ONMA Ratgeber

Kostenloses Keyword Tool: In sechs Schritten vom Suchbegriff zum fertigen Content-Plan

Wie Sie mit einem kostenlosen Keyword Tool Ideen sammeln, Suchvolumen und Schwierigkeit richtig deuten und daraus einen Redaktionsplan bauen.

Aufgeklappter Laptop auf dunklem Untergrund, auf dem Bildschirm eine Google-Trefferliste zur Suche „Online Marketing Experte“

Ein kostenloses Keyword Tool ist kein kleineres Bezahltool. Es ist ein Ideengenerator mit unvollständigen Zahlen. Wer das akzeptiert, kommt ohne Budget erstaunlich weit: Themen finden, Nachfrage grob einordnen, nach Suchintention sortieren und daraus einen Redaktionsplan bauen, der sich abarbeiten lässt. Wer es nicht akzeptiert, baut seinen Plan auf Schätzwerte, die er für Messwerte hält.

Dieser Text beschreibt genau diesen Ablauf: einen Durchlauf, der mit einer einzigen Abfrage beginnt und mit drei fertigen Content-Briefings endet. Als durchgehendes Beispiel dient ein Anbieter von Buchhaltungssoftware für Selbstständige. Die Schritte funktionieren aber mit jedem Thema, bei dem Sie Ihre Zielgruppe kennen.

Was ein kostenloses Tool für diesen Workflow können muss

Vier Funktionen genügen: Vorschläge zu einem Ausgangsbegriff erzeugen, Fragen und lange Suchphrasen sichtbar machen, irgendeine Form von Nachfragehinweis liefern und die Ergebnisse kopierbar ausgeben. Alles andere ist Komfort.

Die Gratis-Zugänge unterscheiden sich vor allem in ihrer Deckelung und im Einstiegspunkt. Das SISTRIX Keyword Tool lässt sich für bis zu zehn tägliche Abfragen kostenlos nutzen, danach ist eine kostenlose Registrierung nötig. Das Seobility-Tool unterstützt Recherchen anhand eines Fokus-Keywords, einer URL beziehungsweise Domain und anhand von Wettbewerbern, Sie können also auch von einer bestehenden Seite aus starten. KeywordTool.io erzeugt Vorschläge auf Basis von Google Autocomplete und ist besonders auf Long-Tail-Begriffe ausgerichtet, liefert also eher Formulierungen als Kennzahlen. Der Google Keyword-Planer ist eine kostenlose Ressource zum Erstellen von Keyword-Listen für Suchkampagnen, seine Zahlen kommen entsprechend aus der Anzeigenwelt.

Praktische Konsequenz aus den Deckelungen: Planen Sie Ihre Abfragen, bevor Sie sie verbrauchen. Zehn Abfragen pro Tag reichen für einen kompletten Themenbereich, wenn Sie überlegt eingeben. Sie sind nach fünf Minuten aufgebraucht, wenn Sie Varianten durchprobieren.

Schritt 1: Eine Abfrage, die eine Frage beantwortet

Formulieren Sie vor der ersten Eingabe einen Satz, der Zielgruppe und Problem festhält:

Selbstständige sollen erfahren, wie sie rechtssichere Rechnungen mit möglichst wenig Aufwand erstellen.

Dieser Satz ist der Filter für alles, was danach kommt. Der Ausgangsbegriff lautet dann schlicht “Rechnung schreiben”. Vorschläge wie “Rechnung schreiben Vorlage”, “Rechnung schreiben ohne Gewerbe” oder “Rechnung schreiben Pflichtangaben” passen dazu. “Rechnung schreiben Job” enthält dieselben Wörter und gehört trotzdem nicht in die Liste.

Setzen Sie vier gezielte Abfragen an statt zwanzig zufälliger: den allgemeinen Ausgangsbegriff, eine problemorientierte Formulierung, eine lösungsorientierte Formulierung und eine echte Frage aus einem Support-Ticket oder Verkaufsgespräch. Die vierte Abfrage ist die wertvollste, weil sie Sprache enthält, die kein Tool von selbst vorschlägt.

Stoppen Sie bei 30 bis 50 brauchbaren Vorschlägen. Bei kleinen Projekten erzeugen 500 Zeilen keine besseren Entscheidungen, nur längere Sortierarbeit.

Schritt 2: Vorschläge bündeln, nicht sammeln

Die meisten Vorschläge sind sprachliche Varianten derselben Suche. Aus der Rohliste entstehen im Beispiel etwa fünf Gruppen: Pflichtangaben und rechtliche Anforderungen, Vorlagen und Beispiele, Rechnungsnummern und Nummernkreise, Rechnungen ohne Gewerbe, Korrektur und Stornierung.

Ein Cluster ist an dieser Stelle eine Arbeitshypothese, kein Artikel. Die Hypothese lautet: Diese Begriffe lassen sich mit einer Seite beantworten. Prüfen lässt sich das in zwei Minuten. Suchen Sie zwei Begriffe aus derselben Gruppe und vergleichen Sie die Ergebnisseiten. Überschneiden sich die Treffer stark und ähneln sich die Seitentypen, gehört beides zusammen. Zeigen sich zwei verschiedene Welten, etwa Vorlagen-Downloads gegen juristische Erklärtexte, brauchen Sie zwei Seiten.

Diese Prüfung ersetzt jede automatische Gruppierung, die ein kostenloses Tool anbietet.

Schritt 3: Kennzahlen als Hinweise lesen

Je nach Anbieter bekommen Sie unterschiedlich viele Zahlen. Das SEORCH Keyword Tool verbindet Keyword-Vorschläge mit Suchvolumen- und CPC-Daten. SE Ranking stellt unter anderem Suchvolumen, Keyword-Schwierigkeit, CPC und Suchintention als Bewertungsmetriken bereit. Das Semrush Keyword Tool liefert in der kostenlosen Nutzung eine begrenzte Zahl an Vorschlägen und zentrale Keyword-Metriken.

Alle diese Werte sind Modellrechnungen. Behandeln Sie sie entsprechend.

Suchvolumen. Eine geschätzte monatliche Nachfrage, keine Trafficprognose. Saisonalität, zusammengefasste Suchvarianten und unterschiedliche Datenquellen verschieben den Wert. Ein Begriff mit 90 Suchen im Monat, der eine Kaufentscheidung beschreibt, ist oft mehr wert als einer mit 9.000 Suchen ohne Bezug zu Ihrem Angebot.

Keyword-Schwierigkeit. Eine anbieterspezifische Einschätzung, die je nach Tool deutlich abweichen kann. Sie kennt weder Ihre Fachtiefe noch Ihre bestehenden Inhalte, Ihre Marke oder Ihre Fähigkeit, die bessere Antwort zu schreiben. Nutzen Sie sie als Warnsignal, nicht als Ausschlusskriterium.

CPC und Wettbewerb. Beide Werte stammen aus dem Umfeld bezahlter Anzeigen. Ein hoher CPC zeigt kommerzielles Interesse, sagt aber nichts darüber, ob ein redaktioneller Inhalt hier eine Chance hat. Für einen Content-Plan ist das eine Nebeninformation.

Leere Felder. Kein angezeigter Wert bedeutet nicht “keine Nachfrage”, sondern häufig “unterhalb der Erfassungsschwelle des Anbieters”. Prüfen Sie stattdessen Autocomplete, verwandte Suchanfragen, Foren und Ihre eigenen Kundenfragen. Genau in diesem Bereich liegen die Themen, die Wettbewerber mit Volumenfilter überspringen.

Widersprechen sich zwei kostenlose Quellen, suchen Sie keine dritte Nachkommastelle. Übersetzen Sie jeden Wert in gering, mittel oder hoch und arbeiten Sie mit dieser Skala weiter. Rechnen Sie Werte verschiedener Anbieter nie miteinander, sie messen nicht dasselbe.

Schritt 4: Suchintention selbst feststellen

Vier Fälle sind für die Planung relevant: verstehen wollen, eine bestimmte Seite suchen, vor einer Entscheidung vergleichen, konkret handeln oder kaufen.

Verlassen Sie sich nicht auf die automatische Klassifizierung. Suchen Sie den Begriff selbst und lesen Sie die erste Ergebnisseite mit fünf Fragen: Dominieren Anleitungen und Definitionen? Erscheinen Produkt- oder Shopseiten? Sind Vergleiche und Erfahrungsberichte präsent? Beantworten die Treffer eine kurze Frage oder behandeln sie ein großes Thema? Fallen Videos, lokale Treffer oder aktuelle Meldungen auf?

Notieren Sie das Ergebnis in einem Halbsatz pro Cluster, etwa “überwiegend Vorlagen zum Download, kaum Fließtext”. Diese Notiz entscheidet später über das Format. Wenn fast alle Treffer eine kostenlose Vorlage anbieten, verfehlt ein rein theoretischer Ratgeber die Erwartung. Wenn ausführliche Erklärungen dominieren, ist eine knappe Produktseite die falsche Antwort.

Schritt 5: Mit vier Fragen priorisieren

Eine Punktetabelle brauchen Sie nicht. Bewerten Sie jedes Cluster mit vier Ja-Nein-Fragen:

  1. Passt das Thema zu Zielgruppe und Angebot?
  2. Können wir die erkannte Suchintention besser oder klarer erfüllen als die aktuellen Treffer?
  3. Gibt es erkennbare Nachfrage, auch bei grober Schätzung?
  4. Können wir den Inhalt mit vorhandener Expertise zeitnah erstellen?

Weiter geht es mit den Clustern, bei denen mindestens drei Antworten Ja lauten. Bei Gleichstand gewinnt das spezifischere Thema: “Rechnung Pflichtangaben Kleinunternehmer” sagt Ihnen, was im Text stehen muss. “Rechnung” sagt Ihnen gar nichts.

Schritt 6: Aus dem Cluster ein Briefing machen

Der Schritt, an dem die meisten Null-Budget-Recherchen versanden. Überführen Sie jedes priorisierte Cluster sofort in einen Produktionsauftrag mit acht Zeilen: vorläufiger Titel, primäres Nutzerproblem, Suchintention, Hauptkeyword plus Varianten, zu beantwortende Fragen, Format, gewünschter nächster Schritt für den Leser, benötigte Beispiele oder Fachquellen.

Aus dem Cluster “Rechnung Pflichtangaben” wird so ein Ratgeber mit prüfbarer Liste, einem beschrifteten Rechnungsbeispiel und einem Abschnitt zu typischen Fehlern. Das Keyword liefert den Einstieg, die Ausgestaltung kommt aus dem Nutzerproblem und aus dem, was Sie in Schritt 4 auf der Ergebnisseite gesehen haben.

Setzen Sie zuletzt ein Veröffentlichungsdatum. Vier terminierte Artikel schlagen 200 ungeprüfte Keywords ohne Termin.

Der Durchlauf in 60 Minuten

  1. Zielgruppe und Problem in einem Satz festhalten: 5 Minuten.
  2. Vier geplante Abfragen, 30 bis 50 Vorschläge sichern: 10 Minuten.
  3. Bereinigen und zu vier bis sechs Clustern bündeln: 10 Minuten.
  4. Nachfrage als gering, mittel oder hoch markieren: 5 Minuten.
  5. Für die drei wichtigsten Cluster die Ergebnisseite prüfen: 15 Minuten.
  6. Nach den vier Fragen priorisieren: 5 Minuten.
  7. Drei Briefings mit Termin schreiben: 10 Minuten.

Welches Produkt Sie dabei verwenden, ist für das Ergebnis zweitrangig. Entscheidend ist, dass Sie Vorschläge nicht ungeprüft übernehmen und Anzeigenkennzahlen nicht mit organischen Erfolgsaussichten verwechseln.

Wo kostenlose Daten an ihre Grenze stoßen

Kostenlose Zugänge liefern Ihnen Vorschläge und Größenordnungen. Sie liefern keine verlässliche Historie, keine vollständige Abdeckung von Nischenbegriffen und keine Aussage darüber, ob Ihre Domain für ein Thema in Frage kommt. Genau diese Lücken müssen Sie manuell schließen, mit der Ergebnisseite und mit Ihrem Wissen über die eigenen Kunden.

Die häufigsten Fehler folgen aus dem Gegenteil dieser Haltung:

  • das Keyword mit dem höchsten angezeigten Volumen automatisch nehmen
  • jeder Formulierungsvariante eine eigene Seite geben
  • die Suchintention aus dem Wortlaut raten statt sie zu prüfen
  • fehlende Daten als fehlende Nachfrage werten
  • Werte verschiedener Anbieter miteinander verrechnen
  • Keywords sammeln, ohne sie in Briefings zu überführen

Fazit

Ein kostenloses Keyword Tool ist als Ideenquelle stark und als Wahrheitsmaschine schwach. Sammeln Sie deshalb bewusst wenig, bündeln Sie nach Nutzerbedürfnis statt nach Wortlaut, prüfen Sie die Suchintention in den echten Ergebnissen und übersetzen Sie Zahlen in gering, mittel und hoch.

Priorisiert wird nach Relevanz, erfüllbarer Suchintention, erkennbarer Nachfrage und eigener Umsetzbarkeit, in dieser Reihenfolge. Wenn jedes ausgewählte Cluster noch in derselben Stunde ein Briefing und ein Datum bekommt, entsteht aus einer kostenlosen Abfrage ein Content-Plan, der Bestand hat.