Beschreibungen je Anzeigevon 3 bis 4Nutzenargument, Beleg, Handlungsaufforderung
Bildbausteine im Display-Setvon 5 bis 15ein Leitmotiv in mehreren Zuschnitten

Die dritte Anzeigenposition bleibt bewusst frei. Sie ist die Reserve für den Fall, dass ein Test schnell nachgezogen werden muss, ohne dass dafür eine laufende Fassung abgeschaltet wird.

Ein Motiv, mehrere Formate: die Übersetzung

Ein Motiv wird nicht dadurch zum Set, dass man es skaliert. Ein Bild, das im Medium Rectangle funktioniert, verliert im Leaderboard seinen Bildaufbau, weil die Höhe fehlt. Im Wide Skyscraper verliert es seine Textzeile, weil die Breite fehlt. Zu den langlebigsten Displayformaten zählen genau diese drei: Medium Rectangle mit 300 mal 250 Pixel, Leaderboard mit 728 mal 90 Pixel und Wide Skyscraper mit 160 mal 600 Pixel. Sie werden bis heute als Standardgrößen im Displaynetzwerk geführt und decken zusammen die meisten Platzierungen ab.

Die Übersetzung gelingt, wenn das Motiv von Anfang an in Ebenen gedacht wird: Bildinhalt, Textaussage, Logo und Handlungsaufforderung liegen getrennt vor und werden je Format neu angeordnet, statt gemeinsam gestaucht zu werden. Ein Freisteller ohne eingebrannten Text ist dafür die wichtigste Einzeldatei im ganzen Bestand.

Die Formatlandschaft selbst hat sich in diese Richtung bewegt. Das New Standard Ad Unit Portfolio des IAB Tech Lab von 2017 löst feste Pixelmaße durch seitenverhältnisbasierte, flexible Ad Units ab und bindet sie an die LEAN-Prinzipien: Light, Encrypted, AdChoices supported, Non-invasive. Wer sein Motiv in Seitenverhältnissen statt in Pixelmaßen denkt, arbeitet damit bereits in der Logik, in die sich auch die Plattformen bewegt haben.

Benennen, ablegen, freigeben

Ein Bestand, den niemand mehr durchsucht, ist ein Bestand, der neu produziert wird. Drei Konventionen verhindern das.

Der Dateiname trägt die Unterscheidungsmerkmale, nicht die Vermutung. Bewährt hat sich eine feste Reihenfolge aus Kunde oder Marke, Kampagne, Motiv, Format oder Seitenverhältnis, Sprache und Versionsnummer, getrennt durch Bindestriche, klein geschrieben, ohne Umlaute und Leerzeichen. Angaben wie final, final2 oder neu sind keine Versionsnummern.

Die Ablage folgt der Kampagne, nicht der Person. Eine Ordnerebene je Kampagne, darunter Rohmaterial, freigegebene Auslieferungsdateien und Archiv. Ausgeliefert wird ausschließlich aus dem Freigabeordner.

Freigabe ist ein Zustand, kein Zuruf. Zu jedem freigegebenen Werbemittel gehört, wer es wann freigegeben hat, bis wann seine Aussagen gelten und ob Bildrechte für den gebuchten Kanal reichen.

Zur Freigabe gehört auch die Messtechnik im Werbemittel. Das Speichern von oder der Zugriff auf Informationen in der Endeinrichtung eines Nutzers, also auch Tracking-Pixel und Retargeting-Cookies von Werbemitteln, bedarf nach § 25 TDDDG grundsätzlich einer Einwilligung. Ein Motiv, dessen Zählpixel ohne Einwilligung feuert, ist technisch fertig und trotzdem nicht freigabefähig.

Varianten testen statt intuitiv austauschen

Der häufigste Fehler im Umgang mit einem wachsenden Bestand ist der intuitive Tausch: Ein Motiv gefällt nicht mehr, es wird ersetzt, und danach ist nicht mehr rekonstruierbar, ob die Veränderung in den Zahlen am neuen Motiv lag oder an der Jahreszeit. Sauberes Testen braucht vier Festlegungen, bevor der Test startet.

Eine Variable je Test. Entweder das Bild oder die Aussage, nicht beides. Wenn zwei Dinge gleichzeitig wechseln, ist das Ergebnis nicht zuordenbar.

Eine Kennzahl, die zur Kampagne passt. Der Tausend-Kontakt-Preis (TKP, englisch CPM) bezeichnet den Preis für 1.000 Ad Impressions und ist damit eine Kontaktgröße, keine Klickgröße. Wer Aufmerksamkeit einkauft, misst gegen Kontaktkosten und Sichtbarkeit. Wer Anfragen will, misst gegen Anfragen. Ein Motiv, das nach TKP gewinnt und nach Anfragen verliert, hat nicht wirklich gewonnen.

Eine Mindestlaufzeit und eine Mindestmenge. Ein Test endet nach einem vorher gesetzten Volumen oder Zeitraum, nicht an dem Tag, an dem jemand hineinschaut. Vollständige Wochen laufen zu lassen ist sinnvoller als Werktage zu vergleichen.

Ein festgehaltenes Ergebnis. Gewinner, Verlierer, Zeitraum, Kennzahl und Entscheidung gehören neben die Dateien. Sonst wird dieselbe Variante in einem halben Jahr erneut produziert und erneut getestet.

Bei automatisch kombinierenden Formaten verschiebt sich der Testgegenstand: Getestet wird nicht mehr die fertige Anzeige, sondern das Baustein-Set. Man vergleicht also zwei Sets gegeneinander, etwa eines mit nutzenorientierten und eines mit preisorientierten Anzeigentiteln, und liest ab, welches Set über alle Kombinationen hinweg besser trägt.

Der Arbeitsablauf in Kurzform

  1. Kanäle und Platzierungen festlegen, daraus die geforderten Seitenverhältnisse und Bausteinzahlen ableiten.
  2. Ein Leitmotiv in Ebenen anlegen, Text und Logo getrennt halten.
  3. Zuschnitte je Seitenverhältnis anlegen, statt zu skalieren.
  4. Textbausteine bis an die Bausteingrenze der Plattform füllen, ohne Wiederholungen.
  5. Kennzeichnung nach § 6 DDG und Einwilligungspflicht nach § 25 TDDDG vor der Freigabe prüfen.
  6. Benennen, in den Freigabeordner legen, Freigabestand festhalten.
  7. Zwei Fassungen aktivieren, eine Position frei lassen, Test definieren, Ergebnis dokumentieren.

Ein Bestand an Advetisements ist damit kein Sammelordner, sondern eine Produktionsstrecke mit festen Regeln: begrenzte Variantenzahl, eine Übersetzungslogik statt Skalierung, eindeutige Namen, dokumentierte Freigabe und Tests, die eine Frage nach der anderen beantworten.