ONMA Ratgeber

AdWords Agency: Rollen, Kontoeigentum und Zusammenarbeit verständlich erklärt

Was der Begriff AdWords Agency bedeutet, wie Rollen und Kontoeigentum verteilt werden, wie Zugriff über ein Manager-Konto läuft und was ins Reporting gehört.

Aufgeklappter Laptop auf dunklem Untergrund, auf dem Bildschirm eine Google-Trefferliste zur Suche „Online Marketing Experte“

„AdWords Agency" ist die englische Bezeichnung für eine Agentur, die Unternehmen bei der Arbeit mit Googles Werbeplattform unterstützt. Der Ausdruck hält sich hartnäckig, obwohl Google sein Werbesystem am 24. Juli 2018 von Google AdWords in Google Ads umbenannt hat und der alte Produktname seitdem nur noch als historische Bezeichnung existiert. Die Hintergründe erläutert Google in der Ankündigung zu seinen Werbemarken.

Wer heute nach einer AdWords Agency sucht, meint in aller Regel eine Google Ads Agentur. Über Leistungsumfang, Arbeitsweise oder Qualifikation sagt der Begriff nichts aus. Was eine Zusammenarbeit trägt oder scheitern lässt, sind vier organisatorische Fragen: Wer entscheidet? Wem gehören Konten und Daten? Wer darf worauf zugreifen? Und woran wird das Ergebnis gemessen? Dieser Leitfaden ordnet diese vier Punkte, ohne Anbieter zu bewerten.

Was der Begriff beschreibt und was offenbleibt

„Agency" heißt zunächst nur „Agentur". In Verbindung mit „AdWords" bezeichnet der Begriff eine externe Organisation, die in irgendeiner Form an Google Ads Konten arbeitet. Welche Aufgaben das konkret sind, ergibt sich erst aus der Vereinbarung.

Die Spannbreite ist groß. Eine Agentur kann Kampagnen vollständig operativ betreiben, ausschließlich Daten auswerten, ein internes Team fachlich begleiten oder nur einzelne Bausteine wie Messkonzepte oder Anzeigentexte übernehmen. Der Name klärt keine dieser Varianten.

Offen bleibt insbesondere, wer:

  • die geschäftlichen Ziele und Zielwerte festlegt,
  • Budgets und Kampagnen freigibt,
  • Eigentümer des Google Ads Kontos ist,
  • Zahlungs- und Abrechnungsdaten verwaltet,
  • Änderungen technisch umsetzt,
  • Conversion-Daten bereitstellt und prüft,
  • Ergebnisse kontrolliert und interpretiert,
  • im Störungsfall entscheidet und eskaliert.

Diese Punkte gehören in ein gemeinsames Betriebsmodell. Es beschreibt keine Leistungsliste, sondern Entscheidungswege, Rechte und Verantwortlichkeiten. Formulierungen wie „die Agentur kümmert sich um Google Ads" sind dafür zu ungenau, weil sie im Konfliktfall keine Frage beantworten.

Rollen zwischen Unternehmen und Agentur

Eine belastbare Zusammenarbeit trennt vier Ebenen: strategische Verantwortung, operative Umsetzung, technische Zuarbeit und Freigabe. Diese Ebenen fallen selten in einer Organisation zusammen.

Das Unternehmen bleibt üblicherweise für die geschäftliche Zielsetzung zuständig. Es kennt Margen, Deckungsbeiträge, Kapazitäten, Lieferfähigkeit, Produktprioritäten und rechtliche Rahmenbedingungen. Eine Agentur kann diese Informationen in eine Kontostruktur und in steuerbare Kennzahlen übersetzen. Ersetzen kann sie sie nicht, und ein Konto, das ohne diese Angaben gesteuert wird, optimiert zwangsläufig auf Hilfsgrößen.

Eine mögliche Aufteilung:

BereichTypische Verantwortung des UnternehmensTypische Verantwortung der Agentur
GeschäftszieleZielwerte, Prioritäten und Grenzen festlegenZiele in steuerbare Kampagnenmetriken übersetzen
BudgetGesamtrahmen bestimmen, Erhöhungen freigebenBudget innerhalb des Rahmens verteilen und begründen
KampagnenbetriebÄnderungen mit hoher Tragweite freigebenKampagnen einrichten, überwachen, anpassen
WerbeinhalteMarkenregeln, Claims und rechtliche Vorgaben liefernAnzeigenvarianten auf dieser Grundlage erstellen
ZielseitenInhalte, Technik und Freigaben verantwortenAuffälligkeiten und Optimierungsbedarf melden
MessungSystemzugänge und Datenquellen bereitstellenAnforderungen definieren, Messwerte prüfen
ReportingGeschäftliche Einordnung liefernEntwicklung, Maßnahmen und Abweichungen dokumentieren

Entscheidend ist nicht diese konkrete Verteilung, sondern dass jede Zeile eine benannte verantwortliche Stelle hat. Hilfreich ist zusätzlich die Trennung zwischen vorbereitender und freigebender Rolle: Die Agentur bereitet eine Budgetverschiebung vor, das Unternehmen genehmigt sie. So bleibt später nachvollziehbar, wer eine Entscheidung vorgeschlagen und wer sie getragen hat.

Wem sollte das Google Ads Konto gehören?

Das Werbekonto ist kein Arbeitsmittel der Agentur, sondern ein Vermögenswert des werbenden Unternehmens. In ihm stecken Kampagnenstrukturen, Leistungshistorie, Zielgruppen- und Ausschlusslisten, Conversion-Definitionen, Abrechnungsdaten und die dokumentierte Änderungshistorie. Diese Historie ist der Lernstand des Kontos und lässt sich nicht kurzfristig neu erzeugen.

Problematisch ist deshalb die Konstruktion, bei der ein Unternehmen ausschließlich innerhalb eines agentureigenen Kontos wirbt und selbst keinen administrativen Zugang besitzt. Endet die Zusammenarbeit, bleiben Daten, Einstellungen und Historie unter Umständen dort zurück, und der Neustart beginnt bei null.

Organisatorisch sauber ist in der Regel:

  • ein eindeutig dem Unternehmen zugeordnetes Google Ads Konto,
  • mindestens ein interner Zugang mit Administratorrechten, der nicht bei einer einzelnen Person hängt,
  • persönliche Nutzerzugänge statt geteilter Anmeldedaten,
  • dokumentierte Zuständigkeit für Zahlungsmittel und Rechnungsstellung,
  • ein geregeltes Verfahren, wie externe Zugriffe erteilt und wieder entzogen werden.

Kontoeigentum und operative Verwaltung sind zwei verschiedene Dinge. Das Unternehmen kann Eigentümer bleiben und administrativ verantwortlich sein, während die Agentur das Konto im Tagesgeschäft vollständig bearbeitet. Diese Trennung kostet nichts und ist der wirksamste Einzelpunkt dieses Leitfadens.

Zugriff über ein Google Ads Manager-Konto

Für die operative Anbindung nutzen Agenturen üblicherweise ein Google Ads Manager-Konto, früher als MCC oder Verwaltungskonto bezeichnet. Laut der Google-Dokumentation zu Manager-Konten dient es dazu, mehrere Google Ads Konten zentral aufzurufen und zu verwalten, ohne deren Zugangsdaten gemeinsam zu nutzen.

Praktisch bedeutet das: Das Kundenkonto wird mit dem Manager-Konto verknüpft, die Agentur meldet sich über ihre eigene Struktur an und erhält die vereinbarte Berechtigungsstufe. Ein internes Passwort wird nicht weitergegeben und muss nach Projektende auch nicht gewechselt werden.

Der organisatorische Nutzen liegt in fünf Punkten:

  • Zugriffe lassen sich zentral erteilen und wieder entfernen.
  • Persönliche Anmeldedaten bleiben getrennt.
  • Das Unternehmen verwaltet parallel seine eigenen Nutzer.
  • Änderungen sind einzelnen Zugängen zuzuordnen.
  • Die Zusammenarbeit kann enden, ohne dass das Werbekonto berührt wird.

Vor der Verknüpfung sollte feststehen, welche Rechtestufe wirklich nötig ist. Nicht jede beteiligte Person braucht Administratorrechte: Für Controlling und interne Auswertung genügt lesender Zugriff, operative Fachkräfte benötigen Bearbeitungsrechte, und administrative Rechte gehören zu Personen, die tatsächlich Zugänge und Abrechnung verantworten.

Zugriffslisten veralten schnell. Eine wiederkehrende Prüfung sollte ausgeschiedene Beschäftigte, frühere Dienstleister, ungenutzte technische Nutzer und automatische Verknüpfungen zu Analyse-, Produktdaten- oder Tracking-Systemen erfassen. Verknüpfungen sind dabei genauso relevant wie Nutzerkonten, weil auch sie Daten fließen lassen.

Welche Systeme neben Google Ads betroffen sind

Die Zusammenarbeit endet selten am Werbekonto. Relevant sind meist auch ein Webanalyse-System, ein Tag-Management-System, die Google Search Console, ein Produktdatenkonto für Shopping-Anzeigen, ein CRM oder Shopsystem, ein Consent-Management-System, ein Dashboard oder Data Warehouse sowie Konten für App- und Anrufmessung.

Für jedes dieser Systeme gehören dieselben drei Fragen beantwortet: Wem gehört es, wer hat administrative Rechte, und welche Daten werden übertragen? Ein Zugriff auf Google Ads berechtigt nicht automatisch zu Änderungen an Website, Tag Manager oder CRM.

Besondere Aufmerksamkeit verdienen Konten, die eine Agentur im Projektverlauf neu einrichtet. Auch hier sollte von Anfang an dokumentiert sein, welchem Unternehmen das System zugeordnet ist und wie der Zugang nach Ende der Zusammenarbeit erhalten bleibt. Ein nachträglicher Eigentümerwechsel ist deutlich aufwendiger als eine korrekte Einrichtung.

Conversion-Tracking als geteilte Aufgabe

Ohne belastbare Conversion-Daten steuert Google Ads auf Klicks statt auf Geschäftsergebnisse. Beim Conversion-Tracking werden definierte Aktionen nach einer Anzeigeninteraktion erfasst, beispielsweise Käufe, Anrufe, App-Downloads oder Website-Aktionen.

Die Umsetzung liegt fast nie bei einer Partei allein. Die Agentur kann Anforderungen formulieren und die Messung innerhalb von Google Ads konfigurieren. Änderungen an Website, App, Shopsystem oder Einwilligungsbanner brauchen dagegen interne Entwicklung oder weitere Dienstleister. Genau an dieser Nahtstelle entstehen die meisten stillen Messfehler.

Vor der Umsetzung sollten mindestens diese Fragen geklärt sein:

  • Welche Nutzeraktionen gelten als Conversion?
  • Welche davon sind primär, welche nur ergänzende Signale?
  • Woher stammen Umsatz- oder Wertangaben, und wie aktuell sind sie?
  • Wie werden Doppelzählungen verhindert?
  • Wer prüft die Messung nach technischen Releases?
  • Welche Datenschutz- und Einwilligungsvorgaben gelten?
  • Wie wird mit Abweichungen zwischen Google Ads, Webanalyse und internen Systemen umgegangen?

Solche Abweichungen sind normal, weil Attributionslogik, Zeitstempel und Verarbeitungsregeln der Systeme sich unterscheiden. Ein gutes Reporting benennt den Unterschied und die maßgebliche Quelle, statt Zahlen verschiedener Herkunft stillschweigend gleichzusetzen.

Was ein nachvollziehbares Reporting enthält

Ein Bericht, der Klicks, Impressionen und Kosten auflistet, dokumentiert nur, dass Geld ausgegeben wurde. Nachvollziehbar wird er erst, wenn er Zahlen mit Maßnahmen und mit deren Belastbarkeit verbindet.

Ein strukturiertes Reporting umfasst typischerweise:

  1. den Berichtszeitraum und sinnvolle Vergleichszeiträume,
  2. die vereinbarten Geschäfts- und Kampagnenziele,
  3. zentrale Kennzahlen mit eindeutiger Definition,
  4. wesentliche Änderungen an Kampagnen und Messung,
  5. auffällige Abweichungen samt möglicher Ursachen,
  6. offene Aufgaben mit verantwortlicher Stelle,
  7. geplante Maßnahmen und die dafür nötigen Freigaben.

Nicht jede Veränderung geht auf eine einzelne Anpassung zurück. Bei der Google Ads Auktion beeinflussen laut Google Ads Hilfe zur Anzeigenauktion unter anderem Gebot, Anzeigen- und Landingpagequalität, Wettbewerb sowie der Kontext der Suchanfrage, ob und an welcher Position eine Anzeige erscheint. Hinzu kommen Nachfrage, Saison, Sortiment, Verfügbarkeit und technische Störungen.

Auch der Qualitätsfaktor taugt nicht als Geschäftsergebnis. Google beschreibt ihn als diagnostische Kennzahl auf einer Skala von 1 bis 10, basierend auf erwarteter Klickrate, Anzeigenrelevanz und Nutzererfahrung mit der Landingpage. Er liefert Hinweise auf Schwachstellen, ersetzt aber weder Conversion-Daten noch wirtschaftliche Zielgrößen.

Ähnlich einzuordnen sind Auszeichnungen: Der Google-Partner-Status und das Premier-Partner-Badge sind an von Google definierte Anforderungen gebunden, wie die Hilfeseite zum Partnerprogramm beschreibt. Ein Badge ersetzt daher keine Prüfung von Arbeitsweise, Kontotransparenz und Zielerreichung. Es ist ein Eingangssignal, kein Reporting.

Freigaben, Kommunikation und Dokumentation

Für wiederkehrende Entscheidungen braucht es ein festes Verfahren: Was darf die Agentur selbstständig tun, und wofür ist eine vorherige Freigabe nötig? Sinnvolle Grenzen betreffen Budgetsprünge, neue Märkte, neue Kampagnentypen, Markenaussagen, Zielseiten und technische Eingriffe.

Reaktionszeiten gehören auf beide Seiten der Vereinbarung. Fehlende Produktinformationen oder verzögerte Freigaben beeinflussen den Kampagnenbetrieb genauso wie eine späte Reaktion auf auffällige Leistungswerte. Ein regelmäßiger Abstimmungstermin bündelt operative Fragen, ersetzt aber keinen dokumentierten Entscheidungskanal. Mündliche Absprachen sind bei mehreren Beteiligten nach wenigen Wochen nicht mehr rekonstruierbar.

Änderungen mit größerer Tragweite sollten mindestens Datum, Anlass, verantwortliche Person und erwarteten Effekt festhalten. Das macht spätere Entwicklungen einordbar und zeigt zugleich, ob eine Maßnahme überhaupt wie geplant umgesetzt wurde.

Was bei einer Übergabe geregelt sein sollte

Wechselt die operative Zuständigkeit, betrifft das nicht nur das Google Ads Konto, sondern alle verbundenen Systeme und Arbeitsunterlagen. Eine geordnete Übergabe umfasst:

  • die Bestätigung funktionierender interner Administratorzugänge,
  • eine Übersicht aktiver Kampagnen, Regeln und Automatisierungen,
  • die Dokumentation wichtiger Einstellungen und Zieldefinitionen,
  • Angaben zu Conversion-Aktionen, Datenquellen und Wertlogik,
  • laufende Tests, bekannte Fehler und geplante Änderungen,
  • genutzte Dashboards und Berichtsvorlagen,
  • das Entfernen nicht mehr benötigter Agenturzugriffe.

Kampagnen sollten nie allein deshalb neu aufgebaut werden müssen, weil sich die betreuende Organisation ändert. Ein unternehmenseigenes Konto plus laufende Dokumentation senkt dieses Risiko auf ein Minimum, und beides entsteht am besten zu Projektbeginn, nicht am Projektende.

Fazit

AdWords Agency ist ein gebräuchlicher, aber historischer Ausdruck für eine Agentur, die mit Google Ads arbeitet. Als Orientierung taugt der Name wenig, weil er weder Aufgabenumfang noch Arbeitsweise festlegt.

Tragfähig wird eine Zusammenarbeit durch ein transparentes Organisationsmodell: Das Unternehmen behält Eigentum und Kontrolle über Konten und Daten, die Agentur erhält klar abgegrenzte Zugriffsrechte, Verantwortlichkeiten sind schriftlich zugeordnet, und Änderungen sind datiert dokumentiert. Ein aussagekräftiges Reporting verbindet Kennzahlen mit Maßnahmen, Datenqualität und geschäftlichem Kontext.

So bleibt über die reine Kampagnenarbeit hinaus nachvollziehbar, wer entscheidet, wer umsetzt, wem die Konten gehören und auf welcher Datengrundlage Ergebnisse bewertet werden.