ONMA Ratgeber

Keyworddichte im SEO-Text: was der Wert aussagt und was nicht

Sie erfahren, wie sich die Keyworddichte kurz berechnen lässt, warum feste Idealwerte irreführen und wie Sie Wiederholungen redaktionell prüfen.

Die Keyworddichte ist der prozentuale Anteil eines Keywords an der Gesamtzahl der Wörter eines Textes. Das klingt nach einer präzisen Kennzahl, ist aber vor allem eines: eine Beschreibung dessen, was in einem fertigen Text steht. Sie sagt nichts darüber aus, was darin stehen sollte. Für die redaktionelle Arbeit an einem bereits geschriebenen SEO-Text liegt genau darin ihr Nutzen. Der Wert zeigt, wo sich ein Begriff auffällig häuft, und gibt damit einen Anlass, diese Stelle zu lesen. Ein Qualitätsurteil ist er nicht.

Was der Wert misst und wo seine Grenzen liegen

Die einfache Berechnung lautet: Anzahl der Keyword-Vorkommen geteilt durch die Gesamtzahl der Wörter, multipliziert mit 100. Ein Text mit 1.000 Wörtern, in dem das Hauptkeyword zwölf Mal vorkommt, liegt bei 1,2 Prozent. Mehr steckt nicht dahinter.

Darin liegt zugleich die Grenze dieser Zahl. Sie zählt Zeichenketten und kennt den Text nicht, den sie zählt. Ob die zwölf Vorkommen gleichmäßig verteilt sind oder sich in zwei Absätzen stapeln, ob sie in Überschriften, in erklärenden Sätzen oder in einer aufgeblähten Aufzählung stehen, ob sie gebeugt, zusammengesetzt oder wörtlich auftreten: all das führt zum gleichen Prozentwert. Zwei Texte mit identischer Keyworddichte können sich für einen Leser völlig unterschiedlich anfühlen, und der Wert verrät nicht, welcher der beiden besser ist.

Dazu kommt, dass die Bezugsgröße selbst wackelt. Werden Stoppwörter mitgezählt? Gilt eine Mehrwortphrase als ein Vorkommen oder als drei Wörter? Gehen Navigation, Bildunterschriften und Fußzeile in die Gesamtwortzahl ein? Je nach Zählweise verschiebt sich das Ergebnis deutlich, ohne dass sich am Text irgendetwas geändert hätte. Eine Kennzahl, die so empfindlich auf ihre eigene Definition reagiert, eignet sich schlecht als Zielvorgabe.

Warum es keinen verbindlichen Idealwert gibt

Die Prozentangaben, die als Faustregeln für eine optimale Keyworddichte kursieren, lassen sich seriös nicht begründen. Eine allgemeingültige optimale Keyworddichte gibt es nicht, weil starre Prozentvorgaben Relevanz, Suchintention und Textqualität nicht abbilden. Solche Werte beschreiben eine Eigenschaft der Textoberfläche und behandeln sie so, als wäre sie die Ursache guter Rankings.

Das Gleiche gilt für die statistisch aufwendigeren Verwandten der Kennzahl. Auch TF-IDF beziehungsweise WDF*IDF liefert keine verbindliche SEO-Vorgabe, weil statistische Worthäufigkeiten allein weder Qualität noch Suchintention vollständig erfassen. Solche Verfahren können zeigen, welche Begriffe in einem Themenfeld üblich sind, und das ist ein brauchbarer Hinweis auf fehlenden Kontext. Ein Korridor, den man abarbeitet, ergibt sich daraus nicht.

Praktisch heißt das: Wer einen fertigen Text auf einen bestimmten Prozentwert hin nachjustiert, optimiert eine Kennzahl und nicht den Text. Die typische Folge ist ein Text, der die Zahl trifft und sich dabei schlechter liest als vorher, weil natürliche Umschreibungen und Pronomen durch das Keyword ersetzt wurden.

Vom Zielwert zum Diagnosewert

Sinnvoll wird die Keyworddichte, wenn man die Blickrichtung umdreht. Statt zu fragen, welchen Wert dieser Text erreichen soll, fragt man, an welcher Stelle der vorhandene Wert auffällig ist und warum. Der Prozentsatz zeigt dann nicht, was zu tun ist, sondern wo man hinsehen sollte.

Auffällig ist ein Wert immer im Vergleich, nie absolut. Drei Vergleiche haben sich in der Praxis bewährt:

  • Der Text mit sich selbst. Liegt ein einzelner Abschnitt weit über dem Rest des Textes, ist dieser Abschnitt der Kandidat für eine Prüfung, nicht die ganze Seite.
  • Der Text mit anderen Texten derselben Redaktion. Sticht eine Seite gegenüber vergleichbaren eigenen Seiten hervor, ist beim Schreiben meist etwas anderes passiert, etwa eine nachträglich eingebaute Keyword-Liste.
  • Der Wert mit seiner eigenen Entstehung. Eine Dichte, die nach einer Überarbeitung deutlich gestiegen ist, sagt etwas über die Überarbeitung aus und wenig über das Thema.

Was aus dieser Diagnose folgt, ist eine Leseaufgabe. Die Entscheidung fällt am Text, nicht an der Zahl.

Wie man eine auffällige Stelle redaktionell bewertet

Für die Beurteilung einer Häufung reichen drei Prüfungen, die alle ohne Werkzeug auskommen.

Erstens: Lesbarkeit. Lies den Absatz laut vor. Stolpert man über den wiederholten Begriff, klingt er gesetzt statt gesprochen, oder ließe sich das Keyword durch “es”, “dieser Wert” oder eine kürzere Bezeichnung ersetzen, ohne dass Information verloren geht? Dann ist die Wiederholung redaktionell überflüssig. Fällt sie beim Vorlesen gar nicht auf, ist sie in der Regel unproblematisch, auch wenn der Prozentwert hoch erscheint. Fachtexte, Definitionen und Vergleiche nennen ihren Gegenstand naturgemäß oft. Google nennt für suchmaschinenfreundliche Inhalte unter anderem gute Lesbarkeit, klare Struktur, Einzigartigkeit, Aktualität und einen erkennbaren Nutzen für Leser. Lesbarkeit steht in dieser Aufzählung, ein Prozentwert nicht.

Zweitens: Suchintention. Prüfe, ob die Wiederholung dem Zweck der Seite dient. Bei einer informationalen Frage erwartet der Leser eine Erklärung, und jedes zusätzliche Vorkommen des Keywords, das keine neue Information trägt, verschiebt den Text weg von dieser Erwartung. Die brauchbare Frage lautet nicht “ist der Begriff oft genug da”, sondern “beantwortet dieser Absatz die Frage, mit der jemand auf die Seite gekommen ist”. Google empfiehlt ausdrücklich hilfreiche, verlässliche und primär für Menschen erstellte Inhalte statt Inhalten, die hauptsächlich Suchmaschinen beeinflussen sollen. Eine Häufung, die nur für die Suchmaschine existiert, fällt in die zweite Kategorie.

Drittens: semantischer Kontext. Sieh nach, was um das Keyword herum steht. Ein Text, der sein Thema wirklich behandelt, bringt zwangsläufig verwandte Begriffe mit. Bei diesem Thema wären das etwa Wortanzahl, Wiederholung, Keyword-Stuffing, Suchintention und Lesbarkeit. Fehlt dieses Umfeld und trägt der Text stattdessen dieselbe Phrase in leichten Varianten, dann ist die hohe Dichte das Symptom eines dünnen Textes. Das ist der eigentliche Befund, und er wird nicht durch Streichen einzelner Vorkommen behoben, sondern durch Inhalt.

Wo die Grenze zum Spam liegt

Es gibt eine Schwelle, ab der Wiederholung keine Geschmacksfrage mehr ist. Google führt Keyword-Stuffing als Spam-Praxis auf, wenn Begriffe oder Zahlen unnatürlich häufig verwendet werden, um Rankings zu manipulieren. Das Kriterium ist die Absicht und die Unnatürlichkeit, nicht ein Prozentwert. Typische Formen sind aneinandergereihte Ortsnamen oder Varianten eines Suchbegriffs, Listen ohne Satzbau und Textblöcke, die für den Leser keinen Sinn ergeben.

Diese Fälle erkennt man beim Lesen sofort, und sie brauchen keine Messung. Umgekehrt gilt: Ein hoher Prozentwert in einem Text, der sich gut liest und seine Frage beantwortet, ist kein Verstoß. Die Kennzahl und die Spam-Regel messen nicht dasselbe, und wer sie gleichsetzt, korrigiert an der falschen Stelle.

Kurzfazit

Die Keyworddichte ist eine Beschreibung, kein Ziel. Sie eignet sich, um in einem bereits geschriebenen SEO-Text auffällige Stellen zu finden, und sie eignet sich nicht, um über die Qualität dieser Stellen zu entscheiden. Diese Entscheidung fällt redaktionell: an der Lesbarkeit des Absatzes, an der Suchintention der Seite und daran, ob das thematische Umfeld des Keywords vorhanden ist. Wo diese drei Prüfungen ein gutes Ergebnis liefern, braucht der Prozentwert keine Korrektur. Wo sie es nicht tun, ist die Dichte ohnehin nur das Symptom.