ONMA Ratgeber

Online Marketing Promotion: Mechanik, Zeitraum und Wirtschaftlichkeit einer Aktion

Erfahren Sie, wie Sie eine Online Marketing Promotion ausgestalten, rechtssicher umsetzen und mit Baseline, Uplift sowie Deckungsbeitrag bewerten.

Eine Online-Marketing-Promotion ist eine zeitlich befristete Verkaufsförderungsaktion: Rabatt, Gutschein, Bundle, Gewinnspiel oder Sampling, ausgespielt über digitale Kanäle, mit definiertem Start- und Endtermin. Sie ist damit ein eigenständiges Instrument und nicht dasselbe wie laufende Werbung. Der Unterschied ist nicht akademisch, sondern rechnerisch: Eine Promotion verschiebt Menge gegen Marge. Ob dieser Tausch sich gelohnt hat, lässt sich nur beantworten, wenn vor dem Start eine Baseline steht und nach dem Ende ein Deckungsbeitrag nach Rabatt gerechnet wird.

Der Begriff stammt aus dem Marketing-Mix. Promotion ist das vierte P neben Product, Price und Place, einer Systematik, die E. Jerome McCarthy 1960 in “Basic Marketing: A Managerial Approach” eingeführt hat. In der engeren Lesart, um die es hier geht, meint Promotion die Aktion selbst: die Mechanik, ihren Zeitraum und ihre Wirkung auf Absatz und Marge.

Die fünf Mechaniken und was sie jeweils kosten

Jede Aktionsmechanik hat ein eigenes Kostenprofil und ein eigenes Missbrauchsrisiko. Die Wahl ist deshalb eine betriebswirtschaftliche Entscheidung, keine kreative.

Direkter Rabatt. Prozentual oder absolut auf den Verkaufspreis. Wirkt am schnellsten, kostet aber auf jedem verkauften Stück Marge, auch bei den Käufern, die ohnehin gekauft hätten. Höchster Mitnahmeeffekt.

Gutscheincode. Der Rabatt greift nur, wenn der Code eingelöst wird. Das macht die Aktion messbar und begrenzbar: Einlösungen sind zählbar, Codes lassen sich pro Kanal, pro Kooperation und pro Neukundensegment trennen. Der Preis dafür sind Codeleaks auf Gutscheinportalen, die aus einer gezielten Aktion eine allgemeine Preissenkung machen.

Bundle. Zwei oder mehr Artikel zu einem Paketpreis. Der wahrgenommene Nachlass ist größer als der tatsächliche, weil er sich auf den Einstandspreis des Gesamtpakets verteilt. Gut geeignet, um Ladenhüter mit Selbstläufern zu koppeln, schlecht geeignet, wenn beide Artikel ohnehin zusammen gekauft werden.

Gewinnspiel. Kostet einen fixen Betrag statt einer variablen Marge und erzeugt Reichweite und Adressen statt Umsatz. Die Teilnahmebedingungen, der Veranstalter und das Verfahren der Gewinnermittlung müssen klar und leicht zugänglich angegeben sein. Die genaue einschlägige Norm gehört vor dem Start anwaltlich geprüft, weil die Informationspflichten für digitale Dienste zuletzt in das Digitale-Dienste-Gesetz überführt wurden.

Sampling. Kostenlose Probe oder kostenloses Testkontingent. Teuer pro Kontakt, aber die einzige Mechanik, die ein Produkt erklären kann, das sich nicht über den Preis verkauft.

Dramaturgie über den Aktionszeitraum

Eine Promotion ist kein Schalter, sondern eine Kurve mit drei Phasen. Wer nur den Aktionstag plant, verschenkt den größeren Teil der Wirkung.

Der Vorlauf baut Erwartung auf, typischerweise sieben bis vierzehn Tage vor Start: Ankündigung an den eigenen Verteiler, Sammeln von Interessenten, Vorbereitung der Warenkörbe. In dieser Phase entsteht eine kontrollierte Nachfragestauung, die den Peak trägt.

Der Aktionszeitraum selbst sollte kurz und hart begrenzt sein. Eine Verlängerung “wegen großer Nachfrage” ist der teuerste Fehler in dieser Disziplin, weil sie dem Markt beibringt, dass die Frist nicht gilt. Ab der dritten Wiederholung wartet ein relevanter Teil der Stammkunden nur noch auf die nächste Aktion.

Der Nachlauf ist die Phase, in der die meisten Auswertungen zu früh enden. Nach jeder wirksamen Promotion folgt eine Absatzdelle, weil vorgezogene Käufe in den Folgewochen fehlen. Erst wenn diese Delle in die Rechnung eingeht, ist der Uplift echt.

Der deutsche Aktionskalender im vierten Quartal ist inzwischen stark vorstrukturiert. Der Black Friday fällt in den USA traditionell auf den Freitag nach Thanksgiving, der Cyber Monday auf den darauffolgenden Montag; beide Termine bestimmen mittlerweile auch hierzulande, wann Wettbewerb und Werbekosten ihr Jahresmaximum erreichen. Das ist ein Argument für, aber ebenso oft ein Argument gegen die Teilnahme: Wer in diesem Fenster nicht den tiefsten Preis hat, kauft teure Sichtbarkeit für einen Vergleich, den er verliert.

Rechtsrahmen: drei Regelwerke, die jede Aktion berühren

Preisangabenverordnung. Seit dem 28. Mai 2022 verpflichtet § 11 PAngV Händler, bei einer Preisermäßigung gegenüber Verbrauchern den niedrigsten Gesamtpreis der letzten 30 Tage anzugeben und zu bewerben. Praktische Folge: Der Referenzpreis einer Aktion ergibt sich aus der eigenen Preishistorie, nicht aus einer unverbindlichen Preisempfehlung und nicht aus dem Preis von vorgestern. Wer kurz vor der Aktion hochpreist, produziert damit keinen größeren Rabatt, sondern ein Abmahnrisiko.

Wettbewerbsrecht. Werbung per E-Mail ist nach § 7 Abs. 2 UWG ohne vorherige ausdrückliche Einwilligung des Empfängers eine unzumutbare Belästigung; § 7 Abs. 3 UWG lässt eine eng umgrenzte Ausnahme für Bestandskunden zu, die bei jeder Verwendung einen Widerspruchshinweis verlangt. Der Aktionsverteiler ist damit kein Nebenprodukt der Kampagne, sondern ihre Voraussetzung. Zweitens muss der kommerzielle Zweck einer geschäftlichen Handlung nach § 5a Abs. 4 UWG kenntlich gemacht werden. Das ist die gesetzliche Grundlage der Werbekennzeichnung, sowohl bei Kooperationen als auch bei beworbenen Aktionsposts im eigenen Kanal.

Datenschutz. Die Einwilligung nach Art. 6 Abs. 1 lit. a DSGVO muss freiwillig, für den konkreten Fall, informiert und unmissverständlich erteilt werden und ist jederzeit widerrufbar (Art. 7 Abs. 3 DSGVO). Eine Teilnahme am Gewinnspiel darf deshalb nicht zwingend an die Newsletter-Anmeldung gekoppelt werden, und ein Aktionsverteiler, der nach Ende der Aktion weiterbespielt wird, braucht dafür eine Rechtsgrundlage, die über die Aktion hinaus trägt.

Die Wirtschaftlichkeitsrechnung

Der zentrale Fehler in der Aktionsauswertung ist, den Aktionsumsatz als Erfolg zu lesen. Gerechnet wird gegen vier Größen.

Baseline. Der Absatz, der ohne Aktion stattgefunden hätte. Belastbar ist der Median vergleichbarer Zeiträume ohne Aktion, saisonbereinigt. Wer keine Baseline vor dem Start festschreibt, kann hinterher jeden Wert als Erfolg erzählen.

Uplift. Aktionsabsatz minus Baseline, gemessen über Vorlauf, Aktion und Nachlauf zusammen, nicht über den Aktionstag allein.

Mitnahmeeffekt. Der Anteil der Käufer, die auch zum vollen Preis gekauft hätten. Auf diesem Anteil ist der Rabatt reiner Margenverlust ohne jede Gegenleistung. Er lässt sich über eine nicht bespielte Kontrollgruppe schätzen, notfalls über eine Region oder ein Segment, das die Aktion nicht ausgespielt bekommt.

Kannibalisierung. Umsatz, der lediglich verschoben wurde: vorgezogene Käufe aus den Folgewochen und Wechsel von einem Vollpreisartikel auf den Aktionsartikel.

Die Margenmechanik dahinter ist streng. Ein Beispiel mit einem Nettopreis von 100 Euro und variablen Kosten von 60 Euro:

GrößeOhne Aktion20 % Rabatt
Verkaufspreis netto100,00 Euro80,00 Euro
Variable Kosten60,00 Euro60,00 Euro
Deckungsbeitrag je Stück40,00 Euro20,00 Euro
Nötige Menge für gleichen Gesamt-DB100 Stück200 Stück

Zwanzig Prozent Nachlass halbieren hier den Stückdeckungsbeitrag. Die Aktion trägt sich also erst ab einer Absatzverdopplung, und zwar einer echten, nach Abzug von Mitnahmeeffekt und Nachlaufdelle. Je dünner die Ausgangsmarge, desto brutaler dieser Hebel: Bei 25 Prozent Rohmarge macht ein Rabatt von 20 Prozent aus einem profitablen Artikel einen, der pro Stück fast nichts mehr beiträgt. Deshalb ist die Frage vor jeder Aktion nicht “wie viel Rabatt können wir geben”, sondern “welche Absatzmenge brauchen wir, damit dieser Rabatt sich trägt, und ist diese Menge realistisch”.

Dazu kommen die Kosten der Aktion selbst: Mediabudget, Versandkosten bei Gratislieferung, Retouren, die bei Rabattaktionen regelmäßig über dem Normalniveau liegen, und der Aufwand für Gewinnabwicklung oder Sampling.

Ausspielung: ein Absatz, mehr braucht es hier nicht

Ist die Aktion mechanisch, rechtlich und rechnerisch geplant, ist ihre Verteilung ein reines Umsetzungsthema. Der eigene Verteiler und die eigenen Kanäle tragen den Vorlauf, bezahlte Suche und Display tragen den Peak, wobei Google Ads dafür ein eigenes Promotion-Asset anbietet (früher Angebotserweiterung), mit dem befristete Rabatte samt Aktionszeitraum und Gutscheincode direkt in der Suchanzeige erscheinen. Affiliate-Partner eignen sich für codegebundene Mechaniken, verstärken aber genau das Gutscheinportal-Problem. Wie diese Kanäle im Einzelnen funktionieren, steht auf den jeweiligen Kanalseiten; für die Aktionsplanung sind sie Ausspielweg, nicht Gegenstand.

Wann eine Promotion die falsche Antwort ist

Eine Verkaufsförderungsaktion löst ein Mengenproblem, kein Positionierungsproblem. Wenn das Produkt sich zum regulären Preis nicht verkauft, weil sein Nutzen unklar ist, kauft ein Rabatt Zeit und verbrennt Marge. Wenn die Aktion zum vierten Mal im Jahr läuft, ist sie kein Instrument mehr, sondern der neue Preis. Und wenn niemand die Baseline kennt, ist sie in jedem Fall ein Erfolg, was bedeutet, dass man nichts gelernt hat.