ONMA Ratgeber

Online Marketing Manager: Berufsprofil, Aufgaben und Kompetenzen

Das Wiki erklärt die Rolle des Online Marketing Managers, typische Aufgaben, Kanalsteuerung, Kompetenzen, Einstiegswege und relevante Kennzahlen.

Ein Online Marketing Manager plant, steuert und optimiert digitale Marketingmaßnahmen über mehrere Online-Kanäle hinweg. Die Rolle verbindet strategische Planung mit operativer Umsetzung und datenbasierter Erfolgskontrolle. Sie ist damit weniger eine einzelne Fachfunktion als eine übergreifende Steuerungsfunktion. Wer sie ausfüllt, entscheidet, welche Kanäle ein Unternehmen bespielt, mit welchem Budget, mit welcher Botschaft und woran der Erfolg gemessen wird. Dieses Online Marketing Manager Wiki beschreibt das Berufsbild systematisch und beleuchtet die Definition der Rolle, typische Verantwortungsbereiche, die Kanalsteuerung, das Kompetenzprofil, das Arbeitsumfeld, Einstiegswege, relevante Kennzahlen sowie die Abgrenzung zu benachbarten Marketingrollen.

Definition der Rolle

Online-Marketing umfasst alle Marketingmaßnahmen, die über das Internet durchgeführt werden, um definierte Marketingziele zu erreichen. Der Online Marketing Manager ist die Person, die diese Maßnahmen verantwortet. Zum Tätigkeitsfeld gehören die Konzeption und Durchführung von Online-Marketing-Kampagnen sowie das strategische und operative Management digitaler Aktivitäten.

Entscheidend für das Verständnis der Rolle ist ihre Doppelnatur: Sie ist weder rein konzeptionell noch rein ausführend. Ein Online Marketing Manager entwirft eine Kanalstrategie und setzt sie anschließend selbst oder mit einem Team um, prüft die Ergebnisse anhand von Zahlen und korrigiert den Plan. Der konkrete Aufgabenmix hängt dabei stark von Unternehmen, Teamgröße und Spezialisierung ab. In einem kleinen Unternehmen kann die Rolle sämtliche digitalen Kanäle allein abdecken, in einem großen Marketingteam koordiniert sie Spezialistinnen und Spezialisten für einzelne Disziplinen.

Die Berufsbezeichnung ist nicht geschützt und nicht einheitlich geregelt. Deshalb variieren Zuschnitt und Titel zwischen Organisationen erheblich. Wer das Berufsbild einordnen will, sollte stets die konkrete Stellenbeschreibung lesen statt sich an dem Titel zu orientieren. Die Rolle hat sich historisch aus dem klassischen Marketing entwickelt, unterscheidet sich von diesem aber durch die unmittelbare Messbarkeit fast aller Maßnahmen. Während im traditionellen Marketing Wirkungszusammenhänge oft nur über längere Zeiträume oder Marktforschung nachvollziehbar sind, liefert das digitale Umfeld kontinuierlich Daten, die eine ständige Anpassung erlauben und erfordern.

Typische Verantwortungsbereiche

Die Aufgaben eines Online Marketing Managers lassen sich in drei Kernblöcke gliedern, die zusammen einen kontinuierlichen Kreislauf bilden.

Strategie und Planung. Dazu gehört es, Zielgruppen zu beschreiben, allgemeine Marketingziele in messbare Größen zu übersetzen, Kanäle auszuwählen und Budgets auf diese Kanäle zu verteilen. Geplant wird meist entlang eines festen Zeitraums, etwa eines Quartals oder eines Kampagnenzyklus, und entlang der Phasen der Kundenreise. In der ersten Phase geht es darum, Aufmerksamkeit zu erzeugen. Danach wird Interesse vertieft, ein Abschluss wird ausgelöst und schließlich werden Bestandskunden gehalten. Der Manager ordnet jedem dieser Schritte die passenden Maßnahmen zu.

Operative Umsetzung. Hier entstehen Kampagnen, Inhalte, Anzeigen, Landingpages und Aussendungen. Der Online Marketing Manager briefte Texterinnen, Grafiker oder externe Dienstleister. Er stimmt Inhalte intern ab, richtet Kampagnen in den jeweiligen Werbeplattformen ein, pflegt Redaktionspläne und achtet darauf, dass technische Voraussetzungen wie Tracking, Einwilligungsverwaltung und funktionierende Zielseiten vorhanden sind, bevor das Budget fließt. Ohne diese operative Absicherung ist eine spätere Erfolgsmessung nicht möglich.

Erfolgskontrolle und Optimierung. Kampagnen werden gegen die vorher definierten Ziele gemessen. Aus den Ergebnissen entstehen konkrete Entscheidungen: Budget wird umgeschichtet, Anzeigen werden ausgetauscht, eine Zielseite wird überarbeitet oder ein Kanal wird pausiert. Diese Schleife aus Messen und Anpassen ist der eigentliche Kern der Rolle, denn digitale Maßnahmen sind vergleichsweise kleinteilig messbar und damit laufend korrigierbar.

Hinzu kommen Querschnittsaufgaben, die selten in Stellenanzeigen stehen, aber einen großen Teil der Arbeitszeit ausmachen. Dazu zählen die Abstimmung mit Vertrieb und Produktmanagement, die Steuerung externer Dienstleister, die Pflege von Datenquellen und Reportings sowie die Dokumentation dessen, was in vergangenen Kampagnen funktioniert hat. Diese historische Dokumentation ist wichtig, um in zukünftigen Planungszyklen nicht von vorn beginnen zu müssen.

Kanalsteuerung: das Zusammenspiel der Disziplinen

Typische Disziplinen des Online-Marketings sind Suchmaschinenmarketing, Content Marketing, E-Mail-Marketing, Influencer-Marketing, Affiliate-Marketing und Social Media Marketing. Ein Online Marketing Manager muss nicht in jeder dieser Disziplinen ein ausführender Spezialist sein, aber er muss verstehen, was jede Disziplin leisten kann und wo ihre Grenzen liegen.

Die Steuerungslogik folgt dabei meist drei Leitfragen. Erstens: Welchen Zweck erfüllt der Kanal? Suchmaschinenmarketing greift bestehende Nachfrage ab, Social Media und Influencer-Marketing erzeugen hingegen neue Nachfrage, und E-Mail-Marketing bearbeitet bereits bestehende Kontakte. Zweitens: Wie schnell wirkt der Kanal? Bezahlte Anzeigen liefern Ergebnisse innerhalb von Tagen, während Content Marketing und die organische Suchmaschinenoptimierung erst über Monate hinweg wirken. Drittens: Was kostet ein Ergebnis? Kanäle konkurrieren um dasselbe Budget und müssen deshalb anhand ihrer Effizienz vergleichbar bewertet werden.

Aus diesen drei Fragen entsteht der Kanalmix. Seine Zusammensetzung ist keine Geschmacksfrage, sondern eine direkte Folge von Zielsetzung, Marktsituation und verfügbaren Mitteln. Ein Unternehmen mit langem Entscheidungsprozess und wenigen, aber sehr wertvollen Abschlüssen steuert seine Kanäle völlig anders als ein Onlineshop mit hoher Bestellfrequenz und geringem Warenkorbwert. Die Aufgabe des Online Marketing Managers besteht darin, diesen Unterschied methodisch zu erkennen und die Gewichtung der Kanäle regelmäßig neu zu begründen. Dabei geht es nicht nur um die isolierte Betrachtung eines Kanals, sondern um Synergien. Ein gut geschriebener Blogbeitrag kann beispielsweise dazu genutzt werden, Traffic für eine E-Mail-Anmeldung zu generieren, die wiederum für langfristige Customer Loyalty sorgt.

Kompetenzen

Das Kompetenzprofil eines Online Marketing Managers setzt sich aus vier Feldern zusammen, die im Arbeitsalltag eng miteinander verwoben sind.

Analytische Fähigkeiten. Zahlen lesen, Datenquellen zusammenführen, Ursache und bloße Korrelation auseinanderhalten und Ergebnisse gegen eine sinnvolle Vergleichsgröße stellen. Ohne diese Fähigkeit wird die Optimierung zur reinen Meinungssache. Der Manager muss in der Lage sein, aus einer Fülle von Rohdaten die wenigen Erkenntnisse herauszufiltern, die handlungsrelevant sind.

Konzeptionelle und redaktionelle Fähigkeiten. Botschaften formulieren, Inhalte strukturieren und Briefings schreiben, die andere fehlerfrei umsetzen können. Auch wenn Texte oder Grafiken nicht durch den Manager selbst erstellt werden, muss die Rolle beurteilen können, ob ein Inhalt seine Aufgabe erfüllt und zur Zielgruppe passt.

Technisches Grundverständnis. Grundkenntnisse über den Webseitenaufbau, Tracking-Mechanismen und Schnittstellen zwischen Werbeplattform, Website und Kundendatenbank sind unerlässlich. Auch ein Verständnis für die Funktionsweise von Werbe- und Analysewerkzeugen gehört dazu. Die Tiefe dieser technischen Kenntnisse variiert je nach Stelle, aber ein Mindestmaß ist überall nötig. Fehlt dieses, muss jede noch so kleine technische Frage an Dritte ausgelagert werden, was die Prozesse massiv verlangsamt.

Kommunikative und organisatorische Fähigkeiten. Budgets verteidigen, Erwartungen steuern, Dienstleister führen und Ergebnisse so darstellen, dass Entscheider in der Geschäftsführung damit arbeiten können. Projektorganisation gehört zum Alltag, weil Kampagnen fast immer mehrere Beteiligte und feste Termine haben.

Ein eigener und zunehmend wichtigerer Kompetenzbereich ist der rechtliche Rahmen. Die Datenschutz-Grundverordnung gilt seit dem 25. Mai 2018 und bildet einen zentralen rechtlichen Rahmen für die Verarbeitung personenbezogener Daten im digitalen Marketing. Für die Rolle bedeutet das: Einwilligungen, Tracking-Konfiguration, Newsletter-Anmeldungen und der Einsatz externer Dienste müssen datenschutzkonform gestaltet sein. Die rechtsverbindliche Beratung ist nicht Aufgabe des Online Marketing Managers, das Erkennen kritischer Punkte und das rechtzeitige Einbinden der zuständigen Stellen oder Datenschutzbeauftragten jedoch schon.

Arbeitsumfeld

Die Rolle existiert in unterschiedlichen Konstellationen, die das Tagesgeschäft maßgeblich prägen.

Im Unternehmen selbst, also inhouse, betreut die Rolle meist eine einzige Marke über lange Zeiträume. Das tiefgehende Wissen über das Produkt, die Zielgruppe und den internen Vertriebsprozess wächst kontinuierlich. Dafür ist die Bandbreite an bearbeiteten Branchen und Themengebieten eher gering. In der Dienstleistung, etwa in einer Agentur, werden mehrere Kunden parallel betreut. Die Schlagzahl an Kampagnen ist deutlich höher, die Themenvielfalt größer, aber die Einarbeitungstiefe pro Kunde ist aufgrund zeitlicher Begrenzung geringer. Eine dritte Variante ist die selbstständige Tätigkeit, bei der zusätzlich zur eigentlichen Marketingarbeit noch Akquise, Angebotserstellung und kaufmännische Abrechnung anfallen.

Unabhängig von der Konstellation ist die Arbeit überwiegend bildschirmbasiert, stark mit digitalen Werkzeugen verzahnt und grundsätzlich gut ortsunabhängig ausführbar. Typisch ist außerdem ein sehr hoher Anteil an Abstimmungsarbeit: Die Rolle sitzt funktional zwischen der Geschäftsführung, dem Vertrieb, der Produktseite und externen Umsetzern. Der Manager agiert hier oft als Übersetzer zwischen der Sprache des Vertriebs, die Abschlüsse fordert, und der Sprache der Kreativen, die auf Wirkung und Design achten.

Einstiegswege

Für den Einstieg in das Berufsbild werden unterschiedliche Wege genutzt. Verbreitet sind ein fachnahes Studium, etwa in Marketing, Kommunikation, Medien oder Wirtschaft, eine kaufmännische oder mediennahe Ausbildung mit anschließender Weiterbildung sowie der Quereinstieg über Praxiserfahrung und ein aussagekräftiges Portfolio.

Der Grund für diese Offenheit liegt im Berufsbild selbst: Es gibt keinen geschützten Abschluss, und der Nachweis von Können lässt sich in dieser Disziplin vergleichsweise direkt führen. Wer eigene Kampagnen, betreute Projekte oder messbare Ergebnisse vorweisen kann, argumentiert damit belastbarer als mit einem reinen akademischen Titel. Praktisch bewährt sich deshalb meist eine Kombination aus einer Grundlage in Marketinglogik und Betriebswirtschaft sowie belegbarer Praxis in mindestens einem Kanal, aus der heraus im Laufe der Zeit die Breite wächst.

Der übliche Entwicklungspfad führt von einer ausführenden Position in einem einzigen Kanal über die Verantwortung für mehrere Kanäle hin zu Budget- und Teamverantwortung. Spezialisierung auf einen Bereich und Generalisierung über mehrere Bereiche hinweg sind dabei zwei gleichwertige Richtungen, die nicht als Rangfolge zu verstehen sind. Manche Manager bleiben Spezialisten mit Fokus, andere weiten ihren Blick auf das gesamte Marketing-Mix-Steuerungs-System aus.

Kennzahlen, an denen die Arbeit gemessen wird

Digitale Maßnahmen werden anhand von Kennzahlen bewertet, die sich grob drei Ebenen zuordnen lassen. Die Kunst besteht nicht darin, alle verfügbaren Metriken zu überwachen, sondern diejenigen auszuwählen, die zum jeweiligen Ziel passen.

Auf der Ebene der Reichweite stehen Größen wie Impressionen, Sitzungen, Nutzerzahlen und die Sichtbarkeit in Suchergebnissen. Sie zeigen, wie viele Menschen prinzipiell erreicht wurden, sagen aber nichts über die tatsächliche Wirkung oder wirtschaftlichen Erfolg aus.

Auf der Ebene der Interaktion stehen Klickraten, Verweildauer, Absprungrate, Öffnungsraten bei Aussendungen sowie Interaktionen in sozialen Netzwerken. Sie zeigen, ob die gewählte Ansprache zur Zielgruppe passt und ob das Interesse geweckt wurde.

Auf der Ebene des Ergebnisses stehen Konversionen, Anfragen, direkte Abschlüsse, Kosten pro Ergebnis und der Ertrag im Verhältnis zum eingesetzten Werbebudget. Nur diese dritte Ebene beantwortet die Frage, ob sich eine Maßnahme wirtschaftlich gelohnt hat.

Die eigentliche Kompetenz des Managers besteht darin, für ein konkretes Ziel die passende Kennzahl auszuwählen und nicht diejenige, die im Reporting am freundlichsten aussieht. Eine hohe Reichweite bei gleichzeitig ausbleibenden Anfragen ist kein Erfolg, sondern ein Zeichen für eine falsche Zielgruppe oder eine schwache Botschaft. Eine niedrige Reichweite mit extrem hoher Abschlussquote kann hingegen ein massiver wirtschaftlicher Erfolg sein.

Abgrenzung zu benachbarten Marketingrollen

Die Rolle des Online Marketing Managers überschneidet sich in der Praxis mit mehreren anderen Funktionen. Die folgende Übersicht ordnet sie nach ihrem jeweiligen Schwerpunkt und zeigt das Verhältnis auf.

RolleSchwerpunktVerhältnis zum Online Marketing Manager
Marketing ManagerGesamtes Marketing, inklusive offlineÜbergeordneter oder paralleler Zuschnitt, digitale Kanäle sind nur ein Teilbereich
SEO ManagerOrganische Sichtbarkeit in SuchmaschinenSpezialisierung auf einen Kanal, der hier mitgesteuert wird
Performance Marketing ManagerBezahlte, direkt messbare KampagnenSpezialisierung auf Budgetsteuerung und schnelle Kampagnenoptimierung
Content ManagerErstellung und Pflege von InhaltenLiefert das Material, das im Kanalmix eingesetzt wird
Social Media ManagerCommunity und Kanäle sozialer NetzwerkeSpezialisierung auf einen Kanal mit eigener Redaktionslogik
E-Commerce ManagerBetrieb und Umsatz eines OnlineshopsMarketing ist nur ein Teil, Sortiment und Prozesse kommen hinzu

Als Faustregel gilt: Je größer die Organisation, desto enger und spezialisierter der Zuschnitt der einzelnen Rolle. Je kleiner ein Unternehmen ist, desto mehr dieser Schwerpunkte fallen in einer einzigen Person zusammen. Der Online Marketing Manager ist in der Regel diejenige Funktion, die über die Grenzen einzelner Kanäle hinweg koordiniert, während die genannten Nachbarrollen jeweils in die Tiefe eines spezifischen Bereichs gehen.

Einordnung

Das Berufsbild des Online Marketing Managers ist vergleichsweise jung, es verändert sich kontinuierlich mit den Plattformen und lässt sich deshalb nicht über eine starre, ewig gültige Aufgabenliste beschreiben. Stabil sind dagegen die Struktur der Arbeit und ihr Maßstab: planen, umsetzen, messen, korrigieren, und das über mehrere Kanäle hinweg auf ein gemeinsames Ziel. Wer das Berufsbild für sich bewertet oder eine entsprechende Stelle besetzen will, sollte entsprechend weniger auf den Titel achten als auf drei konkrete Fragen: Welche Kanäle liegen in der direkten Verantwortung, wie viel Budget wird tatsächlich gesteuert, und an welcher Kennzahl wird die Arbeit am Ende gemessen. Die Antworten darauf beschreiben eine konkrete Position präziser als jede allgemeine Definition es könnte.