ONMA Ratgeber

Google Ads Agentur finden: Der praxisorientierte Leitfaden für eine nachprüfbare Auswahl

Mit Anforderungsprofil, Gesprächsfragen und Bewertungsmatrix prüfen Sie Kontoeigentum, Tracking, Transparenz, Vertrag und Übergabe.

Zwei Männer arbeiten in einem hellen Büro nebeneinander am Laptop, auf dem Bildschirm Programmcode

Wer eine Google Ads Agentur finden will, steht vor einem strukturellen Problem: Der Markt ist intransparent, die Versprechen ähneln sich und die eigentliche Qualität einer Zusammenarbeit zeigt sich oft erst nach Monaten. Rankings, Siegel und Hochglanz-Fallstudien helfen dabei nur begrenzt, denn sie beantworten nicht die zentrale Frage: Passt diese Agentur zu unserem Geschäftsmodell, unserer Datenlage und unserer internen Organisation?

Dieser Leitfaden dreht den üblichen Prozess um. Statt mit der Agentursuche zu beginnen, beginnt er mit dem eigenen Anforderungsprofil. Darauf aufbauend führt er durch Shortlist, Briefing und Erstgespräche bis zur Bewertungsmatrix, Vertragsprüfung und Übergabe. Im Mittelpunkt stehen nachprüfbare Auswahlkriterien: Kontoeigentum, Tracking-Kompetenz, Transparenz im Reporting und erkennbare Warnsignale. Ziel ist eine Entscheidung, die sich begründen lässt, intern wie extern.

Schritt 1: Das interne Anforderungsprofil erstellen

Eine Agentur lässt sich nur dann sinnvoll beurteilen, wenn intern Klarheit über die Ausgangslage besteht. Andernfalls vergleichen Unternehmen Angebote, die auf völlig unterschiedlichen Annahmen beruhen. Das Anforderungsprofil muss kein Lastenheft sein, sollte aber schriftlich fixiert werden.

Geschäftsziele konkret formulieren

Legen Sie fest, welchen Beitrag Google Ads zum Geschäftsergebnis leisten soll. Typische Ziele sind:

  • qualifizierte Anfragen für den Vertrieb gewinnen
  • Onlineverkäufe profitabel steigern
  • bestimmte Produktgruppen oder Margenbereiche gezielt vermarkten
  • neue regionale Märkte oder Zielgruppen erschließen
  • wiederkehrende Umsätze und Kundenwerte erhöhen

Ein Ziel wie „mehr Sichtbarkeit“ ist für die Agenturauswahl zu ungenau. Aussagekräftig ist dagegen: „Google Ads soll monatlich qualifizierte Demoanfragen für Produkt X erzeugen. Qualifiziert bedeutet: Unternehmen ab 50 Mitarbeitenden mit einem konkreten Einführungszeitraum.“

Wer zu Beginn keine belastbaren Zielwerte nennen kann, sollte von einer guten Agentur erwarten dürfen, dass sie sinnvolle Messgrößen und eine realistische Lernphase vorschlägt. Unsicherheit offen zu benennen ist ein Qualitätsmerkmal. Ergebnisgarantien sind es nicht.

Ausgangslage und Ressourcen dokumentieren

Für eine erste Einordnung durch jede Agentur sollten Sie folgende Punkte zusammentragen:

  • bestehendes Google Ads-Konto samt Kampagnenhistorie
  • durchschnittliches oder geplantes Werbebudget als Größenordnung
  • Zielmärkte, Sprachen und Regionen
  • wichtige Produkte, Leistungen und deren Margen
  • vorhandene Landingpages und technische Ressourcen
  • saisonale Schwankungen
  • bisherige Conversion-Daten und deren Qualität
  • eingesetzte Analyse-, Shop-, CRM- und Consent-Systeme
  • interne Ansprechpartner und Freigabewege
  • bekannte Schwachstellen der bisherigen Betreuung

Bei einem bestehenden Konto gilt: Die Daten sind ein Vermögenswert. Kampagnenhistorie, Suchbegriffe, Zielgruppensignale und Conversion-Daten sind für jede Analyse wertvoll. Ein kompletter Neustart ist deshalb selten die beste erste Maßnahme, auch wenn ihn manche Agentur reflexartig vorschlägt.

Den Verantwortungsumfang abgrenzen

Viele Konflikte in der späteren Zusammenarbeit entstehen an unklaren Schnittstellen. Klären Sie vor der Suche:

  • Wer formuliert Ziele und wirtschaftliche Prioritäten?
  • Wer pflegt Produktdaten, Preise und Verfügbarkeiten?
  • Wer erstellt und verändert Landingpages?
  • Wer verantwortet Tracking und technische Implementierung?
  • Wer gibt Anzeigentexte und Budgeterhöhungen frei?
  • Wer bewertet die Qualität eingehender Leads?
  • Wer liefert Rückmeldungen aus Vertrieb und Kundenservice?
  • Wer entscheidet über strategische Kurswechsel?

Je präziser diese Rollen beschrieben sind, desto besser erkennen Sie, ob die Arbeitsweise einer Agentur zu Ihrer Organisation passt.

Schritt 2: Muss-Kriterien und Ausschlusskriterien festlegen

Bevor die erste Agentur kontaktiert wird, sollten zwingende Anforderungen von wünschenswerten Eigenschaften getrennt werden. Das verhindert, dass Bekanntheit, Verkaufsrhetorik oder beeindruckende Referenzlogos die Entscheidung kippen.

Mögliche Muss-Kriterien:

  • nachweisbare Erfahrung mit vergleichbaren Geschäftsmodellen
  • ein benannter, verantwortlicher Ansprechpartner
  • voller Zugriff des Unternehmens auf das eigene Google Ads-Konto
  • nachvollziehbare Regelungen zu Tracking und Datenzugriff
  • regelmäßige Berichte mit wirtschaftlich relevanten Kennzahlen
  • dokumentierte Freigabeprozesse für wesentliche Änderungen
  • klare Kündigungs- und Übergaberegelungen

Mögliche Ausschlusskriterien:

  • Das Werbekonto soll ausschließlich der Agentur gehören.
  • Zugang zu Kampagnen oder Rohdaten wird verweigert.
  • Umsätze oder Ergebnisse werden ohne Analyse garantiert.
  • Fragen zum Tracking bleiben ausweichend.
  • Das spätere Betreuungsteam wird dem Erstgespräch ferngehalten.
  • Vertragslaufzeit und Leistungsumfang sind intransparent.
  • Berichte beschränken sich auf Klicks und Impressionen.

Wichtig: Gewichten Sie die Kriterien vor den Gesprächen. Wer die Maßstäbe erst nach einer überzeugenden Präsentation festlegt, misst nachträglich nach Sympathie statt nach Substanz.

Schritt 3: Eine belastbare Shortlist aufbauen

Drei bis fünf Kandidaten sind für die meisten Auswahlprozesse praktikabel. Bei deutlich mehr Gesprächen steigt der Aufwand, während die Vergleichbarkeit sinkt. Geeignete Quellen für Kandidaten sind:

  • Empfehlungen aus dem eigenen beruflichen Netzwerk
  • Erfahrungen von Unternehmen mit ähnlichen Vertriebsmodellen
  • Fachbeiträge, Vorträge und methodisch nachvollziehbare Fallstudien
  • Branchenveranstaltungen und Fachkonferenzen
  • gezielte Recherche nach spezifischer Erfahrung, etwa B2B-Leadgenerierung oder E-Commerce mit Feeds

Eine Empfehlung ist ein Ausgangspunkt, kein Qualitätsnachweis. Eine Agentur, die einen großen Onlineshop erfolgreich betreut, muss nicht zu einem B2B-Unternehmen mit sechsmonatigen Verkaufszyklen passen. Und eine prominente Kundenliste sagt nichts darüber aus, welches Team später tatsächlich an Ihrem Konto arbeitet.

Referenzen methodisch prüfen

Prüfen Sie nicht nur, wen die Agentur betreut, sondern ob die Referenzen für Ihre Situation relevant sind:

  • War das Geschäftsmodell vergleichbar?
  • Waren Budgetgröße und Datenlage ähnlich?
  • Welche Ausgangssituation lag vor, und was hat die Agentur konkret übernommen?
  • Über welchen Zeitraum wurde gearbeitet?
  • Welche Kennzahlen wurden verbessert, gemessen mit welcher Methode?
  • War das vorgestellte Team an diesem Projekt beteiligt?

Absolute Erfolgsaussagen ohne Ausgangswert und Zeitraum sind wenig belastbar. „40 Prozent mehr Conversions“ klingt gut, bleibt aber ohne Angaben zu Kosten, Conversion-Qualität und Messmethode eine Marketingformulierung.

Schritt 4: Ein einheitliches Briefing versenden

Alle Kandidaten sollten dieselben Kerninformationen und Fragen erhalten. Nur identischer Input erzeugt vergleichbaren Output. Ein kompaktes Briefing umfasst:

  1. Unternehmen, Geschäftsmodell und Zielgruppen
  2. wichtigste Produkte oder Leistungen
  3. wirtschaftliche Ziele und Prioritäten
  4. bisherige Google Ads-Aktivitäten
  5. aktueller Stand des Trackings
  6. gewünschter Leistungsumfang und interne Zuständigkeiten
  7. geplantes Werbebudget als Größenordnung
  8. gewünschter Startzeitpunkt
  9. Anforderungen an Reporting und Abstimmung
  10. erwartete Inhalte des Angebots
  11. Frist und Ablauf des Auswahlprozesses

Bei bestehenden Konten kann ein zeitlich begrenzter Lesezugriff für die Analyse sinnvoll sein. Klären Sie vorher, wer Zugriff erhält, wofür die Daten verwendet werden und wann der Zugriff wieder entfernt wird.

Schritt 5: Das Erstgespräch als Fachprüfung nutzen

Das Erstgespräch ist kein Verkaufstermin, sondern eine wechselseitige Prüfung von Arbeitsweise, Kompetenz und Erwartungen.

Fragen zu Strategie und Priorisierung

  • Wie arbeiten Sie sich in unser Geschäftsmodell ein?
  • Wie unterscheiden Sie wertvolle von weniger wertvollen Conversions?
  • Wie berücksichtigen Sie Margen, Vertriebszyklen oder Wiederkäufe?
  • Wie priorisieren Sie Maßnahmen in den ersten 30, 60 und 90 Tagen?
  • Unter welchen Umständen würden Sie von mehr Budget abraten?
  • Wie gehen Sie mit begrenzten oder widersprüchlichen Daten um?

Gute Antworten beziehen sich auf Ihre konkrete Ausgangslage. Wer vor jeder Analyse eine fertige Standardstrategie präsentiert, verkauft ein Produkt, keine Dienstleistung.

Fragen zur laufenden Betreuung

  • Wer betreut das Konto nach Vertragsabschluss tatsächlich?
  • Wie viele Kunden betreut diese Person parallel?
  • Wie sind Seniorität, Spezialisten und Vertretungen geregelt?
  • Welche Reaktionszeiten gelten bei dringenden Problemen?
  • Welche Änderungen benötigen eine Freigabe?
  • Wie werden Tests, Entscheidungen und Ergebnisse dokumentiert?

Bestehen Sie darauf, die später zuständige Person kennenzulernen. Die Qualität des Verkaufsteams und die Qualität der laufenden Betreuung sind zwei verschiedene Dinge.

Fragen zu Automatisierung und Kampagnensteuerung

Google Ads setzt zunehmend auf automatisierte Gebotsstrategien und kanalübergreifende Formate. Performance Max ist ein zielbasiertes Kampagnenformat, das aus einer Kampagne heraus über die verschiedenen Google Ads-Kanäle ausgespielt werden kann. Entscheidend ist daher nicht, ob eine Agentur Automatisierung nutzt, sondern wie sie Datenqualität, Zielvorgaben und Kontrolle sicherstellt.

Fragen Sie konkret:

  • Welche Voraussetzungen müssen für automatisierte Gebotsstrategien erfüllt sein?
  • Wie prüfen Sie, ob die hinterlegten Conversions wirtschaftlich sinnvoll sind?
  • Wie verhindern Sie, dass weiche oder doppelt gezählte Conversions die Optimierung verzerren?
  • Wie bewerten Sie Performance Max im Verhältnis zu klassischen Suchkampagnen?
  • Wann würden Sie eine Automatisierung nicht oder noch nicht einsetzen?

Eine pauschale Ablehnung automatisierter Funktionen ist genauso wenig überzeugend wie ein nikritischer Einsatz ohne Messkonzept.

Schritt 6: Tracking-Kompetenz praktisch überprüfen

Conversion-Tracking erfasst definierte Aktionen nach Anzeigeninteraktionen und bildet damit die Grundlage für Erfolgsmessung und automatisierte Gebotsstrategien. Fehlerhafte Signale führen zu falschen Entscheidungen, selbst wenn die Kampagnenoberfläche professionell aussieht. Tracking-Kompetenz ist deshalb kein Nebenthema, sondern ein Kernkriterium.

Wichtige Prüffragen:

  • Welche Aktionen sollen als primäre Conversions gelten, welche nur zur Beobachtung?
  • Wie werden doppelte Erfassungen vermieden?
  • Wie werden Formularanfragen, Anrufe oder Verkäufe validiert?
  • Können CRM-Daten oder Offline-Conversions zurückgespielt werden?
  • Wie wird mit Consent-Einstellungen und Datenlücken umgegangen?
  • Wer implementiert technische Änderungen, und wer prüft das Tracking nach Website-Releases?
  • Wie erklären Sie Abweichungen zwischen Google Ads, Analytics und CRM?

Bei Leadgenerierung reicht die Zahl versendeter Formulare selten aus. Idealerweise fließen spätere Qualitätsstufen wie qualifizierter Lead, Angebot oder Abschluss in die Steuerung ein. Sonst optimiert das System auf leicht erzeugbare, aber wirtschaftlich schwache Kontakte. Bei Onlineshops sind Transaktionswerte, Stornos, Retouren, Produktdaten und Deckungsbeiträge relevant.

Praxistest: Bitten Sie die Agentur, folgendes Szenario zu erläutern: „Die Zahl der gemessenen Leads steigt um 30 Prozent, der Vertrieb meldet aber deutlich weniger qualifizierte Gespräche. Wie gehen Sie vor?“ Eine belastbare Antwort prüft mehrere Ebenen: Tracking, Conversion-Definition, Suchanfragen, Zielgruppen, Landingpage, Spam und CRM-Zuordnung. Wer nur kampagnenseitig antwortet, greift zu kurz.

Schritt 7: Kontoeigentum und Zugriffsrechte absichern

Ihr Unternehmen sollte Eigentümer des Google Ads-Kontos und der geschäftlich relevanten Daten bleiben. Google Ads-Zugriffe lassen sich über Nutzerrollen vergeben, sodass Sie Ihr Konto besitzen und der Agentur passende Berechtigungen erteilen können. Zusätzlich ermöglicht ein Google Ads-Verwaltungskonto Agenturen, mehrere Kundenkonten zu verknüpfen und zu verwalten, ohne dass das Kundenkonto übertragen werden muss.

In der Praxis sollte gelten:

  • Das Konto wird mit einer kontrollierten Unternehmensadresse angelegt.
  • Mindestens zwei interne Personen haben Administratorrechte.
  • Die Agentur erhält nur die benötigten Berechtigungen.
  • Abrechnung, Zahlungsprofile und Rechnungszugriff sind eindeutig geregelt.
  • Verknüpfungen und Verwaltungskonten werden dokumentiert und regelmäßig geprüft.
  • Beim Vertragsende können Agenturberechtigungen vollständig entfernt werden.

Analoge Regelungen brauchen Sie für Google Analytics, Tag Manager, Merchant Center, Consent-Plattformen, Calltracking und Feeds. Ein kritisches Modell liegt vor, wenn Kampagnen ausschließlich in einem nicht übertragbaren Agenturkonto laufen und Sie nur zusammengefasste Berichte erhalten. Das erzeugt Abhängigkeit, verhindert Prüfbarkeit und riskiert Datenverlust beim Wechsel.

Schritt 8: Transparenz im Reporting bewerten

Ein gutes Reporting ermöglicht Entscheidungen. Umfang und Optik allein sagen nichts aus. Ein sinnvoller Bericht verbindet Geschäftsziel, Conversion-Qualität oder Umsatzbeitrag, Kosten, Entwicklung im Zeitverlauf, durchgeführte Maßnahmen, Testergebnisse, Risiken und nächste Schritte.

Impressionen, Klickrate und Klickpreise sind Diagnosegrößen, kein Leistungsnachweis. Lassen Sie sich vor Vertragsabschluss einen anonymisierten Musterbericht zeigen und bitten Sie um eine mündliche Einordnung: Welche Entscheidung würde die Agentur daraus ableiten? So zeigt sich, ob Reporting Daten nur wiedergibt oder tatsächlich zur Steuerung genutzt wird.

Schritt 9: Den Google Partner Status richtig einordnen

Der Google Partner Status wird Unternehmen verliehen, die die von Google definierten Anforderungen in den Bereichen Leistung, Ausgaben und Zertifizierungen erfüllen. Der Premier Partner Status ist laut Google den leistungsstärksten drei Prozent der teilnehmenden Unternehmen eines Landes vorbehalten, die Bewertung erfolgt jährlich. Zertifizierungen für Google Ads werden über Google Skillshop angeboten.

Diese Merkmale sind ein Qualifikationssignal. Sie ersetzen jedoch nicht die Prüfung von Strategie, Referenzen, Vertragsbedingungen, Tracking-Kompetenz und Zusammenarbeit. Behandeln Sie den Status als einen Prüfpunkt unter mehreren, nicht als Abkürzung der eigenen Bewertung.

Schritt 10: Angebote mit einer Bewertungsmatrix vergleichen

Eine Bewertungsmatrix reduziert Bauchentscheidungen und macht intern sichtbar, warum ein Anbieter bevorzugt wird. Jedes Kriterium erhält ein Gewicht und eine Bewertung, etwa von 0 bis 5 Punkten, jeweils mit kurzer schriftlicher Begründung.

KriteriumBeispielgewichtLeitfrage
Strategisches Verständnis20 ProzentVersteht die Agentur Geschäftsmodell, Ziele und wirtschaftliche Zusammenhänge?
Tracking und Daten20 ProzentKann sie Messkonzept, Datenqualität und technische Zuständigkeiten erklären?
Betreuungsteam15 ProzentSind Ansprechpartner, Erfahrung, Kapazität und Vertretung geklärt?
Transparenz15 ProzentSind Kontozugriff, Reporting und Änderungsdokumentation nachvollziehbar?
Vorgehensweise10 ProzentIst der Plan priorisiert, realistisch und auf die Ausgangslage zugeschnitten?
Referenzen10 ProzentSind vergleichbare Herausforderungen belegt?
Vertrag und Übergabe10 ProzentSind Leistungen, Laufzeit, Rechte und Exit-Prozess eindeutig geregelt?

Passen Sie die Gewichte an Ihre Situation an. Bei komplexer Messarchitektur verdient Tracking mehr Gewicht, bei internationaler Zusammenarbeit Kommunikation und lokale Zuständigkeiten. Eine 5 bei Tracking könnte etwa lauten: „Messkonzept konkret erläutert, Verantwortlichkeiten benannt, CRM-Rückspielung anhand eines ähnlichen Projekts erklärt, Audit als erster Schritt vorgesehen.“

Schritt 11: Warnsignale früh erkennen

Ein einzelnes Warnsignal muss kein Ausschlussgrund sein. Häufen sich mehrere Punkte, sollten Sie die Entscheidung kritisch überprüfen.

Fachliche Warnsignale: garantierte Ergebnisse ohne Analyse, Fokus auf Klicks statt Geschäftsergebnis, keine Fragen zu Margen oder Leadqualität, unklare Antworten zur Conversion-Erfassung, Standardstrategie ohne Bezug zum Geschäftsmodell, fehlende Erklärung für Abweichungen zwischen den Systemen.

Organisatorische Warnsignale: das Verkaufsteam bleibt der einzige Kontakt, Zuständigkeiten nach Vertragsabschluss sind unklar, wichtige Entscheidungen werden nur mündlich getroffen, Reaktionszeiten sind bereits im Auswahlprozess langsam, hohe Abhängigkeit von einer Einzelperson.

Vertragliche Warnsignale: das Konto gehört der Agentur, Datenexport ist eingeschränkt, lange Bindung ohne angemessene Ausstiegsklauseln, Leistungen werden nur mit Sammelbegriffen beschrieben, die Unterstützung bei einer Übergabe ist ausgeschlossen.

Schritt 12: Den Vertrag vor Unterschrift prüfen

Der Vertrag muss die besprochenen Erwartungen verbindlich abbilden. Mündliche Zusagen gehören in den Vertrag oder eine schriftlich bestätigte Leistungsbeschreibung. Prüfen Sie insbesondere:

  • Vertragsparteien und benannte Ansprechpartner
  • Beginn, Mindestlaufzeit und Kündigungsfrist
  • konkret enthaltene Leistungen und deren Umfang
  • Häufigkeit von Abstimmungen und Berichten
  • Zuständigkeit für Tracking und technische Umsetzung
  • Freigabegrenzen für Budgets und Kampagnenänderungen
  • Eigentum an Konten, Daten und erstellten Inhalten
  • Vertraulichkeit, Datenschutz und Einsatz von Unterauftragnehmern
  • Unterstützung bei Vertragsende samt Umfang und Format der Übergabedokumentation

Formulierungen wie „laufende Optimierung“ sollten konkretisiert werden. Relevant ist ein klarer Prozess für Analyse, Priorisierung, Umsetzung und Dokumentation.

Schritt 13: Die Zusammenarbeit strukturiert starten

Nach der Beauftragung sollte nicht sofort unkoordiniert geändert werden. Eine geordnete Startphase schafft die gemeinsame Datenbasis: Zugriffe und Rollen einrichten, Ziele bestätigen, Kontostruktur und Änderungshistorie prüfen, Conversion-Tracking auditieren, Abrechnung und Budgetgrenzen kontrollieren, Verknüpfungen dokumentieren, Risiken priorisieren, Maßnahmenplan abstimmen und Ausgangswerte für spätere Bewertungen sichern.

Bei einem Agenturwechsel gilt: Nicht alles neu aufsetzen, sondern prüfen, welche Strukturen, Daten und Tests weiterhin tragfähig sind. Jede Änderung sollte so dokumentiert werden, dass ihre Wirkung später bewertet werden kann.

Schritt 14: Die Übergabe von Anfang an vorbereiten

Jede Zusammenarbeit kann enden. Dokumentieren Sie deshalb fortlaufend: Konten und Eigentümer, Nutzer und Rollen, aktive Kampagnen und Zielsetzungen, Conversion-Aktionen und deren technische Implementierung, Skripte und Regeln, Feeds und Datenquellen, Budgetlogik, laufende Tests, offene Aufgaben und relevante historische Auswertungen. Zum Vertragsende werden Zugriffe kontrolliert übergeben oder entfernt, ohne laufende Kampagnen zu unterbrechen. Besonders kritisch sind Zahlungsprofile, automatische Regeln, Feed-Verbindungen und Systeme, die über persönliche E-Mail-Adressen verwaltet werden.

Kompakte Checkliste für die finale Entscheidung

  • Sind Ziele und interne Verantwortlichkeiten dokumentiert?
  • Hat die Agentur unsere wirtschaftliche Ausgangslage verstanden?
  • Kennen wir das tatsächliche Betreuungsteam?
  • Kann sie Tracking, Conversion-Qualität und Datenlücken konkret erklären?
  • Bleiben Konto und Daten in unserem Eigentum?
  • Enthält das Reporting geschäftlich relevante Kennzahlen?
  • Wurde der Partner Status nur als ergänzendes Signal bewertet?
  • Sind Leistungen, Laufzeit und Kündigung verständlich formuliert?
  • Ist eine vollständige Übergabe bei Vertragsende vorgesehen?
  • Können wir die Entscheidung anhand einheitlicher Kriterien begründen?

Fazit: Auswahlqualität entsteht durch einen prüfbaren Prozess

Die passende Google Ads Agentur finden Sie nicht über ein Ranking, ein Siegel oder eine einzelne Fallstudie, sondern über einen strukturierten Prozess: klare Ziele und Ausschlusskriterien, identische Briefings, Gespräche mit dem realen Betreuungsteam, fachliche Praxistests, gesichertes Kontoeigentum und eine Bewertungsmatrix. Ergänzt durch eine gründliche Vertragsprüfung und eine von Beginn an vorbereitete Übergabe beruht Ihre Entscheidung nicht auf der überzeugendsten Präsentation, sondern auf nachprüfbaren Kriterien. Das ist die belastbarste Grundlage für eine Zusammenarbeit, die auch bei kritischen Fragen Bestand hat.