ONMA Ratgeber

Inbound Content Marketing: Inhalte für jede Phase der Customer Journey

Wie sich Inbound Marketing und Content Marketing unterscheiden und welche Inhalte in den Phasen Anziehen, Konvertieren, Abschließen und Begeistern wirken.

Frau vor einer Wand mit bunten Haftnotizen, davor sechs Personen mit Laptops an einem Besprechungstisch

Inbound Content Marketing verbindet hilfreiche Inhalte mit einem klaren Prozess. Potenzielle Kunden werden auf ein Unternehmen aufmerksam, vertiefen ihr Interesse, prüfen konkrete Lösungen und erhalten auch nach dem Kauf Unterstützung. Content ist dabei der Treibstoff, der Menschen entlang der Customer Journey begleitet.

Der Ansatz folgt dem Pull-Prinzip: Das Unternehmen erzwingt keine Aufmerksamkeit, sondern schafft hilfreiche Kontaktpunkte, über die Interessierte selbst zu ihm gelangen. Textbroker beschreibt Inbound Marketing entsprechend als jene Bereiche des Online-Marketings, die wie Pull-Werbung funktionieren. Das Unternehmen wird gefunden, statt die Zielgruppe mit Werbebotschaften zu unterbrechen.

Was bedeutet Inbound Content Marketing?

Beim Inbound Marketing stellt ein Unternehmen Informationen bereit, die konkrete Fragen beantworten, Probleme verständlich machen oder Lösungswege aufzeigen. Interessierte können diese Inhalte in ihrem eigenen Tempo nutzen und selbst entscheiden, wann sie den nächsten Schritt gehen.

Das entspricht auch der Definition der Haufe Akademie: Inbound Marketing zielt darauf ab, potenzielle Kunden durch relevante und wertvolle Inhalte anzuziehen. Salesforce betont ebenfalls, dass Unternehmen relevante Inhalte entwickeln, statt Aufmerksamkeit zu erkaufen.

Inbound Content Marketing bezeichnet die systematische Nutzung dieser Inhalte innerhalb des gesamten Prozesses. Jeder Inhalt erfüllt eine bestimmte Funktion:

  • Ein Ratgeber hilft, ein Problem zu erkennen und einzuordnen.
  • Eine Checkliste unterstützt die erste Bestandsaufnahme.
  • Ein Webinar erläutert mögliche Lösungswege.
  • Eine Fallstudie schafft Vertrauen vor einer Entscheidung.
  • Ein Onboarding-Guide erleichtert den erfolgreichen Einstieg nach dem Kauf.

Die Inhalte stehen nicht als lose Sammlung nebeneinander. Sie bilden eine zusammenhängende Strecke, die sich am jeweiligen Informationsbedarf potenzieller und bestehender Kunden orientiert.

Inbound Marketing und Content Marketing: der Unterschied

Inbound Marketing und Content Marketing werden häufig gleichgesetzt. Tatsächlich beschreiben sie unterschiedliche Ebenen.

Inbound Marketing ist der Rahmenprozess. Es verbindet Inhalte, Kontaktpunkte, Übergänge und wirtschaftliche Ziele zu einem systematischen Weg. Dieser beginnt bei der ersten Aufmerksamkeit und reicht über die Kaufentscheidung bis zur Betreuung bestehender Kunden. Contentbird ordnet Inbound Marketing deshalb als Komplettpaket beziehungsweise geschlossenen Prozess ein. Content Marketing ist der inhaltliche Teil davon.

Content Marketing ist die inhaltliche Disziplin. Es stellt einer Zielgruppe relevante Informationen zur Verfügung, etwa in Form von Ratgebern, Videos, Studien, Podcasts, Checklisten oder Webinaren. Content Marketing kann Teil eines Inbound-Prozesses sein, muss aber nicht zwingend auf einen Abschluss ausgerichtet sein.

Auch die Ziele unterscheiden sich:

AspektInbound MarketingContent Marketing
FunktionÜbergeordneter RahmenprozessInhaltliche Disziplin
SchwerpunktKontakte entwickeln und Abschlüsse unterstützenRelevante Informationen bereitstellen
Typische ZieleVertrieb und messbare KundenentwicklungVertrieb, Markenimage, Vertrauen oder Kundenbindung
EinsatzVerknüpft Inhalte zu einem ProzessAuch unabhängig von einem Inbound-Prozess möglich

Advidera hebt diesen Zielunterschied hervor: Inbound Marketing ist stärker auf Sales ausgerichtet, während Content Marketing zusätzlich das Markenimage oder die Kundenbindung verbessern kann.

Ein Unternehmen kann also hilfreiche Inhalte veröffentlichen, ohne daraus einen systematischen Weg bis zum Kauf zu entwickeln. Ein Inbound-Prozess ist dagegen auf Content angewiesen. Ohne hilfreiche Informationen fehlt Interessierten in den einzelnen Phasen der Grund, sich weiter mit dem Unternehmen und seiner Lösung zu beschäftigen.

Die vier Phasen des Inbound-Funnels

Das hier verwendete Modell gliedert die Inbound-Methodik in die vier Phasen Anziehen, Konvertieren, Abschließen und Begeistern. Diese Einteilung wird unter anderem von L&P Solutions Partner beschrieben.

Der Funnel ist jedoch kein starres Fließband. Menschen können Inhalte mehrfach nutzen, Schritte überspringen oder zu einer früheren Frage zurückkehren. Besonders bei komplexen Entscheidungen steigen häufig mehrere Beteiligte mit unterschiedlichen Informationsbedürfnissen ein. Content sollte deshalb nicht alle Personen auf denselben linearen Weg zwingen. Er muss für jede relevante Situation eine passende Antwort und einen sinnvollen nächsten Schritt anbieten.

Phase 1: Mit hilfreichem Content anziehen

In der ersten Phase erkennt eine Person ein Problem, einen Bedarf oder eine neue Möglichkeit. Meist sucht sie noch nicht nach einem bestimmten Produkt. Zunächst geht es um Orientierung: Was steckt hinter der Situation, welche Folgen hat sie und welche grundsätzlichen Lösungswege gibt es?

Geeignete Formate sind:

  • Grundlagenartikel und ausführliche Ratgeber
  • Glossare und verständliche Begriffserklärungen
  • Checklisten zur ersten Einordnung
  • Infografiken und kurze Erklärvideos
  • Studien, Umfragen und Marktüberblicke
  • Podcasts und Interviews mit Fachleuten

Die Inhalte sollten fachliche Hilfe statt einer vorgezogenen Verkaufspräsentation bieten. L&P Solutions Partner beschreibt qualifizierten Inbound-Content als Hilfe mit Lösungen für spezifische Fragen und Probleme.

Ein guter Inhalt dieser Phase macht eine Herausforderung verständlich. Er hilft Lesern, das Problem zu benennen, seine Bedeutung einzuschätzen und mögliche Vorgehensweisen zu unterscheiden. Das Unternehmen gewinnt Aufmerksamkeit, weil es nützlich ist und seine Kompetenz nachvollziehbar zeigt.

Phase 2: Interesse in einen Kontakt konvertieren

In der zweiten Phase ist der Informationsbedarf konkreter. Die interessierte Person möchte tiefer einsteigen und ist möglicherweise bereit, sich anzumelden, Angaben zu ihrer Situation zu machen oder Kontaktdaten zu hinterlassen.

Passende Formate sind:

  • Vertiefende Leitfäden
  • Vorlagen und Arbeitsblätter
  • Selbsttests und Reifegradanalysen
  • Rechner für Kosten, Bedarf oder Potenziale
  • Webinare und digitale Informationsveranstaltungen
  • E-Mail-Kurse und thematische Serien

Entscheidend ist das Verhältnis zwischen Hürde und Nutzen. Für eine Information, die sich vollständig in wenigen Absätzen beantworten lässt, sollte keine umfangreiche Registrierung erforderlich sein. Je mehr Angaben verlangt werden, desto größer muss der erkennbare Mehrwert sein.

Auch das Folgeangebot muss zur aktuellen Situation passen. Nach einem Grundlagenartikel kann eine Checkliste sinnvoll sein. Auf eine umfassende Bedarfsanalyse kann dagegen eine individuelle Demonstration folgen. So entsteht ein nachvollziehbarer Übergang statt eines abrupten Verkaufsimpulses.

Phase 3: Mit Entscheidungscontent zum Abschluss führen

Nun kennt der potenzielle Kunde sein Problem und vergleicht konkrete Lösungswege. Fragen zu Eignung, Aufwand, Risiken, Einführung und erwartetem Nutzen rücken in den Mittelpunkt.

Geeignete Formate sind:

  • Fallstudien mit Ausgangslage, Vorgehen und Ergebnis
  • Detaillierte Produkt- oder Leistungsdarstellungen
  • Vergleichshilfen für unterschiedliche Lösungsansätze
  • Kostenbeispiele und Wirtschaftlichkeitsrechnungen
  • Demonstrationen, Testzugänge und geführte Rundgänge
  • Antworten auf häufige Fragen zu Kauf und Einführung

Entscheidungscontent sollte konkret und überprüfbar sein. Nachvollziehbare Anwendungsfälle, transparente Voraussetzungen und realistische Ergebnisse helfen stärker als allgemeine Qualitätsversprechen. Dazu gehört auch, Grenzen offenzulegen. Interessierte sollten erkennen können, für wen eine Lösung geeignet ist und wann ein anderer Ansatz besser passt.

In dieser Phase arbeiten Content und Vertrieb besonders eng zusammen. Inhalte beantworten wiederkehrende Fragen vorab und schaffen eine gemeinsame Wissensbasis. Das persönliche Gespräch kann sich dadurch auf die individuellen Anforderungen konzentrieren.

Phase 4: Kunden mit Content begeistern

Der Inbound-Prozess endet nicht mit dem Kauf. Danach entscheidet sich, ob Kunden den erwarteten Nutzen erreichen, erneut kaufen oder das Unternehmen weiterempfehlen. Content unterstützt sie dabei, die Lösung erfolgreich einzusetzen.

Geeignete Formate sind:

  • Onboarding-Guides und Schritt-für-Schritt-Anleitungen
  • Wissensbereiche für typische Anwendungsfragen
  • Praxis-Webinare für bestehende Kunden
  • Fortgeschrittene Anwendungsfälle und Nutzungsideen
  • Kundennewsletter mit relevanten Neuerungen
  • Community-Formate und Erfahrungsaustausch

In dieser Phase tritt die breitere Wirkung des Content Marketings besonders deutlich hervor. Die Inhalte unterstützen nicht nur wirtschaftliche Folgeziele, sondern stärken auch Kundenbindung, Vertrauen und Markenwahrnehmung.

Zugleich liefern sie Erkenntnisse für frühere Phasen. Häufige Fragen aus dem Onboarding zeigen, welche Erwartungen vor dem Kauf noch unklar waren. Erfolgreiche Anwendungen können später als Fallstudien Interessierten bei ihrer Entscheidung helfen.

Aus einzelnen Formaten wird eine Content-Strecke

Eine tragfähige Planung beginnt nicht mit einer möglichst langen Formatliste. Für jede Phase sollten vier Fragen beantwortet werden:

  1. In welcher Situation befindet sich die Zielgruppe?
  2. Welche Frage muss der Inhalt beantworten?
  3. Welches Format vermittelt die Antwort angemessen?
  4. Welcher nächste Schritt ist aus Nutzersicht sinnvoll?

Daraus kann eine schlüssige Strecke entstehen: Ein Grundlagenartikel führt zu einer Checkliste, die Checkliste zu einem vertiefenden Webinar und das Webinar zu einer individuellen Demonstration. Nach dem Kauf unterstützt eine Onboarding-Serie die erfolgreiche Anwendung.

Nicht jeder Inhalt muss unmittelbar einen Kontakt oder Abschluss erzeugen. Manche Formate schaffen Orientierung, andere vertiefen Vertrauen oder beseitigen konkrete Zweifel. Inbound Content Marketing funktioniert, wenn jeder Inhalt einen echten Informationsbedarf erfüllt und zugleich einen passenden nächsten Schritt ermöglicht.