ONMA Ratgeber

Suchmaschinenmarketing erklärt: Der Weg einer Suchanfrage von der Eingabe bis zum Klick

Verfolgen Sie eine Suchanfrage durch Index, organisches Ranking und Anzeigenauktion und erfahren Sie, wie daraus die SERP bis zum Klick entsteht.

Suchmaschinenmarketing, englisch Search Engine Marketing und abgekürzt SEM, ist der Oberbegriff für alle Online-Marketing-Maßnahmen rund um Suchmaschinen. Dieser Satz definiert den Begriff, beantwortet aber nicht die eigentlich spannende Frage: Wie entsteht das, was SEM bewirken will? Woher kommt der erste Treffer, woher die Anzeige darüber, und warum steht genau diese Reihenfolge auf der Ergebnisseite?

Diese Erklärung folgt deshalb nicht dem Wörterbuch, sondern einer einzelnen Suchanfrage. Station für Station, von der Eingabe im Suchfeld bis zum Klick, zeigt sich dabei, welches System gerade arbeitet, welche Daten es verwendet und wo die beiden Kanäle des SEM jeweils ihren Anteil am Ergebnis haben.

Zwei getrennte Systeme, ein gemeinsames Ergebnisbild

SEM wird üblicherweise in zwei Teilbereiche untergliedert: Suchmaschinenoptimierung (SEO) und Suchmaschinenwerbung (SEA). Beide verfolgen dasselbe Ziel, nämlich eine Website für bestimmte Keywords auf der Ergebnisseite zu platzieren, der eine im organischen Bereich, der andere im bezahlten. Technisch haben sie jedoch fast nichts gemeinsam.

Der entscheidende Unterschied liegt im Zeitpunkt. Der organische Weg ist eine Auswertung von Daten, die die Suchmaschine lange vor der Suchanfrage gesammelt und aufbereitet hat. Der bezahlte Weg ist eine Versteigerung, die erst im Moment der Suchanfrage stattfindet und wenige Millisekunden später vorbei ist. Die beiden Systeme laufen getrennt, rechnen getrennt und treffen erst auf der fertigen Ergebnisseite wieder zusammen. Wer das einmal verstanden hat, kann auf jeder Ergebnisseite ablesen, welches Element aus welchem System stammt.

Station 1: Die Eingabe trifft auf ein vorbereitetes System

Wenn jemand einen Begriff eintippt und die Suche auslöst, durchsucht die Suchmaschine nicht das Internet. Dafür wäre keine Zeit, denn die Antwort erscheint in Sekundenbruchteilen. Durchsucht wird ein Index, also eine vorbereitete, sortierte Datenbank dessen, was die Suchmaschine vom Web bereits kennt.

Vor der eigentlichen Auswertung steht die Deutung der Anfrage. Das System zerlegt die Eingabe, gleicht Schreibweisen und Synonyme ab und ordnet ihr eine wahrscheinliche Absicht zu. Ob jemand etwas verstehen, vergleichen oder kaufen möchte, entscheidet mit darüber, welche Dokumente überhaupt infrage kommen und ob sich die Ausspielung von Anzeigen lohnt. Ab diesem Punkt laufen die beiden Wege parallel los.

Station 2: Der organische Weg über Crawling, Index und Ranking

Der organische Teil beginnt weit vor der Suchanfrage. Automatisierte Programme, Crawler genannt, folgen Links von Seite zu Seite und laden Dokumente herunter. Was sie finden, wird verarbeitet: Der Code wird ausgeführt, der Text extrahiert, die Struktur aus Überschriften, Absätzen, Listen und Tabellen erfasst. Erst danach entscheidet die Suchmaschine, ob eine Seite in den Index aufgenommen wird. Nicht jede gecrawlte Seite wird indexiert, und nur eine indexierte Seite kann überhaupt als Treffer erscheinen.

Kommt nun eine Suchanfrage herein, zieht das System aus dem Index die Menge der Dokumente, die inhaltlich passen könnten. Diese Menge ist groß, bei allgemeinen Begriffen oft riesig. Die eigentliche Arbeit ist deshalb die Sortierung, das Ranking. Dafür werden Signale ausgewertet, die sich grob in drei Gruppen fassen lassen:

  • Inhaltliche Signale. Behandelt das Dokument das gesuchte Thema tatsächlich, und zwar in der Tiefe und in der Form, die zur erkannten Absicht passt?
  • Signale aus dem Verweisnetz. Wie oft und aus welchem Umfeld wird auf das Dokument verlinkt? Verweise gelten als Hinweis darauf, dass andere die Seite für brauchbar halten.
  • Technische und nutzungsbezogene Signale. Ist die Seite erreichbar, auf dem Gerät des Suchenden bedienbar, ausreichend schnell und eindeutig einer Adresse zugeordnet?

Aus der Verrechnung dieser Signale entsteht eine Reihenfolge. Sie ist nicht fest hinterlegt, sondern wird pro Anfrage neu berechnet. Deshalb kann dieselbe Seite bei zwei ähnlichen Begriffen oder auf zwei verschiedenen Geräten an unterschiedlicher Position stehen. Bezahlen lässt sich an dieser Stelle nichts: Der organische Weg kennt keine Buchung, sondern nur Signale, die entweder vorliegen oder nicht.

Station 3: Der bezahlte Weg über Auktion, Gebot und Qualitätsfaktor

Der bezahlte Teil läuft in einem völlig anderen System. Werbetreibende haben dort vorab hinterlegt, bei welchen Suchbegriffen sie erscheinen möchten, mit welcher Anzeige und bis zu welchem Betrag sie einen Klick zu bezahlen bereit sind. Ohne Suchanfrage passiert nichts. Erst die konkrete Eingabe löst den Vorgang aus.

Dann geschieht Folgendes: Das System sammelt alle Anzeigen, deren hinterlegte Begriffe zur Anfrage passen, und startet eine Auktion. Der naheliegende Schluss wäre, dass das höchste Gebot gewinnt. So funktioniert es nicht. In den Anzeigenrang fließen neben dem Gebot zusätzlich Qualitätssignale ein, insbesondere die erwartete Klickrate, die Relevanz der Anzeige zur Suchanfrage und die Nutzererfahrung auf der Zielseite. Die Kombination aus Gebot und Qualität bestimmt die Position, nicht das Gebot allein.

Die Logik dahinter ist aus Sicht der Suchmaschine zwingend. Eine Anzeige, die niemand anklickt, verdient trotz hohem Gebot kein Geld und verschlechtert das Ergebnisbild. Eine passende Anzeige mit einer Zielseite, die ihr Versprechen einlöst, schafft dagegen Wert bei jedem Klick. Praktisch heißt das: Ein Anbieter mit deutlich besseren Qualitätssignalen kann einen höher bietenden Mitbewerber überholen, und dasselbe Gebot führt bei zwei unterschiedlichen Anzeigen zu zwei unterschiedlichen Positionen.

Der zweite wesentliche Unterschied zum organischen Weg liegt in der Abrechnung. Die Platzierung selbst kostet nichts, abgerechnet wird in der Regel erst der Klick. Ein Ergebnis aus dem organischen Bereich verursacht dagegen zu keinem Zeitpunkt eine Abrechnung, weder bei der Ausspielung noch beim Klick.

Station 4: Die SERP, auf der beide Wege zusammenlaufen

SERP steht für Search Engine Result Page und bezeichnet die Ergebnisseite, auf der organische Treffer und Anzeigen gemeinsam ausgespielt werden. Hier werden die beiden getrennt berechneten Listen zu einem Bild zusammengesetzt, und hier entsteht der Eindruck, es handle sich um ein einziges Ranking.

Die Zuordnung bleibt trotzdem eindeutig ablesbar. Anzeigen sind gekennzeichnet, üblicherweise mit einem Hinweis wie “Anzeige” oder “Gesponsert” direkt am Eintrag. Sie stehen typischerweise über den organischen Treffern und teilweise auch unter ihnen. Alles ohne diese Kennzeichnung stammt aus dem Index und der Ranking-Berechnung. Wie viele Anzeigenplätze eine Seite zeigt, ist nicht fix: Bei kommerziell geprägten Anfragen füllt sich der obere Bereich, bei rein informationsorientierten Anfragen kann die Anzeigenzone ganz entfallen, weil keine ausreichend passenden Gebote vorliegen.

Zwischen und neben beiden Bereichen liegen weitere Elemente, die direkt auf der Ergebnisseite antworten, etwa hervorgehobene Antwortblöcke, Fragenlisten, Kartenausschnitte oder Bildreihen. Sie werden aus indexierten Inhalten gespeist und gehören damit zum organischen Weg, auch wenn sie nicht wie ein klassischer Treffer aussehen. Ihre Wirkung auf die Strecke ist erheblich: Sie schieben die eigentliche Trefferliste nach unten und beantworten manche Anfragen so vollständig, dass gar kein Klick mehr folgt.

Station 5: Der Klick und was er auslöst

Am Ende der Strecke steht die Entscheidung des Suchenden. Sie fällt anhand dessen, was auf der Ergebnisseite sichtbar ist: Titel, Adresse, Beschreibungstext, bei Anzeigen zusätzlich Erweiterungen wie weitere Links oder Zusatzangaben. Der Klick führt auf die Zielseite, und ab diesem Moment laufen beide Wege wieder zusammen, denn dieselbe Website muss die Erwartung einlösen, die der Eintrag geweckt hat.

Für das System sind die Folgen unterschiedlich. Beim bezahlten Klick wird der Betrag abgerechnet, und das Verhalten nach dem Klick fließt in die Qualitätssignale ein, die bei der nächsten Auktion mitzählen. Beim organischen Klick entsteht keine Abrechnung, wohl aber ein Datenpunkt darüber, wie oft ein Ergebnis zu einer Anfrage eingeblendet und wie häufig es angeklickt wurde.

Warum die beiden Wege trotzdem gemeinsam betrachtet werden

SEM fasst beide Kanäle zusammen, weil der Suchende sie nicht trennt. Er sieht eine Seite, überfliegt sie von oben nach unten und klickt auf das Element, das seine Frage am ehesten beantwortet. Ziel des Suchmaschinenmarketings ist es, die Sichtbarkeit einer Website in Suchmaschinen zu erhöhen und darüber mehr Besucher zu gewinnen. Für diese Sichtbarkeit zählt das Gesamtbild der Ergebnisseite, nicht die Herkunft des einzelnen Eintrags.

Die Mechanik zeigt zugleich, warum die Kanäle unterschiedlich reagieren. Der bezahlte Weg schaltet sich mit der Auktion sofort ein und mit dem Stopp der Kampagne ebenso sofort wieder ab. Der organische Weg wirkt verzögert, weil eine Änderung an einer Seite erst gecrawlt, verarbeitet, indexiert und neu bewertet werden muss. Dafür hält seine Wirkung ohne laufende Klickabrechnung an. Wer Suchmaschinenmarketing plant, arbeitet deshalb immer an zwei Zeitachsen gleichzeitig.

Häufige Fragen

Wie entsteht ein einzelner Treffer auf der Ergebnisseite? In zwei Phasen. Vor der Suchanfrage: Crawling, Verarbeitung und Aufnahme der Seite in den Index. Während der Suchanfrage: Auswahl der thematisch passenden Dokumente aus dem Index und Sortierung nach Ranking-Signalen. Der Treffer ist also nicht gespeichert, sondern wird pro Anfrage neu berechnet.

Wie entsteht eine Anzeige an derselben Stelle? Über eine Auktion, die die Suchanfrage auslöst. Berücksichtigt werden alle Anzeigen mit passenden hinterlegten Begriffen. Die Reihenfolge ergibt sich aus Gebot und Qualitätssignalen gemeinsam, nicht aus dem Gebot allein.

Warum sieht dieselbe Suche zweimal unterschiedlich aus? Weil beide Teilsysteme pro Anfrage neu rechnen. Der Index verändert sich laufend, die Ranking-Berechnung berücksichtigt Kontext wie Gerät und Region, und an der Auktion nehmen zu jedem Zeitpunkt andere Werbetreibende mit anderen Geboten und anderen Qualitätswerten teil.

Woran ist erkennbar, aus welchem Weg ein Element stammt? An der Kennzeichnung. Bezahlte Einblendungen tragen einen Hinweis wie “Anzeige” oder “Gesponsert”. Alles Übrige, einschließlich hervorgehobener Antwortblöcke und Fragenlisten, wird aus indexierten Inhalten gebildet und ist Teil des organischen Wegs.