SEO-Tools 2013: Was damals im Einsatz war und was davon heute noch gilt
Welche SEO-Tools 2013 genutzt wurden, wie Google die Datenbasis veränderte und woran Sie erkennen, ob alte Empfehlungen heute noch gültig sind.
2013 war für SEO-Tools kein gewöhnliches Jahr. Innerhalb weniger Monate verlor die Branche ihre wichtigste kostenlose Keyword-Datenquelle, ihre bequemste Qualitätskennzahl und den Großteil ihrer Keyword-Daten aus der Webanalyse. Wer heute auf eine Tool-Empfehlung aus dem Jahr 2013 stößt, liest deshalb nicht einfach eine ältere Version der heutigen Empfehlung, sondern eine Momentaufnahme aus einer Tool-Landschaft, die kurz darauf grundlegend umgebaut wurde.
Diese Seite rekonstruiert, was 2013 tatsächlich im Einsatz war, welche Ereignisse die Landschaft dauerhaft verschoben haben und welche Anbieter unter welchem Namen überlebt haben. Zudem liefert sie eine Prüfliste, mit der eine gefundene 2013er Empfehlung auf heutige Gültigkeit abgeklopft werden kann. Eine Bestenliste, ein Funktionsvergleich oder ein Testurteil für heutige Tools finden Sie hier bewusst nicht.
Der Stand der Dinge zu Jahresbeginn 2013
SEO-Tools waren 2013 bereits professionalisiert, aber sie maßen andere Dinge als heute. Der Arbeitsalltag drehte sich um drei zentrale Datenquellen: ein Keyword-Tool von Google, aus dem sich Suchvolumina ziehen ließen, die eigene Webanalyse, die zeigte, mit welchen Suchbegriffen Besucher tatsächlich ankamen, und ein Rank-Tracker oder Sichtbarkeitsindex, der die Position zu einer Begriffsliste protokollierte. Dazu kamen Backlink-Datenbanken, weil Links damals der am offensivsten bearbeitete Rankingfaktor waren, sowie Onpage-Crawler für Titel, Meta-Angaben, Statuscodes und Duplikate.
Im deutschsprachigen Markt bedeutete das in der Praxis: Suiten wie Sistrix, Searchmetrics, Seolytics und Xovi auf der Sichtbarkeits- und Linkseite, der Desktop-Crawler Screaming Frog auf der technischen Seite, dazu die Google Webmaster Tools als kostenlose Pflichtquelle direkt aus der Suchmaschine.
Für die Erfolgsmessung von SEO-Maßnahmen griffen Unternehmen zusätzlich auf klassische Webanalyse zurück. Eine Statista-Erhebung unter deutschen Unternehmen aus dem Jahr 2013 nennt für diesen Zweck unter anderem eTracker, Webtrekk, econda und Omniture Site Catalyst. Das ist ein bezeichnender Befund: Die Erfolgsmessung von SEO lief damals zu einem erheblichen Teil über Analyse-Software, die gar kein spezialisiertes SEO-Tool war.
Die vier Ereignisse des Jahres, die die Tool-Landschaft verschoben haben
Die Abschaltung des Google Keyword Tools
Google ersetzte 2013 das frei zugängliche Google Keyword Tool durch den Keyword Planner innerhalb von AdWords und schaltete das alte Tool ab. Der Bruch war größer, als die Formulierung “ersetzt” nahelegt. Das alte Tool war ohne Werbekonto nutzbar und lieferte Volumina in feinerer Auflösung. Der Nachfolger setzte zwingend ein AdWords-Konto voraus, fasste eng verwandte Begriffe zusammen und war von Anfang an ein Werkzeug für die Anzeigenplanung, nicht für die reine organische Recherche.
Für Tool-Anbieter war das der Startschuss für eigene Keyword-Datenbanken. Viele Suchvolumen-Angaben, die heute in kommerziellen Tools zu finden sind, basieren auf modellierten oder aus mehreren Quellen zusammengesetzten Werten und sind keine direkten Google-Zahlen mehr. Eine 2013er Anleitung, die “das Keyword-Tool” als selbstverständliche Gratisquelle behandelt, beschreibt eine Arbeitsweise, die es so nicht mehr gibt.
“not provided” in der Webanalyse
Google machte die verschlüsselte Suche 2013 zum Standard. In der Folge erscheinen Suchbegriffe in der Webanalyse als “not provided”. Damit wurden Keyword-Reports aus Analytics-Systemen für die organische Suche praktisch unbrauchbar.
Dieser Punkt verändert rückwirkend den Wert fast jeder Tool-Empfehlung aus der Zeit davor. Wenn ein Text von 2013 erklärt, wie man aus Analytics die Conversion pro Suchbegriff ausliest oder Longtail-Begriffe aus dem Besucherstrom erntet, beschreibt er einen Report, der seitdem leer bleibt. Diese Funktion ist nicht in ein anderes Tool gewandert, sie ist verschwunden. An ihre Stelle trat die Suchanfragen-Auswertung direkt über die Google-eigenen Tools mit einer völlig anderen Logik.
Das letzte Toolbar-PageRank-Update
Google stellte die Aktualisierung des öffentlich sichtbaren Toolbar PageRank ein. Das letzte öffentliche Update erfolgte im Dezember 2013. Danach zeigte der Wert für Jahre eine eingefrorene Momentaufnahme an, bevor die Anzeige endgültig abgeschaltet wurde.
Der Toolbar-PageRank war 2013 die meistgenutzte Abkürzung für die Frage, ob eine Seite “wertvoll” sei. Er stand in Linkbewertungen, in Preislisten für Linkplatzierungen und in unzähligen Browser-Erweiterungen. Genau diese Bequemlichkeit macht ihn heute zum deutlichsten Datumsstempel: Eine Tool-Empfehlung, die PageRank als Auswahl- oder Bewertungskriterium führt, ist ohne weitere Prüfung als veraltet erkennbar. Der Wert wird hier ausschließlich als abgeschaffte Kennzahl behandelt.
Penguin 2.0 und Hummingbird
2013 brachte zudem zwei einschneidende Änderungen am Algorithmus selbst. Penguin 2.0 verschärfte die Bewertung manipulativer Linkmuster und traf damit unmittelbar die Werkzeugklasse, die beim Aufbau ebendieser Muster half. Hummingbird war ein Umbau der Anfrageverarbeitung hin zu mehr Bedeutung (Entities) und weniger exakter Zeichenkette.
Die Wirkung auf Tools war indirekt, aber dauerhaft. Linkdaten wanderten in der Wahrnehmung vom Aufbau- zum Risikowerkzeug. Der typische Anwendungsfall verschob sich von “Links finden” zu “problematische Links finden”. Kennzahlen, die eine exakte Keyword-Schreibweise als Einheit behandelten, verloren an Aussagekraft, weil die Suchmaschine sie nicht mehr so behandelte. Im Oktober 2013 diskutierte die WebmasterWorld-Community unter dem Titel “2013 Favorite SEO Tools” genau diese Beobachtung: Google habe sich verändert, und mit ihm müssten sich die Tools verändern.
Welche Kennzahlen 2013 zählten
Wer heute 2013er Tool-Texte liest, sollte die Kennzahlen kennen, um die herum diese Texte gebaut sind:
- Toolbar PageRank: Eine Skala von 0 bis 10 pro URL, die ab Ende 2013 nicht mehr aktualisiert wurde.
- Alexa Rank: Ein Traffic-Näherungswert aus Toolbar-Panels, damals oft als Autoritätsersatz zitiert.
- Sichtbarkeitsindizes: Anbietereigene Berechnungen der Suiten, die untereinander nicht vergleichbar waren.
- Positionen zu einer festen Keyword-Liste: Erhoben ohne Personalisierung und ohne die heutige Vielfalt an SERP-Elementen (wie Featured Snippets).
- Reine Linkanzahl und verweisende Domains: Oft ohne tiefgreifende Qualitätsgewichtung.
- Keyword-Dichte: Damals oft noch als Optimierungsziel und nicht als Warnsignal für Keyword-Stuffing behandelt.
Vier dieser sechs Kennzahlen sind heute entweder abgeschafft, methodisch überholt oder aktiv schädlich als Zielgröße. Das ist der eigentliche Grund, warum 2013er Empfehlungen selten direkt übertragbar sind: Nicht primär die Tools sind das Problem, sondern die Größen, auf die sie optimierten.
Wer überlebt hat und unter welchem Namen
Ein Teil der Verwirrung beim Lesen alter Texte entsteht durch Umbenennungen. Drei davon betreffen fast jede 2013er Liste:
SEOmoz kürzte seinen Namen 2013 zu Moz und erweiterte damit die Zielgruppe über reines SEO hinaus. Wenn eine Quelle von “SEOmoz” spricht, stammt sie mit hoher Wahrscheinlichkeit aus dem Jahr 2013 oder früher.
Searchmetrics, 2013 eine der etablierten deutschen Suiten, firmiert heute unter dem Namen Conductor. Der 2013 beschriebene Funktionsumfang und das heutige Produkt sind daher nicht dasselbe Werkzeug unter neuem Namen.
Google Webmaster Tools hieß 2013 noch so und wurde erst später in Google Search Console umbenannt. Hier ist die Kontinuität am größten: Das kostenlose Google-Werkzeug ist eines der wenigen, dessen Rolle 2013 und heute vergleichbar beschrieben wird, auch wenn Datenumfang und Oberfläche massiv verändert wurden.
Daneben gibt es Namen, die ohne Umbenennung durchgehalten haben. Screaming Frog, Sistrix, Xovi und Yoast tauchen sowohl in Tool-Listen der 2013er Ära als auch in aktuellen Übersichten auf. Diese Aufzählung ist ausdrücklich keine Empfehlung und keine Rangfolge, sondern eine Beobachtung zur Langlebigkeit. Umgekehrt sind Anbieter aus 2013er Listen, deren Namen heute keine Treffer mehr erzeugen, in der Regel eingestellt oder aufgekauft worden.
Prüfliste: eine 2013er Tool-Empfehlung auf heutige Gültigkeit abklopfen
Wenn Sie auf einen Text, ein Forenposting oder eine Präsentation aus dieser Zeit stoßen, beantworten Sie diese sieben Fragen der Reihe nach. Die ersten drei erledigen die meisten Fälle.
- Nennt der Text PageRank als Kennzahl? Wenn ja, stammt die zugrundeliegende Bewertungslogik aus der Zeit vor Ende 2013 und ist nicht mehr anwendbar.
- Setzt er Keyword-Daten in der Webanalyse voraus? Passagen zu Suchbegriffen pro Besucher oder Conversion aus einem Analytics-System sind seit der Umstellung auf verschlüsselte Suche gegenstandslos.
- Beruht er auf dem alten Google Keyword Tool? Dann beschreibt er einen Zugang und eine Datenauflösung, die es nicht mehr gibt.
- Existiert der Anbieter noch, und unter welchem Namen? Prüfen Sie zuerst auf Umbenennungen (z. B. Moz, Conductor), bevor Sie einen Anbieter als verschwunden einstufen.
- Ist die beschriebene Funktion noch die Kernfunktion des Produkts? Suiten haben ihren Schwerpunkt seit 2013 mehrfach verlagert. Ein 2013 gelobtes Modul kann heute ein Nebenschauplatz oder komplett entfernt sein.
- Betrifft die Empfehlung Linkaufbau oder Linkprüfung? Nach Penguin 2.0 hat sich der Zweck derselben Datenbasis verschoben. Die Daten sind weiterhin nützlich, die 2013 empfohlene Verwendung oft nicht mehr.
- Stehen Preise, Tarifnamen oder Kontingente im Text? Diese Angaben sind ausnahmslos veraltet und taugen nicht einmal als grobe Größenordnung.
Bleibt nach diesen sieben Fragen etwas übrig, handelt es sich meist um methodisches Wissen und keine Produktaussage: wie man einen Crawl aufsetzt, worauf man bei Titeln achtet oder wie man eine Keyword-Liste strukturiert. Dieser Teil des Wissens altert deutlich langsamer als jede Toolliste.
Was diese Seite bewusst nicht leistet
Diese Rekonstruktion trifft keine Aussage darüber, welches Tool heute das beste ist, wie aktuelle Produkte im Funktionsumfang zueinander stehen oder was sie kosten. Sie vergibt keine Note und empfiehlt keine Reihenfolge. Wer vor einer Kaufentscheidung steht, benötigt einen aktuellen Vergleich mit heutigen Funktionsständen. Der historische Blick hilft dort nur insofern, als er erklärt, warum bestimmte Kategorien überhaupt existieren und warum manche Kennzahlen aus Altbeständen bis heute in Angeboten auftauchen, obwohl sie nichts mehr messen.
Der nützlichste Ertrag von 2013 ist deshalb kein Produktname, sondern eine Lesegewohnheit: Prüfen Sie bei jeder Tool-Aussage zuerst, welche Kennzahl sie voraussetzt, und erst danach, welcher Anbieter sie liefert. Kennzahlen werden abgeschafft. Anbieter werden umbenannt. Beides ist im Jahr 2013 im selben Jahr passiert.
