ONMA Ratgeber

Online SEO Analyse: Die eigene Website systematisch prüfen und Maßnahmen priorisieren

Indexierbarkeit, Onpage, Ladezeit und Search Console in fester Reihenfolge prüfen, jeden Befund gegen einen Schwellenwert lesen und Maßnahmen priorisieren.

Zwei Männer arbeiten in einem hellen Büro nebeneinander am Laptop, auf dem Bildschirm Programmcode

Eine professionelle Online SEO Analyse folgt einer festen Prüfreihenfolge. Zuerst klären Sie, ob Google Ihre wichtigen Seiten überhaupt erreichen und indexieren kann. Danach prüfen Sie die Onpage-Signale, das reale Ladeverhalten und schließlich die Leistung in der Google Search Console. Erst wenn alle Befunde vorliegen, werden Maßnahmen nach Wirkung und Aufwand sortiert.

Diese Reihenfolge verhindert Fehlentscheidungen. Eine überarbeitete Überschrift bringt wenig, wenn die URL nicht indexierbar ist. Eine bessere Ladezeit allein löst kein Problem mit unpassender Suchintention. Und sinkende Klickzahlen lassen sich nicht sinnvoll beurteilen, solange technische Änderungen oder saisonale Schwankungen unberücksichtigt bleiben.

Vorbereitung: Umfang und Vergleichsbasis festlegen

Analysieren Sie nicht wahllos jede auffindbare URL. Bilden Sie zunächst eine repräsentative Auswahl aus:

  • Startseite
  • wichtigen Kategorie-, Leistungs- oder Produktseiten
  • fünf bis zehn redaktionellen Seiten
  • neuen Seiten
  • Seiten mit zuletzt gesunkenen Impressionen oder Klicks
  • Seitentypen mit identischer Vorlage

Halten Sie vor der Prüfung für jede URL fest, welchen Zweck sie erfüllt und für welches Hauptthema sie sichtbar sein soll. Erfassen Sie außerdem das Prüfdatum. Für spätere Vergleiche benötigen Sie immer eine dokumentierte Ausgangslage.

Bewerten Sie Befunde nicht mit einer pauschalen Gesamtnote. Verwenden Sie stattdessen drei Zustände:

  • Bestanden: Der definierte Schwellenwert wird eingehalten.
  • Beobachten: Der Wert liegt nahe an der Grenze oder entwickelt sich negativ.
  • Handeln: Der Schwellenwert wird verfehlt oder ein grundlegendes Hindernis liegt vor.

Schritt 1: Indexierbarkeit vor allen anderen Signalen prüfen

Beginnen Sie mit den URLs, die organisch gefunden werden sollen. Für jede dieser Seiten beantworten Sie vier Fragen:

  1. Kann Google die URL abrufen?
  2. Darf Google sie indexieren?
  3. Wird sie tatsächlich indexiert?
  4. Hält Google sie für die maßgebliche Version?

Abrufbarkeit und Indexierungsfreigabe

Prüfen Sie den HTTP-Status. Eine gewünschte Zielseite sollte regulär den Status 200 liefern. Dauerhafte Weiterleitungen sind nur dann unproblematisch, wenn die alte URL bewusst ersetzt wurde und direkt auf das endgültige Ziel verweist. Weiterleitungsketten mit mehr als einem Zwischenschritt kommen auf die Maßnahmenliste.

Kontrollieren Sie anschließend robots.txt, Meta-Robots-Angaben und gegebenenfalls den HTTP-Header X-Robots-Tag. Eine indexierbare Seite darf nicht durch noindex ausgeschlossen sein. Wichtig ist das Zusammenspiel der Anweisungen: Eine mit noindex versehene Seite muss crawlbar bleiben, damit Google diese Angabe lesen kann. Ist dieselbe URL gleichzeitig in der robots.txt gesperrt, kann Google das noindex nicht prüfen.

Bei ungewöhnlich umfangreichen robots.txt-Dateien ist zudem die Dateigröße relevant. Google verarbeitet maximal 500 Kibibyte. Darüber hinausgehender Inhalt wird ignoriert.

Tatsächlichen Indexierungsstatus feststellen

Die bloße technische Freigabe beweist noch keine Indexierung. Das URL-Prüftool der Google Search Console zeigt, ob eine einzelne URL im Google-Index vorhanden ist. Der Live-Test prüft zusätzlich die aktuell erreichbare Seitenversion.

Nutzen Sie folgende Auswertungslogik:

BefundSchwellenwertEinordnung
Wichtige URL ist nicht indexiertMehr als 0 betroffene geschäftskritische URLsSofort untersuchen
Gewünschte URL liefert keinen Status 200Mehr als 0 Fälle ohne beabsichtigte WeiterleitungHohe Priorität
WeiterleitungsketteMehr als 1 ZwischenschrittBereinigen
Indexierbare URL enthält noindexMehr als 0 unbeabsichtigte FälleSofort korrigieren
Google wählt eine andere kanonische URLMehr als 0 wichtige, eigenständige SeitenUrsache prüfen

Ein rel="canonical" ist dabei nur ein Hinweis. Google kann eine andere kanonische URL bestimmen, beispielsweise wenn interne Links, Sitemap-Angaben, Weiterleitungen und Seiteninhalte widersprüchliche Signale senden.

Prüfen Sie wichtige Inhalte außerdem aus mobiler Sicht. Google indexiert Websites mit dem Smartphone-Googlebot. Inhalte, die nur in der Desktop-Version erscheinen, können deshalb für die Indexierung fehlen.

Schritt 2: Onpage-Befunde pro URL auswerten

Sobald die Indexierbarkeit geklärt ist, prüfen Sie, ob jede Seite ihr Thema eindeutig und vollständig vermittelt. Entscheidend ist nicht das Vorhandensein möglichst vieler Elemente, sondern deren Übereinstimmung mit Seitenzweck und Suchintention.

Titel und Hauptüberschrift

Jede indexierbare Seite benötigt einen eigenständigen, beschreibenden Title-Tag und genau eine klar erkennbare Hauptüberschrift. Beide müssen nicht identisch sein, sollten aber dasselbe zentrale Thema ausdrücken.

Setzen Sie folgende Schwellenwerte:

  • Mehr als eine H1: prüfen und in der Regel auf eine inhaltliche Hauptüberschrift reduzieren.
  • Fehlende H1: ergänzen.
  • Identische Titles auf unterschiedlichen, eigenständigen Seiten: überarbeiten.
  • Title ohne erkennbaren Bezug zum Hauptthema: überarbeiten.
  • Abweichung zwischen Title, H1 und tatsächlichem Inhalt: als hohes Relevanzproblem behandeln.

Bewerten Sie den Title nicht allein nach Zeichenlänge. Google kann den ausgelieferten Titeltext durch Formulierungen aus Überschriften, Seiteninhalt oder Ankertexten ersetzen. Prüfen Sie deshalb zusätzlich, ob der sichtbare Suchergebnistitel die Seite korrekt beschreibt.

Snippet und Seiteneinstieg

Für Meta-Descriptions gibt Google keine feste Zeichenzahl vor. Zudem entstehen Snippets häufig aus dem Seiteninhalt. Der bessere Prüfmaßstab lautet daher:

  • Beschreibt der Seiteneinstieg innerhalb der ersten 100 bis 150 Wörter klar das Problem und den Nutzen?
  • Deckt der Inhalt die im Title angekündigte Frage tatsächlich ab?
  • Enthält die Description eine spezifische Zusammenfassung statt einer austauschbaren Werbeaussage?

Fehlt auf einer wichtigen Seite eine individuelle Description, ist das ein mittlerer Befund. Widerspricht der Seiteninhalt dem versprochenen Thema, ist das dagegen ein Befund mit hoher Wirkung.

Inhaltliche Struktur und interne Verlinkung

Prüfen Sie, ob Zwischenüberschriften die notwendigen Teilfragen abbilden und ob verwandte Abschnitte logisch aufeinander folgen. Für diese Analyse eignen sich konkrete Grenzwerte:

  • Jeder zentrale Inhalt sollte über mindestens einen internen, indexierbaren Link erreichbar sein.
  • Wichtige Zielseiten mit keinem internen eingehenden Link gelten als verwaist und erhalten hohe Priorität.
  • Mehr als drei Klickschritte von der Startseite zu einer geschäftskritischen Seite sind ein Prüfsignal, keine automatische Fehlerwertung.
  • Mehrere Seiten mit derselben Suchintention und stark überlappenden Inhalten müssen zusammengeführt, abgegrenzt oder neu zugeordnet werden.

Strukturierte Daten werden nur dort bewertet, wo sie zum sichtbaren Inhalt passen. Fehler, die eine Berechtigung für Rich Results verhindern, gehören auf die Maßnahmenliste. Die Gültigkeit lässt sich vor der Veröffentlichung im Rich Results Test kontrollieren.

Schritt 3: Ladeverhalten mit Feld- und Labordaten beurteilen

Prüfen Sie das Ladeverhalten erst nach den grundlegenden Indexierungs- und Inhaltsfragen. Unterscheiden Sie dabei zwei Datenarten: PageSpeed Insights zeigt Felddaten aus dem Chrome User Experience Report und Labordaten aus einem Lighthouse-Testlauf.

Felddaten bilden reale Nutzung über ein rollierendes Zeitfenster von 28 Tagen ab. Labordaten zeigen dagegen einen einzelnen simulierten Test. Für die Bewertung des tatsächlichen Nutzererlebnisses haben Felddaten Vorrang. Labordaten helfen anschließend, mögliche Ursachen einzugrenzen.

Für die Core Web Vitals gelten diese Schwellenwerte:

KennzahlGutHandlungsbedarf
Largest Contentful Painthöchstens 2,5 Sekundenmehr als 2,5 Sekunden
Interaction to Next Painthöchstens 200 Millisekundenmehr als 200 Millisekunden
Cumulative Layout Shifthöchstens 0,1mehr als 0,1

Interaction to Next Paint hat im März 2024 den früheren Messwert First Input Delay ersetzt.

Bewerten Sie Seitentypen statt nur einzelner URLs. Wenn viele Produktseiten dieselbe Vorlage verwenden, ist ein gemeinsames Problem wahrscheinlich wirkungsvoller als ein schlechter Einzelwert. Priorisieren Sie zuerst Vorlagen, die viele indexierbare und leistungsrelevante URLs betreffen.

Nach einer Änderung erwarten Sie bei Labordaten sofort eine Reaktion. Bei Felddaten ist wegen des 28-Tage-Fensters keine unmittelbare vollständige Verbesserung sichtbar.

Schritt 4: Leistung in der Search Console einordnen

Erst jetzt betrachten Sie Impressionen, Klicks, Klickrate und durchschnittliche Position. Das ist keine Besucheranalyse. Die Daten zeigen, wie Seiten in der Google-Suche erscheinen und angeklickt werden.

Vergleichen Sie gleich lange Zeiträume und berücksichtigen Sie Wochentage sowie Saisonverläufe. Der Leistungsbericht stellt maximal 16 Monate bereit. Für längerfristige Vergleiche müssen Ergebnisse regelmäßig exportiert oder anderweitig dokumentiert werden.

Verwenden Sie keine universellen Grenzwerte für Klickrate oder Position. Beide hängen stark von Suchanfrage, Suchintention, Gerät und Darstellung der Suchergebnisse ab. Arbeiten Sie mit relativen Schwellen:

  • Rückgang der Impressionen um mindestens 20 Prozent gegenüber einem vergleichbaren Zeitraum: Indexierung, Nachfrage und thematische Relevanz prüfen.
  • Stabile Position, aber mindestens 20 Prozent weniger Klickrate: Title, Snippet und veränderte Suchergebnisdarstellung prüfen.
  • Stabile Impressionen, aber Positionsverlust um mindestens drei Plätze: Inhalt, interne Verlinkung und konkurrierende eigene Seiten untersuchen.
  • Steigende Impressionen bei Positionen von 8 bis 20: Kandidat mit erkennbarem Optimierungspotenzial.
  • Unterschied zwischen Mobil- und Desktopposition von mindestens drei Plätzen: mobile Darstellung, Inhalte und Ladeverhalten getrennt prüfen.

Diese Werte sind Arbeitsgrenzen für die eigene Analyse. Bei kleinen Datenmengen sollten Sie keine Prozentänderung bewerten, bevor mindestens 100 Impressionen im jeweiligen Vergleichszeitraum vorliegen.

Aus Befunden einen Maßnahmenplan erstellen

Übertragen Sie jeden Befund in eine Tabelle mit URL oder Seitentyp, Problem, Messwert, Schwellenwert, erwarteter Wirkung, Aufwand, Verantwortlichkeit und Kontrolltermin.

Ordnen Sie anschließend nach Wirkung und Aufwand:

  1. Hohe Wirkung, geringer Aufwand: sofort umsetzen, etwa ein unbeabsichtigtes noindex oder ein falsches Canonical.
  2. Hohe Wirkung, hoher Aufwand: als eigenes Arbeitspaket planen, etwa die Überarbeitung einer zentralen Seitenvorlage.
  3. Geringe Wirkung, geringer Aufwand: bündeln und in einem Wartungsblock erledigen.
  4. Geringe Wirkung, hoher Aufwand: zurückstellen, bis Daten eine größere Relevanz belegen.

Technische Blockaden stehen vor Inhaltsverbesserungen. Probleme auf vielen URLs stehen vor Einzelfällen. Seiten mit vorhandenen Impressionen und realistischem Positionspotenzial stehen meist vor Seiten ohne belegte Nachfrage.

Definieren Sie zu jeder Maßnahme einen messbaren Zielzustand. Statt “Ladezeit verbessern” notieren Sie beispielsweise: “LCP der betroffenen Vorlage in den Felddaten auf höchstens 2,5 Sekunden senken”. Statt “Title optimieren” lautet das Ziel: “Klickrate bei stabiler Position innerhalb von acht Wochen um mindestens 15 Prozent erhöhen”.

Sinnvolle Wiederholungsintervalle

Eine Online SEO Analyse ist ein wiederkehrender Kontrollprozess:

  • Wöchentlich: Indexierungsfehler und starke Leistungsabweichungen wichtiger Seiten kontrollieren.
  • Monatlich: Search-Console-Entwicklung, neue Inhalte und priorisierte Seitentypen prüfen.
  • Vierteljährlich: vollständige Stichprobe aus Indexierbarkeit, Onpage und Ladeverhalten wiederholen.
  • Nach Veröffentlichungen, Relaunches oder Vorlagenänderungen: betroffene URLs sofort und nach 28 Tagen erneut prüfen.
  • Jährlich: Schwellenwerte, Seitenauswahl und Priorisierungsmodell an die Geschäftsziele anpassen.

Dokumentieren Sie bei jeder Wiederholung nicht nur den neuen Wert, sondern auch die seit der letzten Messung umgesetzte Änderung. So entsteht aus einzelnen Befunden ein belastbarer Verbesserungsprozess: prüfen, einordnen, priorisieren, umsetzen und nach einem festgelegten Zeitraum erneut messen.