ONMA Ratgeber

Webdesign Schülerpraktikum: Alltag, Aufgaben und Arbeitszeiten

Erfahre, welche Aufgaben dich in einer Webagentur erwarten, welche Arbeitszeiten nach JArbSchG gelten und wie Bewerbung und Praktikumsbericht gelingen.

Nahaufnahme einer Laptop-Tastatur, darüber blau eingefärbter HTML-Quelltext

Ein Webdesign Schülerpraktikum ist ein schulisches Betriebspraktikum: ein bis zwei Wochen Einblick in eine Webagentur, organisiert über die Schule, betreut von einer festen Ansprechperson im Betrieb. Du entwickelst darin keine Kundenwebsite allein. Du begleitest laufende Projekte, übernimmst abgegrenzte Aufgaben und dokumentierst alles für deinen Praktikumsbericht. Was du dabei tun darfst und wie lange, regelt das Jugendarbeitsschutzgesetz (JArbSchG). Dieser Text beschreibt Alltag und Rechtsrahmen für Schülerinnen und Schüler von 13 bis 17 Jahren.

Ab welchem Alter ist das Praktikum erlaubt?

Das JArbSchG unterscheidet zwei Gruppen. Nach § 2 JArbSchG gilt als Kind, wer unter 15 Jahre alt ist; Jugendliche sind Personen zwischen 15 und 18 Jahren. Danach richtet sich, welche Regeln für dich gelten.

Kinderarbeit ist grundsätzlich verboten. § 5 Absatz 2 Satz 1 Nummer 1 JArbSchG nimmt die Beschäftigung im Rahmen eines Betriebspraktikums während der Vollzeitschulpflicht aber ausdrücklich von diesem Verbot aus. Deshalb darf auch eine 13 oder 14 Jahre alte Schülerin ein von der Schule vorgesehenes Praktikum in einer Webagentur machen.

Wichtig für die Praxis ist § 7 JArbSchG: Für vollzeitschulpflichtige Kinder im Betriebspraktikum gelten die für Jugendliche geltenden Vorschriften der §§ 8 bis 46. Es gibt für das Praktikum also kein gesondertes Stundenkontingent, sondern denselben Schutzrahmen wie für Jugendliche. Programmierkenntnisse setzt übrigens kaum ein Betrieb voraus. Wichtiger sind Zuverlässigkeit, die Bereitschaft, Fragen zu stellen, und konzentriertes Arbeiten am Bildschirm.

Welche Arbeitszeiten und Pausen gelten?

RegelVorgabeFundstelle
Tägliche Höchstarbeitszeit8 Stunden§ 8 JArbSchG
Wöchentliche Höchstarbeitszeit40 Stunden§ 8 JArbSchG
Pause bei mehr als 4,5 bis 6 Stundenmindestens 30 Minuten§ 11 JArbSchG
Pause bei mehr als 6 Stundenmindestens 60 Minuten§ 11 JArbSchG
Erlaubter Zeitrahmen am Tag6 bis 20 Uhr§ 14 JArbSchG

Die Pausen müssen im Voraus feststehen. Sie dürfen nicht spontan ans Ende des Tages geschoben werden, damit du früher gehen kannst. Üblich ist die Fünftagewoche; Wochenendarbeit kommt in einem Schülerpraktikum in einer Webagentur normalerweise nicht vor.

Diese Zahlen sind Obergrenzen, keine Zielwerte. Schule und Agentur legen fast immer kürzere Zeiten fest, typisch sind sechs bis sieben Stunden von etwa 9 bis 16 Uhr. Ein guter Betrieb plant den Tag zusätzlich so, dass du nicht durchgehend am Bildschirm sitzt: Besprechung, Recherche, Skizzen auf Papier und Computerarbeit wechseln sich ab.

Wird ein Schülerpraktikum bezahlt?

In der Regel nicht. § 22 Absatz 1 Satz 2 Nummer 1 Mindestlohngesetz nimmt Praktika, die verpflichtend aufgrund einer schulrechtlichen Bestimmung geleistet werden, vom gesetzlichen Mindestlohn aus. Ein schulisches Betriebspraktikum fällt genau darunter und ist deshalb üblicherweise unvergütet. Manche Betriebe zahlen freiwillig einen Fahrtkosten oder Essenszuschuss. Frag danach, aber erwarte es nicht.

Wie lange dauert das Praktikum?

Die Dauer gibt die Schule vor, meist ein bis zwei Wochen am Stück, seltener einzelne Praktikumstage oder ein längerer, schulisch organisierter Zeitraum. Klärt vor der Zusage gemeinsam:

  • den genauen Zeitraum und die täglichen Anfangs- und Endzeiten
  • die feste Betreuungsperson im Betrieb
  • Formulare, Versicherungsnachweis und das Einverständnis der Eltern
  • die Vorgaben der Schule für den Praktikumsbericht
  • wie Fehlzeiten gemeldet werden

Welche Aufgaben darfst du übernehmen?

Praktikantenaufgaben sind abgegrenzt, ungefährlich und werden kontrolliert. Eine feste Ansprechperson erklärt die Arbeit und prüft die Ergebnisse. Realistisch sind zum Beispiel:

  • bestehende Websites auf dem Smartphone prüfen und Auffälligkeiten notieren
  • einfache Seitenskizzen (Wireframes) für eine fiktive Website zeichnen
  • Farben, Schriften und Bildideen in einem Moodboard sammeln
  • Bilder auswählen, zuschneiden und für eine Testseite vorbereiten
  • kurze Beispieltexte und Überschriften für interne Entwürfe formulieren
  • Inhalte in einer geschützten Testumgebung eines Content-Management-Systems einpflegen
  • Links, Formulare und Darstellung auf verschiedenen Bildschirmgrößen testen
  • bei internen Projektbesprechungen zuhören und mitschreiben
  • eine kleine Abschlusspräsentation über die Woche vorbereiten

Nicht in ein Schülerpraktikum gehören: das Veröffentlichen einer Seite ohne Kontrolle, der Zugriff auf vertrauliche Kundendaten, verbindliche Kommunikation mit Kunden sowie Termindruck, Überstunden oder gefährliche Tätigkeiten.

So sieht ein Praktikumstag aus

9:00 Uhr Begrüßung und Tagesplan. Die Betreuungsperson zeigt ein laufendes Projekt und erklärt deine Aufgabe für den Vormittag.

9:30 Uhr Du arbeitest daran, testest zum Beispiel eine Website auf mehreren Geräten oder baust ein Moodboard.

12:00 Uhr Kurze Rückmeldung zu deinem Zwischenstand, danach die Mittagspause.

13:00 Uhr Umsetzen der Korrekturen, oft mit einem Blick in eine interne Besprechung.

15:00 Uhr Du dokumentierst, was du gemacht hast, sicherst Arbeitsproben und notierst offene Fragen für morgen.

15:30 bis 16:00 Uhr Feierabend.

Nicht jeder Tag ist kreativ. Recherche, Korrekturschleifen und Dokumentation gehören genauso dazu wie Gestaltung, und genau das ist der ehrliche Einblick, den ein Praktikum liefern soll.

Wie du dich bewirbst

Rechne damit, dass du selbst aktiv werden musst. Ausgeschriebene Plätze sind rar: Am 01.09.2026 wies jobbörse.de bundesweit 11 Praktikumsplätze im Bereich Webdesign aus, praktikum.info 8 Plätze in dieser Spezialisierung, und Indeed listete am 30.08.2026 neun Treffer zur Suche “schüler praktikum web design” in Deutschland. Ein Teil davon sind Pflichtpraktika für Studierende, nicht für Schülerinnen und Schüler.

Zwei Konsequenzen für dich:

  1. Bewirb dich initiativ. Schreibe kleine Agenturen in deiner Stadt direkt an, auch wenn dort nichts ausgeschrieben ist. Nenne im ersten Satz, dass du als minderjährige Person ein schulisches Betriebspraktikum suchst, dazu deinen Zeitraum, deine Schule und deine Klassenstufe.
  2. Suche breiter. Solche Plätze sind meist mit angrenzenden Aufgaben kombiniert. Auf praktikum.info laufen sie unter Titeln wie “Schülerpraktikum: Webdesign & Online-Marketing” oder “Pflichtpraktikum: Web- & Grafikdesign”. Suche also auch nach Mediengestaltung, Grafik und Online-Marketing.

Die Bewerbung selbst bleibt kurz: eine halbe Seite Anschreiben, ein tabellarischer Lebenslauf und das Formular der Schule. Schreibe konkret, was dich interessiert, etwa ein Schulprojekt oder eine selbst gestaltete Präsentation. Arbeitsproben sind freiwillig und sollten nur eigene Inhalte zeigen. Frag mehrere Monate vorher an, denn Betriebe planen Betreuung im Voraus.

Was in den Praktikumsbericht gehört

Führe ab dem ersten Tag ein kurzes Protokoll: Arbeitszeiten, Pausen, Aufgaben, verwendete Programme, neue Begriffe. Dann musst du am Ende nichts rekonstruieren. Ein übersichtlicher Bericht enthält:

  1. Vorstellung des Betriebs
  2. Zeitraum und organisatorischer Ablauf
  3. Beschreibung eines typischen Arbeitstags
  4. Liste deiner eigenen Aufgaben
  5. eine ausgewählte Aufgabe ausführlich
  6. verwendete Werkzeuge und Programme
  7. persönliche Erfahrungen und Schwierigkeiten
  8. dein Fazit

Kläre vorher, was du zeigen darfst. Kundendaten, Zugangsdaten und interne Entwürfe gehören ohne ausdrückliche Erlaubnis nicht in den Bericht, auch nicht als Screenshot. Am meisten Eindruck macht ohnehin nicht das fertige Ergebnis, sondern die Stelle, an der du beschreibst, was du ausprobiert, verworfen und nach dem Feedback besser gemacht hast.