Google Keyword Finder Tool: vom Seed-Keyword zur geclusterten Shortlist
Schritt für Schritt durch Googles Keyword-Planer: Seed oder Website eingeben, Ergebnisse filtern, Metriken lesen und nach Suchintention clustern.
Das Werkzeug, das Google selbst für die Keyword-Suche anbietet, ist der Keyword-Planer in Google Ads. Er ist Bestandteil von Google Ads, findet neue Keywords und liefert zu jedem Begriff Such- und Kostenschätzungen. Google beschreibt ihn ausdrücklich als Werkzeug zum Aufbau von Keyword-Listen für Suchkampagnen. Genau daraus ergibt sich die wichtigste Regel für die Bedienung: Jede Zahl, die Sie dort sehen, ist zuerst eine Aussage über den Anzeigenmarkt und erst danach eine Orientierung für Ihre Inhalte.
Die folgende Anleitung führt Sie durch den kompletten Arbeitsablauf: Konto öffnen, Einstieg wählen, Seed-Keyword oder Website eingeben, Grundeinstellungen setzen, Liste filtern, Metriken lesen, nach Suchintention clustern und die Auswahl in einen Plan übernehmen. Am Ende steht keine möglichst große Exportdatei, sondern eine begründete Shortlist.
Der Ablauf in der Kurzfassung
| Phase | Was Sie im Tool tun | Ergebnis |
|---|---|---|
| Einstieg | “Neue Keywords entdecken” öffnen | leere Eingabemaske |
| Quelle | Seed-Begriffe oder Website eingeben | Rohliste mit Ideen |
| Einstellungen | Standort, Sprache, Netzwerk, Zeitraum setzen | vergleichbare Datenbasis |
| Reduktion | Text- und Kategoriefilter anwenden | fachlich passende Liste |
| Bewertung | Nachfrage, Trend, Wettbewerb, Gebote lesen | priorisierte Begriffe |
| Struktur | nach Suchintention clustern | Cluster mit Zielseite |
| Abschluss | in den Plan übernehmen, Prognose prüfen | belastbare Shortlist |
Planen Sie für eine saubere Recherche eher eine konzentrierte Stunde als fünf Minuten Klickarbeit. Der Zeitaufwand entsteht nicht bei der Eingabe, sondern beim Aussortieren.
Schritt 1: Den Keyword-Planer öffnen und den richtigen Einstieg wählen
Melden Sie sich in Ihrem Google-Ads-Konto an und öffnen Sie im Hauptmenü Tools, dann unter Planung den Keyword-Planer. Je nach Kontotyp und Oberflächenversion liegen die Menüpunkte leicht anders, die beiden Einstiege auf der Startseite bleiben aber gleich:
- Neue Keywords entdecken: erzeugt Vorschläge aus Begriffen oder aus einer Website.
- Suchvolumen und Prognosen abrufen: bewertet eine Liste, die Sie bereits haben.
Für eine Recherche ohne fertige Liste ist immer der erste Einstieg richtig. Der zweite gehört ans Ende des Prozesses, wenn die Liste bereinigt ist und Sie deren mögliche Leistung einschätzen wollen. Wer mit der falschen Tür beginnt, bewertet Begriffe, die er noch gar nicht geprüft hat.
Schritt 2: Rechercheziel und Zielseite vor der ersten Eingabe festlegen
Der Keyword-Planer kennt Ihr Angebot nicht. Er kann nur ähnliche Suchanfragen liefern, nicht passende. Die Relevanzprüfung müssen Sie mitbringen, und sie fällt leichter, wenn Sie vorher vier Punkte notieren:
- Welches Produkt, welche Leistung oder welches Thema steht im Mittelpunkt?
- Für welches Land, welche Region oder welche Stadt recherchieren Sie?
- Welche Seite soll das Bedürfnis erfüllen, und existiert sie schon?
- Was schließen Sie grundsätzlich aus?
Der letzte Punkt spart später die meiste Zeit. Eine Ausschlussliste mit nicht geführten Marken, fremden Produktkategorien und Begriffen wie “gebraucht”, “Reparatur”, “Ersatzteile” oder “Job” lässt sich im Textfilter direkt anwenden.
Ein Beispiel für den Unterschied: Ein Möbelshop und ein Gesundheitsratgeber können beide über den ergonomischen Bürostuhl schreiben. Die passenden Keywords überschneiden sich trotzdem nur teilweise, weil Suchintention und Zielseite auseinanderliegen.
Schritt 3: Mit Seed-Keywords starten
Wählen Sie den Start über Keywords und geben Sie mehrere Begriffe ein, die Ihr Angebot konkret beschreiben. Google nennt als Ausgangspunkt genau das: Begriffe, die Ihre Produkte oder Dienstleistungen beschreiben.
Drei bis zehn Seeds reichen in der Regel. Entscheidend ist nicht die Menge, sondern die Streuung. Variieren Sie die Perspektive statt einzelner Wörter:
| Perspektive | Beispiel-Seed |
|---|---|
| Produkt | ergonomischer Bürostuhl |
| Problem | Bürostuhl gegen Rückenschmerzen |
| Eigenschaft | Bürostuhl mit Lordosenstütze |
| Zielgruppe | Bürostuhl für große Menschen |
| Handlung | ergonomischen Bürostuhl kaufen |
Ein sehr breiter Seed wie “Stuhl” produziert überwiegend Ausschuss. Zwanzig fast gleiche Formulierungen produzieren dagegen kaum neue Ideen, weil sie alle in dasselbe Themenfeld zeigen. Die Rohliste wird gut, wenn die Seeds unterschiedliche Bedürfnisse abbilden.
Schritt 4: Eine Website als Quelle nutzen
Alternativ lässt sich eine Website als Quelle verwenden. Google wertet dann die Inhalte einer Domain oder einer einzelnen URL aus und leitet daraus Ideen ab. Je nach Oberfläche wählen Sie zwischen der gesamten Site und nur der angegebenen Seite.
- Ganze Domain: sinnvoll bei thematisch eng abgegrenztem Angebot und sauberer Struktur, etwa um mehrere Produktkategorien auf einmal abzudecken.
- Einzelne URL: sinnvoll für eine konkrete Landingpage oder wenn die Domain viele Themen mischt.
Nehmen Sie bevorzugt eine Seite, die das Angebot ausführlich beschreibt. Eine textarme Startseite liefert allgemeinere Ergebnisse als eine spezifische Kategorie- oder Leistungsseite. Nebenbei zeigt dieser Modus, wie Google eine Seite thematisch einordnet. Erscheinen dabei Vorschläge aus einem völlig fremden Themenfeld, ist das ein Hinweis auf eine unscharfe Seite, nicht auf einen Fehler des Tools.
Schritt 5: Standort, Sprache, Netzwerk und Zeitraum richtig setzen
Diese vier Einstellungen bestimmen, worauf sich sämtliche Zahlen beziehen. Prüfen Sie sie vor dem Klick auf Ergebnisse anzeigen, nicht danach.
Standort. Wählen Sie nur Märkte, die Sie wirklich bedienen. Ein Betrieb mit Einzugsgebiet Köln sollte nicht ganz Deutschland einstellen. Wer nach Deutschland und Österreich liefert, untersucht beide Märkte getrennt, sobald sich Wortwahl oder Nachfrage unterscheiden.
Sprache. Die Einstellung beschreibt die Sprache der Nutzer und ersetzt keine Prüfung der Vorschläge. Fremdsprachige Begriffe und Markennamen tauchen trotzdem auf.
Suchnetzwerk. Für die Beurteilung der klassischen Google-Suche wählen Sie zunächst nur Google. Nehmen Sie Suchnetzwerk-Partner hinzu, verändert sich die Datenbasis. Vergleichen Sie zwei Recherchen deshalb nur bei identischer Netzwerkeinstellung.
Zeitraum. Zwölf Monate zeigen Saisonalität. Bei Gartenmöbeln, Weihnachtsartikeln oder Steuerthemen ist der monatliche Verlauf aussagekräftiger als der Jahresdurchschnitt, weil ein Mittelwert genau die Spitze glättet, auf die es ankommt.
Schritt 6: Die Ideenliste im Tool reduzieren
Nach dem Start zeigt der Planer eine Tabelle mit Keyword-Ideen und Kennzahlen. Filtern Sie im Tool, bevor Sie exportieren. Keyword-Ideen lassen sich im Plan bearbeiten, filtern und nach Kategorien strukturieren, und jede Zeile, die Sie hier entfernen, taucht in keiner Tabellenkalkulation wieder auf.
Textfilter. Schließen Sie Ihre vorbereitete Ausschlussliste aus und lassen Sie gezielt Ideen mit aussagekräftigen Zusätzen anzeigen, etwa “kaufen”, “Homeoffice” oder “Rücken”.
Kategorien und verfeinerte Vorschläge. Google gruppiert Ideen nach Marken, Produkttypen oder Eigenschaften. Das hilft beim Überblick über große Listen. Übernehmen Sie diese Gruppen aber nicht ungeprüft als Seiten- oder Kampagnenstruktur: Sie stammen aus einer automatischen Einordnung, nicht aus Ihrem Sortiment.
Keine frühe Volumengrenze. Der häufigste Fehler an dieser Stelle ist ein pauschaler Mindestwert. “Ergonomischer Bürostuhl für große Menschen” wird seltener gesucht als “Bürostuhl”, drückt aber ein klares Bedürfnis aus und passt exakt auf eine spezialisierte Seite. Relevanz schlägt Reichweite, solange überhaupt Nachfrage besteht.
Schritt 7: Die Metriken korrekt interpretieren
Durchschnittliche Suchanfragen pro Monat. Eine Orientierung unter den gewählten Einstellungen, keine Klick- oder Umsatzprognose. Ähnliche Varianten können zusammengefasst sein, und die Genauigkeit der Darstellung unterscheidet sich je nach Konto und Datenlage. Nutzen Sie den Wert vor allem für den relativen Vergleich innerhalb derselben Recherche.
Veränderung in drei Monaten und im Jahresvergleich. Lesen Sie beide Spalten zusammen. Ein kurzfristiger Sprung kann ein Trend sein oder schlicht Saison, Nachrichtenlage oder ein einmaliges Ereignis. Erst der Vorjahresvergleich trennt das eine vom anderen.
Wettbewerb. Die Angabe “niedrig”, “mittel” oder “hoch” bezieht sich auf die Nachfrage unter Werbetreibenden in Google Ads. Sie ist ausdrücklich keine organische SEO-Schwierigkeitskennzahl. Ein Keyword mit niedrigem Anzeigenwettbewerb kann organisch hart umkämpft sein, und ein hoher Wert zeigt wirtschaftliches Interesse, nicht die Schwierigkeit einer Platzierung.
Gebotsspannen für obere Positionen. Sie zeigen, welche Klickpreise Werbetreibende in der Vergangenheit für Anzeigen im oberen Seitenbereich gezahlt haben. Hohe Werte sprechen für einen wirtschaftlich attraktiven Suchkontext, beweisen aber weder Kaufabsicht noch Rentabilität. Marge, Conversion-Rate und Zielseite entscheiden darüber.
Sensible Kategorien. Google weist darauf hin, dass Keyword-Ergebnisse für sensible Bereiche wie Gesundheit oder Finanzen eingeschränkt sein können. Eine auffällig kurze Vorschlagsliste ist dort kein Beleg für fehlende Nachfrage.
Schritt 8: Nach Suchintention clustern
Ordnen Sie die bereinigte Liste nach dem erkennbaren Suchziel. Vier Gruppen reichen für die Praxis:
| Suchintention | Typische Formulierung | Passende Zielseite |
|---|---|---|
| Informational | “wie Bürostuhl einstellen” | Ratgeber oder Anleitung |
| Kommerzielle Recherche | “beste ergonomische Bürostühle” | Vergleichs- oder Kategorieseite |
| Transaktional | “ergonomischen Bürostuhl kaufen” | Produkt- oder Kategorieseite |
| Navigational | Marke, Modell, Anbietername | Marken- oder Anbieterseite |
Signalwörter allein genügen nicht. “Ergonomischer Bürostuhl” kann Recherche oder Kaufabsicht bedeuten. Prüfen Sie bei den wichtigsten Begriffen die aktuelle Ergebnisseite: Dominieren Shops, ist eine transaktionale Seite angebracht, überwiegen Tests und Erklärungen, liegt eher Informationsabsicht vor.
Schritt 9: Die Shortlist priorisieren
Bewerten Sie jedes verbliebene Keyword mit fünf Fragen:
- Passt der Begriff exakt zum Angebot?
- Ist die Suchintention eindeutig?
- Gibt es eine geeignete Zielseite oder ist sie geplant?
- Ist die Nachfrage im gewählten Markt relevant?
- Bringt das Keyword eigenen Mehrwert gegenüber ähnlichen Varianten?
Fassen Sie nahe Varianten zu einem Cluster mit einem primären Keyword zusammen, statt für jede Wortstellung eine eigene Seite zu planen. Ein Cluster kann so aussehen: Hauptkeyword “ergonomischer Bürostuhl”, dazu die Kaufvariante, der Einsatzbereich Homeoffice, der Problembezug Rückenschmerzen und die Eigenschaft Lordosenstütze. Getrennt wird erst, wenn eine andere Zielseite oder eine deutlich andere Intention nötig ist.
Schritt 10: In den Plan übernehmen und Prognosen einordnen
Markieren Sie die ausgewählten Begriffe und fügen Sie sie einem Plan und passenden Anzeigengruppen hinzu. Der Keyword-Planer stellt dann Prognosen bereit, mit denen sich die mögliche Leistung der geplanten Keywords für eine Google-Ads-Kampagne einschätzen lässt.
Diese Prognosen sind Schätzwerte, keine Zusagen. Die tatsächliche Leistung hängt unter anderem von Geboten, Budgets, Anzeigen, Zielseiten und Marktbedingungen ab. Behandeln Sie die Zahlen als Größenordnung für die Planung, nicht als Ergebnisversprechen.
Kontrollieren Sie zum Schluss, ob jede Anzeigengruppe wirklich eine Intention und ein Angebot abdeckt. Kleine, fokussierte Gruppen lassen sich präziser mit Anzeigen und Zielseiten verbinden als große Sammlungen lose verwandter Begriffe.
Abschlussprüfung vor dem Export
- Sind Standort, Sprache, Netzwerk und Zeitraum korrekt und über alle Durchläufe hinweg gleich?
- Sind fremde Marken, fremde Kategorien und Jobsuchen ausgeschlossen?
- Wurde Anzeigenwettbewerb an keiner Stelle als SEO-Schwierigkeit gelesen?
- Ist die Saisonalität der wichtigsten Begriffe geprüft?
- Hat jedes Cluster ein primäres Keyword und eine benannte Zielseite?
- Sind Informations- und Kaufabsicht sauber getrennt?
- Enthält die Liste konkrete Longtail-Begriffe und nicht nur Oberbegriffe?
Bleibt am Ende eine Liste übrig, in der zu jedem Cluster Thema, Intention und Zielseite feststehen, hat der Keyword-Planer seine Aufgabe erfüllt. Er ist dann kein Ideengenerator mehr, sondern die Entscheidungsgrundlage für Kampagne und Inhalt.
