ONMA Ratgeber

SEO in Hannover: Wie der lokale Suchmarkt tatsächlich funktioniert

Wie sich Stadt, Region und Umland als Suchräume unterscheiden, wonach Google lokal entscheidet und wie Sie Ihre Sichtbarkeit standortunabhängig messen.

Lächelnder Mann mit dem Hörer eines alten Wählscheibentelefons am Ohr

Wer in Hannover um Sichtbarkeit bei Google kämpft, kämpft nicht um eine einzige Rangliste. Hannover ist als Suchmarkt kein Punkt auf der Karte, sondern ein Gefüge aus mehreren Suchräumen, die sich überlagern und gegenseitig beeinflussen: die Stadt selbst, die Region Hannover als Verwaltungs- und Wirtschaftsraum und das weitere Umland. Wer diese Räume nicht auseinanderhält, misst die eigene Sichtbarkeit falsch, interpretiert Schwankungen falsch und baut Seiten, die niemand sucht. Dieser Text erklärt den Markt als Ganzes: seine Struktur, die Logik, nach der Google in ihm entscheidet, und die Methodik, mit der sich die eigene Position darin belastbar beurteilen lässt. Was er bewusst ausklammert, ist die Frage nach Anbietern, Leistungen und Preisen. Es geht um Marktorientierung, nicht um Dienstleisterwahl.

Drei Suchräume, die oft in einen Topf geworfen werden

Hannover ist die Landeshauptstadt des Bundeslandes Niedersachsen. Das ist mehr als eine geografische Angabe, denn es prägt die Suchnachfrage strukturell: Behörden, Landesministerien, Verbände, Kammern und die auf sie ausgerichteten Dienstleister erzeugen ein Suchvolumen, das es in vergleichbar großen Städten ohne Hauptstadtfunktion nicht gibt. Ein erheblicher Teil der Suchanfragen in dieser Stadt entsteht aus administrativen Anlässen, nicht aus klassischer Konsumnachfrage.

Daneben steht die Region Hannover, ein Kommunalverband, dem die Landeshauptstadt und die umliegenden Städte und Gemeinden angehören, insgesamt 21 Kommunen. Für die Suche ist das keine Verwaltungsfußnote. Menschen in Langenhagen, Garbsen oder Laatzen suchen teils mit dem Ortsnamen ihrer Kommune, teils mit “Hannover”, teils ganz ohne Ortsangabe. Drei unterschiedliche Suchmuster, ein einziger Wirtschaftsraum. Die Pendlerströme der Region sorgen zusätzlich dafür, dass derselbe Mensch morgens von Garbsen aus sucht und mittags von der Innenstadt, mit jeweils anderen Ergebnislisten.

Der dritte Raum ist das Umland jenseits der Regionsgrenze. Hier verliert der Begriff “Hannover” seine Selbstverständlichkeit. Wer in Celle, Hildesheim oder Peine sucht, meint in der Regel den eigenen Ort und weicht nur dann auf Hannover aus, wenn das Angebot vor Ort fehlt oder als unzureichend wahrgenommen wird. Der Hannover-Bezug ist in diesem Raum die Ausnahme, nicht die Regel.

Die praktische Konsequenz: Der Suchbegriff ist keine Zielgröße, sondern eine Abkürzung für mindestens drei verschiedene Nachfragelagen mit unterschiedlichen Suchern, unterschiedlichen Absichten und unterschiedlichen Wettbewerbern. Eine Seite, die alle drei gleichzeitig bedienen will, bedient am Ende keine davon präzise.

Wie Google lokal entscheidet

Google nennt für das lokale Ranking drei Hauptfaktoren: Relevanz, Entfernung und Bekanntheit, im englischen Original Prominence. Diese drei Größen wirken zusammen, nicht nacheinander, und keine davon lässt sich durch eine andere vollständig ersetzen.

Relevanz beschreibt, wie gut ein Eintrag oder eine Seite zu dem passt, wonach jemand tatsächlich sucht. Sie ist die einzige der drei Größen, die vollständig in eigener Hand liegt: Was ein Unternehmen anbietet, für wen, in welchen Worten formuliert, und ob das aus den eigenen Inhalten überhaupt eindeutig hervorgeht. Viele Sichtbarkeitsprobleme im hannoverschen Markt sind im Kern Relevanzprobleme: Die Seite sagt nicht klar, was sie anbietet und für welchen Suchraum.

Entfernung ist die Größe, die am häufigsten unterschätzt wird, weil sie auf dem eigenen Bildschirm unsichtbar ist. Sie wird laut Google vom bekannten oder geschätzten Standort des Suchenden aus berechnet. Enthält die Suchanfrage keinen Ort, schätzt Google den Standort anhand der vorliegenden Informationen. Das heißt: Ein Nutzer in der Nordstadt und ein Nutzer in Wunstorf tippen dasselbe Wort ein und sehen unterschiedliche Ergebnisse, ohne dass einer von beiden etwas falsch gemacht hätte. Der Entfernungsfaktor liegt vollständig außerhalb der eigenen Kontrolle.

Bekanntheit speist sich daraus, wie präsent ein Unternehmen jenseits der eigenen Website ist: Erwähnungen, Verweise, Rezensionen, allgemeine Wahrnehmung. Sie ist die trägste der drei Größen. Sie lässt sich aufbauen, aber nicht kurzfristig herstellen, und genau deshalb ist sie in einem Markt wie Hannover der Faktor, der etablierte Anbieter oben hält, auch wenn Neueinsteiger inhaltlich besser aufgestellt sind.

Für die Sichtbarkeit im lokalen Karten- und Ergebnisbereich der Google-Suche gilt zusätzlich eine harte Bedingung: Ein Google-Unternehmensprofil ist die Voraussetzung dafür, dort überhaupt erscheinen zu können. Es ist kostenlos. Ohne dieses Profil existiert ein Unternehmen im lokalen Ergebnisbereich schlicht nicht, unabhängig davon, wie gut die eigene Website sonst aufgestellt ist.

Warum es “die” Position in Hannover nicht gibt

Aus dem Entfernungsfaktor folgt etwas, das viele Sichtbarkeitsdiskussionen im Kern entwertet: Es gibt keine eine Position für eine Suchanfrage in Hannover. Es gibt eine Verteilung von Positionen über den Stadtraum hinweg.

Wer am eigenen Schreibtisch in der Südstadt sucht und Platz drei sieht, hat damit nichts über die Sichtbarkeit in Ronnenberg gelernt. Und wer einen Kollegen in einem anderen Stadtbezirk bittet, “mal eben zu schauen”, sammelt Anekdoten statt Daten. Diese Einzelabfragen sind zusätzlich durch Suchverlauf und Personalisierung verzerrt, sodass selbst zwei Abfragen am selben Schreibtisch voneinander abweichen können.

Für die Praxis heißt das: Die Frage “Auf welchem Platz stehen wir?” ist in einem lokalen Markt schlecht gestellt, weil sie eine Antwort voraussetzt, die es nicht gibt. Die brauchbare Frage lautet: “Für welche Suchanfragen werden wir überhaupt gesehen, wie oft, und wie oft führt das zu einem Klick?” Diese Frage hat eine Antwort, und sie lässt sich standortunabhängig beantworten.

Sichtbarkeit standortunabhängig messen

Genau diese Frage beantwortet die Google Search Console, und sie tut es unabhängig davon, wo der Betrachter gerade sitzt. Der Leistungsbericht weist Impressionen, Klicks, Klickrate und durchschnittliche Position aus und lässt sich nach Suchanfrage, Seite und Land filtern. Er stellt Suchdaten für die zurückliegenden 16 Monate bereit.

Diese Kennzahlen tragen eine vollständige Marktanalyse, wenn man sie richtig liest:

Impressionen zeigen, ob eine Seite überhaupt im Rennen ist. Null Impressionen für eine Suchanfrage bedeutet nicht schlechtes Ranking, sondern gar keine Teilnahme. Das ist ein anderes Problem und verlangt eine andere Antwort als ein Platz auf Seite zwei.

Die durchschnittliche Position ist ein Mittelwert über viele Abfragen, viele Standorte und viele Geräte. Sie ist deshalb kein Ersatz für den Blick in eine konkrete Ergebnisliste, aber sie ist die einzige verfügbare Größe, die die standortbedingte Streuung zusammenfasst, statt sie zu verstecken.

Die Klickrate trennt Sichtbarkeit von Wirkung. Eine Seite mit vielen Impressionen und schwacher Klickrate wird gesehen und übergangen. Das ist meist ein Problem der Suchintention: Die Seite passt formal zum Suchbegriff, aber nicht zu dem, was der Suchende tatsächlich erledigen wollte.

Der Filter nach Suchanfrage ist das eigentliche Arbeitswerkzeug im lokalen Markt. Er macht sichtbar, ob Nutzer mit dem Wort “Hannover”, mit einem Stadtteilnamen, mit dem Namen einer Umlandkommune oder ganz ohne Ortsangabe kommen. Diese Verteilung ist der ehrlichste verfügbare Umriss des eigenen Suchmarkts, denn sie beschreibt nicht, was jemand für plausibel hält, sondern was tatsächlich passiert ist. Wer wissen will, welchen der drei Suchräume er heute erreicht, findet die Antwort hier und nirgendwo sonst.

Der 16-Monats-Zeitraum ist dabei mehr als eine technische Grenze. Er erlaubt genau einen Jahresvergleich, und in Hannover ist das entscheidend, weil der Markt ausgeprägte Zyklen kennt.

Was den hannoverschen Suchmarkt strukturell prägt

Das Messegelände in Hannover wird von der Deutschen Messe AG betrieben und ist das größte Messegelände der Welt. Ein Standort dieser Größenordnung erzeugt wiederkehrende Nachfragespitzen, die weit über Aussteller und Hotellerie hinausreichen: Logistik, Handwerk, Veranstaltungstechnik, Gastronomie, Personaldienstleistung, Sicherheitsdienste. Wer im Jahresverlauf einen Einbruch oder einen Sprung sieht, sollte zuerst prüfen, ob er einen Markt verloren oder nur eine Messeperiode verschoben hat, bevor er irgendeine andere Erklärung in Betracht zieht.

Hannover ist außerdem Hochschulstandort, unter anderem der Leibniz Universität Hannover und der Medizinischen Hochschule Hannover. Hochschulstandorte bringen eine jährlich wechselnde Bevölkerungsgruppe mit eigenen Suchmustern hervor, dazu eine wiederkehrende Nachfrage rund um Semesterrhythmus, Wohnungssuche und Studienbeginn. Auch diese Zyklen sind saisonal: Sie wiederholen sich, statt Trends zu sein, und sie verzerren jeden Vergleich, der sie ignoriert.

Der methodische Punkt dahinter ist wichtiger als jedes einzelne Beispiel: In einem Markt mit starker Saisonalität ist der Vergleich zum Vormonat fast immer irreführend. Der Vergleich zum selben Zeitraum des Vorjahres ist die Mindestanforderung, und genau diesen Vergleich macht der 16-Monats-Bericht der Search Console möglich. Wer kürzer denkt, misst den Kalender statt des Marktes.

Wo Stadtteil- und Umlandseiten in ein Doorway-Muster kippen

Aus der Erkenntnis, dass Suchende in Linden, Kirchrode und Seelze unterschiedlich suchen, entsteht schnell ein naheliegender Plan: eine Seite pro Stadtteil, eine pro Umlandgemeinde. Bei 21 Kommunen in der Region und einer zweistelligen Zahl an Stadtbezirken wird aus einer Idee so eine Seitenfabrik, oft automatisiert, immer austauschbar.

Google stuft Seiten, die allein zum Abgreifen von Suchanfragen für viele Orte erstellt werden, als Doorway-Seiten ein und bewertet sie als Spam-Verstoß. Entscheidend ist dabei nicht die Anzahl der Seiten, sondern ihr Zweck und ihr Inhalt. Drei Prüfsteine trennen die legitime Ortsseite vom Doorway-Muster:

Erstens der Inhalt. Was steht auf dieser Seite, das auf keiner anderen Ortsseite stehen kann? Eine Seite zu Langenhagen, die eigene Projekte vor Ort, tatsächliche Anfahrtswege, örtliche Besonderheiten oder konkrete Ansprechpartner enthält, beantwortet diese Frage. Eine Seite, bei der sich gegenüber der Garbsen-Variante nur der Ortsname ändert, beantwortet sie nicht.

Zweitens das Ziel. Führt die Seite den Nutzer inhaltlich weiter, oder schleust sie ihn nur auf dieselbe zentrale Seite, auf der er ohnehin gelandet wäre? Im zweiten Fall ist der Ortsname reine Fassade, und genau dieses Muster beschreiben die Richtlinien.

Drittens die Nachfrage. Der Leistungsbericht der Search Console zeigt, für welche Ortsnamen tatsächlich Impressionen entstehen. Eine Ortsseite ohne messbare Nachfrage im eigenen Bericht ist kein Wachstumsversuch, sondern Ballast, der die Bewertung der gesamten Domain belasten kann. Die Daten entscheiden also nicht nur über die Messung, sondern auch darüber, welche Ortsseiten überhaupt eine Daseinsberechtigung haben.

Was daraus folgt

Ein lokaler Suchmarkt ist kein Ranking, sondern eine Verteilung. Hannover besteht als Suchraum aus einer Landeshauptstadt mit administrativ geprägter Nachfrage, einem Kommunalverband aus 21 Kommunen mit gemischten Suchmustern und einem Umland, das den Hannover-Bezug nur dort herstellt, wo das eigene Angebot fehlt. Google entscheidet innerhalb dieses Gefüges über Relevanz, Entfernung und Bekanntheit, wobei die Entfernung vom Standort des Suchenden aus gerechnet wird und damit außerhalb jeder eigenen Kontrolle liegt.

Wer diesen Markt bearbeiten will, braucht deshalb zwei Dinge in dieser Reihenfolge: zuerst eine Messgrundlage, die nicht vom eigenen Standort und der eigenen Tagesform abhängt, und danach eine Entscheidung darüber, welche der drei Suchräume er mit echten Inhalten tatsächlich bedienen kann. Beides ist Arbeit am Verständnis des Marktes, und beides muss abgeschlossen sein, bevor irgendeine einzelne Maßnahme sinnvoll wird.