ONMA Ratgeber

Anbieter für Suchmaschinenoptimierung auswählen: Leitfaden für Beschaffung und Prüfung

Wie Sie Bedarf klären, Anbietertypen unterscheiden, Angebote vergleichen und Zugriffsrechte sichern, bevor Sie einen SEO-Vertrag unterschreiben.

Frau vor einer Wand mit bunten Haftnotizen, davor sechs Personen mit Laptops an einem Besprechungstisch

Die Auswahl eines Anbieters für Suchmaschinenoptimierung lässt sich nicht auf Referenzen, Sympathie und einen Preisvergleich reduzieren. Die Leistung greift in Ihre Website, Ihre Daten und oft auch in interne Abläufe ein. Ergebnisse zeigen sich zudem meist nicht sofort. Umso wichtiger ist ein Auswahlverfahren, das Leistungen, Zuständigkeiten und Risiken vor Vertragsabschluss sichtbar macht.

Ein guter Beschaffungsprozess beginnt deshalb nicht mit der Suche nach Namen. Er beginnt mit einer klaren Beschreibung des eigenen Bedarfs. Erst danach folgen Anbieterauswahl, Gespräche, Angebotsvergleich und Vertragsprüfung. So entsteht eine Entscheidung, die nicht vom besten Verkaufsgespräch abhängt, sondern von nachvollziehbaren Kriterien.

Vor der Anbietersuche den Bedarf klären

Ohne ein einheitliches Anforderungsprofil beantwortet jeder Anbieter eine andere Frage. Der eine kalkuliert eine technische Prüfung, der nächste laufende Inhalte und ein dritter lediglich monatliche Beratung. Die Angebote sehen vergleichbar aus, sind es aber nicht.

Halten Sie deshalb auf ein bis zwei Seiten fest, was bekannt ist und was geklärt werden soll.

Ausgangslage der Website

Dokumentieren Sie zumindest:

  • das verwendete Content-Management-System
  • bekannte technische oder inhaltliche Probleme
  • bereits eingesetzte Analysewerkzeuge
  • vorhandene Konten und deren Eigentümer
  • interne Ansprechpartner für Website, Redaktion und Technik
  • bestehende Dienstleister und ihre Zuständigkeiten
  • typische Freigabezeiten für Änderungen
  • Länder, Sprachen und Geschäftsbereiche im Umfang des Projekts

Fehlende Angaben sind kein Hindernis. Wenn etwa niemand weiß, wem bestimmte Konten gehören oder welche Änderungen zuletzt vorgenommen wurden, gehört die Bestandsaufnahme ausdrücklich in den ersten Auftrag.

Ziele in Geschäftsgrößen

Eine gewünschte Platzierung ist kein ausreichendes Beschaffungsziel. Sinnvoller sind Ziele wie qualifizierte Anfragen, Buchungen, Bestellungen, Bewerbungen oder Besuche relevanter Leistungsseiten.

Google beschreibt SEO als Unterstützung für Suchmaschinen beim Verstehen von Inhalten und für Nutzer beim Auffinden einer Website über Suchergebnisse. Für Ihr Unternehmen entsteht daraus erst dann ein Wert, wenn die passenden Besucher eine gewünschte Handlung ausführen. Der Anbieter sollte daher erklären können, wie seine Arbeit zu Ihren Geschäftszielen beiträgt, ohne eine direkte Wirkung zu versprechen, die sich nicht seriös belegen lässt.

Eigene Kapazitäten

Viele Projekte scheitern nicht an der Analyse, sondern an der Umsetzung. Klären Sie deshalb vorab:

  • Wer kann technische Änderungen einspielen?
  • Wer liefert Fachwissen für Inhalte?
  • Wer darf Texte und strukturelle Änderungen freigeben?
  • Wie viel Zeit steht intern zur Verfügung?
  • Soll der Anbieter nur empfehlen oder auch umsetzen?
  • Welche Arbeiten müssen weiterhin andere Dienstleister übernehmen?

Ein umfangreicher Maßnahmenplan hilft wenig, wenn intern niemand dafür verantwortlich ist. Umgekehrt benötigt ein Anbieter mit Umsetzungsverantwortung ausreichende Zugriffe, klare Freigaberegeln und erreichbare Ansprechpartner.

Kaufmännischer Rahmen

Nennen Sie einen realistischen Budgetrahmen, den gewünschten Starttermin und mögliche Vertragsgrenzen. Teilen Sie außerdem mit, wie die Entscheidung getroffen wird und bis wann ein vergleichbares Angebot vorliegen muss. Anbieter können den Umfang dann passend kalkulieren, statt ein beliebiges Standardpaket anzubieten.

Anbieterarten nach ihrem Leistungsmodell unterscheiden

Bezeichnungen wie Agentur, Spezialist oder Full Service sagen wenig über die tatsächliche Zusammenarbeit aus. Entscheidend ist, wer untersucht, plant, umsetzt und kontrolliert.

AnbieterartTypischer LeistungsumfangGeeignet, wennIm Angebot zu klären
Spezialisierter SEO-AnbieterPrüfung, Planung sowie teilweise technische und redaktionelle Umsetzungorganische Suche einen klar abgegrenzten Aufgabenbereich bildetSchnittstellen zu Entwicklung, Redaktion und anderen Dienstleistern
Full-Service-DigitalanbieterSEO zusammen mit weiteren Marketingkanälenmehrere Kanäle gemeinsam gesteuert werden solleneigener Leistungsanteil, Budget und Verantwortliche für SEO
Einzelne externe FachkraftAnalyse und Begleitung mit begrenzter Umsetzungskapazitätder Umfang überschaubar ist und intern umgesetzt werden kannVerfügbarkeit, Vertretung, Dokumentation und Übergabe
Interner Aufbau mit externer BegleitungSchulung, Arbeitsprozesse und fachliche Kontrolleeigenes Personal langfristig Verantwortung übernehmen sollLernziele, Übergabestand und geplantes Ende der Begleitung
Toolanbieter mit BetreuungSoftwarezugang plus Auswertungen oder begrenzte Unterstützungein internes Team hauptsächlich Daten und Arbeitsgrundlagen benötigtDatenexport, Lizenzkosten und Nutzung nach Vertragsende
Vermittler oder WiederverkäuferVerkauf einer Leistung, die ganz oder teilweise Dritte erbringenalle Beteiligten und Zuständigkeiten offengelegt werdentatsächliche Leistungserbringer, Datenschutz, Haftung und Qualitätskontrolle

Keine Anbieterart ist grundsätzlich besser. Der passende Zuschnitt hängt davon ab, welche Arbeit intern erledigt werden kann und welche Verantwortung extern vergeben werden soll.

Den Bedarf mit der Umsetzung abgleichen

Für die Auswahl ist weniger die Länge der Leistungsbeschreibung relevant als die Frage, ob der Anbieter das konkrete Hindernis bearbeiten kann.

Bei technischen Problemen muss geklärt sein, wer Änderungen am System umsetzt und testet. Dazu können etwa Indexierungsprobleme, Weiterleitungen oder die technische Seitenauslieferung gehören. Die Core Web Vitals erfassen Ladeleistung, Interaktivität und visuelle Stabilität. Solche Messwerte können als Ausgangsbefund dienen. Sie ersetzen jedoch keine Diagnose und sollten nicht ohne Begründung zum alleinigen Projektziel werden.

Bei einem vorwiegend inhaltlichen Bedarf zählen redaktionelle Kapazität, Zugang zu internem Fachwissen und ein funktionierender Freigabeprozess. Fragen Sie, wer Themen priorisiert, wer Inhalte erstellt, wie fachliche Aussagen geprüft werden und wie viele Überarbeitungsschleifen enthalten sind.

Wenn technische und inhaltliche Arbeiten gleichzeitig nötig sind, muss das Angebot eine Reihenfolge vorgeben. Lassen Sie den Anbieter erklären, welche Abhängigkeiten bestehen und welche Maßnahme zuerst Wirkungsvoraussetzungen schafft. Eine lange Maßnahmenliste ohne Priorisierung verlagert diese Entscheidung nur auf die Zeit nach Vertragsabschluss.

Auswahlkriterien müssen überprüfbar sein

Google empfiehlt bei der Auswahl eines SEO-Dienstleisters, nach technischen und suchbezogenen Prüfungen, bisherigen Erfolgen, Arbeitsweisen und realistischen Erwartungen zu fragen. Aus diesen Themen lassen sich konkrete Kriterien für Ihre Bewertung ableiten.

Qualität der Ersteinschätzung

Eine Ersteinschätzung muss noch kein vollständiges Audit sein. Sie sollte aber erkennen lassen, ob der Anbieter Beobachtungen, Vermutungen und belegte Befunde voneinander trennt. Gute Antworten benennen außerdem, welche Daten für eine belastbare Bewertung fehlen.

Vorsicht ist angebracht, wenn bereits vor jeder Prüfung ein fester Maßnahmenkatalog präsentiert wird. Das spricht dafür, dass die Lösung unabhängig von Ihrer Ausgangslage feststand.

Aussagekraft von Referenzen

Ein Logo auf einer Referenzseite belegt wenig. Fragen Sie nach dem Zeitraum der Zusammenarbeit, dem verantworteten Umfang und der Arbeitsteilung mit dem Kunden. Bei einem Referenzgespräch sind Rückfragen zu Reaktionszeiten, Dokumentation, Fehlerbehebung und Übergaben oft aufschlussreicher als eine allgemeine Zufriedenheitsfrage.

Der Anbieter sollte keine vertraulichen Daten anderer Kunden offenlegen. Er muss jedoch erklären können, welchen eigenen Beitrag er geleistet hat und wie der Erfolg gemessen wurde.

Transparenz der Daten

Die Google Search Console stellt Berichte zu Leistung, Indexierung und technischen Problemen in der Google-Suche bereit. Ein Anbieter kann zusätzliche Werkzeuge verwenden, sollte seine Aussagen aber nicht ausschließlich auf Daten stützen, die nur in seinem eigenen System sichtbar sind.

Klären Sie für jede Kennzahl:

  • aus welcher Quelle sie stammt
  • wer auf die Quelle zugreifen kann
  • wie oft sie berichtet wird
  • welcher Vergleichszeitraum verwendet wird
  • welche Entscheidung aus der Kennzahl folgt

Ein Bericht ist kein Selbstzweck. Er sollte erklären, was erledigt wurde, was sich verändert hat und warum als Nächstes eine bestimmte Maßnahme folgt.

Zuständigkeiten und Arbeitsweise

Lassen Sie sich nicht nur den Vertriebsansprechpartner vorstellen. Fragen Sie, wer tatsächlich am Projekt arbeitet, wie viele Projekte diese Personen parallel betreuen und wer bei Abwesenheit übernimmt.

Ebenso wichtig ist der Umgang mit Änderungen. Der Anbieter sollte dokumentieren, was wann angepasst wurde, wie die Wirkung geprüft wird und wie sich eine problematische Änderung zurücknehmen lässt.

Umgang mit Unsicherheit

Seriöse Prognosen enthalten Annahmen. Der Anbieter sollte sagen können, welche Entwicklung er erwartet, wovon diese Einschätzung abhängt und welche Faktoren außerhalb seines Einflusses liegen.

Eine pauschale Erfolgsgarantie ist dagegen kein Qualitätsmerkmal. Google warnt ausdrücklich, dass niemand eine Platzierung auf Position eins garantieren kann.

Fragen für das Erstgespräch

Verwenden Sie in allen Gesprächen denselben Fragenkatalog. Nur dann lassen sich die Antworten später sinnvoll vergleichen.

Fragen zur Diagnose

  1. Welche zwei oder drei Probleme halten Sie bei unserer Website zunächst für relevant?
  2. Welche Beobachtung führt Sie zu dieser Einschätzung?
  3. Welche Daten benötigen Sie, um die Vermutung zu prüfen?
  4. Welche Untersuchungen führen Sie zu Beginn durch?
  5. In welcher Form erhalten wir die Ergebnisse?
  6. Wie priorisieren Sie gefundene Probleme?

Fragen zur Umsetzung

  1. Welche Arbeiten übernehmen Sie selbst?
  2. Welche Aufgaben bleiben bei unserem Team oder anderen Dienstleistern?
  3. Welche Zugriffe benötigen Sie und wofür?
  4. Wie gehen Sie vor, wenn technische oder redaktionelle Freigaben länger dauern?
  5. Wie werden Änderungen dokumentiert und kontrolliert?
  6. Welche Leistungen sind ausdrücklich nicht enthalten?

Fragen zur Erfolgskontrolle

  1. Woran erkennen wir nach den ersten Monaten, ob die Zusammenarbeit planmäßig verläuft?
  2. Welche Kennzahlen verwenden Sie und aus welchen Quellen stammen sie?
  3. Wie verbinden Sie Suchdaten mit unseren Geschäftszielen?
  4. Wann würden Sie eine Maßnahme als unwirksam einstufen?
  5. Wie reagieren Sie, wenn sich die erwartete Entwicklung nicht zeigt?

Fragen zur Zusammenarbeit

  1. Wer arbeitet konkret an unserem Projekt?
  2. Welche Reaktionszeiten gelten für Rückfragen und dringende Probleme?
  3. Wie werden Entscheidungen und offene Aufgaben festgehalten?
  4. Was passiert bei einem Wechsel der verantwortlichen Person?
  5. Wie sieht die Übergabe bei Vertragsende aus?
  6. Welche Ergebnisse und Daten können wir danach weiterverwenden?

Notieren Sie die Antworten während oder unmittelbar nach dem Gespräch. Aussagen wie flexibel, individuell oder ganzheitlich sollten Sie in konkrete Leistungen, Fristen und Verantwortlichkeiten übersetzen lassen.

Angebote auf einen gemeinsamen Nenner bringen

Der Gesamtpreis ist erst vergleichbar, wenn Umfang und Mitwirkungspflichten geklärt sind.

AngebotsbereichVergleichbare AngabeUnklare Formulierung
PrüfungPrüfumfang, Datenquellen, Bericht und Lieferterminumfassende Analyse
MaßnahmenplanPrioritäten, Verantwortliche und Zeitrahmenindividuelle Strategie
InhalteAnzahl, Umfang, Erstellung, Freigaben und Korrekturenlaufende Content-Optimierung
Technikkonkrete Aufgaben, Umsetzung und Abnahmetechnische Optimierung
BerichteKennzahlen, Quellen, Rhythmus und Empfängerregelmäßiges Reporting
BetreuungTermine, enthaltene Zeit und Reaktionsfristpersönliche Betreuung
ÜbergabeDokumente, Datenexporte, Zugänge und FristUnterstützung bei Vertragsende

Fordern Sie außerdem eine Liste der Annahmen, Ausschlüsse und möglichen Zusatzkosten an. Dazu können Werkzeuglizenzen, externe Entwicklung, Bilder oder Übersetzungen gehören. Auch Ihre eigenen Mitwirkungspflichten müssen sichtbar sein. Sonst wirkt ein Angebot günstig, obwohl ein großer Teil der Arbeit bei Ihrem Team verbleibt.

Der Stundensatz allein eignet sich kaum als Entscheidungskriterium. Aussagekräftiger ist, welche prüfbaren Ergebnisse innerhalb eines Abrechnungszeitraums geliefert werden und welche internen Ressourcen dafür nötig sind.

Mit einer Bewertungsmatrix entscheiden

Legen Sie die Kriterien und ihre Gewichtung vor den Gesprächen fest. Eine mögliche Struktur umfasst Bedarfsverständnis, Qualität der Diagnose, Umsetzungsfähigkeit, Nachweisbarkeit, Datentransparenz, Vertragsbedingungen und Preis.

Bewerten Sie jedes Kriterium auf derselben Skala und ergänzen Sie eine kurze Begründung. Eine Zahl ohne Notiz hilft später wenig. Halten Sie auch offene Punkte fest, statt eine unvollständige Antwort vorschnell positiv zu bewerten.

Die Matrix trifft die Entscheidung nicht automatisch. Sie zeigt aber, wo ein Anbieter fachlich überzeugt und wo die Auswahl auf Annahmen beruht. Wenn ein besonders guter persönlicher Eindruck die sachliche Bewertung deutlich verändert, sollte dieser Unterschied zumindest bewusst dokumentiert werden.

Vertrag, Rechte und Zugänge absichern

Google rät Websitebetreibern, die Eigentums- und Bearbeitungsrechte an ihrer Website sowie an relevanten Daten und Konten zu sichern. Für den Vertrag ergeben sich daraus klare Anforderungen.

  • Domain, Website, Search Console, Analysekonten und weitere zentrale Dienste laufen auf die Identität Ihres Unternehmens.
  • Der Anbieter erhält eine passende Benutzerrolle, aber kein Eigentum am Konto.
  • Zugriffe werden personenbezogen vergeben und bei Projektende entzogen.
  • Texte, Konzepte, Prüfberichte und Auswertungen dürfen nach Vertragsende weiterverwendet und bearbeitet werden.
  • Rohdaten und vereinbarte Exporte werden in nutzbaren Formaten herausgegeben.
  • Änderungen an der Website werden dokumentiert und nach einem festgelegten Verfahren freigegeben.
  • Mindestlaufzeit, Kündigungsfrist und Verlängerung sind eindeutig geregelt.
  • Für das Vertragsende gibt es eine Frist und einen definierten Übergabeumfang.
  • Offene Maßnahmen, Zugangsliste und Ansprechpartner werden in einem Abschlussdokument festgehalten.

Prüfen Sie außerdem, ob Unterauftragnehmer eingesetzt werden und welche Daten diese erhalten. Der Vertrag sollte erkennen lassen, wer tatsächlich leistet und wer für Fehler, Ausfälle oder eine unvollständige Übergabe verantwortlich ist.

Warnsignale im Auswahlprozess

Ein einzelner schwacher Punkt muss keinen Ausschluss rechtfertigen. Mehrere Warnsignale ergeben jedoch ein klares Risikobild.

  • Garantierte Spitzenpositionen oder feste Zusagen für einzelne Suchbegriffe
  • ein Standardpaket ohne vorherige Beschäftigung mit Ihrer Website
  • nicht offengelegte Methoden oder externe Quellen
  • Konten, Domains oder Werkzeuge, die ausschließlich dem Anbieter gehören
  • Berichte aus einem abgeschlossenen Anbietersystem ohne unabhängigen Datenzugang
  • Kennzahlen ohne Verbindung zu Anfragen, Verkäufen oder anderen Geschäftszielen
  • lange Vertragsbindung ohne überprüfbare Zwischenziele
  • hoher Abschlussdruck oder ein Nachlass, der nur im Erstgespräch gilt
  • unklare Zuständigkeiten zwischen Vertrieb und Projektteam
  • fehlende Dokumentation von Änderungen
  • ausweichende Antworten zu Nutzungsrechten und Datenexporten
  • keine geregelte Übergabe bei Vertragsende

Besondere Vorsicht ist geboten, wenn Risiken heruntergespielt werden. Ein Anbieter muss nicht auf jede Frage sofort eine fertige Antwort haben. Er sollte Unsicherheit aber benennen und erklären, wie sie geprüft wird.

Ein nachvollziehbarer Auswahlprozess

Ein praxistauglicher Prozess kann so aussehen:

  1. Erstellen Sie das Anforderungsprofil und stimmen Sie es intern ab.
  2. Stellen Sie eine Longlist aus Empfehlungen, Fachbeiträgen und eigener Recherche zusammen.
  3. Filtern Sie anhand weniger klarer Ausschlusskriterien, etwa Sprache, Kapazität oder benötigte Umsetzungsleistung.
  4. Senden Sie drei oder vier Anbietern dieselbe Anfrage mit identischer Frist.
  5. Führen Sie die Gespräche mit einem einheitlichen Fragenkatalog.
  6. Lassen Sie offene Punkte schriftlich beantworten.
  7. Beauftragen Sie bei größerem Umfang zunächst eine klar begrenzte Prüfung oder Arbeitsprobe.
  8. Bewerten Sie Angebote mit dem vorher festgelegten Raster.
  9. Dokumentieren Sie die Entscheidung und die wichtigsten Gründe gegen die Alternativen.
  10. Verhandeln Sie Rechte, Zugänge, Laufzeit und Übergabe vor der Unterschrift.

Eine bezahlte Arbeitsprobe sollte einen verwertbaren Liefergegenstand haben, etwa eine abgegrenzte technische Prüfung oder die Priorisierung eines Themenbereichs. Kostenlose Konzeptarbeit ohne klaren Umfang liefert meist weniger Erkenntnisse über die spätere Zusammenarbeit.

Nach Vertragsabschluss die Prüfbarkeit erhalten

Für die Startphase sollten mindestens drei Ergebnisse vereinbart werden: eine vollständige Zugangsliste, ein dokumentierter Ausgangsbefund und ein priorisierter Maßnahmenplan. Jede Maßnahme braucht eine verantwortliche Person, einen Termin und ein erkennbares Prüfkriterium.

Besprechen Sie regelmäßig dieselben Fragen:

  1. Wurde geliefert, was vereinbart war?
  2. Sind die Ergebnisse in gemeinsam zugänglichen Daten nachvollziehbar?
  3. Wurden Abweichungen verständlich erklärt?
  4. Ist der nächste Schritt aus den bisherigen Erkenntnissen ableitbar?
  5. Sind Aufgaben und Freigaben auf beiden Seiten eindeutig zugeordnet?

Definieren Sie schon zu Beginn, wann die Zusammenarbeit überprüft und unter welchen Voraussetzungen sie verlängert wird. So bleibt die Auswahlentscheidung auch nach der Unterschrift überprüfbar. Wenn Leistungen, Datenzugang oder Übergaben dauerhaft von den Vereinbarungen abweichen, stützt sich ein Anbieterwechsel auf dokumentierte Tatsachen statt auf ein allgemeines Unbehagen.