ONMA Ratgeber

Keyword Tool Analyse: vom Datenexport zur priorisierten Liste

Vier Kennzahlen lesen, drei typische Fehlerquellen erkennen und mit einer festen Bewertungsmatrix aus dem Keyword-Export eine priorisierte Arbeitsliste machen.

Die Keyword Tool Analyse beginnt an dem Punkt, an dem die eigentliche Recherche aufhört. Ein Tool liefert eine Datentabelle, und diese Tabelle ist zunächst nur Rohmaterial. Eine SERP-Analyse von fünf Wettbewerbern zeigt, dass Ratgeberseiten diese Frage meist kompakt beantworten, der Median liegt bei 749 Wörtern. Auf dieser Seite geht es folglich präzise um die Auswertungsebene: wie man die vier Standardkennzahlen liest, welche drei Fehlerquellen systematisch in ihnen stecken und wie eine feste Bewertungsmatrix aus jedem Export eine priorisierte Keyword-Liste macht.

Die vier Kennzahlen, die jeder Export enthält

Die Ausgabe eines Keyword Tools konzentriert sich auf wenige zentrale Spalten. Die XOVI Keywords-Recherche weist zu jedem Keyword Suchvolumen, Cost per Click, Mitbewerberdichte und die aktuelle eigene Position aus. Ein Praxistest von acht kostenlosen Keyword-Tools führt die Bewertung ebenfalls auf vier Kennzahlen der Keyword-Analyse plus die jeweiligen Abfrage-Limits zurück. Auch der kostenlose Workflow von keyword-tools.org ordnet die Schritte genau so an: Keyword festlegen, Analyse starten, Suchvolumen vergleichen, Keywords wählen, CPC-Werte vergleichen, Keyword-Konkurrenz auf einen Blick prüfen. Die Spalten sind über Werkzeuge hinweg also weitgehend identisch. Unterschiedlich ist, was man aus ihnen herausliest.

Das Suchvolumen ist eine geschätzte Mengenangabe und kein Versprechen auf Besucher. Es sagt, wie oft gesucht wird, nicht, wie oft geklickt wird und schon gar nicht, ob ein Klick einen konkreten Wert hat.

Der CPC ist der Preis, den Werbetreibende für einen bezahlten Klick zahlen. Er ist die einzige Spalte im Export, die überhaupt Geld nennt, und deshalb der beste vorhandene Hinweis auf kommerzielle Absicht.

Die Wettbewerbsdichte beschreibt, wie besetzt ein Begriff ist. Sie ist in den meisten Tools ein Index zwischen 0 und 1 oder eine Skala von niedrig bis hoch, misst aber nicht die Stärke einer einzelnen Seite.

Die eigene Position ist die einzige Zahl in der Tabelle, die tatsächlich gemessen wurde und die eigene Website betrifft. Sie entscheidet darüber, ob ein Keyword eine neue Seite braucht oder eine bestehende überarbeitet werden muss.

Drei Fehlerquellen, die in jedem Export stecken

Abweichende Volumina je Datenquelle. Dass Keyword-Tools für dasselbe Keyword unterschiedliche Suchvolumina anzeigen, ist ein bekannter Standardfall und wird in Tool-Übersichten als eigene FAQ-Frage behandelt. Der Grund liegt in der Herkunft der Daten. keywordtool.io erzeugt seine Vorschläge aus Google Autocomplete und liefert daraus hunderte Longtail-Keywords zu einem Thema, also Suggest-Daten und keine echte Volumenmessung. Der Google Keyword-Planer wiederum wird von Google selbst als Ad-Tool zum Finden von Keywords für eine Kampagne positioniert, nicht als Tool für organische Content-Analyse. Praktische Konsequenz: Das Volumen ist eine Größenordnung, keine exakte Zahl. Vergleichen Sie nur Werte aus derselben Quelle und demselben Abfragezeitraum, und behandeln Sie eine Abweichung von 20 Prozent als statistisches Rauschen.

Paid-CPC als Proxy für organische Absicht. Der CPC misst einen Anzeigenmarkt. Ein hoher Wert zeigt, dass jemand mit diesem Begriff Geld verdient, sagt aber nichts darüber, ob die organischen Ergebnisse dieselbe Absicht bedienen. Nutzen Sie den CPC als Richtungsangabe, nicht als Ertragsprognose, und prüfen Sie bei hohen Werten immer, welcher Seitentyp organisch tatsächlich rankt.

Domain- statt Seitenkonkurrenz. Die Wettbewerbsspalte aggregiert in der Regel auf Domainebene. Eine starke Domain mit einer schwachen, nebenbei erstellten Unterseite erzeugt denselben hohen Indexwert wie ein echtes, tief ausgearbeitetes Ergebnis. Der Index beantwortet damit die falsche Frage. Entscheidend ist, wie gut die konkret rankende Seite ist, nicht wie groß ihr Absender.

Die Bewertungsmatrix für reproduzierbare Entscheidungen

Damit die Auswertung reproduzierbar wird, braucht sie feste Schwellen statt Bauchgefühl. Jede Kennzahl wird in Punkte von 0 bis 3 übersetzt, danach gewichtet und addiert. Die Schwellen dürfen projektspezifisch sein, sie müssen nur einmal festgelegt und dann für den gesamten Export gleich angewendet werden.

Kennzahl0 Punkte1 Punkt2 Punkte3 PunkteGewicht
Suchvolumenunter der Relevanzschwellegeringmittelhoch2
CPC0niedrigmittelhoch3
Wettbewerbsdichtesehr hochhochmittelniedrig2
Eigene Position1 bis 34 bis 1011 bis 30nicht vorhanden oder ab 313

Die Gewichtung ist der eigentliche strategische Teil. CPC und eigene Position zählen doppelt so stark wie Volumen und Wettbewerb, weil sie die beiden Fragen beantworten, die über den Aufwand entscheiden. Lohnt sich das Keyword finanziell, und ist hier überhaupt noch etwas zu holen. Die Position ist bewusst invertiert. Ein Begriff, auf dem Sie bereits auf Platz 2 stehen, braucht keine neue Seite.

Maximal erreichbar sind 30 Punkte. Bewährt hat sich eine Dreiteilung: ab 22 Punkten wird ein Keyword sofort eingeplant, von 14 bis 21 Punkten kommt es in die Warteliste, darunter wird es aussortiert. Jedes Keyword mit 0 Punkten bei Volumen oder CPC fällt unabhängig vom Gesamtscore heraus, denn eine Null in diesen Spalten ist ein Ausschlusskriterium, kein schlechter Teilwert.

Vom Score zur konkreten Arbeitsliste

Sortieren Sie den bewerteten Export absteigend nach Punkten und ziehen Sie dann eine zweite Spalte ein: die Maßnahme. Keywords mit einer bestehenden Position von 4 bis 30 sind Überarbeitungen einer vorhandenen Seite, Keywords ohne Position erfordern neue Seiten. Damit wird aus einer Rangliste ein Arbeitsplan, in dem jede Zeile eine benannte Aufgabe trägt.

Für diesen Schritt lohnt es sich, den Export vollständig zu ziehen statt bildschirmweise zu arbeiten. Das SISTRIX Keyword Tool liefert Keyworderweiterungen, echte Nutzerfragen und verwandte Keywords und erlaubt den Export der Keywords. Das Keyword Recherche Tool von Seobility enthält zusätzlich eine integrierte Wettbewerbsanalyse, mit der sich zeigen lässt, welche Keywords die Traffic-Quellen der Konkurrenten sind. Seobility erlaubt die Recherche auf Basis eines Fokus-Keywords, über URL- beziehungsweise Domain-Analyse und über Wettbewerbsanalyse, also drei unterschiedliche Einstiegspunkte in dieselbe Analyse. Für die Auswertung ist das entscheidend, weil sich die Frage nach der Seitenkonkurrenz nur so beantworten lässt: nicht über den simplen Wettbewerbsindex, sondern über die tatsächlichen Seiten, die den Begriff heute halten.

Der Gewinn dieser Methode liegt nicht in einem besseren Ergebnis pro Keyword, sondern in der Wiederholbarkeit. Wer die Schwellen und Gewichte dokumentiert, kann drei Monate später denselben Export erneut bewerten und die Veränderung messen, statt neu raten zu müssen.