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Ausbildung als Webdesigner: welche Wege wirklich anerkannt sind und wie Sie ein Angebot prüfen

Vergleichen Sie duale und schulische Wege nach Abschluss, Praxis, Vergütung und Kosten und prüfen Sie private Webdesign-Angebote auf Anerkennung.

Lächelnder Mann mit dem Hörer eines alten Wählscheibentelefons am Ohr

Wer nach der Schule “Ausbildung als Webdesigner” sucht, findet zwei sehr verschiedene Sorten von Angeboten nebeneinander: staatlich anerkannte Ausbildungsberufe, hinter denen eine Ausbildungsordnung und eine zuständige Stelle stehen, und private Lehrgänge, die eine ähnliche Bezeichnung tragen, aber rechtlich etwas ganz anderes sind. Beide können in den Beruf führen. Sie unterscheiden sich aber im Abschluss, im Praxisanteil und vor allem darin, wer während der Ausbildung zahlt. Diese Seite ist ein Prüfleitfaden: Sie ordnet die konkreten Bildungswege ein und zeigt Schritt für Schritt, woran Sie erkennen, was ein Angebot am Ende tatsächlich wert ist.

Der Begriff ist frei, der Abschluss nicht

“Webdesigner” ist keine geschützte Berufsbezeichnung und kein eigener Ausbildungsberuf. Jeder darf sich so nennen, und jeder Anbieter darf einen Kurs so betiteln. Das ist kein Argument gegen den Beruf, aber es verschiebt die entscheidende Frage. Sie lautet nicht “Wo kann ich Webdesign lernen?”, sondern: Welchen formal anerkannten Abschluss halte ich am Ende in der Hand, und wer hat ihn ausgestellt?

Das Berufsbildungsgesetz beantwortet diese Frage klar. Anerkannte Ausbildungsberufe werden durch eine Ausbildungsordnung geregelt (§ 4 BBiG). Bevor Sie ein Angebot als “anerkannte Berufsausbildung” akzeptieren, prüfen Sie deshalb zwei Dinge: welcher konkrete Ausbildungsberuf dahintersteht und welche zuständige Stelle (Industrie- und Handelskammer, Handwerkskammer oder eine andere) die Prüfung abnimmt. Wenn ein Anbieter auf diese beiden Fragen keine eindeutige Antwort gibt, ist das bereits die Antwort.

Als Gegenprobe dient das Verzeichnis der anerkannten Ausbildungsberufe des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB). Es ist die maßgebliche Orientierung, um den offiziellen Status einer Berufsbezeichnung zu prüfen. Steht eine Bezeichnung dort nicht, ist sie kein anerkannter Ausbildungsberuf, ganz gleich wie offiziell die Werbung klingt.

Die realistischen Wege im Überblick

WegAbschlussPraxisanteilGeld während der Ausbildung
Duale Ausbildung, z. B. Mediengestalter Digital und PrintAnerkannter Ausbildungsberuf, Prüfung vor der zuständigen StelleHoch, Betrieb plus BerufsschuleAusbildungsvergütung vom Betrieb
Duale Ausbildung, z. B. Fachinformatiker AnwendungsentwicklungAnerkannter Ausbildungsberuf, Prüfung vor der zuständigen StelleHoch, Betrieb plus BerufsschuleAusbildungsvergütung vom Betrieb
Schulische Ausbildung an Berufsfachschule oder BerufskollegLandesrechtlich geregelter AssistenzabschlussMittel, Projektarbeit plus PraktikumsphasenKeine Vergütung, je nach Schulform Schülerförderung möglich
Privater Lehrgang oder AkademieAnbieterzertifikat ohne staatliche AnerkennungSehr unterschiedlich, Prüfung nötigTeilnehmer zahlt, Förderung nur im Einzelfall
StudiumHochschulgradGering bis mittel, je nach StudiengangKeine Vergütung, Studienförderung möglich

Das Studium bleibt hier bewusst eine Randnotiz. Es ist eine legitime Alternative, gehört aber in eine eigene Betrachtung und beantwortet die Frage nach der Ausbildung nach dem Schulabschluss nicht.

Duale Ausbildung: der Weg mit Vertrag und Vergütung

Für den Einstieg ins Webdesign gibt es keinen Ausbildungsberuf mit genau diesem Namen. Es gibt aber anerkannte Berufe, deren Ausbildungsordnung genau die Inhalte abdeckt, die Webdesign ausmachen.

Mediengestalter Digital und Print ist ein staatlich anerkannter Ausbildungsberuf. Die Ausbildungsordnung regelt unter anderem Berufsbild, Ausbildungsrahmenplan und Prüfungsanforderungen. Der Beruf ist in Fachrichtungen gegliedert, unter anderem Konzeption und Visualisierung sowie Gestaltung und Technik. Für gestalterisch orientierte Bewerber ist das der naheliegendste anerkannte Weg, weil Layout, Typografie, Bildbearbeitung und Medienproduktion Kern der Ordnung sind und nicht Beiwerk.

Fachinformatiker der Fachrichtung Anwendungsentwicklung ist die technische Variante. Wer weiß, dass ihn die Umsetzung stärker interessiert als der Entwurf, ist hier besser aufgehoben. Die gestalterischen Anteile sind geringer, die Anschlussmöglichkeiten in der Entwicklung dafür breiter.

Kaufmännische Berufe im Marketing- und Kommunikationsumfeld sind der dritte Korridor. Sie führen seltener direkt an die Gestaltung heran, aber häufig in Agenturen, in denen Webprojekte entstehen.

Welche dieser Ordnungen zu Ihnen passt, entscheiden Sie nicht anhand des Berufsnamens, sondern anhand des Ausbildungsrahmenplans. Der ist öffentlich. Lesen Sie ihn, bevor Sie sich bewerben. Aktuelle Berufsprofile mit Tätigkeiten, Zugangsvoraussetzungen und beruflichen Alternativen stellt außerdem BERUFENET der Bundesagentur für Arbeit bereit.

Der entscheidende praktische Vorteil des dualen Wegs: Sie stehen in einem Ausbildungsverhältnis. Für Auszubildende in einer dualen Berufsausbildung besteht grundsätzlich ein Anspruch auf eine angemessene Vergütung, und das Berufsbildungsgesetz enthält dafür Regelungen zur Mindestvergütung (§ 17 BBiG). Die konkrete Höhe hängt vom Ausbildungsjahr, von der Branche und von einer möglichen Tarifbindung ab und wird regelmäßig angepasst. Prüfen Sie den aktuellen Wert vor Vertragsunterschrift und vergleichen Sie ihn mit dem, was im Vertragsentwurf steht.

Schulische Ausbildung: mehr Gestaltung, kein Gehalt

Der zweite anerkannte Korridor führt über Berufsfachschulen und Berufskollegs. Die Abschlüsse heißen je nach Bundesland unterschiedlich, häufig mit dem Zusatz “staatlich geprüft” und einer Assistenzbezeichnung im Bereich Gestaltung oder Medien. Diese Bildungsgänge sind landesrechtlich geregelt, nicht bundeseinheitlich durch eine Ausbildungsordnung nach BBiG. Das ist kein Makel, aber es bedeutet: Der Abschluss eines Bundeslandes ist nicht automatisch mit dem eines anderen identisch, und Sie müssen jeweils die Schulordnung des konkreten Landes prüfen.

Inhaltlich liegt hier oft mehr Gestaltung und mehr eigene Projektarbeit als in vielen Ausbildungsbetrieben. Der Preis dafür ist der fehlende Betrieb. Es gibt keine Ausbildungsvergütung, und der Praxisanteil entsteht über Praktikumsphasen und Projektaufträge, nicht über tägliche Kundenarbeit.

Zur Finanzierung: Förderfähigkeit und Förderart einer schulischen Ausbildung hängen von Schulform, Bildungsgang und persönlichen Voraussetzungen ab. Das BAföG nennt in § 2 die förderfähigen Ausbildungsstätten und die Bedingungen. Klären Sie diese Frage vor der Anmeldung mit dem zuständigen Amt für Ausbildungsförderung und lassen Sie sich von der Schule schriftlich bestätigen, unter welche Schulform ihr Bildungsgang fällt. Diese eine Auskunft entscheidet oft über mehrere tausend Euro.

Ein praktischer Hinweis zur Suche: Die Ausbildungsplatzsuche der Bundesagentur für Arbeit unterscheidet ausdrücklich zwischen betrieblichen Ausbildungsstellen und schulischen Bildungsangeboten. Genau diese Unterscheidung ist bei “Webdesign” entscheidend, weil beide Kategorien unter ähnlichen Stichworten auftauchen. Filtern Sie bewusst, sonst vergleichen Sie Angebote, die rechtlich nicht vergleichbar sind.

Private Anbieter prüfen: acht Fragen vor der Unterschrift

Private Akademien sind nicht pauschal schlecht. Sie sind nur etwas anderes als eine Berufsausbildung, und die Werbung verwischt diesen Unterschied oft. Stellen Sie diese acht Fragen, am besten schriftlich per E-Mail, damit Sie die Antworten belegen können.

  1. Welcher Abschluss steht am Ende genau auf dem Zeugnis? Verlangen Sie den Wortlaut, nicht die Marketingbezeichnung.
  2. Wer nimmt die Prüfung ab? Der Anbieter selbst oder eine unabhängige zuständige Stelle? Nur Letzteres ist eine Kammerprüfung.
  3. Steht der Beruf im BIBB-Verzeichnis? Prüfen Sie es selbst, statt der Aussage des Anbieters zu vertrauen.
  4. Ist der Lehrgang nach AZAV zugelassen? Eine Zulassung erlaubt Förderung über die Arbeitsagentur und bedeutet, dass eine externe Stelle den Anbieter geprüft hat.
  5. Wie hoch sind die Gesamtkosten inklusive Prüfungsgebühren, Material und Software? Lassen Sie sich eine Endsumme geben, keine Monatsrate.
  6. Wie viele Stunden sind Präsenz, wie viele Selbstlernzeit? Ein Vollzeitlehrgang mit zwei Betreuungsstunden pro Woche ist ein Selbstlernkurs mit Aufpreis.
  7. Wer unterrichtet, und woran arbeitet diese Person außerhalb des Unterrichts? Praxisferne Dozenten sind im Webdesign schnell ein Problem.
  8. Welche Kündigungs- und Widerrufsfristen gelten? Fernunterrichtsverträge unterliegen besonderen Regeln. Lesen Sie diesen Teil des Vertrags zuerst.

Ein Warnsignal ist jede Formulierung, die staatliche Nähe suggeriert, ohne sie zu benennen: “staatlich zugelassen” ist etwas anderes als “staatlich anerkannter Ausbildungsberuf”, und “zertifiziert” sagt ohne Nennung der zertifizierenden Stelle gar nichts.

So entscheiden Sie sich

Der Vergleich lässt sich auf wenige Entscheidungen zurückführen.

Sie brauchen ab sofort eigenes Einkommen. Dann kommt praktisch nur die duale Ausbildung in Frage. Sie ist der einzige Weg, bei dem während der Ausbildung Geld an Sie fließt statt von Ihnen weg.

Sie sind gestalterisch stärker als technisch. Dann sortieren Sie die Mediengestaltung nach vorne und suchen gezielt Betriebe, die tatsächlich Webprojekte umsetzen und nicht überwiegend Print. Fragen Sie im Bewerbungsgespräch nach den letzten drei Webprojekten des Betriebs. Die Antwort sagt mehr über Ihre künftigen drei Jahre als jede Stellenanzeige.

Sie wollen bauen, nicht entwerfen. Dann ist die Anwendungsentwicklung der ehrlichere Weg, auch wenn “Webdesigner” schöner klingt.

Ihnen fehlt der Zugang zu einem Ausbildungsbetrieb, oder Sie wollen ein deutlich breiteres Gestaltungsprofil. Dann ist die schulische Ausbildung sinnvoll, sofern Sie die Finanzierung vorher geklärt haben.

Sie haben bereits einen Abschluss und wollen nur nachrüsten. Dann ist ein privater Lehrgang legitim, aber bewerten Sie ihn als Weiterbildung und bezahlen Sie ihn auch nur wie eine solche.

Vor der Bewerbung: zwei Dinge, die zählen

Für alle anerkannten Wege gilt: Der formale Schulabschluss ist eine Zugangsvoraussetzung, aber selten das Auswahlkriterium. Ausbildungsbetriebe und Fachschulen entscheiden im Zweifel anhand von zwei Dingen.

Erstens: gezeigte Arbeit. Drei bis fünf eigene Arbeiten, sauber erklärt, mit einem Satz zur Aufgabe und einem Satz zur Lösung, schlagen jede Aufzählung von Programmkenntnissen. Es müssen keine echten Kundenprojekte sein.

Zweitens: ein Praktikum im richtigen Betrieb. Nicht als Ersatz für die Ausbildung, sondern als Auswahlinstrument in beide Richtungen. Sie sehen, ob die tägliche Arbeit zu Ihnen passt, und der Betrieb sieht Sie arbeiten. Ein guter Teil der Ausbildungsplätze im Mediengestaltungsbereich wird auf diesem Weg vergeben, bevor eine Stelle überhaupt ausgeschrieben wird.

Die drei Sätze, auf die es hinausläuft

“Webdesigner” ist keine anerkannte Ausbildung, aber es gibt anerkannte Ausbildungen, die zuverlässig ins Webdesign führen. Ob ein Angebot dazugehört, klären Sie in wenigen Minuten über das BIBB-Verzeichnis und die Frage nach der zuständigen Stelle. Und wer während der Ausbildung Geld verdienen statt zahlen will, hat unter allen Wegen genau eine Kategorie zur Auswahl: die duale Ausbildung mit Ausbildungsvertrag.