ONMA Ratgeber

Online-Shopping und E-Commerce: was hinter jedem Schritt Ihres Kaufs steckt

Suche, Vergleich, Warenkorb, Zahlung, Lieferung, Retoure: Sie sehen an jeder Station, wer im Hintergrund beteiligt ist und worauf Sie achten sollten.

Zwei Männer arbeiten in einem hellen Büro nebeneinander am Laptop, auf dem Bildschirm Programmcode

Wer online etwas bestellt, benutzt zwei Dinge gleichzeitig, ohne es zu merken: einen Shop und die gesamte Infrastruktur dahinter. Umgangssprachlich heißt beides E-Commerce. Für Sie als Käufer lohnt sich die Unterscheidung trotzdem, weil sie erklärt, warum manche Probleme beim Händler liegen, andere beim Zahlungsdienstleister und wieder andere beim Paketdienst. Diese Seite geht deshalb nicht den Weg über eine Wörterbuchdefinition, sondern entlang des Kaufprozesses: Suche, Vergleich, Warenkorb, Bezahlung, Lieferung, Retoure. An jeder Station steht, was Sie sehen, wer im Hintergrund beteiligt ist und worauf Sie achten können.

Die Abgrenzung vorweg, in zwei Sätzen: Elektronischer Handel, auch Internethandel oder Onlinehandel genannt, bezeichnet laut Wikipedia Kauf- und Verkaufsvorgänge mittels Internet oder anderer Formen elektronischer Netze. Online-Shopping ist davon der Ausschnitt, den Sie als Konsument bedienen, denn zum E-Commerce zählen nach Darstellung von Für-Gründer.de auch weitere Bereiche des E-Business wie Online-Banking oder Kundenservice. Anders gesagt: Sie shoppen online, aber Sie bewegen sich dabei durch ein System, das deutlich mehr umfasst als die Produktseite vor Ihnen.

Schritt 1: Die Suche

Der Kauf beginnt fast nie im Shop. Er beginnt in einem Suchfeld, und das steht entweder bei einer Suchmaschine, bei einem Marktplatz oder in einer App. Diese drei Startpunkte führen zu spürbar unterschiedlichen Ergebnislisten, weil sie unterschiedliche Ziele haben. Eine Suchmaschine sortiert nach Relevanz für Ihre Frage. Ein Marktplatz sortiert nach dem, was er verkaufen kann und was ihm Umsatz bringt. Das ist kein Vorwurf, sondern eine Eigenschaft, die man beim Lesen der Trefferliste mitdenken sollte.

Der Startpunkt ist inzwischen sehr häufig ein Telefon. Statista beschreibt in seiner Themenseite zum E-Commerce in Deutschland, dass der Onlinehandel generationenübergreifend wächst und dabei am liebsten per Smartphone eingekauft wird. Für Sie hat das eine praktische Folge: Sie sehen auf dem kleinen Display weniger Informationen gleichzeitig. Versandkosten, Lieferzeit und Verkäufername rutschen auf mobilen Produktseiten oft weit nach unten oder hinter ein Aufklappelement. Wer denselben Artikel später am größeren Bildschirm ansieht, entdeckt regelmäßig Details, die vorher schlicht nicht im Blickfeld waren.

Ein zweiter Punkt, der bei der Suche schon relevant ist: Sie suchen ein Produkt, landen aber bei einem Verkäufer. Auf Marktplätzen sind das zwei verschiedene Dinge. Dieselbe Artikelseite kann von mehreren Händlern beliefert werden, und der Vertragspartner wechselt damit auch. Das ist der erste Ort im Prozess, an dem sich die Unterscheidung zwischen der Plattform und dem eigentlichen Handelsgeschäft konkret auswirkt.

Schritt 2: Der Vergleich

Beim Vergleichen tritt die Struktur des Marktes offen zutage. Der deutsche Onlinehandel ist stark konzentriert. Statista führt in seiner Themenseite ein Ranking der 100 umsatzstärksten Online-Shops in Deutschland, das Amazon mit einem Umsatz von rund 16,2 Milliarden Euro im Jahr 2024 anführt. Das EHI Retail Institute veröffentlicht ebenfalls ein Ranking der Top-100-B2C-Onlineshops sowie der Top-5-B2C-Marktplätze für physische Waren im Geschäftsjahr 2024, basierend auf der Studie E-Commerce-Markt Deutschland.

Für den Vergleich heißt das: Ein sehr großer Teil dessen, was Ihnen begegnet, kommt von einer überschaubaren Zahl von Anbietern. Kleinere Shops sind deswegen nicht schlechter, sie sind nur seltener das erste Ergebnis. Wenn ein Preis auffällig weit unter dem liegt, was die bekannten Anbieter aufrufen, ist das ein Anlass, genauer hinzusehen, nicht automatisch ein Grund zur Skepsis.

Sinnvoll ist beim Vergleichen eine feste Reihenfolge, weil sie verhindert, dass der Preis alles andere überdeckt:

Was Sie prüfenWarum es an dieser Stelle zählt
Gesamtpreis inklusive VersandDer Artikelpreis allein ist nicht vergleichbar, sobald Versandkosten variieren
Wer ist der VerkäuferBestimmt, an wen Gewährleistung und Rückgabe gehen
Lieferzeit und VerfügbarkeitEntscheidet häufiger über Zufriedenheit als der Preisunterschied
Bedingungen für RücksendungenDie Kosten einer Retoure können den Preisvorteil aufheben
Impressum und KontaktwegDer einfachste Test, ob ein Ansprechpartner existiert

Statista gliedert den deutschen Markt unter anderem nach führenden Online-Händlern, nach Umsätzen einzelner Produktkategorien, nach Online-Käufern und nach Einkaufsverhalten. Diese Aufteilung ist auch für den privaten Vergleich brauchbar: Produktkategorien verhalten sich unterschiedlich. Was bei Elektronik gilt, wo Modellnummern eindeutig sind, gilt bei Bekleidung nicht, wo Größen zwischen Marken abweichen und die Rücksendung von vornherein eingeplant wird.

Schritt 3: Der Warenkorb

Der Warenkorb wirkt wie ein Zwischenspeicher, ist aber die Stelle, an der die meisten Zusatzkosten sichtbar werden. Versandkosten, Mindestbestellwerte, Rabattcodes und Zahlungsaufschläge erscheinen erst hier vollständig. Ein Preisvergleich, der vor dem Warenkorb endet, ist unvollständig.

Ein praktischer Nebeneffekt des Online-Kaufs zeigt sich genau an dieser Stelle. Beim Online-Shopping sind Konsumenten nach Darstellung des Händlerbunds nicht an bestimmte Öffnungszeiten gebunden, sondern können rund um die Uhr bestellen. Das ist der meistgenannte Vorteil, hat aber eine Kehrseite, die selten dazugesagt wird: Sie können auch dann bestellen, wenn niemand erreichbar ist, der eine Frage beantworten könnte. Der Warenkorb ist deshalb der letzte bequeme Zeitpunkt, um offene Punkte zu klären, etwa per Nachricht an den Kundenservice, bevor die Bestellung ausgelöst ist.

Ebenfalls hier entscheidet sich, ob Sie ein Kundenkonto anlegen oder als Gast bestellen. Das Konto erleichtert spätere Retouren und Nachfragen, weil Bestellhistorie und Rücksendeetiketten dort liegen. Die Gastbestellung hinterlässt weniger Daten. Beides ist vertretbar, es ist eine Abwägung zwischen Komfort im Fehlerfall und Datensparsamkeit.

Schritt 4: Die Bezahlung

Beim Bezahlen verlassen Sie regelmäßig den Shop, auch wenn es optisch nicht so aussieht. Zahlungsdienstleister, Bank und teilweise ein Rechnungskauf-Anbieter treten hinzu. Das ist der Punkt, an dem die weite Auslegung von E-Commerce praktisch wird: Online-Banking und Zahlungsabwicklung gehören nach der oben genannten Darstellung zum selben Feld des E-Business wie der Shop, sind aber ein anderes Unternehmen mit eigenen Bedingungen.

Für Sie als Käufer folgt daraus eine nützliche Regel. Wenn eine Zahlung fehlschlägt, ein Betrag doppelt abgebucht wird oder eine Rückerstattung ausbleibt, ist der Shop nicht immer die richtige erste Adresse. Umgekehrt gilt: Reklamationen zur Ware gehen immer an den Verkäufer, nicht an den Zahlungsdienstleister. Die Zahlungsart bestimmt außerdem, wie schnell Sie Geld zurückbekommen. Bei Rechnungskauf entfällt die Rückerstattung, weil noch nichts geflossen ist. Bei Lastschrift oder Karte vergeht zwischen Eingang der Retoure und Gutschrift zusätzliche Zeit.

Ein Hinweis, der unabhängig von der gewählten Methode gilt: Die Zahlungsseite ist der beliebteste Angriffspunkt für Nachahmerseiten. Ein Blick auf die Adresszeile im Browser, bevor Sie Daten eingeben, kostet zwei Sekunden und ist die wirksamste einzelne Vorsichtsmaßnahme im gesamten Prozess.

Schritt 5: Die Lieferung

Nach der Bestellbestätigung wechselt die Zuständigkeit erneut. Der Händler übergibt das Paket an einen Logistikdienstleister, und ab da sehen Sie einen Sendungsstatus statt einer Bestellung. Beide Systeme kennen einander nur über eine Sendungsnummer, weshalb der Shop bei Lieferproblemen oft nicht mehr weiß als Sie selbst.

Wichtig für die Erwartungshaltung: Lieferzeitangaben im Shop sind Prognosen, keine Zusagen, solange sie nicht ausdrücklich als verbindlicher Termin ausgewiesen sind. Zwei Angaben werden dabei häufig verwechselt. Die Versandbereitschaft beschreibt, wann das Paket den Händler verlässt, die Lieferzeit, wann es bei Ihnen ankommt. Bei Artikeln von mehreren Verkäufern innerhalb einer Bestellung kommen Teillieferungen hinzu, jede mit eigener Sendungsnummer.

Die eigentliche Belastungsprobe des Onlinekaufs ist nicht die pünktliche Lieferung, sondern die abweichende: falsche Größe, Transportschaden, fehlendes Zubehör. Deshalb lohnt es sich, Bestellbestätigung und Sendungsnummer aufzuheben, bis der Kauf abgeschlossen ist. Das ist die einzige Dokumentation, die Sie unabhängig vom Shop-Konto besitzen.

Schritt 6: Die Retoure

Die Rücksendung ist der Schritt, der den Onlinekauf am deutlichsten vom Kauf im Laden unterscheidet, und der Schritt, an dem der Prozess am häufigsten unangenehm wird. Sie ist zugleich ein Thema, das die Branche insgesamt beschäftigt: Statista nennt Retouren und Nachhaltigkeit ausdrücklich als zwei der Themen, die den deutschen E-Commerce derzeit umtreiben.

Praktisch heißt das für Sie: Rücksendungen sind eingeplant, aber nicht überall gleich geregelt. Prüfen Sie vor dem Kauf drei Punkte, nicht danach. Erstens, wer die Rücksendekosten trägt. Zweitens, in welcher Frist Sie zurücksenden können und ab wann diese Frist läuft. Drittens, ob die Originalverpackung verlangt wird, was besonders bei Elektronik und Möbeln vorkommt.

Für die Nachhaltigkeitsseite gibt es einen Hebel, der beim Käufer liegt und keinen Verzicht bedeutet: die Auswahlbestellung. Drei Größen desselben Kleidungsstücks zu bestellen und zwei zurückzuschicken ist bequem, erzeugt aber genau die Transportwege, die in der Debatte um Retouren im Mittelpunkt stehen. Eine sorgfältig gelesene Größentabelle ersetzt oft eine ganze Rücksendung.

Was für Ihren nächsten Kauf daraus folgt

Der Nutzen der Unterscheidung zwischen Online-Shopping und E-Commerce ist kein sprachlicher, sondern ein organisatorischer. Sie durchlaufen bei jedem Kauf mehrere Zuständigkeiten: die Plattform, auf der Sie suchen, den Händler, mit dem Sie den Vertrag schließen, den Zahlungsdienstleister, der das Geld bewegt, und den Logistiker, der liefert. Wer weiß, welche Station gerade zuständig ist, spart sich Nachfragen an der falschen Stelle.

Drei Gewohnheiten decken den größten Teil der typischen Ärgernisse ab. Vergleichen Sie den Gesamtpreis inklusive Versand, nicht den Artikelpreis. Klären Sie die Rückgabebedingungen vor der Bestellung, nicht nach der Lieferung. Und notieren Sie sich, wer der Verkäufer ist, besonders auf Marktplätzen, auf denen dieselbe Produktseite zu verschiedenen Vertragspartnern führen kann. Der Rest ist Erfahrung, und die sammelt sich beim Onlinekauf ohnehin von selbst an, weil er nach den vorliegenden Marktdaten längst über alle Altersgruppen hinweg zum Normalfall geworden ist.