ONMA Ratgeber

Search Keyword Tool: Der Workflow von der Eingabe bis zur priorisierten Keyword-Liste

Seeds wählen, Sprache und Zeitraum setzen, den Suchraum schrittweise filtern und Metriken richtig einordnen: So entsteht eine priorisierte Keyword-Liste.

Ein Search Keyword Tool entfaltet seinen wahren Wert erst dann, wenn es nicht als bloße Datenbank für Suchvolumina verstanden wird, sondern als Werkzeug innerhalb eines festen, mehrstufigen Workflows. Die reine Eingabe eines Begriffs und das anschließende Sortieren nach Volumen führt unweigerlich zu einer unbrauchbaren Liste mit Tausenden von Zeilen. Der entscheidende Mehrwert entsteht durch die gezielte Bedienung des Tools: Suchbegriffe strukturiert eingeben, den Suchraum systematisch filtern, die Ergebnisse logisch clustern, die gelieferten Metriken korrekt einordnen und am Ende eine priorisierte Keyword-Liste erstellen. Diese Anleitung führt genau diesen Prozess anhand eines durchgängigen Beispiels Schritt für Schritt durch. Wer die Stationen in dieser Reihenfolge abarbeitet, verlässt das Tool am Ende nicht mit einem Berg an Rohdaten, sondern mit einem klaren Bauplan für neue Seiten.

Als durchgehendes Beispiel dient ein fiktiver Anbieter für Büroreinigung in Hannover. Der beschriebene Workflow lässt sich jedoch auf jedes Such-Keyword-Tool anwenden, das Begriffe erweitert und dazu passende Kennzahlen ausgibt, völlig unabhängig vom konkreten Anbieter.

Schritt 1: Die Eingabe vorbereiten, bevor das Tool läuft

Die Qualität der finalen Ausgabe hängt fast vollständig von der Qualität der anfänglichen Eingabe ab. Ein einzelner, sehr breiter Seed-Begriff wie “Reinigung” erzeugt einen unübersichtlichen Suchraum, der von Kfz-Reinigung bis hin zur Dentalklinik alles abdeckt. Umgekehrt führen zehn fast identische Seeds zu unnötigen Dubletten in den Ergebnissen. Der Goldstandard liegt dazwischen und umfasst drei bis sechs Seeds, die aus unterschiedlichen inhaltlichen Richtungen stammen:

  • Leistungsbegriff: büroreinigung, unterhaltsreinigung
  • Problembegriff: büro sauber halten, reinigungsplan büro
  • Rollenbegriff: reinigungsfirma beauftragen
  • Markt- oder Ortsbegriff: gebäudereinigung hannover

Bevor der erste Lauf gestartet wird, müssen im Tool selbst drei Grundeinstellungen gesetzt werden, die sich im Nachhinein nur schwer korrigieren lassen:

  1. Sprache und Land: Beide Parameter sollten zwingend getrennt voneinander eingestellt werden. Deutschsprachige Suchanfragen aus Österreich unterscheiden sich in der Wortwahl und im Suchvolumen teils erheblich von denen aus Deutschland. Wer hier pauschal “Deutsch” auswählt, vermengt unterschiedliche Märkte.
  2. Zeitraum: Ein Zwölfmonatsfenster glättet kurzfristige Saisonalität und liefert stabile Durchschnittswerte. Ein Drei- oder Sechsmonatsfenster zeigt hingegen aktuelle Bewegungen und aufkommende Trends. Für die Erstellung der ersten grundlegenden Liste ist das Zwölfmonatsfenster die robustere und sicherere Wahl.
  3. Partnerdaten und Suchnetzwerk: Viele Tools bieten die Option, Daten aus Suchpartnern oder dem Display-Netzwerk mit einzubeziehen. Wo diese Option aktiv ist, steigen die angezeigten Volumina, ohne dass die reine Nachfrage in der organischen Google-Suche steigt. Für SEO-Zwecke muss diese Option daher immer deaktiviert bleiben.

Ein wichtiger Hinweis zum Werkzeug selbst, der verdeutlicht, warum die Moduswahl entscheidend ist: Der Google Keyword Planner unterstützt sowohl das Entdecken neuer Keywords als auch das Abrufen von Suchvolumen- und Prognosedaten für Werbekampagnen. Beide Modi liefern grundlegend unterschiedliche Datenspalten. Für den hier beschriebenen Workflow zur SEO-Keyword-Liste wird zwingend der Entdeckungsmodus gebraucht. Der Prognosemodus für Werbekampagnen wird erst viel später relevant, falls es um bezahlte Sichtbarkeit geht.

Schritt 2: Den Suchraum filtern, statt Zeile für Zeile durchzulesen

Nach dem ersten Durchlauf des Tools steht typischerweise eine vierstellige Zeilenzahl auf dem Bildschirm. Diese Menge wird nicht gelesen, sondern durch vier gezielte Durchgänge radikal verkleinert. Die Reihenfolge der Filter ist entscheidend, da jeder Filter die Datenbasis für den nächsten Schritt verändert.

Durchgang 1: Ausschlusswörter definieren. Zuerst wird alles entfernt, was niemals zum eigenen Angebot passen kann. Für das Beispiel der Büroreinigung in Hannover umfasst das Wörter wie “job”, “stelle”, “gehalt”, “ausbildung”, “kostenlos”, “selber” oder “machen”. Zudem sollten hier die Namen direkter Wettbewerber ausgeschlossen werden. Dieser Schritt entfernt in der Praxis den größten Block an irrelevanter Datenmenge, und zwar ohne tiefgehende inhaltliche Abwägung.

Durchgang 2: Ortsfilter anwenden. Enthält die resultierende Liste Ortsnamen, die vom Unternehmen gar nicht bedient werden können, müssen diese nun entfernt werden. Andernfalls verzerren sie spätere Metriken und führen zu falschen Cluster-Bildungen. Wer nur regional arbeitet, filtert überregionalen Ballungsräum aus.

Durchgang 3: Mindestvolumen festlegen. Nun wird eine Untergrenze für das Suchvolumen gesetzt, aber bewusst niedrig angesetzt. Suchbegriffe mit einem Volumen knapp über null sind für kleine und mittelständische Anbieter oft die konversionsstärksten Keywords, da sie eine sehr hohe Kaufabsicht signalisieren. Wer hier zu aggressiv schneidet und nur Volumina ab 500 zulässt, entfernt genau die Nischen, die realistisch erreichbar sind und schnelle Rankings versprechen.

Durchgang 4: Intent-Vorsortierung. Jede verbleibende Zeile erhält grob ein Label für die Suchintention: informational, kommerziell, transaktional oder navigational. Das lässt sich schnell über einfache Musterfilter realisieren. Begriffe mit “was ist”, “wie”, “anleitung” oder “tipps” sind informational. Begriffe mit “preis”, “kosten”, “anbieter” oder “beauftragen” sind kommerziell oder transaktional. Dieses Label entscheidet später darüber, welcher Seitentyp auf Basis des Keywords gebaut werden muss.

Erst nach diesen vier Durchgängen wird die bereinigte Liste exportiert. Alles, was vorher exportiert wird, ist Datenmüll, der im weiteren Prozess nur Zeit und Rechenleistung kostet.

Schritt 3: Ergebnisse clustern statt Zeile für Zeile bewerten

Clustern bedeutet, Suchbegriffe, die im Kern dieselbe Frage oder dieselbe Intention ausdrücken, in eine gemeinsame Gruppe zu legen. Der Grund dafür ist simpel: Sie sollen von derselben Website beantwortet werden. Clustern ist der entscheidende Schritt, der aus einer einfachen Keyword-Liste einen echten Architekturplan für Webseiten macht.

In der Praxis funktioniert das in zwei Stufen. Zuerst wird lexikalisch vorgruppiert, also nach einem gemeinsamen Kopfbegriff sortiert. Alles mit “büroreinigung” kommt in eine Gruppe, alles mit “reinigungsplan” in die nächste. Diese Vorgruppierung ist zwar schnell, aber unzuverlässig. Sie wirft Begriffe wie “büroreinigung kosten” und “büroreinigung hannover” zusammen, obwohl das zwei völlig verschiedene Seiten erfordern: eine Preisinformationsseite und eine lokale Leistungsseite.

Die zweite Stufe korrigiert diesen Fehler über die Analyse der Suchergebnisseite (SERP). Für je zwei Kandidaten eines lexikalischen Clusters wird geprüft, ob Google für beide Begriffe ähnliche Seiten ausspielt. Überschneiden sich die Top-Ergebnisse deutlich, gehören die Begriffe auf eine einzige Seite. Sind die Ergebnisse verschieden, gehören sie getrennt, selbst wenn der Wortlaut fast identisch ist. Google empfiehlt ausdrücklich, Inhalte an den von Nutzern verwendeten Suchbegriffen auszurichten, warnt aber gleichzeitig vor unnatürlicher Wiederholung und Keyword-Stuffing. Genau deshalb ist das Clustern die richtige Antwort auf Keyword-Varianten: Sie werden von einer thematisch starken Seite abgedeckt, anstatt unnatürlich in einen Text gestopft zu werden.

Jedes fertige Cluster bekommt zur weiteren Verarbeitung vier Felder:

FeldInhaltBeispiel
HauptbegriffDer Begriff mit dem höchsten Volumen der Gruppebüroreinigung hannover
VariantenAlle weiteren Begriffe der Gruppebüroreinigung hannover preise, reinigungsfirma büro hannover
IntentDas Label aus dem vorherigen Schrittkommerziell
SeitentypWas daraus gebaut wirdLeistungsseite mit Ortsbezug

Cluster, die nur einen einzigen Begriff enthalten und ein sehr geringes Volumen aufweisen, werden markiert, aber nicht gelöscht. Sie eignen sich oft hervorragend als thematischer Abschnitt innerhalb einer größeren, übergeordneten Seite.

Schritt 4: Metriken richtig einordnen

An diesem Punkt scheitern die meisten Keyword-Auswertungen. Spaltenwerte in Tools werden oft als das gelesen, wonach sie klingen, und nicht nach dem, was sie tatsächlich bedeuten. Vier Kennzahlen aus dem Tool brauchen eine bewusste Übersetzung, um interpretierbar zu werden.

Suchvolumen: Der Wert ist ein gerundeter Durchschnitt über den gewählten Zeitraum und kein Versprechen auf garantierte Besucher. Ein Begriff mit 90 Suchanfragen im Monat kann deutlich mehr Umsatz bringen als ein Begriff mit 2.400 Anfragen, wenn die Suchintention konkreter ist und näher am Kaufabschluss liegt. Das Suchvolumen dient zum Sortieren von Chancen, es trifft aber keine finale Entscheidung.

Wettbewerb: Die im Google Keyword Planner ausgewiesene Wettbewerbsmetrik beschreibt die Konkurrenz unter Werbetreibenden um Anzeigenplätze und ist nicht mit der organischen SEO-Schwierigkeit gleichzusetzen. Ein Begriff, der dort als “niedrig” eingestuft wird, kann organisch von starken Portalen und großen Marken belegt sein. Ein Begriff mit “hoher” Konkurrenz kann organisch völlig offen sein, falls die Mitbewerber keine SEA-Kampagnen schalten. Wer diese Spalte als organischen Schwierigkeitsgrad liest, plant an der eigenen Gewinnwahrscheinlichkeit komplett vorbei.

Trendverlauf: Google Trends normalisiert Suchinteresse relativ zum höchsten Wert der gewählten Region und Zeitspanne auf einer Skala von 0 bis 100. Die Werte entsprechen daher keinem absoluten Suchvolumen. Das Tool beantwortet die Frage, ob das Interesse an einem Thema steigt oder fällt, nicht aber die Frage, wie viele Suchanfragen es tatsächlich sind. Beide Kennzahlen gehören nebeneinander betrachtet, aber sie dürfen nicht in derselben gedanklichen Spalte vermengt werden.

Vorschlagsdaten: Google Autocomplete erzeugt Vervollständigungen auf Basis realer Suchanfragen und berücksichtigt unter anderem Sprache, Standort, Aktualität und frühere Suchaktivitäten. Diese Vorschläge sind ein hervorragender Ideengeber für natürliche Formulierungen und Long-Tail-Varianten, aber sie stellen keine verlässliche Mengenangabe dar. Sie gehören als Erweiterung in die Variantenspalte eines Clusters, nicht aber als primärer Faktor in die Priorisierung.

Eine fünfte Datenquelle schlägt alle Tool-Schätzungen, sobald die eigene Website bereits existiert: Der Leistungsbericht der Google Search Console zeigt Suchanfragen, über die Nutzer eine Website in der Google-Suche gefunden haben, einschließlich Klicks, Impressionen, Klickrate und durchschnittlicher Position. Hierbei handelt es sich um gemessene Daten aus dem eigenen Marktumfeld statt um geschätzte Durchschnitte eines Drittanbieters. Wo ein Cluster bereits Impressionen auf den Positionen 8 bis 20 sammelt, ist die Nachfrage bewiesen und die page existiert oft schon im Index. Solche Cluster gehören unbedingt nach oben in die Priorisierung.

Schritt 5: Die priorisierte Liste erstellen

Priorisiert wird über einen einfachen, wiederholbaren Score, der subjektive Einschätzungen minimiert. Jedes Cluster bekommt Punkte in vier Dimensionen, jeweils auf einer Skala von 1 bis 5 Punkten:

  • Nachfrage: Die Summe des Volumens aller Begriffe innerhalb des Clusters.
  • Nähe zum Angebot: Wie direkt führt dieser Begriff zu der konkreten Dienstleistung, die verkauft wird?
  • Gewinnbarkeit: Sieht die Suchergebnisseite realistisch erreichbar aus, oder besteht sie ausschließlich aus unverwundbaren Portalen und Branchenführern?
  • Bestand: Gibt es bereits eine Seite auf der eigenen Domain, die dafür Impressionen sammelt?

Die Summe der Punkte ergibt die finale Reihenfolge auf der Prioritätenliste. Zwei zusätzliche Regeln verhindern das häufigste Fehlergebnis bei der Priorisierung:

  1. Nähe zum Angebot zählt doppelt. Wird diese Regel nicht angewendet, gewinnen immer die breiten informationellen Begriffe, schlicht weil sie das höchste Volumen aufweisen. Für einen kommerziellen Anbieter sind diese Begriffe aber oft wertlos, da sie keine Leads generieren.
  2. Ein Cluster entspricht einer Seite. Zwei Cluster mit demselben Seitentyp und demselben lokalen Bezug werden zusammengeführt, bevor sie auf die finale Liste kommen. Andernfalls entstehen im Content-Management zwei Seiten, die sich gegenseitig Sichtbarkeit wegnehmen, was zu cannibalization führt.

Das Ergebnis all dieser Schritte ist eine klare Tabelle mit einer Zeile pro geplanter Seite: Hauptbegriff, Varianten, Intent, Seitentyp, Score und Status. Sie ist das eigentliche Endprodukt des Tool-Durchlaufs. Alles, was nicht in dieser finalen Form vorliegt, ist lediglich ein Zwischenstand.

Schritt 6: Die Liste gegen die Realität prüfen

Bevor redaktionelle Arbeit in die Umsetzung fließt, laufen drei kurze, aber essenzielle Kontrollen:

Stichprobe auf der Suchergebnisseite: Die obersten fünf Cluster werden manuell bei Google gesucht. Passt der geplante Seitentyp zu dem, was Google tatsächlich auf der ersten Seite ausspielt? Wer eine Leistungsseite plant, wo Google ausschließlich Ratgeberartikel und Forenbeiträge zeigt, plant an der eigentlichen Suchintention vorbei.

Dublettenprüfung gegen den Bestand: Jeder Hauptbegriff wird gegen die bereits vorhandenen URLs der eigenen Website geprüft. Existiert bereits eine Seite, die dieses Thema streift, wird der Status auf “überarbeiten” gesetzt und nicht auf “neu”. Das verhindert unnötige Neuproduktionen und stärkt bestehende URLs.

Kapazitätsschnitt: Die priorisierte Liste wird auf die Anzahl an Seiten gekürzt, die im nächsten Quartal realistisch entstehen können. Der Rest bleibt als Backlog im Tool stehen. Eine Liste mit 180 Zeilen, von denen am Ende 12 umgesetzt werden, ist in der Praxis deutlich schlechter als eine fokussierte Liste mit 15 Zeilen, die zügig und vollständig abgearbeitet wird.

Die drei häufigsten Bedienfehler

Der Seed war zu breit. Das Ergebnis sind Tausende von Zeilen ohne jegliche Struktur. Die Abhilfe besteht hier nicht im aggressiveren Filtern, sondern in einem kompletten Neustart des Laufs mit enger gefassten, spezifischen Seeds.

Die Wettbewerbsspalte wurde als SEO-Schwierigkeit gelesen. Das Resultat ist eine Liste voller Begriffe, die organisch schlicht unerreichbar sind, weil starke Konkurrenten die Top-Platzierungen besetzen. Die Abhilfe besteht in der manuellen Sichtprüfung der Suchergebnisseite für jedes relevante Cluster.

Es wurde sortiert statt geclustert. Das Resultat ist eine alphabetisch oder nach Volumen sortierte Zeilenliste, aus der niemand im Team ableiten kann, wie viele Seiten überhaupt entstehen sollen und wie sie strukturiert sein müssen. Die Abhilfe besteht darin, Schritt 3 vollständig und konsequent durchzuführen, bevor irgendeine Kennzahl für eine Priorisierung betrachtet wird.

Kurz zusammengefasst

Der vorgestellte Workflow umfasst sechs zentrale Stationen: Seeds und Regionseinstellungen vorbereiten, den Suchraum in vier Durchgängen filtern, die Treffer über gemeinsame Suchergebnisseiten clustern, Volumen, Wettbewerb, Trend und Search-Console-Daten getrennt und korrekt einordnen, über einen Vier-Dimensionen-Score priorisieren und die finale Liste gegen Bestand und Kapazität prüfen. Das genutzte Search Keyword Tool liefert dabei lediglich die Kandidaten und Schätzwerte. Die eigentliche strategische Entscheidung, welche Seite in welchem Format gebaut wird, fällt in den Schritten 3 und 5, und sie fällt bewusst außerhalb der automatisierten Tool-Logik.