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Backlinks von Google: Wo Google die Links zeigt, die es kennt, und wie es sie liest

Erfahren Sie, wo Google bekannte Backlinks zeigt, sie kanonischen URLs zuordnet und wie Penguin, Disavow sowie Linkattribute ihre Wertung beeinflussen.

Wer wissen will, welche Backlinks Google auf die eigene Website zählt, hat genau eine Quelle, die direkt von Google selbst kommt: den Bericht “Links” in der Google Search Console. Alles andere, jede Zahl aus einem Backlink-Checker, jede Domain-Popularität, jeder Autoritätswert, ist die Hochrechnung eines Drittanbieters aus einem eigenen Crawl. Dieser Text bleibt bei Googles eigener Perspektive: Googles Definition, Googles Daten, Googles Zurechnungslogik und die drei Mechanismen, mit denen Google Links abwertet oder für ungültig erklärt.

Google formuliert in der Search-Console-Hilfe knapp und ohne jede Wertung. Ein Backlink ist dort ein “Link auf einer Seite einer anderen Website, der mit einer Seite auf Ihrer Website verlinkt ist”. Mehr steht da nicht. Keine Mindestqualität, keine Autorität, keine Themenrelevanz.

Das ist wichtig, weil die Definition beschreibend ist und nicht bewertend. Ein Link existiert oder er existiert nicht. Ob er dem Ranking nützt, schadet oder gar nichts bewirkt, ist eine zweite, vollständig getrennte Frage, die Google an anderer Stelle beantwortet. Wer den Bericht “Links” öffnet, sieht deshalb keine Liste guter Links, sondern eine Liste gefundener Links.

Inhaltlich beschreibt Google einen wertvollen Link an anderer Stelle als das, was eine Verlinkung ursprünglich ist: eine Empfehlung oder ein Quellennachweis. Ein Link, hinter dem weder das eine noch das andere steht, ist im Sinne dieser Logik kein Signal, sondern nur ein Element im HTML.

Der Bericht ist in einer verifizierten Search-Console-Property über die linke Navigation erreichbar und teilt sich in zwei Hälften: externe Links und interne Links. Für die Frage nach Backlinks ist die externe Hälfte zuständig.

Sie besteht aus drei Auswertungen:

Top-verlinkte Seiten. Die Seiten der eigenen Website, die von außen am häufigsten verlinkt werden. Das ist die Zielseiten-Sicht: Welche unserer URLs ziehen Verweise an?

Top-verweisende Seiten beziehungsweise die verweisenden Websites. Die Gegenrichtung: Von welchen Quellen kommen die Links? Google gruppiert hier nach Website und lässt sich auf die einzelnen verweisenden URLs aufklappen.

Top-Linktexte. Die Ankertexte, mit denen von außen verlinkt wird. Diese Auswertung ist die interessanteste des Berichts, weil sie zeigt, unter welchem Begriff eine Website im Web tatsächlich referenziert wird. Wenn dort fast ausschließlich der Markenname und die nackte Domain stehen, ist das ein anderes Profil als eine Liste, in der mehrfach dasselbe kommerzielle Keyword in exakter Schreibweise auftaucht.

Der Bericht ist eine Momentaufnahme des Google-Index, kein Livestream. Neu gesetzte Links erscheinen erst, wenn Google die verweisende Seite erneut gecrawlt und verarbeitet hat. Ein Link, der heute gesetzt wurde und morgen nicht im Bericht steht, ist deshalb kein verlorener Link, sondern ein noch nicht verarbeiteter.

Die Zurechnung zur kanonischen URL

Das ist der Punkt, an dem die meisten Missverständnisse entstehen, und er steht ausdrücklich in Googles eigener Hilfe: Google rechnet Links im Bericht der kanonischen URL der Zielseite zu, nicht jeder einzelnen URL-Variante.

Praktisch heißt das: Wenn zehn verschiedene Websites auf zehn verschiedene Schreibweisen derselben Seite verlinken, etwa mit und ohne www, über http und https, mit Tracking-Parametern, mit und ohne abschließenden Schrägstrich, dann erscheinen diese Links im Bericht gebündelt bei der einen URL, die Google als kanonisch ausgewählt hat. Der Bericht listet nicht zehn schwach verlinkte URL-Varianten, sondern eine Seite mit zehn Verweisen.

Daraus folgen zwei Dinge, die für die Lektüre des Berichts entscheidend sind.

Erstens: Die Zahlen im Bericht lassen sich nicht sinnvoll mit den Zahlen eines externen Checkers vergleichen, der pro URL-Variante zählt. Die beiden Werkzeuge zählen nicht dasselbe.

Zweitens: Die Kanonisierung ist die Klammer, die ein zersplittertes Linkprofil wieder zusammenführt. Eine Seite, die unter mehreren Adressen erreichbar ist, verliert ihre Verweise nicht, solange Google die Varianten derselben kanonischen URL zuordnet. Umgekehrt gilt: Wenn Google eine andere URL als kanonisch wählt als die vom Betreiber vorgesehene, dann werden die Links dort verbucht, wo Google kanonisiert, und nicht dort, wo es gewünscht ist. Welche URL Google als kanonisch ansieht, steht in der URL-Prüfung derselben Search Console.

Was Googles eigener Bericht nicht enthält

Der Bericht zeigt Links, Zielseiten, Quellen und Ankertexte. Er zeigt keine Bewertung. Es gibt dort keine Domain-Autorität, keinen Trust-Wert, keine Angabe dazu, ob ein einzelner Link gewertet wird, und keine Kennzeichnung, welche Links mit einem Linkattribut versehen sind.

Die gängigen Backlink-Kennzahlen, also Art der Links, Domain-Popularität, IP-Popularität und die Auswertung des Linktexts in Kennzahlform, stammen aus Drittanbieter-Checkern und deren eigenen Crawls. Sie sind Modelle über Googles Verhalten, keine Auskunft von Google. Das macht sie nicht wertlos, aber es macht sie zu etwas kategorisch anderem als den Daten im Bericht “Links”. Wer beides in einer Tabelle nebeneinanderstellt, vergleicht eine Messung mit einer Schätzung.

Google hat Backlinks seit seiner Gründung als Vertrauenssignal genutzt. Grundlage war der PageRank-Algorithmus, der die Verlinkungen zwischen Webseiten analysierte: Ein Link galt als Stimme, und Stimmen von Seiten, die selbst viele Stimmen erhielten, wogen schwerer. Diese Grundidee erklärt, warum ein Link für Google überhaupt eine Aussage über eine fremde Seite ist und nicht bloß ein Navigationselement. Der öffentlich sichtbare PageRank-Wert ist längst Geschichte, das Prinzip der Empfehlung durch Verlinkung ist geblieben.

Googles Umgang mit Links, die keine echte Empfehlung sind, läuft über drei klar getrennte Wege. Zwei davon entscheidet Google, einen der Websitebetreiber.

1. Linkattribute: Hinweise statt Anweisung

Seit September 2019 behandelt Google rel="nofollow" sowie die 2019 eingeführten Attribute rel="sponsored" und rel="ugc" als Hinweise für Ranking und Crawling und nicht mehr als strikte Anweisung. Das ist eine Verschiebung in der Logik: Vorher war nofollow ein Befehl, den Link nicht zu berücksichtigen. Seitdem ist es eine Information, die Google in seine eigene Entscheidung einbezieht.

Die drei Attribute unterscheiden den Anlass. sponsored kennzeichnet bezahlte oder werbliche Verlinkungen, ugc kennzeichnet Links aus nutzergenerierten Inhalten wie Kommentaren und Forenbeiträgen, nofollow bleibt der allgemeine Fall. Für die Lektüre des Search-Console-Berichts heißt das: Ein Link kann dort auftauchen, weil Google ihn gefunden hat, und trotzdem als Ranking-Signal keine Rolle spielen.

2. Penguin: Linkspam im Kernalgorithmus

Das Penguin-Update wurde im April 2012 gegen Linkspam ausgerollt. Seit Penguin 4.0 im September 2016 arbeitet es in Echtzeit als Teil des Kernalgorithmus. Damit ist das Thema aus dem Update-Rhythmus herausgefallen: Es gibt kein Datum mehr, an dem Penguin läuft, und kein Warten auf den nächsten Durchlauf, bis eine Bereinigung wirkt.

Der Wirkmechanismus ist relevant für die Frage, was man im Bericht sieht. Penguin ist algorithmisch, es erzeugt keine Nachricht in der Search Console. Eine manuelle Maßnahme wegen unnatürlicher Links wäre dagegen sichtbar, sie steht im Bericht “Manuelle Maßnahmen” derselben Property. Wer also wissen will, ob Google konkret eingeschritten ist, schaut dort nach und nicht im Linkbericht.

Welche Praktiken Google als Linkspam einstuft, steht in den Spam-Richtlinien ausdrücklich: Linkkauf und Linktauschsysteme werden dort als Linkspam geführt, der Rankings schädigen kann.

Der dritte Mechanismus liegt beim Websitebetreiber. Über das Disavow-Tool können Betreiber Google mitteilen, die entsprechenden Links für ungültig zu erklären. Eingereicht wird eine Textdatei mit den betreffenden URLs oder Domains, gebunden an die jeweilige Property.

Wichtig ist die Reihenfolge der Zuständigkeiten: Disavow ändert nichts an dem, was im Bericht “Links” steht. Die Links bleiben dort sichtbar, weil Google sie weiterhin kennt und weiterhin findet. Die Datei ist eine Anweisung für die Bewertung, keine Löschung aus den Daten. Wer nach dem Einreichen erwartet, dass der Bericht schrumpft, wartet auf etwas, das nicht vorgesehen ist.

Weil das Werkzeug auf Zuruf funktioniert und Google die Entwertung problematischer Links in aller Regel selbst übernimmt, ist es ein Instrument für den begründeten Ausnahmefall, nicht für die routinemäßige Pflege des Linkprofils.

Die Lesart in vier Sätzen

Google zeigt in der Search Console, welche externen Links es kennt, aufgeschlüsselt nach verlinkten Seiten, verweisenden Quellen und Linktexten. Es rechnet diese Links der kanonischen URL des Ziels zu, weshalb die Zahlen dort anders aussehen als in jedem Werkzeug, das pro URL-Variante zählt. Bewertet wird nichts von dem, was der Bericht anzeigt: Attribute wirken seit September 2019 als Hinweise, Penguin arbeitet seit September 2016 in Echtzeit im Kernalgorithmus, und beides ist im Bericht unsichtbar. Der einzige Hebel, den ein Betreiber an dieser Stelle selbst in der Hand hat, ist die Disavow-Datei, und auch sie verändert nur die Bewertung, nicht die Anzeige.