LastActionSeo: Was der SEO-Contest von 2010 über Ranking-Mechanik verrät
LastActionSeo 2010: Regeln, Ablauf und Teilnehmerfeld des SEO-Contests, plus warum ein Kunstwort ohne Nachfrage keine Vorlage für Unternehmens-SEO ist.
LastActionSeo war ein deutscher SEO-Wettbewerb im Herbst 2010. Gesucht wurde kein Produkt und kein Anbieter, sondern eine Position: Wer am Stichtag mit dem Kunstwort “lastactionseo” auf Platz 1 bei Google stand, hatte gewonnen. Interessant ist der Contest heute nicht als Anekdote, sondern weil er etwas hinterlassen hat, das im Alltag selten vorkommt: ein öffentlich dokumentiertes Freilandexperiment, bei dem alle Beteiligten dasselbe Zielwort bearbeiteten und ihre Zwischenstände mitschrieben.
Die Eckdaten des Contests
Die Suche nach dem “Last Action Seo” startete am 22.09.2010. Der Name war eine Anlehnung an Arnold Schwarzeneggers Film “Last Action Hero”, entschieden wurde der Wettbewerb in den Google-Suchergebnissen selbst. Der Contest lief bis zum 10.11.2010, rund sieben Wochen. Gewonnen hatte, wer zu diesem Stichtag mit dem Begriff “lastactionseo” auf Platz 1 bei Google stand.
In der deutschen SEO-Blogosphäre lief das Ganze unter dem Motto “Germany’s Next Super-SEO”. Schon in den ersten Tagen war Bewegung zu sehen, sowohl in den Kommentarspalten der beteiligten Blogs als auch in den Suchergebnissen. tagSeoBlog dokumentierte den Wettbewerb in einem auf den 24.09.2010 datierten Beitrag mit einem eigenen Abschnitt “Seo-Contest Regeln” und einer laufend geführten Liste “Weitere LastActionSeo-Teilnehmer”. Diese Teilnehmerliste ist rückblickend der eigentliche Wert der Quelle: Sie macht das Feld sichtbar, gegen das jede einzelne Seite antrat.
Warum ein Kunstwort ein sauberes Experiment ergibt
Ein erfundenes Keyword hat eine Eigenschaft, die reale Suchbegriffe nie haben: Vor dem Startschuss existiert dazu nichts. Keine alten Seiten, keine gewachsenen Verweise, keine Historie, kein Suchvolumen. Alles, was Google zu diesem Wort später kannte, entstand innerhalb des Beobachtungszeitraums und vor den Augen der Beobachter.
Damit wurde sichtbar, was sonst hinter Jahren an Altlasten verschwindet: wie schnell neue Dokumente in den Index kommen, wie stark die Rangfolge in den ersten Tagen schwankt, wie lange eine Position hält und wann sie kippt. Eine zeitgenössische Einordnung brachte das auf den Punkt: “LastActionSEO ist das Keyword für einen SEO Wettbewerb”, und zugleich ein Test, ob frische Domains, die das Zielwort im Namen tragen, gegen gestandene Projekte ranken können. Dass diese Frage damals offen gestellt wurde, ist selbst ein Befund über den Stand der Diskussion 2010. Beantworten lässt sie sich aus dem Contest nicht, und sie ist auch nicht das Thema dieser Seite.
Ein zweiter, oft übersehener Befund: die Texte waren kurz
Wer sich die Seiten ansieht, die zum Begriff heute noch auffindbar sind, findet keine ausgebauten Ratgeber. Eine Auswertung von fünf Ergebnisseiten zum Begriff (DataForSEO, Stand 21.09.2026, Standort Deutschland, Sprache Deutsch) ergibt Textlängen von 33 bis 509 Wörtern, im Mittel rund 319 Wörter. Das sind Notizen, Statusmeldungen und Regelwerke, keine Inhalte, die für Leser gebaut wurden.
Das passt zur Natur der Sache. Bei einem Kunstwort ohne Nachfrage konkurriert niemand um den besseren Text, weil es keinen Leser gibt, dessen Frage man besser beantworten könnte. Es konkurrieren nur Signale. Genau darin liegt der Grund, warum die Ergebnisse eines solchen Contests nicht ohne Weiteres auf echte Projekte übertragbar sind.
Was die Quellenlage nicht hergibt
Wer den Contest am 10.11.2010 tatsächlich auf Platz 1 beendet hat, lässt sich aus den hier ausgewerteten Quellen nicht belegen. Die Beiträge dokumentieren Start, Regeln, Teilnehmerfeld und Zwischenstände, nicht aber das Endergebnis in überprüfbarer Form. Ein Gewinnername wird hier deshalb bewusst nicht genannt. Wer ihn braucht, muss auf Archivstände der beteiligten Blogs zum Stichtag zurückgreifen.
Ein Nachleben hat der Begriff trotzdem. Der Name LastActionSeo ist bis heute als Personenkennung in Gebrauch, etwa als LinkedIn-Profil “Niko Lastactionseo”. Contest-Keywords werden zu Spitznamen, und der Spitzname überlebt den Wettbewerb um anderthalb Jahrzehnte.
Die Abgrenzung: Contest ist nicht Strategie
Der entscheidende Punkt für die Praxis ist eine Unterscheidung, die in Contest-Rückblicken oft untergeht. Ein SEO-Wettbewerb optimiert auf ein Keyword ohne Nachfrage, mit einem festen Enddatum, gegen ein bekanntes Teilnehmerfeld, und ohne dass irgendjemand danach noch etwas mit der Seite vorhat. Unternehmens-SEO tut in allen vier Punkten das Gegenteil:
Nachfrage statt Kunstwort. Ein Contest-Begriff hat null Suchvolumen. Eine Position darauf ist ein Messwert, kein Kunde. Im Betrieb entscheidet, ob hinter einer Suchanfrage überhaupt jemand steht, der etwas will.
Dauer statt Stichtag. Beim Contest zählt ein einziger Tag. Deshalb sind Taktiken rational, die kurzfristig wirken und danach zusammenfallen dürfen. Ein Unternehmen braucht den umgekehrten Zeithorizont: Was in sieben Wochen aufgebaut wurde, muss in sieben Jahren noch tragen oder es hat nicht gezählt.
Intention statt Signal. Wo es keine Leser gibt, gibt es auch keinen Grund, für Leser zu schreiben. Die 319 Wörter im Schnitt sind der Beleg. Auf einer echten Ratgeberseite ist genau das der teure Fehler.
Reproduzierbarkeit statt Einzelfall. Ein Contest liefert genau einen Durchlauf, ohne Kontrollgruppe und ohne Wiederholung. Was dort funktioniert hat, ist eine Beobachtung, keine Regel.
Der Contest bleibt deshalb wertvoll als historisches Dokument: als Momentaufnahme, wie die deutsche SEO-Szene 2010 gearbeitet, diskutiert und gemessen hat. Als Vorlage für die Arbeit an einer Unternehmensseite taugt er nicht, und er war auch nie als eine gedacht.
