ONMA Ratgeber

Adword Keywords Tools: die Werkzeugkette im laufenden Google Ads Konto

Fünf Arbeitsschritte im Google Ads Konto und das passende Werkzeug je Schritt: Ideen, Volumen, Keyword-Optionen, Suchbegriffsbericht, Massenpflege im Editor.

Wer nach „Adword Keywords Tools" sucht, sucht selten nach dem einen Werkzeug, das alles beantwortet. Ein solches Werkzeug gibt es bei Google nicht, und der Plural im Suchbegriff trifft die Praxis genauer als jede Einzelvorstellung: Im laufenden Konto arbeiten mehrere Google-eigene Werkzeuge nacheinander, jedes beantwortet genau eine Frage, und die Qualität eines Keyword-Sets entsteht an den Übergabestellen zwischen ihnen. Ein Werkzeug liefert Ideen, ein zweites ordnet Nachfrage und Saisonalität ein, das Konto selbst steuert die Auslieferung, ein Bericht zeigt reale Anfragen, und der Google Ads Editor setzt große Änderungen um.

Vorab die begriffliche Einordnung, weil viele Anleitungen noch die alte Bezeichnung tragen: AdWords heißt seit Juli 2018 Google Ads. Google kündigte die Umbenennung am 27. Juni 2018 an und setzte sie ab dem 24. Juli 2018 um. Die Werkzeuge selbst sind dieselben geblieben, geändert haben sich nur die Bezeichnungen. Wer heute von Adword Keywords Tools spricht, meint also Funktionen des aktuellen Google Ads Systems.

Die nützliche Frage lautet deshalb nicht, welches Tool das beste ist. Sinnvoller ist: An welcher Stelle des Ablaufs stehe ich gerade, welches Werkzeug beantwortet diese Frage belastbar, und was gebe ich anschließend an den nächsten Schritt weiter?

Die Tool-Kette im Überblick

ArbeitsschrittZentrale FrageZuständiges WerkzeugWas es nicht zuverlässig beantwortet
1. Ideen sammelnWelche Suchthemen kommen überhaupt infrage?Keyword-Planer, ergänzend Search ConsoleWelche Anfragen später tatsächlich Anzeigen auslösen
2. Volumen einordnenWie groß, saisonal oder veränderlich ist das Interesse?Keyword-Planer und Google TrendsOb ein Keyword wirtschaftlich sein wird
3. Keyword-Optionen setzenWie eng soll Google ein Keyword auf Anfragen beziehen?Keyword-Verwaltung im Google Ads KontoWelche realen Suchbegriffe daraus entstehen
4. Suchbegriffe auswertenÜber welche Anfragen liefen die Anzeigen tatsächlich?SuchbegriffsberichtAlle Anfragen lückenlos, und das Warum dahinter
5. Keyword-Sets pflegenWie ändere ich viele Keywords kontrolliert?Google Ads EditorOb eine Änderung inhaltlich sinnvoll ist

Diese Reihenfolge trennt vier Dinge, die im Alltag ständig vermischt werden: Schätzung, Steuerung, Beobachtung und Umsetzung. Wer sie trennt, verwechselt keine Prognose mit einer Messung und verlangt keinem Werkzeug eine Antwort ab, die es nicht liefern kann.

Schritt 1: Ideen sammeln, ohne sie schon zu bewerten

Am Anfang steht eine bewusst breite Ausgangsmenge. Der Keyword-Planer liefert dafür verwandte Begriffe, Formulierungen und angrenzende Themenfelder zu Produkten oder Leistungen. Wichtig für das Verständnis der Kette: Er ist kein eigenständiges Produkt, sondern ein Werkzeug innerhalb des Google Ads Kontos und wird dort über Tools und Einstellungen im Bereich Planung geöffnet. Seine Vorschläge sind Rohmaterial, keine Kampagnenstruktur.

In dieser Phase werden Vorschläge deshalb gesammelt und nicht ungeprüft übernommen. Die Liste enthält typischerweise mehrere Suchabsichten nebeneinander: reine Information, Vergleich, konkrete Kaufabsicht, Supportanfragen. Welche davon zum eigenen Angebot und zum Kampagnenziel passt, entscheidet kein Werkzeug, sondern der Werbetreibende.

Eine zweite Quelle steht daneben und wird oft übersehen: Die Google Search Console weist im Leistungsbericht reale organische Suchanfragen samt Impressionen, Klicks und Position aus. Das sind keine Schätzwerte aus einem Prognosemodell, sondern Daten aus dem eigenen Konto. Sie machen Formulierungen sichtbar, die intern anders benannt werden oder im bisherigen Kampagnenaufbau fehlen.

Ihre Grenze gehört zur selben Betrachtung: Organische Daten hängen davon ab, ob und auf welcher Position die eigene Website überhaupt erscheint. Ein Begriff, der dort fehlt, ist deshalb nicht automatisch ein Begriff ohne Nachfrage, und die bezahlte Nachfrage beschreibt der Bericht ohnehin nicht.

Übergabe an Schritt 2: eine thematisch gruppierte Arbeitsliste, ausdrücklich noch ohne Priorisierung und ohne Kampagnenstruktur.

Schritt 2: Volumen, Saison und Entwicklung einordnen

Jetzt geht es um Größenordnungen, und dafür sind zwei Werkzeuge zuständig, die verschiedene Fragen beantworten.

Der Keyword-Planer nennt durchschnittliche monatliche Suchanfragen und weitere Planungswerte. Diese Werte sind Schätzungen, und ihre Auflösung hängt vom Konto ab: In Konten ohne laufende Ausgaben oder mit sehr geringen Ausgaben zeigt der Planer das Volumen nur als Bandbreite an, zum Beispiel von 1.000 bis 10.000. Konten mit aktiven Kampagnen sehen genauere Werte. Wer eine Bandbreite als exakte Zahl weiterreicht, baut die erste Fehlerquelle bereits hier ein.

Auch ein genauerer Wert bleibt eine Mengenangabe, keine Leistungsprognose. Was davon im Konto ankommt, hängt an Standort, Sprache, Keyword-Option, Wettbewerb, Gebot, Budget, Anzeigenrang und Suchkontext. Volumen taugt zum Priorisieren, nicht zum Versprechen.

Google Trends beantwortet die zeitliche Frage. Das Werkzeug liefert keine absoluten Suchvolumen, sondern relative Interessenwerte auf einer Skala von 0 bis 100, bezogen auf den gewählten Zeitraum und das gewählte Gebiet. Damit klärt es Saisonalität und Entwicklung: ob ein Thema wächst, einbricht oder jedes Jahr im selben Monat anzieht. Nach Mengen darf man es nicht fragen.

Die Arbeitsteilung in einem Satz: Der Planer schätzt die Größe, Trends beschreibt den Verlauf, und über Rentabilität sagt keines von beiden etwas.

Übergabe an Schritt 3: eine priorisierte Liste, in der saisonale Begriffe zeitlich eingeordnet, Kleinstthemen gebündelt und auffällige Unterschiede zwischen ähnlichen Formulierungen geprüft sind.

Schritt 3: Keyword-Optionen als Steuerung setzen

Erst jetzt werden Begriffe zu Keywords im Konto, und jedes bekommt eine Keyword-Option. Google Ads kennt drei:

  • weitgehend passend
  • passende Wortgruppe
  • genau passend

Die früher zusätzlich verfügbare Option „modifiziert weitgehend passend" wurde 2021 eingestellt und in die passende Wortgruppe überführt. Ältere Anleitungen sind an dieser Stelle unbrauchbar.

Der Punkt für die Werkzeugkette: Keyword-Optionen sind kein Rechercheinstrument. Sie recherchieren nichts und messen nichts, sie legen fest, wie weit Google ein hinterlegtes Keyword auf mögliche Suchanfragen bezieht. Dabei ist keine der Optionen eine reine Zeichengenauigkeit, Google berücksichtigt je nach Option auch Bedeutung, Suchabsicht und Varianten.

Daraus folgt die zentrale Unterscheidung dieses Schritts: Das gebuchte Keyword ist die Steuerungsvorgabe im Konto, der Suchbegriff ist die tatsächliche Eingabe eines Nutzers. Beide können identisch sein, müssen es aber nicht. Wie eng man die Option wählt, hängt von der gewünschten Reichweite, der vorhandenen Datenbasis, den Gebotsstrategien und der Kontrollierbarkeit des Themas ab, und vor dem Start lässt sich das nicht abschließend beantworten.

Übergabe an Schritt 4: eine kontrollierte Ausgangskonfiguration, kein fertiges Keyword-Set, mit der ausdrücklichen Erwartung, dass sie korrigiert wird.

Schritt 4: Tatsächliche Suchanfragen auswerten

Mit der Auslieferung wechselt die Kette von Planung zu Beobachtung. Der Suchbegriffsbericht zeigt, über welche tatsächlichen Suchanfragen Anzeigen ausgeliefert wurden. Er beantwortet als einziges Werkzeug der Kette die Frage, die vor dem Start niemand beantworten konnte: Welche Formulierungen verbinden reale Nutzer mit den gebuchten Keywords?

Drei Fälle sind auszuwerten:

  1. Eine Anfrage passt zum Angebot und liefert brauchbare Werte. Sie kann als eigenes Keyword aufgenommen oder in der bestehenden Struktur gezielter berücksichtigt werden.
  2. Eine Anfrage ist thematisch verwandt, verfolgt aber eine ungeeignete Absicht. Sie ist ein Kandidat für ein ausschließendes Keyword.
  3. Eine Anfrage ist relevant, entwickelt aber andere Leistungswerte als erwartet. Dann liegt die Ursache meist nicht beim Keyword, sondern bei Gebot, Anzeige, Zielseite oder Gruppierung.

Die Grenze des Berichts gehört zwingend dazu: Seit einer Umstellung im September 2020 weist Google dort nur noch Suchbegriffe mit nennenswertem Datenvolumen aus. Ein Teil der Suchanfragen bleibt also unsichtbar. Der Bericht ist eine belastbare Beobachtung der Auslieferung, kein vollständiges Protokoll, und die sichtbaren Suchbegriffe dürfen nicht mit der Gesamtheit gleichgesetzt werden.

Auch das Warum liefert er nicht mit. Er zeigt Anfragen und zugeordnete Leistungsdaten, erklärt aber nicht, warum eine Anfrage gut oder schlecht funktioniert. Dafür müssen Suchabsicht, Anzeige, Zielseite, Conversion-Messung und Wirtschaftlichkeit gemeinsam betrachtet werden.

Übergabe zurück an Schritt 1: neue Formulierungen als Ideen, auffällige Themen zur erneuten Prüfung in Planer und Trends, ungeeignete Muster als Ausschlussliste.

Schritt 5: Keyword-Sets massenhaft pflegen

Sobald Änderungen viele Kampagnen oder Anzeigengruppen betreffen, ist die Oberfläche im Browser das falsche Werkzeug. Der Google Ads Editor ist eine kostenlose Desktop-Anwendung: Konto herunterladen, Änderungen offline und in großer Menge vorbereiten, anschließend gesammelt hochladen. Er dient der Massenpflege von Keyword-Listen, nicht der Recherche.

Typische Aufgaben sind:

  • große Keyword-Listen mehreren Anzeigengruppen zuordnen
  • Keyword-Optionen im Bestand umstellen
  • ausschließende Keywords ergänzen
  • Benennungen und Ziel-URLs kontrolliert ersetzen
  • Elemente kopieren, verschieben oder gesammelt prüfen

Genau hier liegt das Risiko der ganzen Kette: Der Editor bewertet nichts. Er recherchiert keine Nachfrage, beurteilt keine Suchabsicht und entscheidet nicht, welche Änderung strategisch sinnvoll ist. Ein Denkfehler aus Schritt 2 oder 3 wird mit ihm nicht sichtbar, sondern schneller vervielfältigt. Vor dem Upload gehören deshalb Dubletten, falsche Keyword-Optionen, unerwünschte Überschneidungen und fehlerhafte Zuordnungen geprüft, und größere Umbauten laufen besser in mehreren nachvollziehbaren Schritten als in einem einzigen.

Wo der Performance Planner steht

Der Performance Planner liegt neben dieser Kette, nicht in ihr. Er erstellt Prognosen für Budget- und Gebotsszenarien bestehender Kampagnen und setzt dafür laufende Kampagnen mit Verlaufsdaten voraus. Seine Frage lautet nicht, welche Suchbegriffe fehlen, sondern wie sich veränderte Budgets oder Zielvorgaben voraussichtlich auf die Kampagnenleistung auswirken. Damit hilft er nach der Keyword-Arbeit bei der Budgetplanung. Für Ideenfindung, Optionssteuerung, Suchbegriffsprüfung oder Massenpflege ist er nicht vorgesehen.

Aus der Kette wird ein Regelkreis

Die fünf Schritte laufen im aktiven Konto nicht einmal ab, sondern fortlaufend:

  1. Keyword-Planer und eigene Suchdaten erweitern die Ausgangsliste.
  2. Keyword-Planer und Google Trends ordnen Nachfrage und zeitliche Entwicklung ein.
  3. Keyword-Optionen definieren die anfängliche Reichweite.
  4. Der Suchbegriffsbericht liefert reale Signale aus der Auslieferung.
  5. Der Google Ads Editor setzt geprüfte Änderungen in größerem Umfang um.

Danach beginnt die Prüfung erneut, mit besseren Eingangsdaten. Neue Suchbegriffe werden zu eigenen Keywords, ungeeignete Anfragen führen zu Ausschlüssen, saisonale Veränderungen verschieben Prioritäten. Jede Runde ersetzt Schätzwerte schrittweise durch Beobachtungen aus dem eigenen Konto. So entstehen Keyword-Sets nicht durch ein einzelnes Adword Keyword Tool, sondern durch die geregelte Übergabe von Ergebnissen zwischen mehreren Werkzeugen.

Was diese Kette trägt, ist eine einzige Disziplin: jeder Zahl ihren Status lassen. Eine Idee ist noch kein Keyword. Ein Suchvolumen ist keine zugesagte Reichweite. Ein Keyword ist keine reale Suchanfrage. Und ein sichtbarer Suchbegriff ist nicht das vollständige Abbild aller Auslieferungen. Wer diese vier Grenzen einhält, hat aus den Google-eigenen Werkzeugen einen Arbeitsablauf gemacht, statt eine Werkzeugsammlung zu verwalten.