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Onlinemarketing und SEO: wie kleine Unternehmen Reihenfolge und Schnittstellen entscheiden

So priorisieren KMU Onlinemarketing und SEO nach Zeithorizont, Wettbewerb und Deckungsbeitrag und verzahnen Daten, Content und Messung.

Smartphone auf dunklem Untergrund, auf dem Display eine Google-Trefferliste zur Suche „Online Marketing Experte“

Die Frage ist selten, ob SEO sinnvoll ist. Die Frage ist, ob SEO jetzt an der Reihe ist oder erst nach Google Ads, nach dem Newsletter, nach der ersten Landingpage. Wer mit einem festen Monatsbudget arbeitet und keine Marketingabteilung hat, entscheidet nicht zwischen Kanälen, sondern über eine Reihenfolge. Diese Seite beschreibt, woran sich diese Reihenfolge festmachen lässt und an welchen drei Stellen SEO und die anderen Kanäle sich gegenseitig billiger machen.

Warum die Reihenfolge über den Erfolg entscheidet, nicht die Kanalwahl

Kanäle unterscheiden sich vor allem in einer Eigenschaft: wie lange es dauert, bis Geld in Umsatz umschlägt, und wie lange die Wirkung anhält, wenn man aufhört zu zahlen. Eine Suchkampagne liefert am Tag der Freischaltung Klicks und hört am Tag der Pausierung damit auf. Eine Ratgeberseite liefert monatelang nichts und dann, wenn sie rankt, jahrelang etwas ohne weitere Ausgabe. Ein Newsletter liegt dazwischen: Der Verteiler wächst langsam, gehört aber dem Unternehmen.

Daraus folgt eine unbequeme Konsequenz. Ein Unternehmen, das in den nächsten acht Wochen Aufträge braucht, um die Löhne zu zahlen, macht mit SEO als erstem Schritt einen Fehler, auch wenn SEO langfristig der günstigere Kanal ist. Umgekehrt verbrennt ein Unternehmen mit stabiler Auslastung und hoher Marge Geld, wenn es dauerhaft jeden einzelnen Klick einkauft, obwohl dieselben Suchanfragen organisch erreichbar wären.

Drei Kriterien, an denen sich die Entscheidung festmachen lässt

Zeithorizont: wann muss der Umsatz da sein?

Der Zeithorizont ist das erste und härteste Kriterium, weil er sich nicht verhandeln lässt. Prüfen Sie, wie viele Monate Sie ohne zusätzlichen Umsatz aus dem Kanal überstehen. Liegt die Antwort unter einem halben Jahr, gehört bezahlte Suche an den Anfang und SEO parallel daneben, finanziert aus dem, was die Kampagne einspielt.

Der Zeithorizont hat auch eine Rückseite, die oft übersehen wird: Sichtbarkeit, die einmal da ist, verschwindet nicht geräuschlos, aber sie verschiebt sich. Google kündigt Core Updates öffentlich an und listet sie mit Start- und Abschlussdatum in der Übersicht der Ranking-Updates, sodass sich Sichtbarkeitsveränderungen zeitlich zuordnen lassen. Wer nur einen Kanal hat, merkt eine solche Verschiebung erst am Auftragseingang. Wer zwei hat, kann in der Zwischenzeit gegensteuern.

Wettbewerbsdichte: wie teuer ist der Platz, den Sie wollen?

Wettbewerbsdichte wirkt auf beide Kanäle, aber unterschiedlich. Bei Google Ads schlägt sie unmittelbar auf den Preis durch. Suchkampagnen werden im Auktionsverfahren abgerechnet, und der Anzeigenrang wird nicht allein durch das Gebot bestimmt, sondern unter anderem durch Gebot, Anzeigenqualität, Auktionskontext und die erwartete Wirkung der Anzeigenerweiterungen. Das heißt praktisch: In einem dichten Umfeld kaufen Sie sich Sichtbarkeit, aber Sie kaufen sie jeden Monat neu, und ein besser aufgestellter Wettbewerber kann den Preis für Sie erhöhen, ohne dass Sie etwas falsch gemacht haben.

Bei SEO wirkt Wettbewerbsdichte nicht auf den Preis, sondern auf die Dauer und auf die Erfolgswahrscheinlichkeit. Ein regionaler Handwerksbetrieb, der für seinen Ort und sein Gewerk gefunden werden will, konkurriert mit einer überschaubaren Zahl vergleichbarer Betriebe. Derselbe Betrieb, der für einen bundesweiten generischen Begriff ranken will, konkurriert mit Portalen, Verbänden und Fachmedien. Die erste Aufgabe ist in Monaten lösbar, die zweite realistisch nicht.

Eine brauchbare Faustregel: Je enger und lokaler die Suchanfrage, desto eher lohnt SEO zuerst. Je breiter und umkämpfter, desto eher gehört bezahlte Suche davor, und zwar dauerhaft und nicht nur als Überbrückung.

Deckungsbeitrag: was darf ein Auftrag kosten?

Der Deckungsbeitrag pro Auftrag entscheidet, ob bezahlte Klicks überhaupt tragfähig sind. Rechnen Sie nicht mit Umsatz, sondern mit dem, was nach Material, Fremdleistung und Arbeitszeit übrig bleibt, und teilen Sie das durch die Zahl der Anfragen, die es braucht, bis ein Auftrag daraus wird. Das Ergebnis ist die Obergrenze dafür, was eine Anfrage kosten darf.

Liegt dieser Wert niedrig, etwa bei einem Produkt mit kleinem Warenkorb, ist bezahlte Suche in einem dichten Umfeld strukturell schwierig, und SEO, Newsletter und Empfehlung sind nicht die günstigere, sondern die einzige Option. Liegt er hoch, etwa bei einer Dienstleistung mit vierstelligem Auftragswert, kann bezahlte Suche auch bei hohen Klickpreisen sofort profitabel sein, und SEO wird zum Hebel, der die Abhängigkeit von diesem Preis später reduziert.

Was die drei Kriterien zusammen ergeben

In der Praxis führen sie zu wenigen wiederkehrenden Konstellationen. Kurzer Zeithorizont und hoher Deckungsbeitrag: bezahlte Suche zuerst, SEO aus dem Ertrag mitfinanziert. Langer Zeithorizont und niedriger Deckungsbeitrag: SEO und eigene Verteiler zuerst, bezahlte Suche nur punktuell für Aktionen. Hohe Wettbewerbsdichte bei gleichzeitig schmaler Marge: der schwierigste Fall, in dem die Antwort meist nicht in der Kanalwahl liegt, sondern im Angebot, das enger geschnitten werden muss, bis es eine Nische gibt, in der beides funktioniert.

Wichtig ist, die Entscheidung schriftlich festzuhalten, inklusive der Zahlen, auf denen sie beruht. Sonst wird sie in jedem Quartal neu aus dem Bauch heraus getroffen.

Schnittstelle 1: Keyword-Daten, die beide Kanäle nutzen

Der erste konkrete Berührungspunkt ist die Datengrundlage. Wer eine Suchkampagne betreibt, sieht in den Suchbegriffen, mit welchen Formulierungen Menschen tatsächlich suchen und welche davon zu Anfragen führen. Das ist wertvoller als jede Schätzung, denn der Keyword-Planer zeigt Suchvolumen standardmäßig als Spanne, und exakte Werte werden erst bei aktiven Kampagnen mit ausreichenden Ausgaben ausgewiesen.

Daraus ergibt sich eine sehr praktische Reihenfolge: Eine kleine Suchkampagne über einige Wochen ist auch dann sinnvoll, wenn sie sich nicht sofort rechnet, weil sie die Themenliste für die nächsten zwölf Monate SEO liefert. Umgekehrt liefert die Google Search Console Leistungsdaten für die letzten 16 Monate, also Klicks, Impressionen, CTR und durchschnittliche Position. Begriffe, für die Sie dort bereits Impressionen ohne Klicks sammeln, sind Kandidaten, die entweder organisch verbessert oder vorübergehend bezahlt abgedeckt werden. Beachten Sie dabei die 16-Monats-Grenze: Ältere Daten stehen im Bericht nicht mehr zur Verfügung, ein Jahresvergleich muss also vorher exportiert werden.

Schnittstelle 2: Content, der mehr als einmal arbeitet

Der zweite Berührungspunkt ist der Text selbst. Ein Beitrag, der eine echte Kundenfrage beantwortet, ist nicht nur eine Seite für die organische Suche. Er ist der Aufhänger für die nächste Newsletter-Ausgabe, die Grundlage für drei kurze Social-Beiträge und die Zielseite, auf die eine Anzeige führen kann, wenn die Suchanfrage informativ und nicht kaufbereit ist.

Das ist keine Verwertungskette aus Bequemlichkeit, sondern eine Wirtschaftlichkeitsfrage. Der teure Teil ist die Recherche und die fachliche Substanz, nicht das Umformatieren. Wenn ein Thema nur einmal verwendet wird, muss es sich allein über die organische Sichtbarkeit rechnen, und das dauert. Wenn dasselbe Thema den Newsletter und die Social-Posts eines Monats trägt, ist es bereits bezahlt, bevor die erste organische Platzierung entsteht.

Umgekehrt gilt: Themen, die im Newsletter regelmäßig die höchste Öffnungsrate erzielen, sind ein guter Hinweis darauf, welche Ratgeberseite als nächstes entstehen sollte. Der eigene Verteiler ist der billigste Testmarkt, den ein kleines Unternehmen hat.

Schnittstelle 3: Messung, die über Kanalgrenzen hinweg funktioniert

Der dritte Berührungspunkt ist der unangenehmste, weil hier die meisten Fehlentscheidungen entstehen. Wer jeden Kanal isoliert bewertet, bewertet ihn falsch. Ein typischer Verlauf sieht so aus: Jemand sucht informativ, landet auf einer Ratgeberseite, abonniert nichts, kommt Wochen später über eine Markensuche zurück und fordert ein Angebot an. Eine Messung, die nur den letzten Klick zählt, schreibt diesen Auftrag der Markensuche zu und der Ratgeberseite nichts.

Google Analytics 4 verwendet in Standardberichten datengetriebene Attribution und ordnet Conversions damit über mehrere Kontaktpunkte hinweg zu, statt sie allein dem letzten Klick zuzuschreiben. Wer noch mit alten Auswertungsgewohnheiten arbeitet, sollte den Bruch kennen: Universal Analytics hat am 1. Juli 2023 in Standard-Properties die Verarbeitung neuer Daten eingestellt, Nachfolger für die Kanalauswertung ist Google Analytics 4. Vergleiche über diesen Stichtag hinweg sind keine Zeitreihe, sondern zwei verschiedene Messungen.

Zwei weitere Punkte gehören zur ehrlichen Betrachtung. Erstens die Rechtslage: Für das Speichern von und den Zugriff auf Informationen im Endgerät, die nicht unbedingt erforderlich sind, verlangt § 25 TDDDG, bis Mai 2024 TTDSG, eine vorherige Einwilligung. Das betrifft Tracking-Cookies für die Kanalmessung, und es bedeutet, dass ein Teil der Besuche in keinem Bericht auftaucht. Wer seine Kanalentscheidung auf Zahlen stützt, die systematisch unvollständig sind, sollte diesen Anteil kennen und nicht so tun, als gäbe es ihn nicht.

Zweitens die technische Basis, die beide Kanäle teilen. Interaction to Next Paint hat am 12. März 2024 First Input Delay als Core Web Vital abgelöst, die Core Web Vitals umfassen seitdem LCP, INP und CLS. Eine langsame Seite kostet organische Sichtbarkeit und gleichzeitig bezahlte Klicks, die auf derselben Seite landen. Das ist einer der wenigen Punkte, an denen eine einzige Verbesserung zwei Budgets gleichzeitig entlastet.

Die Entscheidung in einem Satz

Bestimmen Sie zuerst, wie viele Monate Sie überbrücken können, dann, wie dicht Ihr Wettbewerbsumfeld ist, und dann, was eine Anfrage kosten darf. Der Kanal mit der kürzesten Wirkzeit steht am Anfang, SEO läuft parallel und wird aus dessen Ertrag finanziert, und die drei Schnittstellen sorgen dafür, dass die Arbeit im einen Kanal die Kosten im anderen senkt statt sie zu verdoppeln.