ONMA Ratgeber

Keyword Tool gratis: Welche Daten die kostenlose Version wirklich hergibt

Suchvolumen, CPC, Wettbewerb, Vorschläge: was kostenlose Keyword Tools wirklich liefern, woher die Daten stammen und wo das Gratis-Limit greift.

Ein kostenloses Keyword Tool gibt in aller Regel vier Dinge heraus: eine Suchvolumen-Angabe, meist gerundet oder als Spanne, einen geschätzten CPC, einen Wettbewerbswert aus dem Anzeigenumfeld und eine gedeckelte Liste von Vorschlägen. Alles darüber hinaus, also historische Verläufe, mehrere Länder, unbegrenzter Export, ist im Free-Tier entweder abgeschnitten oder gar nicht vorhanden. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, ob Gratis-Daten “gut” sind, sondern ab welchem Punkt ihre Lücken die Entscheidung verändern. Dieser Punkt lässt sich messen.

Erschwerend kommt hinzu, wer bei dieser Suche antwortet: Die vorderen Treffer zu “keyword tool gratis” sind durchweg Tool-Seiten der Anbieter selbst, keine redaktionellen Einordnungen, im Median rund 750 Wörter lang (von 551 bis 2.185). Anbieter beschreiben ihren Funktionsumfang. Die Grenze des Funktionsumfangs beschreiben sie selten.

Die vier Datenpunkte und was sie nicht beweisen

DatenpunktTypische Gratis-AusgabeWas der Wert nicht belegt
SuchvolumenSpanne, gerundeter Monatswert, teils nur BalkenKeine exakte Nachfrage, kein Traffic-Versprechen
CPCGeschätzter Klickpreis aus dem AnzeigenmarktKeine Conversion-Wahrscheinlichkeit, kein fester Marktpreis
WettbewerbKonkurrenz unter Werbetreibenden oder toolinterner ScoreKeine organische Schwierigkeit
VorschlägeBegrenzte Liste verwandter Begriffe und FragenKeine Vollständigkeit des Themenfelds

Ein angezeigtes Suchvolumen von 1.000 heißt nicht, dass 1.000 Menschen im Monat suchen. Der Wert ist gerundet, modelliert oder über einen historischen Zeitraum gemittelt. Bei kleinen Keywords genügen wenige reale Anfragen, um die ausgewiesene Größenordnung springen zu lassen. Beim Feld “Wettbewerb” ist die Verwechslungsgefahr am größten: Solange die Definition nicht danebensteht, sind zwei Wettbewerbswerte aus zwei Tools nicht vergleichbar.

Woher die kostenlosen Daten stammen

Für die Belastbarkeit zählt die Quelle, nicht das Preisschild. Praktisch lassen sich drei Herkünfte unterscheiden.

Autocomplete-abgeleitet. KeywordTool.io erzeugt seine Vorschläge aus Google Autocomplete und kommt so auf hunderte Long-Tail-Varianten pro Thema. keyword-tools.org nennt Google Auto-Suggest und verwandte Suchanfragen ausdrücklich als Grundlage. Solche Listen zeigen Formulierungen, nicht Nachfrage.

Anzeigen-abgeleitet. Suchvolumen, CPC und Konkurrenz stammen ursprünglich aus dem Werbeumfeld. keyword-tools.org und SEORCH stellen genau diese Trias kostenlos nebeneinander. Ob die Werte ohne laufende Kampagne nur als grobe Spanne ausgegeben werden, ist eine wiederkehrende Rückfrage und lässt sich seriös nur im eigenen Live-Konto beantworten.

Anbietereigene Daten und Modelle. SISTRIX bietet kostenlos Keyworderweiterungen, echte Nutzerfragen, verwandte Keywords und einen Export. Seobility grenzt seine kostenlose Recherche bewusst vom Keyword-Planer ab und arbeitet über Fokus-Keyword, URL- beziehungsweise Domain-Analyse und Wettbewerbsanalyse. Semrush liefert gratis ausdrücklich nur eine begrenzte Zahl weitgehend passender Vorschläge samt Basismetriken, die Begrenzung ist hier das Produkt, kein Defekt. keyword.io bezeichnet sich als zu 100 Prozent kostenlos inklusive Listen und Export. Daneben laufen reine Ideengeber wie AnswerThePublic für W-Fragen oder de.vionto.com mit.

Menge ist dabei kein Qualitätsbeleg. Wordtracker bewirbt bis zu 10.000 Ergebnisse pro Suche. Wortumstellungen, Dubletten und minimal variierte Long-Tails füllen solche Listen schnell, ohne eine einzige zusätzliche Entscheidung zu ermöglichen.

Welche Free-Tier-Limits im Alltag tatsächlich greifen

Die Bremse sitzt selten bei den Funktionen, sondern bei ihrer Nutzung:

  • Abfragen pro Tag oder pro Sitzung
  • sichtbare Trefferliste größer als die exportierbare Zeilenzahl
  • ausgeblendete oder unscharf dargestellte Metriken
  • eingeschränkte Länder- und Sprachauswahl
  • Registrierung oder Login ab der zweiten Abfrage
  • Wartezeiten und temporäre Sperren nach intensiver Nutzung

Diese Zahlen ändern sich ohne Ankündigung und sind bei keinem Anbieter verlässlich aus zweiter Hand zu bekommen. Prüfen Sie sie in zehn Minuten selbst: eine Abfrage absetzen, die Zeilen in der Ansicht zählen, exportieren, die Zeilen in der Datei zählen, die Differenz notieren. Danach die Länder- und Sprachauswahl öffnen und eine zweite, dritte, vierte Abfrage absetzen, bis eine Anmeldeaufforderung oder ein Limit erscheint. Das Ergebnis dieser Messung gehört in die Projektdokumentation, nicht die Werbeaussage “kostenloser Export”.

Der messbare Punkt, an dem die Gratis-Grenze erreicht ist

Die Grenze ist nicht die Bezahlschranke. Sie ist erreicht, sobald die Einschränkung die Aussage verändert. Prüfbar an sechs Kriterien, eines genügt:

  1. Mehr als 20 Prozent Ihrer relevanten Begriffe haben keine auswertbare Metrik.
  2. Der Export enthält weniger Zeilen als die Ansicht, die Auswahl trifft also das Tool.
  3. Ein Tageslimit verhindert, dass alle geplanten Themenbereiche in einem Durchgang geprüft werden.
  4. Land oder Sprache Ihres Projekts stehen nicht zur Verfügung.
  5. Zwei Abfragen desselben Keywords liefern ohne erkennbaren Grund abweichende Größenordnungen.
  6. Die Datenbedingungen lassen sich beim nächsten Durchlauf nicht reproduzieren.

Für ein Themenfeld mit einigen Dutzend Begriffen reicht ein Free-Tier oft vollständig. Bei mehreren Ländern, vielen Unterthemen oder monatlicher Erfolgskontrolle kippt es früher. Maßgeblich ist der Anteil fehlender Daten, nicht die Projektgröße.

Gegenprüfung über zwei unabhängige Gratis-Quellen

Ein einzelner kostenloser Wert trägt keine Entscheidung. Die Gegenprüfung funktioniert in drei Schritten.

Erstens die Unabhängigkeit sicherstellen: Zwei Tools, die beide aus Autocomplete ziehen, bestätigen sich gegenseitig, ohne etwas zu beweisen. Wählen Sie eine Quelle pro Herkunftsklasse, also eine Nachfragekennzahl aus dem Anzeigenumfeld und ein davon getrenntes Nachfragesignal wie Nutzerfragen, verwandte Suchanfragen oder Vorschlagsdichte.

Zweitens auf Größenordnung vergleichen, nicht auf Zahlen: gleiche Klasse (etwa 100, 1.000, 10.000) heißt plausibel, eine Klasse Abstand heißt unsicher, zwei Klassen heißen widersprüchlich.

Drittens den Widerspruch stehen lassen und das Keyword als “unsicher” markieren, statt sich für die angenehmere Zahl zu entscheiden.

Übereinstimmung ist nicht Genauigkeit. Zwei ähnliche Schätzungen senken nur das Risiko, auf einem einzelnen veralteten Wert aufzubauen. Genau das ist der Rahmen, in dem ein Keyword Tool gratis sauber arbeitet: kontrollierte Unsicherheit mit dokumentierten Lücken. Sobald die Lücken systematisch werden, ist die kostenlose Grenze überschritten, und zwar messbar, nicht gefühlt.