ONMA Ratgeber

E Online Shopping: So läuft ein Onlinekauf wirklich ab, vom Warenkorb bis zur Retoure

So läuft ein Onlinekauf ab: Warenkorb, Kasse, Bezahlarten im Risikovergleich, Seriositätsprüfung und das 14-tägige Widerrufsrecht samt Retoure.

Zwei Männer arbeiten in einem hellen Büro nebeneinander am Laptop, auf dem Bildschirm Programmcode

Online einkaufen ist längst Normalfall statt Ausnahme: In der EU haben 2024 mehr als drei Viertel (77 %) der 16- bis 74-Jährigen online eingekauft, und über 40 Prozent der Internetnutzerinnen und Internetnutzer bestellen mindestens einmal im Monat. Der Grund liegt weniger im Preis als im Ablauf: Wer online kauft, ist nicht an Öffnungszeiten gebunden und kann rund um die Uhr bestellen.

Dieser Ratgeber beschreibt den Kauf aus Ihrer Sicht als Kundin oder Kunde. Also: Was passiert zwischen dem Klick auf “In den Warenkorb” und dem Moment, in dem das Geld wieder auf Ihrem Konto ist, wenn Sie die Ware zurückschicken.

Der Ablauf in fünf Schritten

1. Warenkorb füllen. Der Warenkorb ist unverbindlich. Nichts, was dort liegt, ist gekauft, und in vielen Shops bleibt der Inhalt tage- bis wochenlang gespeichert, wenn Sie angemeldet sind. Prüfen Sie hier bereits die Angaben zu Lieferzeit und Verfügbarkeit, nicht erst an der Kasse.

2. Zur Kasse gehen. Sie geben Liefer- und Rechnungsadresse an und wählen Versand- und Zahlungsart. Achten Sie darauf, wann Versandkosten erscheinen. Seriöse Shops nennen sie spätestens hier vollständig, inklusive möglicher Aufschläge für bestimmte Zahlungsarten.

3. Bestellung abschließen. Der entscheidende Klick ist gesetzlich geregelt: Die Schaltfläche muss eindeutig beschriftet sein, üblicherweise mit “Zahlungspflichtig bestellen” oder “Kaufen”. Steht dort nur “Weiter” oder “Bestellung abschicken”, ist das ein Warnzeichen. Direkt darüber muss eine Übersicht stehen mit Ware, Gesamtpreis, Versandkosten und Lieferzeit.

4. Bestätigung und Vertrag. Sie erhalten eine automatische Eingangsbestätigung. Diese ist noch nicht zwingend die Vertragsannahme, das hängt von den AGB des Shops ab. Verbindlich wird es meist mit der Versandbestätigung. Praktisch relevant: Solange nicht versendet wurde, lässt sich eine Bestellung oft noch formlos stornieren, was schneller geht als jede Retoure.

5. Lieferung und Prüfung. Packen Sie zeitnah aus und prüfen Sie die Ware. Transportschäden melden Sie am besten sofort mit Fotos, auch von der Verpackung. Für das Widerrufsrecht spielt es dagegen keine Rolle, wie schnell Sie auspacken, dazu unten mehr.

Bezahlarten: Wer trägt das Risiko?

Der praktische Unterschied zwischen den Zahlungsarten ist nicht die Bequemlichkeit, sondern die Frage, wer in Vorleistung geht.

ZahlungsartIhr RisikoGeld zurückholen
Kauf auf RechnungSehr gering, Sie zahlen nach ErhaltNicht nötig, Zahlung einfach zurückhalten
LastschriftGeringRückbuchung bis 8 Wochen nach Belastung möglich
KreditkarteMittel, Sie zahlen vorabChargeback über die Bank, Fristen je nach Anbieter
PayPal und ähnliche DiensteMittelKäuferschutz, üblicherweise 180 Tage ab Zahlung
NachnahmeGering beim Geld, hoch beim InhaltSie können das Paket vor dem Öffnen nicht prüfen
Vorkasse per ÜberweisungHochPraktisch keine, das Geld ist weg

Die Faustregel: Bei einem Shop, den Sie zum ersten Mal nutzen, zahlen Sie auf Rechnung oder mit einem Verfahren, das eine Rückholmöglichkeit kennt. Vorkasse ist die einzige Zahlungsart, bei der Sie im Streitfall keinen Hebel mehr haben. Wenn ein Shop nur Vorkasse anbietet, ist das für sich genommen schon ein Grund, weiterzuziehen.

Seriositätsprüfung: fünf Minuten, die sich lohnen

Bevor Sie bei einem unbekannten Shop bestellen, arbeiten Sie diese Liste ab:

  • Impressum. Vollständiger Firmenname, ladungsfähige Anschrift, Handelsregisternummer, E-Mail-Adresse. Ein reines Kontaktformular ohne Adresse ist kein Impressum. Eine Adresse im außereuropäischen Ausland bedeutet: Ihre EU-Verbraucherrechte sind praktisch nur schwer durchsetzbar.
  • Zahlungsarten. Siehe oben. Mehrere sichere Optionen sprechen für den Shop.
  • Preise. Ein Markenprodukt, das 70 Prozent unter dem üblichen Marktpreis liegt, ist meistens keins.
  • Bewertungen, aber richtig gelesen. Suchen Sie den Shopnamen zusammen mit Wörtern wie “Erfahrung” oder “Rücksendung” außerhalb der Shopseite. Interessant sind nicht die Fünf-Sterne-Texte, sondern wie der Shop auf Beschwerden reagiert.
  • Gütesiegel prüfen, nicht nur sehen. Ein Siegelbild lässt sich kopieren. Echte Siegel sind anklickbar und führen zu einem Prüfeintrag beim Anbieter des Siegels.

Bei größeren Anschaffungen hilft ein Blick auf etablierte Anbieter als Referenz. Das EHI Retail Institute veröffentlicht jährlich ein Ranking der Top-100-B2C-Onlineshops in Deutschland, die Ausgabe vom 30.09.2025 bezieht sich auf das Geschäftsjahr 2024. Das ist kein Qualitätsurteil, aber ein brauchbarer Anhaltspunkt dafür, welche Händler tatsächlich in relevantem Umfang liefern.

Widerrufsrecht: 14 Tage, und die Ausnahmen

Beim Onlinekauf haben Sie als Verbraucherin oder Verbraucher ein gesetzliches Widerrufsrecht von 14 Tagen. Das ist der zentrale Unterschied zum Ladenkauf, wo eine Rücknahme reine Kulanz ist.

Wann die Frist läuft: ab dem Tag, an dem Sie (oder eine von Ihnen benannte Person) die Ware erhalten haben. Bei Teillieferungen ab der letzten Teillieferung. Wurden Sie nicht ordnungsgemäß über Ihr Widerrufsrecht belehrt, verlängert sich die Frist erheblich.

Was Sie tun müssen: Sie erklären den Widerruf innerhalb der 14 Tage, eindeutig und nachweisbar. Ein Formular oder ein Klick im Kundenkonto reicht, eine E-Mail ebenfalls. Wichtig: Die Ware kommentarlos zurückzuschicken, ist kein Widerruf, auch wenn viele Händler es so behandeln. Nach der Erklärung haben Sie weitere 14 Tage Zeit, die Ware abzusenden.

Was Sie zurückbekommen: den Kaufpreis und die Standard-Hinsendekosten. Die Rücksendekosten tragen Sie, wenn der Händler Sie darüber informiert hat. Viele Shops übernehmen sie freiwillig, das ist Service, kein Gesetz. Der Händler muss innerhalb von 14 Tagen erstatten, darf die Zahlung aber zurückhalten, bis er die Ware hat oder Sie die Absendung nachweisen.

Prüfen ja, benutzen nein. Sie dürfen die Ware so prüfen, wie es im Ladengeschäft möglich wäre. Anprobieren gehört dazu, tagelang tragen nicht. Für einen darüber hinausgehenden Wertverlust kann der Händler Wertersatz verlangen.

Kein Widerrufsrecht gibt es unter anderem bei: individuell angefertigten Waren, schnell verderblichen Lebensmitteln, entsiegelten Hygieneartikeln, entsiegelten Datenträgern und Software sowie einzeln gelieferten Zeitungen und Zeitschriften. Entscheidend ist bei den Siegel-Fällen immer, ob Sie es geöffnet haben.

Retoure in der Praxis

  1. Widerruf im Kundenkonto oder per E-Mail erklären und die Bestätigung speichern.
  2. Retourenschein erzeugen. Falls der Shop keinen anbietet, legen Sie einen Zettel mit Bestellnummer und Ihrem Namen ins Paket.
  3. Originalverpackung nutzen, wenn möglich, aber ein fehlender Umkarton ist kein Grund zur Ablehnung.
  4. Einlieferungsbeleg aufheben. Das ist der wichtigste Schritt. Bei einem verlorenen Paket entscheidet dieser Beleg darüber, wer den Schaden trägt.
  5. Nach zwei Wochen ohne Erstattung schriftlich nachhaken, mit Frist.

Retouren sind zusammen mit dem Thema Nachhaltigkeit laut Branchenauswertungen eines der zentralen Themen des deutschen E-Commerce. Praktisch heißt das für Sie: Wer drei Größen bestellt, um zwei zurückzuschicken, nutzt zwar ein legales Recht, treibt aber Preise und Emissionen mit. Ein Blick in die Größentabelle des Herstellers spart oft die zweite Bestellung.

Wenn nach dem Kauf etwas kaputtgeht

Widerrufsrecht und Gewährleistung sind zwei verschiedene Dinge. Der Widerruf braucht keinen Grund, gilt aber nur 14 Tage. Die Gewährleistung gilt zwei Jahre ab Erhalt und greift bei Mängeln, die schon bei Übergabe vorlagen. In den ersten zwölf Monaten muss der Händler beweisen, dass die Sache mangelfrei war, danach müssen Sie es beweisen. Ihr erster Anspruch ist Nachbesserung oder Ersatzlieferung, erst danach kommen Minderung oder Rücktritt in Frage.

Ihr Vertragspartner ist immer der Shop, nicht der Hersteller und nicht der Paketdienst. Eine zusätzliche Herstellergarantie ist ein freiwilliges Extra und ersetzt die Gewährleistung nicht.