ONMA Ratgeber

SEO und Links: crawlbare Verlinkung, tragfähige Ankertexte und eine Prüfroutine für bestehende Websites

Der Leitfaden zeigt, wie crawlbare Links, klare Ankertexte und passende rel-Attribute umgesetzt und bestehende Websites systematisch geprüft werden.

Smartphone auf dunklem Untergrund, auf dem Display eine Google-Trefferliste zur Suche „Online Marketing Experte“

Links bilden die Schnittstelle zwischen zwei Disziplinen, die in der Praxis oft getrennt agieren: der technischen Entwicklung einer Website und ihrer redaktionellen Betreuung. Entwickler entscheiden darüber, ob ein Verweis überhaupt als HTML-Element existiert und maschinenlesbar ist. Redakteure bestimmen, wie der Link benannt ist und auf welche Inhalte er zielt. Erst die Kombination beider Entscheidungen erzeugt eine Verlinkung, die für Suchmaschinen und menschliche Besucher gleichermaßen funktioniert. Dieser Leitfaden erklärt, wie diese Zusammenarbeit in der Praxis aussieht. Er ordnet Linkarten ein, zeigt die korrekte technische Umsetzung crawlbare Links auf, erläutert die Wahl passender Ankertexte und rel-Attribute und stellt eine kompakte Prüfroutine vor, mit der sich die Linkgesundheit einer bestehenden Website nachhaltig verbessern lässt.

Die fundamentale Rolle von Verlinkungen für Suchmaschinen

Google nutzt Links zu zwei wesentlichen Zwecken: zur Entdeckung neuer Seiten und als Signal für die Relevanz von Dokumenten im Suchindex. Der erste Aspekt ist die grundlegende Voraussetzung für die Existenz in den Suchergebnissen. Eine Seite, auf die kein interner Link von einer anderen bereits indexierten Seite zeigt und die nicht in einer XML-Sitemap gelistet ist, bleibt für den Crawler unsichtbar. Sie kann inhaltlich noch so exzellent aufbereitet sein, sie wird technisch nicht gefunden.

Der zweite Aspekt betrifft die Gewichtung. PageRank bewertet die Bedeutung von Webseiten anhand der Linkstruktur und gehört zu den grundlegenden Systemen, auf denen die Google-Suche aufbaut. Verlinkungen transportieren thematischen Kontext und strukturelle Gewichtung von einer Quelle zur anderen. Für das Tagesgeschäft bedeutet dies: Links sind kein abschließendes Detail der Textproduktion, sondern ein zentraler Bestandteil der Informationsarchitektur. Wer eine neue Unterseite veröffentlicht, ohne an bestehenden Stellen darauf zu verweisen, hat die Aufgabe nicht vollendet. Wer alte Seiten löscht, ohne die eingehenden Verweise anzupassen, baut Sackgassen für Nutzer und Crawler auf.

Drei Linkarten sauber einordnen

Für die tägliche Arbeit genügt eine Kategorisierung in drei Richtungen. Diese Einteilung wirkt banal, wird jedoch häufig vermischt. Die meisten Missverständnisse zwischen Technik und Redaktion entstehen aus einer unklaren Unterscheidung dieser Typen.

Interne Links verbinden Seiten innerhalb derselben Domain. Sie sind die einzige Linkart, die vollständig unter der eigenen Kontrolle steht. Man kann sie jederzeit setzen, umbenennen, umleiten oder entfernen, ohne externe Abhängigkeiten. Aus diesem Grund sind interne Verweise der Hebel mit dem besten Verhältnis von Aufwand zu Wirkung. Der Schwerpunkt dieses Leitfadens liegt daher auf der internen Struktur.

Ausgehende externe Links führen von der eigenen Website auf fremde Seiten. Sie belegen Aussagen, verweisen auf Quellen, Studien und Normen und sind ein Zeichen einer seriösen Textkultur. Ihr technischer Sonderfall betrifft die rel-Attribute, die weiter unten behandelt werden, um die Beziehung zum Ziel zu qualifizieren.

Eingehende externe Links, umgangssprachlich meist Backlinks genannt, kommen von fremden Websites auf die eigene Präsenz. Sie entziehen sich der direkten Kontrolle. Der aktive Aufbau solcher Links durch Outreach, Kooperationen oder den Kauf von Platzierungen ist ein eigenständiges Themenfeld mit spezifischen Risiken. Dieser Leitfaden behandelt den Backlinkaufbau nicht als Vertiefung. Zur sauberen Einordnung reicht die Feststellung: Eingehende externe Links sind eine von drei Linkarten, nicht die einzige, die für SEO zählt. Die Reihenfolge der Optimierung ergibt sich aus dem Kontrollgrad. Zuerst richten Sie die interne Struktur, dann qualifizieren Sie ausgehende Verweise und erst danach betrachten Sie externe Faktoren.

Die wichtigste technische Grundregel ist knapp formuliert. Ein für Google zuverlässig crawlbarer Link ist in der Regel ein HTML-a-Element mit einem auflösbaren href-Attribut. Alles, was davon abweicht, stellt ein potentielles Risiko für die Crawlbarkeit dar. In der Praxis scheitert diese Anforderung an wenigen, aber beständig wiederkehrenden Mustern. Ein span- oder div-Element, das mit einem JavaScript-Klick-Handler versehen wurde, sieht im Browser aus wie ein Link, ist es im HTML-Dokument aber nicht. Ein a-Element ohne href-Attribut erfüllt ebenfalls nicht die Voraussetzung. Wenn das href-Attribut erst nach einer Nutzerinteraktion durch Skripte gesetzt wird, existiert der Link für einen Crawler unter Umständen nie. Aufklappbare Menüs, Filterlisten in Online-Shops und komplexe Paginierungen sind die typischen Fundorte solcher fehlerhaften Konstrukte.

Um diese Fehler zu vermeiden, genügen zwei Prüfungen. Erstens sollten Sie den gerenderten Quelltext der Seite nach dem Laden aller Skripte prüfen und kontrollieren, ob die fragliche Navigation dort als a href auftaucht. Zweitens muss das Ziel im href eine echte, aufrufbare Adresse sein. Es handelt sich um einen Pfad oder eine vollständige URL, nicht um eine Raute als Platzhalter und nicht um javascript:void(0).

Für die Zusammenarbeit von Entwicklung und Redaktion lohnt sich eine einfache, verbindliche Vereinbarung: Jedes Element, das den Nutzer auf eine neue Adresse führt, wird als a href ausgeliefert. Elemente, die lediglich etwas auf der aktuellen Seite verändern, etwa ein Akkordeon oder einen Filter ohne eigene URL-Generierung, sind Buttons. Diese grundlegende Regel beseitigt einen Großteil der typischen Crawlbarkeitsprobleme, bevor sie überhaupt entstehen.

Ankertexte: beschreibend und prägnant wählen

Guter Ankertext ist beschreibend, prägnant und vermittelt Nutzern sowie Suchmaschinen Kontext zur verlinkten Zielseite. Aus dieser Vorgabe lassen sich die praktischen redaktionellen Regeln direkt ableiten. Der Ankertext hat die Aufgabe, erkennbar zu machen, was den Leser nach dem Klick erwartet. Formulierungen wie “hier klicken”, “mehr” oder “weiterlesen” leisten das nicht, weil sie ohne den umgebenden Satz bedeutungslos sind. Der Text sollte zudem kurz bleiben. Ein ganzer, verlinkter Absatz verteilt die Aussage auf so viele Wörter, dass keines davon mehr als individuelles Signal trägt.

Gleichzeitig ist das Gegenteil ebenso schädlich. Übermäßig optimierte Ankertexte, also die ständige Wiederholung der exakten Keyword-Phrase über die ganze Website hinweg, können als Linkspam gegen die Google-Richtlinien verstoßen. Der Ankertext ist kein Platz für eine isolierte Keyword-Taktik, sondern für eine sachliche Beschreibung des Ziels. Wenn eine natürliche Formulierung das Thema der Zielseite ohnehin benennt, ist die Aufgabe richtig gelöst. Wenn ein Satz erst künstlich umgebaut werden muss, damit ein bestimmtes Wort im Linktext steht, ist die Grenze der Optimierung überschritten.

Nützlich ist zudem die Frage nach der Variation. Wenn zwanzig interne Links auf dieselbe Zielseite zeigen, dürfen sie unterschiedlich benannt sein, abhängig davon, welcher Aspekt der Zielseite im jeweiligen Kontext gemeint ist. Das stellt keine Verwässerung dar, sondern liefert zusätzliche Information.

rel-Attribute: sponsored, ugc und nofollow

Ausgehende Links lassen sich durch rel-Attribute qualifizieren. Google empfiehlt rel=“sponsored” für bezahlte Platzierungen, also Werbung, Affiliate-Links und alle Verweise, für die eine Gegenleistung erbracht wurde. Für Links in nutzergenerierten Inhalten, etwa in Kommentaren und Forenbeiträgen, ist rel=“ugc” vorgesehen. rel=“nofollow” bleibt zulässig, wenn die anderen Werte nicht passen, beispielsweise bei einem Verweis, von dem man sich inhaltlich distanzieren möchte.

Ein häufiges Missverständnis betrifft die Wirkungsweise dieser Attribute. Google behandelt nofollow, sponsored und ugc als Hinweise darauf, wie ein Link berücksichtigt werden soll, nicht als in jeder Situation zwingende Ausschlussanweisungen. Das Attribut ist also eine Deklaration der eigenen Beziehung zum Ziel, kein harter Schalter, der garantiert die Weitergabe von Signalen blockiert. Wer keines dieser Attribute angibt, setzt einen normalen, uneingeschränkten Link, umgangssprachlich dofollow genannt. Das ist der Standardfall und bedarf keiner eigenen Auszeichnung.

Für redaktionelle Verweise auf seriöse Quellen, Studien, Behörden oder Hersteller gilt deshalb: keine Attribute setzen, wenn kein konkreter Grund dafür besteht. Interne Links werden ohnehin nie mit nofollow versehen, um die eigene Struktur künstlich zu steuern. Dieses veraltete Rezept führt heute nur noch zu Verwirrung und schwächt die eigene interne Verlinkung.

Prüfroutine für die Linkgesundheit

Die folgende Routine lässt sich mit einem gängigen Crawler und Zugang zur Google Search Console in wenigen Stunden durchlaufen. Sie ist bewusst kompakt gehalten und in der Reihenfolge sortiert, in der die Behebungen den größten Nutzen bringen.

Schritt 1: Inventar erstellen. Crawlen Sie die Website vollständig und exportieren Sie alle internen Links mit Quelle, Ziel, Ankertext und HTTP-Status. Ohne diese Rohdatenbasis ist jede weitere Aussage rein geraten.

Schritt 2: Statuscodes auswerten. HTTP-Statuscodes beeinflussen, wie Google Inhalte verarbeitet. Dauerhaft entfernte Ziele sollten einen passenden 404- oder 410-Status liefern, während dauerhafte Umzüge per 301 oder 308 signalisiert werden können. Interne Links, die auf einen 404 zeigen, werden direkt im Quelldokument korrigiert, nicht durch eine Weiterleitung überdeckt. Eine Weiterleitung ist für Adressen gedacht, die von außen aufgerufen werden, nicht als Reparaturwerkzeug für die eigene fehlerhafte Navigation.

Schritt 3: Ketten und Schleifen auflösen. Links, die über zwei oder mehr Weiterleitungen laufen, werden direkt auf das Endziel gesetzt. Weiterleitungsschleifen haben oberste Priorität, weil die betroffene Seite dahinter für niemanden erreichbar ist und Crawl-Budget verschwendet.

Schritt 4: Protokoll und Schreibweise vereinheitlichen. Interne Links sollen konsistent auf die kanonische Variante zeigen, also einheitlich mit HTTPS, mit oder ohne www und mit einheitlicher Behandlung des abschließenden Schrägstrichs. Uneinheitliche Schreibweisen erzeugen vermeidbare Weiterleitungen in großer Zahl.

Schritt 5: Verwaiste und schwach angebundene Seiten finden. Seiten, die im Crawl nicht erreicht wurden, aber in der Sitemap oder in den Berichten der Search Console auftauchen, benötigen einen internen Link aus einem thematisch passenden Kontext. Das Gleiche gilt für Seiten, die nur über einen einzigen Link aus dem Footer erreichbar sind.

Schritt 6: Ankertexte stichprobenartig prüfen. Sortieren Sie die häufigsten Ankertexte der Website. Tauchen ganz oben Formulierungen wie “hier”, “mehr” oder eine identische Keyword-Phrase in großer Zahl auf, haben Sie die Liste der ersten redaktionellen Korrekturen gefunden.

Schritt 7: Ausgehende Links durchsehen. Prüfen Sie bezahlte und nutzergenerierte Links auf korrekte rel-Attribute. Ersetzen oder entfernen Sie tote externe Ziele.

Es ist sinnvoll, das Ergebnis jedes Durchlaufs festzuhalten, etwa den Anteil interner Links, die ihr Ziel direkt und mit Status 200 erreichen. Diese Kennzahl zeigt über die Zeit, ob die Struktur besser oder schlechter wird.

Typische Fehler und Risiken

Drei Muster tauchen bei fast jeder Prüfung auf. Erstens sind es Navigationselemente, die keine echten Links sind, meist in Filtern und aufklappbaren Menüs. Zweitens finden sich Weiterleitungsketten nach einem Relaunch, weil alte Regeln nie aufgeräumt wurden. Drittens begegnen einem Ankertexte, die entweder nichts aussagen oder mechanisch dieselbe Phrase wiederholen.

Ein kurzer Risikohinweis gehört an diese Stelle, ohne dass er hier als eigenständige Vertiefung behandelt wird: Linktauschprogramme sowie gekaufte Links zu Rankingzwecken können als Linkspam gegen die Google-Richtlinien verstoßen, ebenso wie übermäßig optimierte Ankertexte. Wer die eigene technische und redaktionelle Struktur konsequent in Ordnung hält, benötigt diese Abkürzungen nicht.

Was dieser Leitfaden bewusst offen lässt

Der aktive Aufbau eingehender Links, die Auswahl von Anbietern, der Umgang mit schädlichen Backlinks und rechtliche Fragen zur Verlinkung sind komplexe Themen mit eigenen Anforderungen. Sie wurden hier nur so weit berührt, wie es für eine saubere Abgrenzung und Einordnung nötig war. Der Kern der praktischen Arbeit mit SEO und Links bleibt: crawlbare Links im HTML, beschreibende Ankertexte, korrekt qualifizierte ausgehende Verweise und eine wiederholbare Prüfroutine. Diese vier Säulen sind vollständig selbst kontrollierbar. Sie bilden den Teil der Linkarbeit, der zuerst erledigt sein sollte, bevor externe Faktoren betrachtet werden.