SEO Check für die Webseite selbst durchführen: So prüfen Sie Ihre Seite Schritt für Schritt
So prüfen Sie einzelne URLs und Ihre gesamte Website mit Browser und Search Console: Erreichbarkeit, Indexierung, Inhalt und eine priorisierte Maßnahmenliste.

Ein SEO Check, den Sie selbst durchführen, ist mehr als eine Punktzahl aus einem Online-Werkzeug. Er beantwortet drei Fragen: Wo blockiert etwas das organische Potenzial Ihrer Website, welche Seiten sind konkret betroffen, und womit fangen Sie an?
Dafür verbinden Sie drei Perspektiven miteinander:
- Sie prüfen ausgewählte URLs manuell.
- Sie werten Suchdaten und Indexierungsinformationen aus.
- Sie untersuchen wiederkehrende Probleme auf der gesamten Website.
Das Ergebnis ist eine Maßnahmenliste, sortiert nach erwarteter Wirkung und Aufwand. Ein teures Werkzeug brauchen Sie dafür nicht. Ein Browser, die Google Search Console und Zeit für genaues Hinsehen reichen für den Anfang.
Den SEO Check vorbereiten
Bevor Sie eine einzige URL öffnen, legen Sie den Rahmen fest. Ein Onlineshop mit einbrechenden Kategorieaufrufen braucht einen anderen Prüfungsumfang als eine Unternehmenswebsite, deren neue Leistungsseiten einfach nicht bei Google auftauchen.
Notieren Sie vor dem Start:
- das geschäftliche Ziel der Website und welche Handlungen Besucher ausführen sollen
- die wichtigsten Seitentypen, etwa Leistungsseiten, Kategorien, Produkte oder Ratgeber
- auffällige Veränderungen bei Klicks, Impressionen, Anfragen oder Verkäufen
- kürzlich durchgeführte Relaunches, URL-Änderungen oder technische Anpassungen
- den Zeitraum, den Sie untersuchen möchten
Stellen Sie anschließend eine kleine URL-Stichprobe zusammen. Sie sollte mindestens eine wichtige Seite jedes relevanten Seitentyps enthalten. Ergänzen Sie URLs mit hohem Traffic, URLs mit deutlichen Verlusten und neue Seiten, von denen Sie Ergebnisse erwarten. Eine überschaubare Zahl gut gewählter Adressen bringt mehr als eine lange Liste, die Sie nur oberflächlich durchgehen.
Sichern Sie vor größeren Änderungen die Ausgangswerte. Halten Sie Klicks, Impressionen, Suchanfragen und gewünschte Handlungen wie Kontaktanfragen oder Bestellungen fest. Ohne diese Basis lässt sich später kaum beurteilen, ob eine Maßnahme tatsächlich geholfen hat.
Erreichbarkeit und Indexierung prüfen
Beginnen Sie bei jeder wichtigen URL mit einer nüchternen Frage: Kann Google diese Seite überhaupt abrufen und indexieren? Wenn hier etwas blockiert, ist jede inhaltliche Optimierung Zeitverschwendung.
Kontrollieren Sie im Browser und über die URL-Prüfung der Google Search Console:
- Liefert die URL den HTTP-Status 200?
- Führt sie unerwartet auf eine andere Adresse weiter?
- Ist ein
noindexgesetzt, im Meta-Tag oder im HTTP-Header? - Darf Google die URL laut robots.txt abrufen?
- Verweist das Canonical-Tag auf die richtige Adresse?
- Ist die Seite intern verlinkt?
- Taucht sie in der XML-Sitemap auf?
Die robots.txt steuert, welche URLs eines Hosts Suchmaschinen-Crawler abrufen dürfen. Sie verhindert jedoch nicht zuverlässig, dass eine URL indexiert wird. Soll eine Seite aus dem Index bleiben, muss Google sie in der Regel zunächst abrufen können, um ein noindex überhaupt zu erkennen. Ein Eintrag in der robots.txt ist also kein Schutz gegen Indexierung, wie die Dokumentation zur robots.txt erklärt.
Das Canonical-Tag verdient besondere Aufmerksamkeit. Canonical-Signale helfen Google, bei gleichen oder sehr ähnlichen Seiten eine repräsentative URL auszuwählen. Prüfen Sie deshalb nicht nur, ob ein Canonical vorhanden ist, sondern wohin es zeigt. Ein fehlerhaftes Template kann ganze Seitenbereiche auf eine falsche Adresse kanonisieren, ohne dass es jemand bemerkt. Die Hintergründe beschreibt die Dokumentation zur Zusammenfassung doppelter URLs.
Die XML-Sitemap sollte alle relevanten, indexierbaren URLs enthalten. Weiterleitungen, Fehlerseiten und bewusst ausgeschlossene Seiten gehören dort nicht hinein. Eine Sitemap informiert Suchmaschinen über relevante URLs und kann zusätzliche Angaben zu Bildern, Videos und Nachrichten enthalten, sie garantiert aber keine Indexierung. Details liefert die Sitemap-Dokumentation von Google.
Einzelne URLs manuell bewerten
Ist die technische Grundlage geklärt, prüfen Sie, ob die Seite ihre eigentliche Aufgabe erfüllt. Öffnen Sie die URL so, wie ein Besucher sie erlebt, der über eine Suchanfrage auf Ihre Website kommt.
Suchabsicht und Seitenzweck
Formulieren Sie in einem Satz, welche Frage oder welches Problem die Seite lösen soll. Vergleichen Sie diesen Zweck mit den Suchanfragen, für die sie laut Search Console Impressionen erhält.
Achten Sie auf typische Abweichungen:
- Die Seite behandelt ein anderes Thema als ihre tatsächlichen Suchanfragen.
- Die gesuchte Antwort erscheint erst weit unten.
- Eine Informationsseite versucht zu früh zu verkaufen.
- Eine Leistungsseite erklärt viel, macht den nächsten Schritt aber nicht deutlich.
- Mehrere eigene Seiten konkurrieren um dieselbe Suchabsicht, was auch als Keyword-Kannibalisierung bezeichnet wird.
Prüfen Sie anschließend, ob Überschrift, Einleitung, Hauptinhalt und gewünschte Handlung zusammenpassen. Eine Seite kann fachlich korrekt sein und trotzdem schwach funktionieren, wenn Besucher lange nach der eigentlichen Antwort suchen müssen. Der Grundsatz dahinter ist einfach: Erstellen Sie Ihre Website in erster Linie für Nutzer und unterstützen Sie Suchmaschinen dabei, die Inhalte zu finden und zu verstehen, wie es auch der SEO-Einstiegsleitfaden von Google empfiehlt.
Titel, Hauptüberschrift und Snippet
Der Seitentitel sollte den Inhalt eindeutig benennen und einen nachvollziehbaren Grund zum Klicken liefern. Kontrollieren Sie zusätzlich die Hauptüberschrift. Beide Elemente müssen nicht identisch sein, sollten aber dasselbe Thema versprechen.
Der tatsächlich angezeigte Titellink in den Suchergebnissen muss nicht dem HTML-Titel entsprechen. Google kann ihn aus mehreren Quellen bilden und ist nicht auf den HTML-Titel beschränkt, etwa aus sichtbaren Überschriften und anderen Seitenelementen. Die Hinweise zu Titellinks erklären diese Auswahl. Wird Ihr Titel regelmäßig umgeschrieben, ist das ein brauchbarer Hinweis darauf, dass er den Seiteninhalt nicht eindeutig genug beschreibt.
Auch die Meta Description wird nicht zwangsläufig übernommen. Google erzeugt Suchergebnis-Snippets überwiegend aus dem Seiteninhalt und verwendet die Meta Description nur, wenn sie die Seite passend beschreibt. Schreiben Sie daher eine konkrete Beschreibung und sorgen Sie ebenso dafür, dass der sichtbare Text klare, verständliche Antworten enthält, aus denen Google passende Fragmente ziehen kann. Details finden Sie in der Dokumentation zu Snippets.
Inhalt und interne Verlinkung
Lesen Sie die Seite ohne Rücksicht auf das vorhandene Layout. Markieren Sie Absätze, die nur wiederholen, nichts erklären oder vom Seitenzweck ablenken. Suchen Sie nach unbelegten Behauptungen, veralteten Angaben und fehlenden Antworten auf naheliegende Anschlussfragen.
Kontrollieren Sie die internen Links in beide Richtungen:
- Welche relevanten Seiten verlinken auf die geprüfte URL?
- Welche sinnvollen weiterführenden Inhalte verlinkt die URL selbst?
- Beschreiben die Linktexte verständlich, was am Ziel zu erwarten ist, statt “hier klicken” zu sagen?
- Gibt es wichtige Seiten, die nur über die Sitemap erreichbar sind?
Interne Links helfen Besuchern bei der Orientierung und geben Suchmaschinen Hinweise auf Zusammenhang und Bedeutung einzelner Seiten. Setzen Sie sie dort, wo sie inhaltlich weiterführen, nicht nach einer festen Anzahl pro Text.
Suchdaten statt Bauchgefühl verwenden
Öffnen Sie für Ihre Stichproben-URLs den Leistungsbericht der Google Search Console. Prüfen Sie Suchanfragen, Klicks, Impressionen, Klickrate und durchschnittliche Position im Zeitverlauf.
Suchen Sie dabei nicht nur nach Verlusten. Mindestens ebenso interessant sind ungenutzte Chancen:
- viele Impressionen, aber wenige Klicks
- gute Rankings für Suchanfragen, die auf der Seite nur am Rand vorkommen
- steigende Sichtbarkeit ohne passende Anfragen oder Verkäufe
- mehrere URLs mit Impressionen für sehr ähnliche Suchanfragen
- starke Unterschiede zwischen Mobilgeräten und Desktop
Das URL-Prüftool zeigt Indexierungsinformationen zur bei Google gespeicherten Version einer URL und ermöglicht einen Live-Test. Unterscheiden Sie beide Ansichten bewusst: Ein erfolgreicher Live-Test bedeutet nicht automatisch, dass die aktuelle Version bereits indexiert ist.
Verbinden Sie diese Daten, soweit vorhanden, mit Webanalyse und Geschäftsergebnissen. Eine Seite mit weniger Besuchen kann wertvoller sein als eine trafficstarke Seite, wenn sie regelmäßig qualifizierte Anfragen auslöst.
Probleme auf der gesamten Website erkennen
Übertragen Sie die Prüfung nun von einzelnen URLs auf Seitentypen und Verzeichnisse. Viele SEO-Probleme entstehen in Templates und betreffen deshalb nicht nur eine Seite, sondern Hunderte.
Untersuchen Sie insbesondere:
- fehlerhafte oder mehrstufige Weiterleitungen
- interne Links auf nicht erreichbare URLs
- indexierbare Filter, interne Suchseiten oder URL-Varianten
- doppelte Titel und Hauptüberschriften
- widersprüchliche Canonicals
- relevante Seiten ohne interne Verlinkung
- veraltete URLs in der Sitemap
- sehr ähnliche Seiten ohne klar getrennten Zweck
Gruppieren Sie die Funde nach Ursache. Wenn 300 Produktseiten wegen desselben Templates keinen eindeutigen Titel besitzen, ist das eine Maßnahme am Template, nicht 300 einzelne Textaufgaben.
Prüfen Sie zusätzlich die Core Web Vitals auf Ebene vergleichbarer Seitentypen. Die Core Web Vitals bewerten Ladeleistung, Interaktionsfähigkeit und visuelle Stabilität anhand von LCP, INP und CLS. Feldwerte aus realen Nutzungsdaten sind dabei besonders hilfreich. Die technische Detailanalyse einzelner Ladeprobleme sollte erst folgen, wenn die Daten tatsächlich einen relevanten Schwachpunkt zeigen. Eine Einordnung der Kennzahlen bietet web.dev.
Automatische Checker richtig einordnen
Automatische Prüfungen finden wiederkehrende technische Auffälligkeiten schnell und zuverlässig. Ein Score kann jedoch nicht beurteilen, ob eine Seite die Suchabsicht erfüllt, fachlich überzeugt oder geschäftlich relevant ist.
Behandeln Sie automatische Hinweise daher als Fundstellen, nicht als fertige Diagnose. Prüfen Sie jeden relevanten Hinweis an echten URLs und in den Suchdaten nach. Eine fehlende Angabe kann völlig unwichtig sein. Ein einzelner Templatefehler kann dagegen Tausende URLs betreffen, obwohl der Gesamtscore ordentlich aussieht.
Maßnahmen nach Wirkung und Aufwand priorisieren
Erfassen Sie jeden bestätigten Fund mit betroffenen URLs, Ursache, geplanter Änderung und messbarem Ziel. Bewerten Sie anschließend die erwartete Wirkung und den Umsetzungsaufwand jeweils als hoch, mittel oder gering.
Als Reihenfolge hat sich bewährt:
- Technische Blockaden lösen. Falsche Canonicals, versehentliche Indexierungsausschlüsse oder Weiterleitungsfehler verhindern, dass alles Weitere überhaupt wirken kann.
- Templatefehler korrigieren. Eine Änderung am Template betrifft viele wichtige Seiten gleichzeitig und ist deshalb meist der günstigste große Hebel.
- Vorhandene Nachfrage besser bedienen. Viele Impressionen bei schwacher Klickrate oder eine inhaltlich unpassende Darstellung liefern einen konkreten Ansatzpunkt.
- Inhalte ausbauen. Seiten ohne erkennbare Nachfrage und ohne geschäftliche Bedeutung kommen zuletzt.
Eine gute Maßnahmenliste beantwortet für jeden Punkt sechs Fragen:
- Was ist konkret falsch?
- Welche URLs und Seitentypen sind betroffen?
- Welche Änderung ist vorgesehen?
- Wer kann sie umsetzen?
- Woran wird die Wirkung gemessen?
- Wann erfolgt die Nachkontrolle?
Setzen Sie nicht alle Änderungen gleichzeitig um. Arbeiten Sie in nachvollziehbaren Paketen und dokumentieren Sie das Veröffentlichungsdatum jeder Änderung. Vergleichen Sie anschließend Indexierungsstatus, Suchanfragen, Klicks und gewünschte Handlungen mit den gesicherten Ausgangswerten.
So wird aus dem SEO Check für Ihre Webseite kein einmaliger Bericht, sondern ein wiederholbarer Arbeitsprozess: prüfen, priorisieren, ändern und anhand realer Daten kontrollieren. Genau diese Schleife bringt dauerhaft mehr als jeder einzelne Score.
