ONMA Ratgeber

Keyword weitgehend passend: Streuung erkennen, messen und eingrenzen

Wie Sie den Standard-Matchtype im Konto erkennen, seine Kosten im Suchbegriffsbericht beziffern und Streuung mit ausschließenden Keywords eingrenzen.

Zwei Männer arbeiten in einem hellen Büro nebeneinander am Laptop, auf dem Bildschirm Programmcode

Kurz gesagt: “Weitgehend passend” ist die standardmäßige Keyword-Option in Google Ads. Sie wird jedem Keyword automatisch zugewiesen, braucht kein Symbol und ist an der Schreibweise nicht zu erkennen. Von den drei Haupttypen der Keyword-Übereinstimmung ist sie die breiteste: Die Anzeige wird auch bei deutlich abweichenden Suchanfragen ausgeliefert, und Googles KI entscheidet, was noch als verwandt gilt.

Genau deshalb ist der praktische Umgang damit selten eine Definitionsfrage. In den meisten Konten, die schon ein paar Jahre laufen, ist weitgehend passend kein gewählter Zustand, sondern ein übrig gebliebener. Die interessante Arbeit besteht darin, ihn zu finden, seine Kosten zu beziffern und die Streuung einzugrenzen, ohne die Reichweite wegzuwerfen, für die man ihn ursprünglich behalten hat.

Der Standard, den niemand aktiv gewählt hat

Exakt passende Keywords stehen in eckigen Klammern, passende Wortgruppen in Anführungszeichen. Weitgehend passende Keywords tragen nichts. Was in Ihrer Keyword-Tabelle ohne Symbol steht, läuft auf der breitesten Ausrichtung, auch wenn niemand das je entschieden hat.

Die erste Kontrollhandlung dauert zwei Minuten: Blenden Sie in der Keyword-Ansicht die Spalte “Keyword-Option” ein, sortieren Sie danach und legen Sie die Kostenspalte daneben. Damit haben Sie die einzige Zahl, die am Anfang zählt: wie viel Budget aktuell über die breiteste Option läuft. Alles Weitere ist eine Reaktion auf diese Zahl.

Was Sie messen, bevor Sie etwas ändern

Der Suchbegriffsbericht ist das Messinstrument, nicht die Keyword-Liste. Wählen Sie einen Zeitraum, in dem genug Klicks zusammenkommen, und segmentieren Sie nach Keyword-Option. Ohne diese Segmentierung schreiben Sie der breiten Option Ausreißer zu, die aus passenden Wortgruppen stammen.

Zwei Kennzahlen reichen für eine Entscheidung:

  1. Anteil der Kosten auf thematisch falschen Suchbegriffen. Anfragen, die Ihr Angebot nicht meinen, also andere Branche, andere Absicht, andere Region.
  2. Anteil der Kosten auf Suchbegriffen ohne eine einzige Conversion über einen Zeitraum, der lang genug für Ihre typische Kaufentscheidung ist.

Eine Einschränkung gehört zur Messung dazu: Der Bericht listet nicht jede einzelne Anfrage auf. Ein Teil der Klicks bleibt ohne benannten Suchbegriff sichtbar. Die Differenz zwischen den Kosten im Bericht und den Kosten der Keywords ist der blinde Fleck, und er ist bei weitgehend passenden Keywords in der Regel am größten. Rechnen Sie ihn nicht weg, sondern führen Sie ihn als eigene Position mit.

Eindämmen mit ausschließenden Keywords

Ausschließende Keywords sind das Werkzeug, mit dem Streuung begrenzt wird, ohne die Option selbst aufzugeben. Zwei Sammelkategorien decken erfahrungsgemäß den größten Teil ab: die thematisch falschen Anfragen (Jobs und Stellenangebote, gebraucht, kostenlos, Definition, selber machen, Vergleichs- und Testabsicht) und die kommerziell falschen (Wettbewerber, Produktvarianten, die Sie nicht führen, Orte, die Sie nicht beliefern).

Hier steckt der häufigste Irrtum im Umgang mit dem Thema: Bei ausschließenden Keywords bedeutet “weitgehend passend” etwas anderes als bei regulären Keywords. Ein ausschließendes Keyword blockiert eine Anfrage nur dann, wenn alle seine Wörter darin vorkommen. Es erweitert nicht auf Synonyme, verwandte Begriffe oder nahe Varianten. Wer “gebraucht” ausschließt, hat “second hand” nicht ausgeschlossen, und Singular deckt den Plural nicht automatisch mit ab. Wer diese Asymmetrie nicht kennt, wundert sich, warum die Ausschlussliste wächst und die Streuung bleibt.

Legen Sie Ausschlüsse, die für das ganze Geschäftsmodell gelten, als Liste an und binden Sie sie auf Kampagnenebene ein. Anzeigengruppenebene bleibt für die feine Abgrenzung zwischen Ihren eigenen Themen reserviert.

Nicht jede Streuung ist Verlust

Bevor Sie großflächig ausschließen: Weitgehend passend liefert regelmäßig Anfragen, die in keiner Recherche stehen, weil sie so niemand vorhergesehen hat. Das ist der eigentliche Grund, die Option zu behalten.

Das Kriterium ist nicht, ob ein Suchbegriff Ihrem Keyword ähnlich sieht, sondern ob er konvertiert hat. Ein Suchbegriff mit Conversions ist Reichweite, auch wenn er sprachlich weit weg liegt. Ein Suchbegriff mit Klicks, Kosten und ohne Ergebnis ist Streuung, auch wenn er dem Keyword ähnelt. Sortieren Sie den Bericht nach Kosten, nicht nach Ähnlichkeit.

Smart Bidding: die bewusste Kombination

Weitgehend passend mit manuellem CPC bietet in jeder Auktion denselben Betrag für sehr unterschiedlich wertvolle Anfragen. Das ist die teure Variante. Sinnvoll wird die breite Ausrichtung, wenn eine automatisierte Gebotsstrategie pro Auktion entscheidet, was eine konkrete Anfrage wert ist.

Die Voraussetzung dafür ist unbequem und wird oft übersprungen: Das Conversion-Tracking muss stimmen, und die Conversions müssen unterschiedliche Werte tragen, wenn sie unterschiedlich viel wert sind. Zählt das Konto Formularaufrufe und Newsletter-Anmeldungen gleich, optimiert das System zuverlässig auf das falsche Ziel, und die Streuung wird nicht gesteuert, sondern effizient eingekauft. Prüfen Sie erst das Signal, dann die Gebotsstrategie, dann die Keyword-Option.

Umstellen, wenn Sie es bewusst wollen

Bestehende Keywords stellen Sie über “Keyword-Optionen ändern” und dort “Auf ‘Weitgehend passend’ umstellen” um. Ist der Eintrag nicht sichtbar, müssen Sie zuerst die vollständige Optionsliste öffnen.

Machen Sie das nicht kontoweit auf einmal. Eine Anzeigengruppe, in der Ausschlusslisten und Tracking sauber sind, ist der richtige Umfang für den ersten Versuch. Danach folgt eine Lernphase, in der die Zahlen nicht aussagekräftig sind. Wer nach drei Tagen zurückstellt, hat nichts gemessen, sondern nur Unruhe erzeugt.

Der Nachbar: Performance Max

Suchkampagnen mit Keywords und Performance Max greifen ineinander, und die Google Ads-Hilfe behandelt dieses Zusammenspiel als eigenen Abschnitt der Keyword-Optionen. Praktische Folge: Bevor Sie eine unerwünschte Anfrage der breiten Keyword-Option anlasten, klären Sie, aus welcher Kampagne sie tatsächlich bedient wurde. Sonst kürzen Sie an einer Stelle, an der das Problem nicht sitzt.

Ein Rhythmus statt einer Aufräumaktion

Streuung ist kein Zustand, der einmal beseitigt wird. Suchverhalten ändert sich, und die KI, die “verwandt” definiert, ändert sich mit. Setzen Sie einen festen Termin: wöchentlich in den ersten Wochen nach einer Umstellung, danach monatlich. Jeder Termin besteht aus denselben drei Handgriffen: Suchbegriffsbericht nach Kosten sortieren, neue Ausschlüsse in die passende Liste eintragen, den Kostenanteil ohne Conversion mit dem Vormonat vergleichen.

Damit ist weitgehend passend keine Einstellung, die im Hintergrund Budget verbraucht, sondern eine, deren Preis Sie kennen.