ONMA Ratgeber

Online-Marketing-Seminare: Formate, Anbieter, Kosten und Förderung im Vergleich

Vergleichen Sie offene, Inhouse-, Online-Live- und Blended-Seminare nach Anbieterqualität, Gesamtkosten, Förderung und Zertifikatswert.

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Wer ein Online-Marketing-Seminar bucht, entscheidet in Wahrheit über vier Dinge gleichzeitig: über das Format, über den Anbieter, über das Budget und über die Förderung. Diese Seite hilft bei genau diesen vier Entscheidungen. Sie erklärt weder die Disziplin selbst noch die Inhalte einzelner Kurse, sondern beantwortet die Frage: Welches Seminar buche ich, in welchem Format, zu welchen Kosten und mit welcher Förderung?

Die vier Formate und wofür sie taugen

Fast jedes Angebot am Markt lässt sich einem von vier Formaten zuordnen. Der Preis ist dabei selten das entscheidende Kriterium, die Passung zur eigenen Situation dagegen fast immer.

Offenes Seminar. Feste Termine, gemischte Teilnehmergruppe aus verschiedenen Unternehmen. Der Vorteil liegt im Austausch mit Teilnehmenden aus anderen Branchen, der Nachteil in der fehlenden Anpassung: Das Curriculum steht fest, Ihre konkrete Website ist im besten Fall ein Beispiel unter vielen. Geeignet für Einzelpersonen und für den ersten Einstieg in ein Themenfeld.

Inhouse-Seminar. Der Anbieter kommt ins Unternehmen oder schaltet sich für eine geschlossene Gruppe zu. Ab etwa vier bis sechs Teilnehmenden ist Inhouse häufig günstiger als die Summe der Einzelplätze, und das Programm lässt sich auf die eigenen Kanäle, Tools und Zahlen zuschneiden. Voraussetzung ist, dass Sie vorab sagen können, was das Team lernen soll. Wer das nicht kann, bekommt ein teures offenes Seminar in den eigenen Räumen.

Online-Live-Seminar. Synchron, mit Trainerin oder Trainer in Echtzeit, meist in Halbtagesblöcken. Reise- und Übernachtungskosten entfallen, die Termine lassen sich leichter in den Arbeitsalltag legen. Achten Sie auf die Gruppengröße: Ab etwa 15 Teilnehmenden findet praktisch keine individuelle Rückmeldung mehr statt, und das Seminar nähert sich einem Webinar an.

Blended Learning. Selbstlernphasen kombiniert mit Live-Terminen. Das Format hat die höchste Abbruchquote, weil die Selbstlernphasen im Tagesgeschäft untergehen, aber die beste Wirkung, wenn zwischen den Live-Terminen tatsächlich am eigenen Projekt gearbeitet wird. Planen Sie die Selbstlernzeit als Termin im Kalender ein, sonst buchen Sie sie umsonst.

Ein rechtlicher Punkt, der bei Blended und bei stark asynchronen Angeboten zählt: Fernunterrichtsangebote, bei denen Lehrende und Lernende überwiegend räumlich getrennt sind und der Lernerfolg überwacht wird, sind in Deutschland nach dem Fernunterrichtsschutzgesetz zulassungspflichtig. Zuständig ist die Staatliche Zentralstelle für Fernunterricht (ZFU) in Köln. Ein Anbieter, der ein solches Angebot ohne ZFU-Zulassung verkauft, hat ein Problem, und Sie haben im Streitfall einen sehr angreifbaren Vertrag.

FormatSinnvoll abAnpassung an Ihr UnternehmenTypischer Zeitaufwand
Offenes Seminar1 Persongering1 bis 3 Tage am Stück
Inhouseca. 4 bis 6 Personenhoch1 bis 2 Tage, terminierbar
Online-Live1 PersonmittelHalbtagesblöcke über Wochen
Blended1 Person, mit Disziplinmittel bis hochmehrere Wochen, verteilt

Woran Sie einen tragfähigen Anbieter erkennen

Der Markt ist ungeregelt. Die Bezeichnung Seminar ist nicht geschützt, und ein professioneller Webauftritt sagt nichts über die Qualität der Veranstaltung. Diese Prüfpunkte lassen sich vor der Buchung beantworten, meist mit einer einzigen E-Mail.

  1. Gruppengröße wird schriftlich zugesagt. Nicht “kleine Gruppen”, sondern eine Zahl mit Obergrenze.
  2. Der Anbieter benennt die Referentin oder den Referenten namentlich vor der Buchung, samt aktueller Praxis. Referenten sind hier bewusst nur ein Prüfkriterium unter mehreren, nicht das Thema. Entscheidend ist, ob die Person das Thema derzeit auch operativ betreibt oder es nur unterrichtet.
  3. Es gibt eine schriftliche Zielgruppendefinition und Voraussetzungen. Wo alle willkommen sind, ist niemand richtig adressiert.
  4. Die Agenda nennt Praxisanteile mit Zeitangabe. Ein Tag mit acht Stunden Vortrag ist kein Seminar.
  5. Es existiert eine Regel für Ausfall und Umbuchung, inklusive der Frage, wer die bereits gebuchte Bahnfahrt trägt.
  6. Nachbetreuung ist definiert oder ausgeschlossen. Beides ist in Ordnung, nur die vage Andeutung ist es nicht.
  7. Bei Fördervorhaben: die Zulassung liegt vor, nicht “ist beantragt”.
  8. Referenzen sind nachprüfbar, also mit Unternehmen und Ansprechpartner, nicht als anonyme Sternebewertung.

Als inhaltliche Orientierung taugt der Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) e.V. mit Sitz in Düsseldorf. Der Verband ist die zentrale Interessenvertretung der digitalen Wirtschaft in Deutschland und veröffentlicht Fachgruppen-Standards, die sich als Referenz heranziehen lassen, wenn Sie prüfen wollen, ob eine Agenda den anerkannten Stand abbildet oder eine Eigenkreation ist.

Was ein Seminar tatsächlich kostet

Der ausgewiesene Preis ist selten der Gesamtpreis. Rechnen Sie vor dem Vergleich zweier Angebote immer die folgenden Posten zusammen, sonst vergleichen Sie Zahlen, die nichts miteinander zu tun haben.

Der Teilnahmepreis. Prüfen Sie zuerst, ob er netto oder brutto ausgewiesen ist. Leistungen berufsbildender Einrichtungen können nach § 4 Nr. 21 UStG von der Umsatzsteuer befreit sein. Deshalb weisen manche Anbieter Preise ohne Mehrwertsteuer aus, andere mit. Für Unternehmen mit Vorsteuerabzug ist das rechnerisch neutral, für Privatzahlende und für nicht vorsteuerabzugsberechtigte Einrichtungen macht es rund ein Fünftel Unterschied.

Die Nebenkosten. Anreise, Übernachtung, Verpflegung, falls nicht enthalten, und die Arbeitszeit der Teilnehmenden. Der letzte Posten ist meist der größte und taucht in keinem Angebot auf. Zwei Seminartage für drei Mitarbeitende sind sechs Personentage, die auch bei kostenloser Teilnahme anfallen.

Die Folgekosten. Werkzeuglizenzen, ohne die das Gelernte nicht anwendbar ist, sowie die Zeit für die Umsetzung nach dem Seminar. Ein Seminar ohne eingeplante Umsetzungszeit ist verlorenes Geld, unabhängig von seiner Qualität.

Als Faustregel für die Budgetplanung: Bei einem Präsenzseminar außerhalb der eigenen Stadt liegen die Nebenkosten häufig zwischen 30 und 60 Prozent des Teilnahmepreises. Bei Online-Live-Formaten entfallen sie weitgehend, weshalb ein nominell teureres Online-Seminar in der Gesamtrechnung oft günstiger ist als ein günstiges Präsenzangebot.

Fördermöglichkeiten und ihre Bedingungen

Bildungsgutschein. Die Förderung beruflicher Weiterbildung über einen Bildungsgutschein ist in § 81 SGB III geregelt. Die Entscheidung liegt im Ermessen der Agentur für Arbeit beziehungsweise des Jobcenters, es besteht also kein Rechtsanspruch. Entscheidend für die Anbieterauswahl ist die zweite Bedingung: Nur Maßnahmen und Träger, die nach der Akkreditierungs- und Zulassungsverordnung Arbeitsförderung (AZAV) zugelassen sind, können über einen Bildungsgutschein abgerechnet werden. Wer diesen Weg gehen will, filtert den Markt also zuerst nach AZAV-Zulassung und sucht danach das inhaltlich passende Seminar, nicht umgekehrt.

Bildungsurlaub. Bildungsurlaub, je nach Land auch Bildungsfreistellung genannt, ist in 14 der 16 Bundesländer gesetzlich geregelt. Sachsen und Bayern haben kein eigenes Bildungsurlaubsgesetz. Maßgeblich ist der Ort des Arbeitsverhältnisses, und die Anerkennung erfolgt pro Veranstaltung und pro Bundesland. Ein Seminar, das in Nordrhein-Westfalen anerkannt ist, ist es in Hamburg nicht automatisch. Prüfen Sie die Anerkennung für Ihr Land, und beachten Sie die Anmeldefristen gegenüber dem Arbeitgeber, die je nach Landesgesetz mehrere Wochen betragen.

Betriebliches Weiterbildungsbudget. Der unspektakulärste, aber schnellste Weg. Er wird häufig übersehen, weil Beschäftigte nicht danach fragen. Wer mit einem konkreten Angebot, einer Kostenaufstellung inklusive Nebenkosten und einem Satz zum erwarteten Nutzen für das Unternehmen in das Gespräch geht, bekommt deutlich häufiger eine Zusage als wer nach einem Budget im Allgemeinen fragt.

Was die Zertifikate wert sind

Zertifikate im Online-Marketing sind keine geschützten Abschlüsse, und ihr Wert unterscheidet sich stark nach Aussteller.

Anbieterzertifikate der Plattformen. Die Zertifizierungen in Google Skillshop, darunter die Google-Ads-Zertifizierungen, sind kostenlos und müssen nach 12 Monaten erneuert werden. Sie belegen Produktkenntnis, nicht Marketingkompetenz, und sie kosten Sie nichts außer Zeit. Ein Seminaranbieter, der eine solche Zertifizierung als eigenen Mehrwert verkauft, verkauft Ihnen etwas, das Sie sich selbst holen können.

IHK-Zertifikate. Die Industrie- und Handelskammern bieten bundesweit Zertifikatslehrgänge im Bereich Online-Marketing an, die mit einem IHK-Zertifikat abschließen. Wichtig für die Erwartung: Das ist kein bundeseinheitlich geregelter Abschluss wie eine Aufstiegsfortbildung. Der Wert liegt in der Bekanntheit der Marke IHK bei Personalverantwortlichen, nicht in einer rechtlich definierten Gleichwertigkeit.

Teilnahmebescheinigungen. Sie belegen Anwesenheit. Das ist für die Personalakte und für Fördernachweise nützlich und darüber hinaus wertlos. Wer aus einem Seminar etwas mitnehmen will, das nach außen zählt, dokumentiert besser die eigene Umsetzung als die Teilnahme.

Eine sinnvolle Seminarreihe planen

Einzelseminare verpuffen, weil zwischen Lernen und Anwenden zu viel Zeit liegt. Wer mehr als ein Seminar plant, kommt mit dieser Reihenfolge über zwölf Monate weiter als mit drei Buchungen im selben Quartal.

  1. Breites Einstiegsseminar zur Orientierung, offen oder online-live, ein bis zwei Tage.
  2. Sechs bis acht Wochen Umsetzung am eigenen Projekt, ohne neue Buchung.
  3. Vertiefungsseminar in genau der Disziplin, an der die Umsetzung gescheitert ist. Diese Auswahl treffen Sie erst jetzt, nicht vorab.
  4. Inhouse-Termin für das Team, sobald mehr als eine Person mit dem Thema arbeitet. Jetzt können Sie ein Briefing schreiben, das den Aufpreis rechtfertigt.
  5. Jährliche Auffrischung für die Bereiche mit hoher Änderungsfrequenz.

Legen Sie das Budget entsprechend auf zwölf Monate an und halten Sie mindestens ein Drittel für Schritt 3 zurück. Der häufigste Planungsfehler ist, das gesamte Weiterbildungsbudget für das breite Einstiegsseminar auszugeben und dann für die eigentlich wertvolle Vertiefung kein Geld mehr zu haben.

Checkliste vor der Buchung

  • Format zur Teilnehmerzahl passend gewählt, Inhouse ab etwa vier bis sechs Personen geprüft
  • Maximale Gruppengröße schriftlich zugesagt
  • Referentin oder Referent namentlich bekannt, mit aktueller Praxis
  • Gesamtkosten inklusive Anreise, Übernachtung und Arbeitszeit gerechnet
  • Preisangabe als netto oder brutto geklärt
  • Bei Förderung über Bildungsgutschein: AZAV-Zulassung des Trägers bestätigt
  • Bei Bildungsurlaub: Anerkennung im eigenen Bundesland geprüft, Frist gegenüber dem Arbeitgeber eingehalten
  • Bei überwiegend asynchronen Angeboten: ZFU-Zulassung geprüft
  • Ausfall- und Umbuchungsregelung gelesen
  • Umsetzungszeit nach dem Seminar bereits im Kalender geblockt

Wer diese zehn Punkte vor der Buchung abhakt, trifft die Entscheidung auf Basis von Zusagen statt auf Basis von Werbetexten. Das ist im ungeregelten Weiterbildungsmarkt der wesentliche Unterschied zwischen einem gut investierten und einem verlorenen Budget.