ONMA Ratgeber

Online-Marketing-Formen systematisch einordnen und vergleichen

Vergleichen Sie Online-Marketing-Formen nach Medienhoheit, Push oder Pull, Ziel, Geschwindigkeit, Kontrolle und Kostenlogik.

Smartphone auf dunklem Untergrund, auf dem Display eine Google-Trefferliste zur Suche „Online Marketing Experte“

Online-Marketing umfasst die digitale Ansprache, Gewinnung und Bindung von Zielgruppen über elektronische Netzwerke. Für die strategische Einordnung seiner Formen reicht eine einfache Liste einzelner Kanäle oder Werkzeuge jedoch nicht aus. Aussagekräftiger ist eine strukturierte Taxonomie, die zeigt, wem ein Medium gehört, wer seine Verbreitung kontrolliert, in welche Richtung die Kommunikation wirkt und welcher Aufwand hinter der erzielten Reichweite steht.

Eine solche Systematik erleichtert den Vergleich sehr unterschiedlicher Online-Marketing-Formen erheblich. Suchmaschinenwerbung, redaktionelle Website-Inhalte, Medienberichte und geteilte Social-Media-Beiträge lassen sich dadurch anhand derselben Kriterien betrachten. Entscheidend ist dabei nicht, möglichst viele Kanäle aufzuzählen, sondern ihre jeweilige Funktion im Kommunikationssystem zu verstehen. Dieser Beitrag bietet keine Schritt-für-Schritt-Anleitung, keine Handlungsempfehlungen zur operativen Umsetzung und auch keinen Überblick über aktuelle Trends. Er stellt stattdessen ein Ordnungssystem vor, das die Auswahl und Gewichtung unterschiedlicher Medienlogiken ermöglicht.

Nach welchen Kriterien lassen sich Online-Marketing-Formen unterscheiden?

Eine belastbare Einordnung kombiniert mehrere Perspektiven, da eine einzelne Achse die Unterschiede niemals vollständig abbildet. Besonders relevant sind sechs systematische Vergleichskriterien:

  1. Medienhoheit: Bezahlt ein Unternehmen für die Platzierung, veröffentlicht es auf eigenen Präsenzen oder entsteht die Sichtbarkeit durch Dritte?
  2. Kommunikationsrichtung: Wird eine Botschaft aktiv an eine Zielgruppe herangetragen (Push) oder reagiert das Angebot auf eine bereits vorhandene Nachfrage (Pull)?
  3. Typisches Ziel: Geht es vor allem um schnelle Reichweite, Nachfrageabschöpfung, Vertrauensbildung, Kundenbindung oder öffentliche Resonanz?
  4. Geschwindigkeit: Wie schnell kann die jeweilige Form sichtbare Ergebnisse erzeugen?
  5. Kontrollgrad: Wie stark lassen sich Inhalt, Zeitpunkt, Umfeld, Reichweite und Darstellung beeinflussen?
  6. Kostenlogik: Entstehen vor allem variable Mediakosten, feste Produktionskosten, laufende Betreuungskosten oder indirekte Aufwände für Beziehungen und Reputation?

Die Medienhoheit erklärt beispielsweise, wer den Zugang zum Publikum kontrolliert. Sie sagt aber noch nicht eindeutig, ob die Kommunikation als Push oder Pull wirkt. Für eine sinnvolle Auswahl müssen deshalb immer mehrere Kriterien zusammen betrachtet werden. Nur so wird klar, warum eine bezahlte Anzeige und ein redaktioneller Artikel grundlegend differente Wirkungsweisen entfalten.

Das PESO-Modell ordnet Kommunikationskanäle in Paid, Earned, Shared und Owned Media ein und betrachtet deren Zusammenspiel als integrierte Strategie. Die vier Bereiche sind keine voneinander isolierten Disziplinen. Sie beschreiben unterschiedliche Formen von Zugang, Kontrolle und Verbreitung, die sich in der Praxis überschneiden und gegenseitig verstärken können.

Paid Media umfasst alle Platzierungen, deren Auslieferung gegen Bezahlung erfolgt. Das Unternehmen erwirbt damit zeitlich begrenzten Zugang zu einer Zielgruppe oder zu einer konkreten Nachfragesituation. Beispiele für diese Form sind Paid Search, bezahlte Anzeigen in sozialen Netzwerken und Display-Werbung. Bannerwerbung stellt dabei eine klassische Unterform von Display-Werbung dar.

Die Stärke von Paid Media liegt vor allem in der Geschwindigkeit und Steuerbarkeit. Reichweite kann häufig kurzfristig aufgebaut, nach definierten Merkmalen eingegrenzt und an ein bestimmtes Ziel gekoppelt werden. Plattformen wie Meta ermöglichen etwa die Zielgruppenansprache unter anderem anhand von Standort, demografischen Merkmalen und Interessen. Die Auslieferung kann anhand der Kampagnenreaktionen zudem laufend optimiert werden.

Der hohe Kontrollgrad ist dennoch relativ. Unternehmen bestimmen zwar Botschaft, Budget und grundlegende Zielgruppenkriterien. Die tatsächliche Auslieferung hängt jedoch von Plattformregeln, Auktionsmechanismen, verfügbaren Werbeplätzen und algorithmischen Entscheidungen ab. Das werbende Unternehmen besitzt den Kanal nicht, sondern bezahlt für seine vorübergehende Nutzung.

Die Kostenlogik ist überwiegend variabel. Solange Budget eingesetzt wird, kann Sichtbarkeit entstehen. Wird die Finanzierung beendet, fällt die bezahlte Reichweite meist unmittelbar oder innerhalb kurzer Zeit weg. Zusätzlich entstehen Aufwände für Inhalte, Gestaltung und Datenanalyse. Paid Media ist daher besonders geeignet, wenn Geschwindigkeit, planbarer Marktzugang oder eine zeitlich begrenzte Aktivierung im Vordergrund stehen.

Owned Media: kontrollierte Präsenz auf eigenen Kanälen

Owned Media bezeichnet Medien und Inhalte, über die ein Unternehmen weitgehend selbst verfügt. Dazu zählen insbesondere die eigene Website, ein eigener redaktioneller Bereich, Landingpages und zulässig aufgebaute E-Mail-Verteiler.

Im Vergleich zu Paid Media ist die unmittelbare Reichweite häufig langsamer aufzubauen. Dafür können Inhalte dauerhaft verfügbar bleiben, weiterentwickelt und mehrfach genutzt werden. Das Unternehmen kontrolliert Botschaft, Struktur, Erscheinungsbild und Veröffentlichungszeitpunkt deutlich stärker als auf fremden Plattformen.

Owned Media bedeutet dennoch keine vollständige Unabhängigkeit. Eine Website benötigt Zugangswege, etwa Suchmaschinen, Verweise oder direkte Aufrufe. Auch ein E-Mail-Verteiler ist von Zustellbarkeit, Einwilligungen und rechtlichen Anforderungen abhängig. Personen können der Verarbeitung ihrer personenbezogenen Daten für Direktmarketing jederzeit widersprechen. Nach einem solchen Widerspruch dürfen die betreffenden Daten nicht weiter für diesen Zweck verarbeitet werden.

Die Kosten entstehen bei Owned Media weniger durch jeden einzelnen Kontakt als durch Aufbau, Produktion, technische Bereitstellung und laufende Pflege. Ein einmal erstellter Inhalt kann langfristig Wirkung entfalten, verursacht aber nicht automatisch Aufmerksamkeit. Owned Media eignet sich deshalb besonders für dauerhafte Informationsangebote, Profilbildung und die Pflege bestehender Beziehungen.

Suchmaschinenoptimierung (SEO) ist innerhalb dieser Kategorie ein wichtiger Zugangsmechanismus, aber keine eigenständige Gesamtlogik des Online-Marketings. Google beschreibt SEO als Maßnahmen, die Suchmaschinen helfen, Inhalte zu verstehen, und Nutzern helfen, eine Website über Suchmaschinen zu finden. Der Inhalt bleibt Owned Media, während seine Auffindbarkeit von einer externen Suchplattform abhängt.

Earned Media: Aufmerksamkeit und Anerkennung durch Dritte

Earned Media entsteht, wenn unabhängige Dritte einem Unternehmen, einer Marke oder einem Inhalt Aufmerksamkeit geben. Typische Beispiele sind redaktionelle Erwähnungen, journalistische Berichte, freiwillige Empfehlungen, externe Verlinkungen oder fachliche Bezugnahmen.

Die besondere Stärke liegt in der Glaubwürdigkeit. Eine positive Einordnung durch unabhängige Dritte kann überzeugender wirken als eine selbst veröffentlichte Behauptung. Earned Media kann außerdem neue Zielgruppen erschließen und die Wahrnehmung einer Organisation über deren eigene Kanäle hinaus prägen.

Dem steht ein geringer Kontrollgrad gegenüber. Ein Unternehmen kann Anlässe schaffen, Informationen bereitstellen und Beziehungen pflegen. Es kann jedoch weder eine Veröffentlichung garantieren noch Tonalität, Zeitpunkt oder Kontext vollständig bestimmen. Earned Media kann positiv, neutral oder kritisch ausfallen.

Auch die Geschwindigkeit ist schwer vorherzusagen. Eine relevante Erwähnung kann plötzlich große Aufmerksamkeit erzeugen. Ebenso kann längere Vorarbeit ohne sichtbares Ergebnis bleiben. Die Kostenlogik ist daher indirekt: Für die Platzierung wird grundsätzlich nicht bezahlt, doch glaubwürdige Inhalte, Expertise, Reputation und Kommunikationsbeziehungen benötigen Zeit und Ressourcen.

Earned Media ist vor allem dann wertvoll, wenn Vertrauen, Legitimation und öffentliche Resonanz wichtig sind. Es eignet sich weniger als alleinige Grundlage für kurzfristig exakt planbare Reichweite.

Shared Media: gemeinschaftlich verbreitete Inhalte

Shared Media umfasst Sichtbarkeit, die durch Teilen, Kommentieren, Weiterleiten und gemeinschaftliche Interaktion entsteht. Im Mittelpunkt steht nicht allein die ursprüngliche Veröffentlichung, sondern ihre Verbreitung durch Nutzer, Communitys, Beschäftigte, Kunden oder andere Beteiligte.

Diese Form wird häufig mit sozialen Netzwerken verbunden. Sie ist jedoch nicht mit sämtlichen Veröffentlichungen auf diesen Plattformen gleichzusetzen. Ein eigener Unternehmensbeitrag kann zunächst Owned Media ähneln, obwohl er auf einer fremden Infrastruktur erscheint. Wird er von anderen aufgegriffen, kommentiert und weiterverbreitet, erhält er Shared-Media-Eigenschaften. Wird seine Auslieferung zusätzlich bezahlt, kommt Paid Media hinzu.

Shared Media kann Reichweite, Dialog und soziale Bestätigung erzeugen. Gleichzeitig ist die Kontrolle begrenzt. Unternehmen können den Ausgangsbeitrag gestalten, aber nicht zuverlässig festlegen, wie andere ihn interpretieren, ergänzen oder in neue Zusammenhänge stellen. Plattformalgorithmen beeinflussen zusätzlich, welche Interaktionen sichtbar werden.

Die Geschwindigkeit reicht von langsamem Community-Aufbau bis zu sehr schneller Verbreitung. Diese Dynamik ist kaum verlässlich planbar. Die Kostenlogik besteht vor allem aus redaktioneller Arbeit, Moderation, Community-Pflege und dem Aufbau tragfähiger Beziehungen. Organische Verbreitung ist nicht automatisch kostenlos, auch wenn keine direkte Zahlung für jeden Kontakt anfällt.

Die vier Medienformen im direkten Vergleich

Die folgenden Kriterien zeigen typische Tendenzen, keine unveränderlichen Eigenschaften. Ein bezahlter Beitrag kann beispielsweise langfristige Markenwirkung anstreben. Ein eigener Website-Inhalt kann durch einen aktuellen Anlass sehr schnell Reichweite erhalten. Die Kategorien helfen bei der Orientierung, ersetzen aber keine Betrachtung des konkreten Kommunikationswegs.

FormMedienhoheitTypisches ZielGeschwindigkeitKontrollgradKostenlogik
Paid MediaZugang wird bei Dritten eingekauftschnelle Reichweite, Aktivierung, Nachfrageaufnahmemeist hochhoch bei Botschaft und Budget, begrenzt bei Auslieferung und Umfeldvariable Mediakosten plus Produktion und Betreuung
Owned Mediaweitgehend eigene Kontrolle über Inhalt und Präsenzdauerhafte Information, Profilbildung, Bindungeher mittel bis langsamhoch bei Inhalt und Gestaltung, begrenzt bei externer AuffindbarkeitAufbau, Produktion, Technik und Pflege
Earned MediaVeröffentlichung und Bewertung liegen bei unabhängigen DrittenVertrauen, Reputation, Legitimationschwer planbargeringindirekter Aufwand für Qualität, Expertise und Beziehungen
Shared MediaVerbreitung wird mit Nutzern und Plattformen geteiltDialog, Beteiligung, soziale Reichweitestark schwankendmittel beim Ausgangsinhalt, gering bei WeiterverbreitungInhalte, Moderation und Community-Pflege

Push und Pull als zweite Einordnungsachse

Neben der Medienhoheit ist die Kommunikationsrichtung besonders wichtig. Push und Pull beschreiben, ob eine Botschaft aktiv an Menschen herangetragen wird oder ob sie auf ein bereits vorhandenes Informationsbedürfnis reagiert.

Push-Kommunikation erzeugt oder aktiviert Aufmerksamkeit

Bei Push-Kommunikation erreicht eine Botschaft Personen, ohne dass diese in diesem Moment ausdrücklich danach gesucht haben müssen. Beispiele sind Display-Werbung, bezahlte Beiträge in sozialen Netzwerken oder zulässige Direktkommunikation per E-Mail.

Push eignet sich vor allem, um Bekanntheit aufzubauen, neue Angebote sichtbar zu machen oder latenten Bedarf zu aktivieren. Es kann Zielgruppen erreichen, die das Unternehmen oder die passende Lösung noch nicht kennen.

Die Herausforderung liegt in der Relevanz. Weil die Aufmerksamkeit nicht aus einer aktiven Suche heraus entsteht, konkurriert die Botschaft mit anderen Inhalten und kann als Unterbrechung wahrgenommen werden. Eine präzise Zielgruppeneingrenzung verbessert die Chance auf Resonanz, beseitigt diesen Grundkonflikt aber nicht.

Pull-Kommunikation greift bestehende Nachfrage auf

Pull-Kommunikation wird wirksam, wenn Menschen selbst nach Informationen, Lösungen oder Angeboten suchen. Dazu gehören organische Suchergebnisse, hilfreiche Inhalte auf eigenen Seiten und Paid Search.

Anzeigen im Google-Suchnetzwerk können in der Nähe von Suchergebnissen erscheinen, wenn eine Suchanfrage zu den ausgewählten Keywords oder zum beworbenen Angebot passt. Paid Search ist deshalb trotz bezahlter Medienlogik häufig eine Pull-Form. Die Anzeige wird durch eine erkennbare Nachfrage ausgelöst.

Pull-Kommunikation erreicht Nutzer meist in einer konkreteren Bedarfssituation. Dadurch kann die inhaltliche Relevanz hoch sein. Die erreichbare Reichweite ist jedoch an das vorhandene Suchvolumen oder Informationsinteresse gebunden. Wo noch niemand nach einer unbekannten Lösung sucht, kann Pull allein nur begrenzt Nachfrage erschließen.

Medienhoheit und Kommunikationsrichtung dürfen nicht gleichgesetzt werden. Es ergeben sich verschiedene Kombinationen, die die eigentliche Charakteristik einer Maßnahme bestimmen:

KombinationCharakterBeispiel
Paid und Pushbezahlte Ansprache ohne unmittelbar geäußerte NachfrageDisplay-Werbung oder bezahlte Social-Media-Auslieferung
Paid und Pullbezahlte Präsenz in einer aktiven SuchsituationPaid Search, etwa über Google Ads
Owned und Pulleigener Inhalt beantwortet ein vorhandenes Informationsbedürfnisüber Suchmaschinen auffindbarer Ratgeberinhalt
Owned und Pusheigene Kontaktmöglichkeit trägt eine Botschaft aktiv an Empfänger heranzulässige E-Mail-Kommunikation an bestehende Kontakte
Earned und Pullexterne Quelle wird bei einer Recherche oder Suche gefundenredaktioneller Vergleich oder fachliche Erwähnung
Shared und PushKontakte verbreiten Inhalte in die Feeds oder Netzwerke anderer Personenfreiwillig geteilter Beitrag

Earned und Shared Media lassen sich nicht immer eindeutig einer Richtung zuordnen. Ein Medienbericht kann Menschen ungefragt erreichen und damit Push-Charakter haben. Derselbe Bericht kann später gezielt gesucht und als Pull-Inhalt genutzt werden.

Welche Form passt zu welchem Ziel?

Die Auswahl sollte nicht mit der Frage beginnen, welcher Kanal allgemein am besten ist. Sinnvoller ist die Frage, welche Medienlogik zu Ziel, Zeitrahmen und gewünschtem Kontrollgrad passt. Maßnahmenplanung und konkrete Kampagnenaufgaben ergeben sich erst aus dieser grundsätzlichen Einordnung.

Schnelle Sichtbarkeit

Wenn kurzfristig Reichweite benötigt wird, bietet Paid Media meist die höchste Geschwindigkeit. Budget und Auslieferung können unmittelbar verbunden werden. Das eignet sich für zeitkritische Kommunikation, begrenzte Angebotszeiträume oder den schnellen Zugang zu einer definierten Zielgruppe.

Der Preis für diese Geschwindigkeit ist die geringe Dauerhaftigkeit. Bezahlte Sichtbarkeit endet in der Regel, wenn das Budget ausläuft. Für eine langfristige Präsenz sollte sie deshalb nicht isoliert betrachtet werden.

Bestehende Nachfrage erreichen

Bei bereits vorhandener Nachfrage sind Pull-Formen besonders relevant. Paid Search kann kurzfristig Sichtbarkeit in passenden Suchsituationen schaffen. Auffindbare Owned-Media-Inhalte können dieselbe Nachfrage langfristiger aufnehmen.

Google unterscheidet Suchkampagnen, die aktive Nachfrage aufgreifen, von Displaykampagnen, die Zielgruppen beim Besuch von Websites, Apps und Google-Angeboten wie YouTube erreichen. Beide gehören zu Paid Media, erfüllen aber aufgrund ihrer unterschiedlichen Ausrichtung an Push- oder Pull-Situationen völlig unterschiedliche kommunikative Aufgaben.

Vertrauen und Glaubwürdigkeit aufbauen

Wenn nicht nur Sichtbarkeit, sondern externe Bestätigung zählt, gewinnt Earned Media an Bedeutung. Unabhängige Erwähnungen können Aussagen glaubwürdiger machen, lassen sich jedoch nicht wie Werbeplätze bestellen oder vollständig steuern.

Owned Media liefert in diesem Zusammenhang die inhaltliche Grundlage. Dort kann ein Unternehmen Positionen, Expertise und Informationen nachvollziehbar darstellen. Earned Media kann diese Inhalte aufgreifen und aus einer unabhängigen Perspektive einordnen.

Beziehungen und Beteiligung stärken

Für Dialog, Rückmeldung und gemeinschaftliche Verbreitung ist Shared Media besonders geeignet. Es macht sichtbar, wie Menschen auf Inhalte reagieren und welche Themen Anschlusskommunikation auslösen.

Shared Media setzt allerdings eine gewisse Bereitschaft zur Interaktion voraus. Ohne relevante Inhalte, Beziehungen oder ein bestehendes Publikum lässt sich gemeinschaftliche Verbreitung nicht erzwingen.

Kontrolle und langfristige Verfügbarkeit sichern

Wenn Informationen dauerhaft zugänglich, aktualisierbar und in einer konsistenten Form verfügbar sein sollen, ist Owned Media die zentrale Basis. Es schafft einen kontrollierten Zielort, auf den Paid, Earned und Shared Media verweisen können.

Die langfristige Kontrolle betrifft dabei vor allem den Inhalt. Der Zugang bleibt von Suchmaschinen, Plattformen, direkten Aufrufen oder anderen Verweisen abhängig. Deshalb ist Owned Media zwar die stabilste, aber keine vollständig autarke Form.

Wie unterscheiden sich die Kostenlogiken?

Ein bloßer Vergleich von Klickpreisen oder Produktionsbudgets greift zu kurz. Die vier Medienformen erzeugen Kosten an völlig unterschiedlichen Stellen.

Paid Media verursacht vor allem variable Reichweitenkosten. Zusätzliche Auslieferung benötigt in der Regel zusätzliches Budget. Die Kosten sind relativ direkt sichtbar, die Wirkung endet aber häufig schnell.

Owned Media erfordert Investitionen in Inhalte, Technik und Pflege. Der einzelne zusätzliche Aufruf verursacht meist keine vergleichbaren Mediakosten. Dafür muss die Präsenz zunächst aufgebaut und dauerhaft funktionsfähig gehalten werden.

Earned Media hat keinen regulären Preis pro Platzierung. Trotzdem ist sie nicht kostenlos. Qualität, Fachwissen, Reputation und Beziehungen entstehen durch kontinuierliche Arbeit. Der Erfolg bleibt unsicher.

Shared Media benötigt Inhalte, Moderation und Community-Pflege. Die zusätzliche Verbreitung kann ohne direkte Mediakosten erfolgen, hängt aber von der freiwilligen Beteiligung anderer und von Plattformmechanismen ab.

Die günstigste Form lässt sich daher nicht allgemein bestimmen. Entscheidend ist, welche Art von Aufwand ein Unternehmen tragen kann und ob es Geschwindigkeit, Dauerhaftigkeit, Kontrolle oder Glaubwürdigkeit priorisiert.

Warum Online-Marketing-Formen meist kombiniert werden

Die vier Medienformen erfüllen unterschiedliche Funktionen. Eine Kombination kann ihre jeweiligen Grenzen ausgleichen:

  • Owned Media stellt die inhaltliche und technische Basis bereit.
  • Paid Media führt kurzfristig relevante Zielgruppen zu dieser Basis.
  • Shared Media erweitert die Verbreitung durch Interaktion und Empfehlungen.
  • Earned Media schafft unabhängige Aufmerksamkeit und Glaubwürdigkeit.

Dabei muss nicht jede Aktivität alle vier Bereiche gleichzeitig bedienen. Die Systematik hilft vielmehr, Abhängigkeiten sichtbar zu machen. Wer ausschließlich auf Paid Media setzt, bleibt dauerhaft an Mediabudget gebunden. Wer nur Owned Media aufbaut, kann trotz guter Inhalte zu wenig Reichweite erzielen. Wer allein auf Earned oder Shared Media hofft, verzichtet auf verlässliche Steuerbarkeit.

Eine ausgewogene Auswahl bedeutet deshalb nicht, überall gleichermaßen aktiv zu sein. Sie bedeutet, die benötigten Funktionen bewusst abzudecken.

Häufige Fehler bei der Einordnung

Ein verbreiteter Fehler besteht darin, Plattformen mit Marketingformen gleichzusetzen. Ein soziales Netzwerk ist nicht automatisch Shared Media. Ein unbezahlter Unternehmensbeitrag, eine bezahlte Anzeige und eine freiwillige Weiterverbreitung können auf derselben Plattform stattfinden, gehören aber unterschiedlichen Medienlogiken an.

Auch Suchmaschinenmarketing ist nicht vollständig einer Kommunikationsrichtung zuzuordnen. Paid Search reagiert typischerweise auf Nachfrage und ist damit Pull-orientiert. Display-Werbung erreicht Menschen dagegen eher in einer Push-Situation.

Ebenso wenig ist organische Reichweite automatisch Owned Media. Ein Unternehmen kann den ursprünglichen Inhalt besitzen, ohne die Plattform, die Auslieferung oder die anschließende Diskussion zu kontrollieren.

Schließlich bedeutet ein hoher Kontrollgrad nicht automatisch eine hohe Wirkung. Owned und Paid Media bieten vergleichsweise viel Einfluss auf die Ausgangsbotschaft. Earned und Shared Media können glaubwürdiger oder dynamischer wirken, entziehen sich dafür aber stärker der direkten Steuerung.

Fazit: Online-Marketing-Formen nach ihrer Funktion auswählen

Online-Marketing-Formen lassen sich am sinnvollsten über zwei miteinander verbundene Systeme verstehen. Paid, Owned, Earned und Shared Media beschreiben Medienhoheit, Kontrolle und Kostenlogik. Push und Pull erklären, ob Kommunikation Aufmerksamkeit aktiv anspricht oder bestehende Nachfrage aufnimmt.

Für die Auswahl sind außerdem Ziel, Geschwindigkeit und gewünschte Dauerhaftigkeit entscheidend. Paid Media bietet schnellen, bezahlten Zugang. Owned Media schafft eine kontrollierbare und langfristige Basis. Earned Media liefert unabhängige Resonanz. Shared Media ermöglicht gemeinschaftliche Verbreitung und Dialog. Push kann neue Aufmerksamkeit aktivieren, während Pull ein bereits vorhandenes Bedürfnis aufgreift.

Erst die Kombination dieser Kriterien macht verschiedene Online-Marketing-Formen wirklich vergleichbar. So entsteht keine bloße Kanalliste, sondern ein belastbares Ordnungssystem für die Frage, welche Medienlogik in einer bestimmten Kommunikationssituation benötigt wird.