ONMA Ratgeber

Online Marketing Zahlen: Benchmarks, Formeln und Prüfintervalle zum Selbstvergleich

Vergleichen Sie Ihre Ist-Werte je Kanal mit konkreten Benchmarks, Formeln und Prüfintervallen und nutzen Sie das kompakte Monats-Set.

Eine einzelne Online-Marketing-Zahl sagt für sich genommen nichts. Erst der Vergleich macht sie lesbar: gegen einen groben Richtwert, gegen den eigenen Verlauf und gegen die wirtschaftliche Untergrenze. Diese Seite liefert dafür das Material. Pro Kanal und pro Kennzahl gibt es die Rechenformel, eine Bandbreite, in der der Wert bei vielen Angeboten liegt, und ein sinnvolles Prüfintervall. Damit lässt sich jeder eigene Ist-Wert in wenigen Minuten als gut, normal oder auffällig einordnen.

Zwei Orientierungspunkte aus der Praxis als Einstieg: Google Ads erreichen laut Social Media Akademie eine durchschnittliche Klickrate von etwa 3 Prozent, Facebook- und Instagram-Anzeigen liegen bei durchschnittlich rund 1 Prozent. Solche Werte sind Vergleichsgrößen, keine Zielvorgaben. Ob eine Zahl gut ist, entscheidet am Ende die Marge, nicht der Durchschnitt.

Die folgende Tabelle ist als Nachschlagewerk gedacht. Sie lässt sich vollständig in ein eigenes Monatsblatt übernehmen.

Benchmark-Tabelle: Online-Marketing-Zahlen mit Formel und Richtwert

Kanal oder BereichKennzahlFormelRichtwertPrüfintervall
WebsiteConversion-RateConversions / Sitzungen × 100unter 1 % auffällig, 1 bis 3 % normal, über 3 % häufig gutwöchentlich und monatlich
LandingpageConversion-RateAbschlüsse / Landingpage-Besuche × 100unter 2 % auffällig, 2 bis 5 % normal, über 5 % gutwöchentlich
WebsiteAbsprungrateSitzungen ohne relevante Interaktion / Sitzungen × 100unter 40 % meist gut, 40 bis 60 % normal, über 60 % prüfenswertmonatlich
WebsiteEngagement-Rateinteragierende Sitzungen / Sitzungen × 100über 60 % häufig gut, 40 bis 60 % normal, unter 40 % prüfenswertmonatlich
WebsiteSeiten pro SitzungSeitenaufrufe / Sitzungen1,5 bis 3 normal, über 3 bei inhaltsreichen Seiten gutmonatlich
WebsiteAnteil mobiler Sitzungenmobile Sitzungen / Sitzungen × 100kein Richtwert, nur im Eigenvergleich lesbarmonatlich
SEOOrganische Klickrateorganische Klicks / organische Impressionen × 1002 bis 5 % über alle Rankings oft plausibel, stark positionsabhängigmonatlich
SEOOrganische Conversion-Rateorganische Conversions / organische Sitzungen × 1001 bis 3 % normal, über 3 % häufig gutmonatlich
SEOAnteil indexierter Seitenindexierte URLs / gewünschte URLs × 100über 90 % gut, unter 70 % auffälligmonatlich
Google AdsKlickrateKlicks / Impressionen × 100rund 3 % als grober Durchschnitt, unter 2 % auffällig, ab 5 % häufig gutwöchentlich
Google AdsConversion-RateConversions / Anzeigenklicks × 1002 bis 5 % häufig normal, über 5 % gutwöchentlich
Google AdsCost per ClickWerbekosten / Klickskein universeller Euro-Wert, nur gegen den maximal tragbaren CPC lesbarwöchentlich
Google AdsCost per AcquisitionWerbekosten / Abschlüssemuss unter dem maximal tragbaren Akquisitionspreis liegenwöchentlich und monatlich
Social AdsLink-KlickrateLink-Klicks / Impressionen × 100rund 1 % als grober Durchschnitt, unter 0,7 % auffällig, ab 1,5 % gutwöchentlich
Social AdsConversion-RateConversions / Link-Klicks × 1001 bis 3 % häufig normal, über 3 % gutwöchentlich
Display AdsKlickrateKlicks / Impressionen × 1000,1 bis 0,5 % häufig normal, über 0,5 % auf Fehlklicks prüfenwöchentlich
E-MailZustellratezugestellte Mails / versendete Mails × 100über 98 % gut, unter 95 % auffälligje Versand
E-MailÖffnungsrateeindeutige Öffnungen / zugestellte Mails × 10020 bis 40 % häufig normal, über 40 % gutje Versand und monatlich
E-MailKlickrateeindeutige Klicks / zugestellte Mails × 1002 bis 5 % normal, über 5 % gutje Versand
E-MailClick-to-Open-Rateklickende Empfänger / öffnende Empfänger × 1008 bis 15 % normal, über 15 % gutje Versand
E-MailAbmelderateAbmeldungen / zugestellte Mails × 100unter 0,3 % gut, 0,3 bis 0,5 % beobachten, über 0,5 % auffälligje Versand
KanalübergreifendROASzugeordneter Umsatz / Werbekostenerst oberhalb des eigenen Break-even-ROAS wirtschaftlichwöchentlich und monatlich
KanalübergreifendMERGesamtumsatz / gesamte Marketingkostenwie ROAS gegen die Deckungsbeitragsquote zu lesenmonatlich
KanalübergreifendMarketing-ROI(Gewinnbeitrag minus Marketingkosten) / Marketingkosten × 100über 0 % positiv, Zielwert abhängig von Fixkostenmonatlich oder quartalsweise
KundenebeneCACAkquisitionskosten / Neukundensollte deutlich unter dem Deckungsbeitrag je Kunde liegenmonatlich
KundenebeneVerhältnis CLV zu CACCustomer Lifetime Value / CACunter 1 kritisch, 1 bis 3 knapp, ab 3 häufig solidequartalsweise

Die Bandbreiten sind absichtlich breit. Ein Shop mit günstigen Verbrauchsartikeln ist nicht mit einem Anbieter erklärungsbedürftiger B2B-Leistungen vergleichbar, und eine Newsletter-Anmeldung konvertiert normalerweise deutlich besser als ein Kauf mit hohem Warenkorbwert.

Die drei Stufen: gut, normal, auffällig

Ein Richtwert beantwortet genau eine Frage: Liegt der gemessene Wert in einer häufig vorkommenden Größenordnung? Er beantwortet nicht, ob die Maßnahme wirtschaftlich ist.

  • Auffällig: Der Wert liegt klar außerhalb der Bandbreite. Zuerst auf Messfehler prüfen, dann auf ungeeigneten Traffic, dann auf ein wirtschaftliches Problem.
  • Normal: Der Wert liegt in einer plausiblen Bandbreite. Eine Veränderung ist nicht automatisch nötig.
  • Gut: Der Wert übertrifft die Referenz und passt zugleich zu Marge und Kundenwert.

Ein Beispiel für die Grenze dieser Logik: Eine Google-Ads-Klickrate von 6 Prozent sieht sehr gut aus. Entstehen daraus keine qualifizierten Abschlüsse, ist sie geschäftlich wertlos. Umgekehrt kann eine Klickrate von 2 Prozent ausreichen, wenn die gewonnenen Kunden einen hohen Deckungsbeitrag tragen. Reichweitenkennzahlen wie Impressionen, Öffnungen und Klicks sind deshalb nie allein zu bewerten.

Vor dem Vergleich: Ist die Zahl überhaupt stabil?

Der häufigste Fehler beim Benchmarking ist nicht der falsche Richtwert, sondern eine zu kleine Datenmenge. Eine Rate aus 200 Sitzungen schwankt so stark, dass sie fast jeden Richtwert treffen oder verfehlen kann. Die Schwankungsbreite lässt sich ausrechnen:

Standardfehler = Wurzel aus ( p × (1 minus p) / n )
Vertrauensbereich ≈ p ± 1,96 × Standardfehler

Dabei ist p die gemessene Rate als Dezimalzahl und n die Zahl der Beobachtungen.

Bei 500 Sitzungen und 10 Conversions ergibt das eine Conversion-Rate von 2 Prozent mit einem Vertrauensbereich von etwa 0,8 bis 3,2 Prozent. Der Wert ist damit von “auffällig” bis “gut” mit allem vereinbar und als Vergleichsgröße unbrauchbar. Bei 5.000 Sitzungen und 100 Conversions liegt derselbe Mittelwert bei einem Bereich von etwa 1,6 bis 2,4 Prozent und wird interpretierbar.

Praktische Konsequenz: Raten erst ab etwa 1.000 Beobachtungen im Nenner und mindestens 30 Ereignissen im Zähler gegen einen Benchmark halten. Darunter verlängert man das Prüfintervall, statt die Zahl zu deuten.

Website-Zahlen

Conversion-Rate

Conversion-Rate = Conversions / Sitzungen × 100

Bei 120 Anfragen aus 6.000 Sitzungen ergibt das 2 Prozent. Für viele Websites sind 1 bis 3 Prozent normal, über 3 Prozent häufig gut, sofern nur valide Abschlüsse gezählt werden. Bei kostenlosen Downloads oder Newsletter-Anmeldungen sind deutlich höhere Werte üblich. Bei hochpreisigen Angeboten mit langen Entscheidungswegen kann schon weniger als 1 Prozent attraktiv sein.

Entscheidend für die Vergleichbarkeit ist eine einzige Regel: Es muss immer dieselbe Conversion gemeint sein. Produktansicht, Warenkorb, abgeschickte Anfrage und bezahlter Auftrag dürfen nicht in einen gemeinsamen Wert fließen.

Absprungrate und Engagement-Rate

Absprungrate = nicht interagierende Sitzungen / alle Sitzungen × 100
Engagement-Rate = interagierende Sitzungen / alle Sitzungen × 100

Beide Werte sind zwei Seiten derselben Messung. 40 bis 60 Prozent Absprungrate sind für viele Inhalts- und Angebotsseiten normal, mehr als 60 Prozent ist ein Prüfhinweis und kein Urteil: Wer seine Information auf einer Seite findet und zufrieden geht, erzeugt einen Absprung. Bei der Engagement-Rate ist die Bandbreite von 40 bis 60 Prozent plausibel, über 60 Prozent meist positiv. Welche Ereignisse als Interaktion gelten, ist Konfigurationssache und muss über die Monate konstant bleiben.

Als zentrale Website-Kennzahlen im Online-Marketing-Controlling gelten laut Salesforce Sichtbarkeit der Website, Verweildauer, Absprungrate und Conversion. Aussagekraft entsteht in der Kombination dieser vier Werte, nicht in einem Einzelwert.

SEO-Zahlen

Organische Klickrate

Organische CTR = organische Klicks / organische Impressionen × 100

3.500 Klicks bei 100.000 Impressionen ergeben 3,5 Prozent. Ein zusammengefasster Website-Wert von 2 bis 5 Prozent ist oft plausibel, taugt aber nur als grobe Orientierung: Die Klickrate hängt stark von Position, Suchabsicht, Markenanteil und Gestaltung der Suchergebnisseite ab. Markensuchen erreichen regelmäßig ein Mehrfaches allgemeiner Informationsanfragen.

Belastbar wird der Vergleich erst innerhalb ähnlicher Seitentypen und Positionen. Eine fallende CTR bei unveränderter Durchschnittsposition ist deutlich auffälliger als eine fallende CTR, die von zusätzlichen Impressionen auf hinteren Positionen kommt.

Organische Conversion-Rate

Organische Conversion-Rate = organische Conversions / organische Sitzungen × 100

1 bis 3 Prozent sind für viele kommerzielle Websites ein plausibler Ausgangspunkt, über 3 Prozent kann gut sein. Steigt der organische Traffic, während die Conversion-Rate sinkt, ist das nicht automatisch negativ: Werden zusätzlich Menschen am Anfang ihrer Entscheidung erreicht, kann die absolute Zahl der Abschlüsse trotzdem wachsen. Deshalb immer Rate und absolute Menge zusammen lesen.

CTR = Klicks / Impressionen × 100

Rund 3 Prozent nennt die Social Media Akademie als Durchschnitt für Google Ads. Unter 2 Prozent lohnt die Prüfung, ob Suchanfrage, Anzeigentext und Angebot zusammenpassen. 3 bis 5 Prozent sind häufig solide, über 5 Prozent deutet auf hohe Relevanz hin. Markenkampagnen liegen regelmäßig darüber, Display-Kampagnen weit darunter. Ein gemeinsamer Durchschnitt über Such- und Display-Kampagnen ist wertlos und muss getrennt werden.

Der maximal tragbare CPC

Für den durchschnittlichen CPC existiert kein belastbarer allgemeiner Euro-Richtwert, weil Wettbewerb, Branche, Region und Keyword ihn bestimmen. Aussagekräftig ist stattdessen die eigene Obergrenze:

Maximaler CPC = Conversion-Rate × maximaler Akquisitionspreis

Bei 4 Prozent Conversion-Rate und höchstens 80 Euro pro Abschluss:

0,04 × 80 Euro = 3,20 Euro

Ein durchschnittlicher CPC unter 3,20 Euro ist unter diesen Annahmen tragbar. Diese Rechnung ersetzt jeden externen CPC-Benchmark, weil sie das eigene Geschäftsmodell enthält.

Conversion-Rate und Akquisitionskosten

Für Suchanzeigen sind 2 bis 5 Prozent Conversion-Rate häufig plausibel, über 5 Prozent oft gut. Bei breiten, frühen Suchanfragen liegt der Wert niedriger, bei Marken- und konkreten Kaufanfragen deutlich höher.

Akquisitionskosten = Werbekosten / gewonnene Abschlüsse

2.400 Euro Werbekosten und 30 Abschlüsse ergeben 80 Euro je Abschluss. Ob 80 Euro gut sind, entscheidet allein der erzielbare Deckungsbeitrag, nicht ein Branchenmittel.

Social Ads und Display Ads

Für Facebook- und Instagram-Anzeigen nennt die Social Media Akademie rund 1 Prozent durchschnittliche Klickrate. Als Einteilung: unter 0,7 Prozent auffällig, 0,7 bis 1,5 Prozent normal, über 1,5 Prozent gut.

Link-CTR = Link-Klicks / Impressionen × 100

Wichtig ist die Link-Klickrate. Die allgemeine Klickrate zählt auch Reaktionen auf Bild, Profil oder Kommentare mit und fällt dadurch höher aus, ohne mehr Website-Besuche zu erzeugen. Wer beide Werte vermischt, vergleicht sich gegen einen Benchmark, der die Zahl gar nicht meint.

Bei klassischen Display-Anzeigen sind 0,1 bis 0,5 Prozent CTR häufig normal. Werte über 0,5 Prozent sind vor der Freude auf Fehlklicks und minderwertige Platzierungen zu prüfen. Für die Bewertung zählt ohnehin die nachgelagerte Conversion-Rate: Bei Social Ads sind 1 bis 3 Prozent ein brauchbarer Startwert. Liegt sie deutlich darunter, passen Zielgruppe, geweckte Erwartung und Zielseite nicht zusammen.

E-Mail-Marketing

Zustellrate = zugestellte Mails / versendete Mails × 100
Öffnungsrate = eindeutige Öffnungen / zugestellte Mails × 100
Klickrate = eindeutige Klicks / zugestellte Mails × 100
Click-to-Open-Rate = klickende Empfänger / öffnende Empfänger × 100
Abmelderate = Abmeldungen / zugestellte Mails × 100

Die Zustellrate steht bewusst zuerst: Unter 95 Prozent ist jede nachfolgende Rate verzerrt, weil sich der Nenner verschoben hat. 20 bis 40 Prozent Öffnungsrate sind für viele Verteiler plausibel, über 40 Prozent kann gut sein. Der Wert ist technisch ungenau, weil Datenschutzfunktionen und vorgeladene Bilder Öffnungen erzeugen, die keiner Lektüre entsprechen. Die Klickrate mit 2 bis 5 Prozent als Normalbereich ist belastbarer, weil sie eine echte Handlung abbildet. Die Click-to-Open-Rate mit 8 bis 15 Prozent erbt die Unsicherheit der Öffnungsmessung und bleibt Orientierung.

Die Abmelderate ist die einzige dieser Zahlen, bei der ein hoher Wert eindeutig schlecht ist: unter 0,3 Prozent unauffällig, 0,3 bis 0,5 Prozent beobachten, über 0,5 Prozent sind Zielgruppe, Frequenz und inhaltliche Erwartung zu prüfen.

Wirtschaftlichkeit: ROAS, MER und Kundenwert

ROAS = zugeordneter Umsatz / Werbekosten

10.000 Euro zugeordneter Umsatz bei 2.500 Euro Werbekosten ergeben einen ROAS von 4, auch darstellbar als 400 Prozent. Ein pauschales Ziel wie “ROAS 4” ist trotzdem wertlos, weil die nötige Höhe von der Marge abhängt:

Break-even-ROAS = 1 / Deckungsbeitragsquote

Bei 25 Prozent Deckungsbeitragsquote liegt der Break-even bei 4, bei 50 Prozent genügt rechnerisch ein ROAS von 2. Erst oberhalb dieses Werts bleibt vor weiteren Fixkosten etwas übrig. Damit ist der Break-even-ROAS der eigentliche Richtwert, und jede Kampagne hat ihren eigenen.

Weil plattformseitige Zuordnung Umsätze doppelt zählen oder verlieren kann, lohnt zusätzlich die zuordnungsfreie Gesamtsicht:

MER = Gesamtumsatz / gesamte Marketingkosten

Der MER nutzt nur Zahlen aus der Buchhaltung und dem Werbekonto. Läuft der ROAS auseinander, während der MER stabil bleibt, liegt das Problem meist in der Attribution und nicht in der Kampagne.

CLV-CAC-Verhältnis = Customer Lifetime Value / Kundenakquisitionskosten

Unter 1 ist die Akquisition wirtschaftlich kritisch, 1 bis 3 knapp kalkuliert, ab 3 häufig solide. Sehr hohe Werte sind nicht automatisch optimal, weil sie auch auf zu geringe Investitionen in profitable Reichweite hindeuten.

Das zehnzeilige Monats-Set

Für den Monatsvergleich reichen zehn konsistent erhobene Zahlen. Jeden Monat dieselbe Definition und dieselbe Datenquelle verwenden, sonst misst man die Umstellung statt der Leistung.

Nr.MonatskennzahlBerechnungEinordnung
1Website-SitzungenSumme gültiger Sitzungengegen Vormonat und Vorjahresmonat
2Qualifizierte ConversionsSumme gültiger ZielabschlüsseQualität vor Menge
3Website-Conversion-RateConversions / Sitzungen × 1001 bis 3 % häufig normal
4Organische KlicksKlicks aus unbezahlter Suchemit Impressionen und CTR zusammen lesen
5Organische CTRorganische Klicks / Impressionen × 1002 bis 5 % als grobe Gesamtreferenz
6Paid-KlickrateAnzeigenklicks / Impressionen × 100Suchanzeigen und Social Ads getrennt
7Paid-Conversion-RateConversions / Anzeigenklicks × 1002 bis 5 % bei Suchanzeigen plausibel
8AkquisitionskostenMarketingkosten / Neukundengegen den maximal tragbaren Wert
9ROAS oder MERUmsatz / Marketingkostenmuss über dem eigenen Break-even liegen
10CLV-CAC-VerhältnisKundenwert / Akquisitionskostenab 3 häufig solide

Das Set verbindet Reichweite, Reaktion, Abschluss und Wirtschaftlichkeit. Es verzichtet bewusst darauf, jede verfügbare Plattformzahl aufzunehmen, weil eine Monatsübersicht mit 40 Zeilen nicht mehr gelesen wird.

Den eigenen Korridor berechnen

Externe Richtwerte sind der Startpunkt. Die stärkere Referenz ist der eigene historische Korridor, und der lässt sich aus zwölf Monatswerten direkt ableiten:

  1. Die letzten 12 Monatswerte einer Kennzahl sortieren.
  2. Den Median als eigenen Normalwert nehmen, nicht den Mittelwert. Der Median ignoriert einzelne Ausreißermonate.
  3. Den 3. und den 10. Wert der sortierten Reihe als untere und obere Korridorgrenze setzen. Dazwischen liegen etwa 70 Prozent der eigenen Historie.

Ein Wert innerhalb dieses Korridors ist normal, auch wenn er den externen Benchmark verfehlt. Ein Wert außerhalb ist prüfenswert, auch wenn er den Benchmark trifft. Diese Umkehrung ist der eigentliche Nutzen: Sie erkennt Verschlechterungen auf hohem Niveau, die ein Branchenmittel nie zeigen würde.

Wann eine Online-Marketing-Zahl wirklich auffällig ist

Nicht jede Abweichung erfordert eine Reaktion. Prüfenswert wird ein Wert, wenn einer dieser Punkte zutrifft:

  • Er weicht um mehr als 20 bis 30 Prozent vom eigenen Median ab.
  • Er liegt mehrere Prüfintervalle hintereinander außerhalb des Korridors, nicht nur einmal.
  • Klicks oder Sitzungen steigen, während qualifizierte Abschlüsse sinken.
  • Plattformdaten und Webanalyse driften ungewöhnlich weit auseinander.
  • Kosten steigen, ohne dass Umsatz, Kundenwert oder Abschlussqualität mitgehen.
  • Eine ungewöhnlich gute Kennzahl widerspricht den Geschäftsergebnissen.

Vor jeder inhaltlichen Deutung stehen die Messfehler. Doppelt ausgelöste Conversion-Ereignisse, fehlende Einwilligungen, interne Zugriffe, Bot-Traffic und geänderte Attributionsfenster verschieben Kennzahlen oft stärker als jede Maßnahme. Ein Sprung, der genau mit einem Umbau am Tracking zusammenfällt, ist bis zum Gegenbeweis ein Messartefakt.

Wo es bewusst keinen Richtwert gibt

Drei häufig gesuchte Zahlen fehlen in der Tabelle mit Absicht, weil keine belastbare allgemeine Quelle existiert:

  • Durchschnittlicher CPC in Euro je Kanal. Ersetzbar durch den maximal tragbaren CPC aus der eigenen Conversion-Rate und Marge.
  • Conversion-Rate je Branche. Kursierende Werte vermischen Käufe, Anfragen, Downloads und Klickereignisse und sind deshalb nicht vergleichbar. Ersetzbar durch den eigenen Korridor.
  • Budgetanteil am Jahresumsatz. Ersetzbar durch die Rechnung von hinten: benötigte Neukunden mal tragbarer CAC ergibt das Budget, das sich rechnet.

Eine erfundene Zahl an dieser Stelle wäre bequemer und würde zu falschen Entscheidungen führen. Die Rechenregel ist die bessere Antwort.

Kurze Einordnung: Marktgröße und Budgets

Für den Größenrahmen: Die Wertschöpfung im digitalen Marketing in Deutschland betrug 19,75 Milliarden Euro, 246.582 Menschen arbeiteten in diesem Bereich. International steigen die Investitionen in Online-Werbung weiter, weil sich der Medienkonsum mit der wachsenden Zahl der Internetnutzer ins Netz verlagert. Für 2028 wird erwartet, dass mobile Werbung im Bereich der sozialen Medien 255,8 Milliarden US-Dollar generiert. Der HubSpot State of Marketing Report 2026 berichtet für 2026 einen leichten Anstieg der Marketingbudgets sowie steigende Lead-Qualität und steigendes Leadvolumen.

Diese Zahlen zeigen die wirtschaftliche Bedeutung des Felds. Für die Bewertung einer einzelnen Kampagne leisten sie nichts: Conversion-Rate, Akquisitionskosten, Break-even-ROAS und Kundenwert bleiben die konkreten Referenzen.

Häufige Fragen zu Online-Marketing-Zahlen

Welche Kennzahlen gehören mindestens ins Monatsreporting? Die zehn Zeilen des Monats-Sets: Sitzungen, qualifizierte Conversions, Conversion-Rate, organische Klicks und CTR, Paid-Klickrate und Conversion-Rate, CAC, ROAS oder MER, CLV-CAC-Verhältnis.

Was ist eine gute Conversion-Rate? 1 bis 3 Prozent sind für viele Websites normal, über 3 Prozent häufig gut. Gültig ist der Vergleich nur bei identischer Conversion-Definition und ausreichender Datenmenge.

Wie erkenne ich, ob ein ROAS ausreicht? Über den Break-even-ROAS aus 1 geteilt durch die Deckungsbeitragsquote. Alles darunter kostet Geld, unabhängig davon, wie hoch der Wert absolut aussieht.

Wie oft sollte man Online-Marketing-Zahlen prüfen? Bezahlte Kanäle wöchentlich, SEO und Website monatlich, Kundenwertkennzahlen quartalsweise. Häufigeres Prüfen erzeugt vor allem Reaktionen auf Rauschen.

Fazit

Richtwerte wie rund 3 Prozent CTR bei Google Ads, etwa 1 Prozent bei Facebook- und Instagram-Anzeigen, 1 bis 3 Prozent Website-Conversion-Rate oder 20 bis 40 Prozent E-Mail-Öffnungsrate liefern die erste Einordnung. Sie sind kein Erfolgsnachweis: Eine niedrige Klickrate kann bei hoher Abschlussqualität rentabel sein, eine hohe Conversion-Rate kann aus falsch gemessenen Ereignissen entstehen, ein ROAS von 4 kann bei niedriger Marge zu wenig sein.

Eine Online-Marketing-Zahl ist deshalb erst dann beurteilt, wenn drei Fragen beantwortet sind: Liegt sie in einer üblichen Größenordnung? Liegt sie in ihrem eigenen historischen Korridor? Und liegt sie über der wirtschaftlichen Mindestgrenze, die sich aus Marge und Kundenwert ergibt? Die dritte Frage entscheidet.