Tools für die Keyword-Recherche: welches Werkzeug in welchem Schritt
Vier Rechercheschritte, vier Datenquellen: welches Keyword-Tool wo hilft und warum dasselbe Keyword je nach Tool ein anderes Suchvolumen zeigt.

Redaktionelle Marktübersichten zum Thema listen aktuell zwischen 8 und 18 Keyword-Tools nebeneinander (blogmojo.de, 18 Tools, 23.07.2026; computerweekly.com, 8 Tools, 17.04.2025). Damit wird die Auswahl selbst zum Filterproblem, und zwar zu einem falsch gestellten: Verglichen werden Werkzeuge, die technisch verschiedene Dinge tun. Die nützlichere Frage lautet nicht, welches Tool das beste ist, sondern an welcher Stelle der Recherche ein Tool überhaupt gebraucht wird und woher die Zahl stammt, die es anzeigt.
Keyword-Recherche ist die systematische Suche nach relevanten Suchbegriffen, auf die eine Webseite oder Domain in den Suchmaschinenergebnissen optimiert wird (seo-kueche.de/lexikon/keyword-recherche/). Systematisch heißt: in fester Reihenfolge. Diese Seite ordnet Tools entlang dieser Reihenfolge ein.
| Schritt | Was gebraucht wird | Woher es kommt |
|---|---|---|
| 1. Seeds finden | Wortvarianten, Schreibweisen, Fragen | Erweiterungen, Autosuggest, verwandte Begriffe |
| 2. Mengengerüst holen | Suchvolumen, Wettbewerb, Klickpreis | Planer-Aggregation, Clickstream-Hochrechnung |
| 3. Wettbewerb abgreifen | belegte Nachfrage anderer Seiten | Domain- und URL-Analyse |
| 4. Liste konsolidieren | eine Arbeitsliste ohne Dubletten | die eigenen Exporte aus 1 bis 3 |
Schritt 1: Seeds finden
Am Anfang steht kein Suchvolumen, sondern Wortmaterial: die Sprache, in der Nutzer über ein Thema schreiben, inklusive Formulierungen, auf die man selbst nicht kommt. Werkzeuge in diesem Schritt liefern Erweiterungen zu einem Startbegriff. Das SISTRIX Keyword Tool gliedert seine Ausgabe in Keyworderweiterungen, echte Nutzerfragen und verwandte Keywords und erlaubt den Export der Keywords (app.sistrix.com/de/keyword-tool). Diese Dreiteilung ist typisch für die Phase: Erweiterungen liefern Longtail-Varianten, Fragen liefern Gliederungspunkte, verwandte Begriffe öffnen Nachbarthemen.
Wichtig ist, hier noch nicht zu filtern. Wer bereits in Schritt 1 Begriffe wegen vermuteter niedriger Zahlen streicht, verliert genau die Formulierungen, die später den Unterschied machen. Belastbare Zahlen gibt es ohnehin erst im nächsten Schritt.
Schritt 2: Mengengerüst holen
Erst jetzt kommen Zahlen dazu. Die gesammelten Begriffe werden gegen eine Datenquelle gehalten, die Suchvolumen, Wettbewerbswert und Klickpreis ausweist. keyword-tools.org etwa stellt je Keyword Suchvolumen, CPC-Werte und Keyword-Konkurrenz nebeneinander (keyword-tools.org). Der Google Keyword-Planer, den Google als Werkzeug beschreibt, mit dem nach Wörtern und Wortgruppen passend zu Produkten oder Dienstleistungen gesucht wird, ist Teil der Google-Ads-Werbetools (business.google.com/de/ad-tools/keyword-planner/).
Diese Herkunft aus der Werbewelt erklärt einen Teil der Eigenheiten solcher Zahlen: Sie sind für Anzeigenplanung gebaut, nicht für redaktionelle Planung. Sie beantworten, was eine Klickauslieferung kostet, nicht, was ein Text leisten muss.
Schritt 3: Wettbewerb abgreifen
Die dritte Quelle ist das, was andere bereits ranken. Statt von einem Begriff auszugehen, geht man von einer Domain oder URL aus und liest ab, für welche Suchanfragen sie sichtbar ist. Das Keyword-Recherche-Tool von Seobility bietet dafür drei Einstiege: Recherche auf Basis eines Fokus-Keywords, Recherche über URL- und Domain-Analyse und Recherche über Wettbewerbsanalyse (seobility.net/de/keyword-recherche-tool/). Die letzten beiden gehören in diesen Schritt.
Der Ertrag ist ein anderer als in Schritt 1: keine Wortvarianten, sondern belegte Nachfrage, die jemand anderes bereits bedient.
Schritt 4: Liste konsolidieren
Nach drei Schritten liegen mehrere Exporte vor, die einander überlappen und einander widersprechen. Diesen Schritt lassen reine Tool-Übersichten aus, obwohl er die eigentliche Arbeit ist.
Woher die Zahlen kommen
Vier Herkunftsarten reichen, um fast jedes Tool einzuordnen.
Planer-Aggregation. Werte stammen aus dem Anzeigensystem und werden zu Gruppen zusammengefasst. Ähnliche Schreibweisen und Varianten landen häufig in einem gemeinsamen Wert, die Ausgabe ist in Spannen gebündelt statt exakt.
Clickstream-Hochrechnung. Ein Anbieter erhebt oder kauft Nutzungsdaten eines Panels und rechnet von dieser Stichprobe auf die Grundgesamtheit hoch. Das ergibt feinere, aber modellierte Zahlen, deren Genauigkeit mit der Panelgröße im jeweiligen Markt steht und fällt.
Autosuggest-Scraping. Vorschläge werden direkt bei der Suchmaschine abgegriffen. keyword-tools.org speist seine Vorschläge aus Google Auto-Suggest und verwandten Suchanfragen (keyword-tools.org). Das liefert echte Formulierungen, aber kein Volumen: Ein Vorschlag belegt Existenz, nicht Menge.
Eigene Property. Die Google Search Console wird in Übersichten kostenloser SEO-Tools zur Keyword-Recherche neben AlsoAsked, dem Keyword-Planer und Google Trends geführt (computerweekly.com, 17.04.2025). Sie ist die einzige Quelle mit gemessenen statt geschätzten Daten, allerdings nur für Anfragen, bei denen die eigene Seite bereits erscheint.
Warum dieselbe Suchanfrage zwei Suchvolumen zeigt
Aus diesen vier Herkünften folgt die häufigste Irritation der Recherche. Für das Keyword “tools keyword recherche” weist die Marktdatenbank DataForSEO ein monatliches Suchvolumen von 40 aus, dazu einen CPC von 4,69 EUR und eine Keyword-Difficulty von 62 (DataForSEO, Location 2276 DE, Sprache de, Abruf 2026-08-05). Ein zweites Tool kann für denselben Begriff einen deutlich anderen Wert zeigen, ohne dass eines von beiden falsch rechnet.
Die Gründe sind mechanisch: unterschiedliche Bezugszeiträume, unterschiedlich weit gefasste Gruppierung von Varianten, unterschiedliche Länder- und Spracheinstellung, unterschiedliche Aktualisierungsintervalle und, im Fall der Hochrechnung, eine unterschiedliche Panelbasis. Praktische Konsequenz: Volumenwerte aus verschiedenen Tools sind untereinander nicht vergleichbar, sondern nur innerhalb einer Quelle. Für die Priorisierung nimmt man deshalb eine Quelle als Leitwährung und benutzt die übrigen ausschließlich als Ja-Nein-Signal für Existenz.
Die Exporte zusammenführen
Zusammenführen heißt vier Handgriffe, in dieser Reihenfolge.
- Normalisieren. Kleinschreibung, doppelte Leerzeichen entfernen, Umlaute und ihre Umschreibungen vereinheitlichen. Ohne diesen Schritt bleibt jede Deduplizierung unvollständig, weil “keyword tool” und “keyword-tool” sonst als zwei Zeilen stehen bleiben.
- Deduplizieren mit Herkunftsvermerk. Jede Zeile behält eine Spalte, aus welchen Exporten sie stammt. Ein Begriff, den drei unabhängige Quellen kennen, ist belastbarer als einer aus nur einer.
- Kennzahlen pro Quelle getrennt halten, nicht mitteln. Eine Spalte je Quelle, dazu die Leitwährung aus dem vorherigen Abschnitt.
- Lücken sichtbar lassen. Ein Begriff ohne Volumenwert bekommt ein leeres Feld, keine Null. Die Null würde eine Messung behaupten, die nicht stattgefunden hat.
Das Ergebnis ist eine Tabelle, in der jede Zahl weiß, woher sie kommt. Genau das macht sie zur Entscheidungsgrundlage statt zur bloßen Sammlung von Exporten.
