ONMA Ratgeber

Adwords Key Tools: vom Ideenfundus zur geprüften Kampagnenstruktur

So führen Sie Ideen aus Adwords Key Tools über die richtige Dateninterpretation zu geprüften Keywords, Match Types und Ausschlusslisten.

“Adwords Key Tools” ist eine ältere Suchformulierung. Google hat AdWords im Jahr 2018 in Google Ads umbenannt, gemeint sind also die Werkzeuge, mit denen man Keywords für Google Ads plant und pflegt. Wer danach sucht, hat meist kein Werkzeugproblem, sondern ein Ablaufproblem: Es gibt Ideen, es gibt Zahlen, aber es fehlt der Weg von der Liste zur Kampagne, die tatsächlich nur auf die gewünschten Suchanfragen ausgeliefert wird.

Diese Seite beschreibt genau diesen Weg. Sie bewertet keine Anbieter und rankt keine Werkzeuge. Sie sortiert die Arbeit in vier Schritte, die aufeinander aufbauen: Ideenquellen auswählen, Daten korrekt interpretieren, Keywords prüfen, geprüfte Keywords in Struktur, Keyword-Optionen und Ausschlusslisten überführen.

Der Ablauf in vier Schritten

Jeder Schritt hat ein eigenes Ergebnis, und jedes dieser Ergebnisse ist die Eingabe des nächsten Schritts:

  1. Sammeln. Aus mehreren Quellen entsteht eine unsortierte Rohliste mit Suchbegriffen.
  2. Interpretieren. Aus der Rohliste wird eine Liste, bei der klar ist, welche Zahl was bedeutet.
  3. Prüfen. Aus dieser Liste wird eine Auswahl, die zum Angebot passt.
  4. Übergeben. Aus der Auswahl wird eine Kampagnenstruktur mit Keyword-Optionen und einer Ausschlussliste.

Der häufigste Fehler ist, Schritt 1 und Schritt 4 direkt zu verbinden: Ideen werden exportiert und ohne Zwischenschritte eingebucht. Die Folge sind Anzeigen, die bei Suchanfragen erscheinen, die niemand geplant hat.

Schritt 1: Ideenquellen bewusst auswählen

Keine Quelle liefert das vollständige Bild, deshalb wählt man sie nach Aufgabe aus, nicht nach Bekanntheit.

Der Google Keyword-Planer deckt zwei Kernaufgaben ab: neue Keyword-Ideen entdecken und Suchvolumen beziehungsweise Prognosen für vorhandene Keywords abrufen. Das sind zwei verschiedene Arbeitsmodi. Der erste erweitert eine Liste, der zweite bewertet eine bestehende. Für den Zugriff ist ein Google-Ads-Konto erforderlich, mehr muss man zu dieser Frage nicht wissen, um den Ablauf zu planen.

Der Suchanfragenbericht ist die wertvollste Quelle, sobald Kampagnen laufen, denn er zeigt die tatsächlichen Suchanfragen, über die Anzeigen ausgeliefert wurden. Diese Suchanfragen sind nicht mit den eingebuchten Keywords gleichzusetzen. Genau in dieser Differenz liegt das, was man beim Planen nicht erraten kann: echte Formulierungen, echte Tippfehler, echte Missverständnisse über das eigene Angebot.

Google Trends beantwortet eine andere Frage, nämlich die nach der Richtung. Das Werkzeug stellt Suchinteresse relativ und normalisiert auf einer Skala von 0 bis 100 dar. Die Werte sind kein absolutes Suchvolumen. Trends eignet sich also für Saisonalität und für den Vergleich zweier Begriffsvarianten, nicht für die Frage, wie viele Klicks ein Keyword bringt.

Die Google Ads API ist relevant, sobald der Ablauf wiederholt wird. Sie stellt mit dem KeywordPlanIdeaService eine programmgesteuerte Möglichkeit bereit, Keyword-Ideen und historische Kennzahlen abzurufen. Für einmalige Recherchen ist das Aufwand ohne Gegenwert, für monatliche Läufe über viele Kampagnen ist es der Unterschied zwischen Routine und Handarbeit.

Praktische Regel: mindestens eine Quelle für Entdeckung und mindestens eine Quelle für Verhalten. Wer nur entdeckt, plant an Vermutungen entlang. Wer nur Verhalten auswertet, findet nie ein neues Thema.

Schritt 2: Daten lesen, bevor man sie benutzt

Dieser Schritt kostet die wenigste Zeit und verhindert die meisten Fehlentscheidungen. Drei Unterscheidungen tragen dabei den größten Teil der Last.

Beobachtung gegen Prognose. Historische Kennzahlen beschreiben, was war. Prognosen beschreiben eine Schätzung unter Annahmen, etwa zu Budget und Gebot. Beides steht in derselben Oberfläche und sieht gleich aus. Wer eine Prognose als Messwert behandelt, plant Budget gegen eine Rechnung, nicht gegen die Realität.

Relativ gegen absolut. Eine Zahl auf einer normalisierten Skala lässt sich nicht in Klicks umrechnen und nicht zwischen zwei Abfragen vergleichen, die unterschiedlich zugeschnitten sind. Sie beantwortet “wächst das” und nicht “wie viel ist das”.

Suchanfrage gegen Keyword. Ein eingebuchtes Keyword ist eine Vorgabe, keine Beschreibung des Traffics. Die Suchanfrage ist das, was Nutzer getippt haben. Reports, die beide Begriffe vermischen, führen zu Optimierungen an der falschen Stelle.

Suchvolumen ist in diesem Schritt eine Größe unter mehreren, nicht das Entscheidungskriterium. Ein Begriff mit geringem Volumen und eindeutiger Kaufabsicht ist oft wertvoller als ein breiter Begriff, der überwiegend Informationssuchen einsammelt.

Schritt 3: Prüfen, was zum Angebot passt

Vor dem Einbuchen geht jedes Keyword durch dieselben Fragen:

  • Deckt unser Angebot diese Suchanfrage wirklich ab? Wenn die Landingpage die Frage nicht beantwortet, ist das Keyword kein Kandidat, unabhängig von seinem Volumen.
  • Welche Absicht steckt dahinter? Informationssuchen und Kaufsuchen gehören nicht in dieselbe Anzeigengruppe, weil sie verschiedene Anzeigentexte und verschiedene Ziele brauchen.
  • Ist der Begriff mehrdeutig? Mehrdeutige Begriffe sind zulässig, sie brauchen aber von Anfang an eine passende Ausschlussliste.
  • Ist er eine Variante oder ein eigenes Thema? Varianten bündelt man, eigene Themen trennt man.

Das Ergebnis ist eine kurze, begründete Liste. Vollständigkeit ist hier kein Ziel. Eine Kampagne mit dreißig verstandenen Keywords ist steuerbar, eine mit dreihundert exportierten nicht.

Schritt 4: Übergabe in Struktur, Keyword-Optionen und Ausschlusslisten

Jetzt wird aus der Auswahl eine Kampagne. Die Struktur folgt der geprüften Absicht: eine Anzeigengruppe je eng zusammengehörender Absicht, mit einer Landingpage, die genau dazu passt. Diese Zuordnung ist die eigentliche Arbeit. Alles Weitere ist Feinsteuerung.

Die Feinsteuerung übernehmen die Keyword-Optionen. Sie steuern, wie eng eine Suchanfrage mit einem eingebuchten Keyword übereinstimmen muss, damit eine Anzeige ausgeliefert werden kann. Für die Übergabe genügt eine Faustregel: enge Optionen dort, wo die Absicht bereits klar und der Begriff wertvoll ist, weitere Optionen dort, wo man noch lernen will, welche Formulierungen überhaupt vorkommen. Weite Optionen sind dann eine Lernkampagne mit Kostenstelle, kein Dauerzustand.

Die Gegenseite dazu sind ausschließende Keywords. Sie verhindern die Auslieferung bei unerwünschten Suchanfragen und helfen dadurch, irrelevanten Traffic zu reduzieren. Eine Ausschlussliste entsteht nicht aus Intuition, sondern aus dem Suchanfragenbericht. Sie wird damit zur Verbindung zwischen Schritt 4 und Schritt 1: Was der Bericht als unerwünscht zeigt, wird ausgeschlossen, was er als unerwartet passend zeigt, wird neuer Kandidat.

Aus dem Ablauf wird eine Routine

Der Ablauf ist kein Projekt mit Ende, sondern ein Kreis. Ein praktikabler Rhythmus sieht so aus:

  • Wöchentlich: Suchanfragenbericht durchsehen, Ausschlüsse ergänzen, auffällige neue Suchanfragen notieren.
  • Monatlich: notierte Suchanfragen durch Schritt 2 und 3 schicken, gute Kandidaten einbuchen, Keyword-Optionen nachziehen.
  • Quartalsweise: Struktur prüfen. Anzeigengruppen, die mehrere Absichten eingesammelt haben, werden getrennt.

Wer diesen Kreis dokumentiert, braucht weniger Werkzeuge, als er denkt. Die Frage lautet dann nicht mehr, welches der Adwords Key Tools das beste ist, sondern an welcher Stelle des Ablaufs eine Quelle gerade fehlt. Das ist eine Frage, die man beantworten kann, und sie ändert sich mit dem Konto, nicht mit dem Anbietermarkt.