ONMA Ratgeber

Webkataloge ohne Backlinkpflicht kostenlos: das Prüfraster vor dem Eintrag

Ein Fünf-Punkte-Raster prüft Indexierung, Link-Attribute, Redaktion, Kategorie und Umfeld und zeigt, ob ein kostenloser Katalog den Eintrag verdient.

Wer nach kostenlosen Webkatalogen ohne Backlinkpflicht sucht, sucht in der Regel nach einer Liste. Diese Seite liefert bewusst keine. Eine Katalogliste ist an dem Tag veraltet, an dem sie erscheint: Domains werden verkauft, Redaktionen eingestellt, Kategorien mit Spam geflutet. Die haltbarere Antwort ist ein Prüfverfahren, das Sie auf jeden beliebigen Katalog anwenden können, auch auf einen, den es heute noch gar nicht gibt.

Die Leitfrage verschiebt sich damit. Sie lautet nicht mehr “Wo kann ich mich kostenlos eintragen, ohne einen Rücklink setzen zu müssen?”, sondern: “Verdient dieser konkrete Katalog meinen Eintrag überhaupt?” Kostenlos und ohne Backlinkpflicht sind Eintrittsbedingungen, keine Qualitätsmerkmale. Sie senken den Preis des Eintrags, sie sagen nichts über seinen Wert.

Warum ein eigenes Prüfverfahren nötig ist

Die Kategorie hat eine Vorgeschichte, die man kennen sollte, bevor man Zeit investiert. Google führte am 24. April 2012 das Penguin-Update ein, das gezielt gegen Webspam und Verstöße gegen die Richtlinien zu Linktauschprogrammen vorging. Mit Penguin 4.0 wurde der Algorithmus im September 2016 Teil des Kernalgorithmus und arbeitet seitdem in Echtzeit sowie granular auf Seitenebene. In den Spam-Richtlinien für die Google Websuche nennt Google Links aus minderwertigen Verzeichnis- und Lesezeichenseiten ausdrücklich als Beispiel für Linkspam.

Parallel dazu ist das redaktionelle Verzeichnis als Gattung weitgehend verschwunden. Das Yahoo Directory, das für einen kommerziellen Eintrag zuletzt eine jährliche Gebühr verlangte, wurde zum 31. Dezember 2014 geschlossen. Das Open Directory Project (DMOZ), lange das bekannteste redaktionell gepflegte Webverzeichnis, wurde am 17. März 2017 eingestellt. Was übrig blieb, ist ein Feld ohne Leitfiguren und ohne verbindlichen Qualitätsmaßstab. Genau deshalb müssen Sie den Maßstab selbst mitbringen.

Ein Nebenbefund vorweg: Ein Katalog, der einen Rücklink verlangt, betreibt einen Linktausch, und Linktauschprogramme sind exakt das Muster, gegen das Penguin gerichtet war. “Ohne Backlinkpflicht” entfernt also eine rote Flagge. Es fügt aber keine grüne hinzu.

Die fünf Kriterien

Prüfen Sie jeden Katalog entlang derselben fünf Punkte, immer in dieser Reihenfolge. Die ersten beiden sind in wenigen Minuten beantwortet und sortieren die Mehrheit der Kandidaten bereits aus.

1. Indexierungsstatus

Ein Katalog, dessen Kategorieseiten Google nicht im Index hat, kann Ihnen weder Sichtbarkeit noch Besucher liefern. Prüfen Sie nicht die Startseite, sondern die Seite, auf der Ihr Eintrag später tatsächlich stehen würde.

So gehen Sie vor: Rufen Sie die passende Kategorieseite auf, kopieren Sie deren vollständige URL und suchen Sie bei Google nach site: plus dieser Adresse. Ergänzend zeigt eine site:-Abfrage auf die gesamte Katalogdomain, in welcher Größenordnung sich die Seite überhaupt im Index befindet. Wichtig ist die Einschränkung: Die URL-Prüfung in der Google Search Console zeigt für eine einzelne Adresse an, ob sie im Google-Index enthalten ist und wann sie zuletzt gecrawlt wurde, sie gilt aber nur für Adressen Ihrer eigenen, bestätigten Property. Für fremde Katalogseiten bleibt die site:-Abfrage das verfügbare Mittel.

Ausschluss: Die Kategorieseite taucht nicht auf, oder die Domain ist praktisch nur mit der Startseite vertreten.

Sehen Sie sich einen bereits vorhandenen Eintrag in der Zielkategorie an und prüfen Sie im Quelltext, wie dessen Link ausgezeichnet ist. Google kündigte am 10. September 2019 die Link-Attribute rel="sponsored" und rel="ugc" als Ergänzung zu rel="nofollow" an; alle drei werden als Hinweise für die Linkbewertung behandelt.

Entscheidend ist die Konsequenz, nicht das Attribut selbst. Ein als nofollow oder ugc ausgezeichneter Eintrag ist kein Ausschlussgrund, er verschiebt nur den Zweck: Der Eintrag kann dann noch Besucher und eine Erwähnung bringen, als Rankingfaktor sollten Sie ihn nicht einkalkulieren. Ein Katalog, der ungeprüfte Einträge als normale Links ohne jedes Attribut ausgibt, ist umgekehrt kein Glücksfall, sondern ein Hinweis auf fehlende Kontrolle. Prüfen Sie deshalb in diesem Fall die Kriterien 3 bis 5 besonders streng.

3. Redaktionelle Prüfung

Findet vor der Veröffentlichung eine Prüfung durch Menschen statt? Verlässliche Indizien: Der Katalog nennt Aufnahmekriterien und Ablehnungsgründe, er beschreibt eine Bearbeitungsdauer, und die Einträge haben redaktionell gekürzte, einheitlich formatierte Beschreibungen statt kopierter Werbetexte. Erscheint ein neuer Eintrag dagegen sofort und automatisch, kommt jeder hinein, der ein Formular ausfüllt.

Gegenprobe: Öffnen Sie fünf beliebige Einträge aus verschiedenen Kategorien. Wenn tote Domains, Parkseiten oder offensichtlich themenfremde Ziele darunter sind, existiert keine laufende Pflege.

4. Kategoriepassung

Gibt es überhaupt eine Kategorie, die Ihr Angebot präzise trifft? Ein Verzeichnis, in dem Sie zwischen “Dienstleistungen” und “Sonstiges” wählen müssen, ordnet Sie nicht ein, es lagert Sie ab. Gute Zeichen sind eine mehrstufige, thematisch trennscharfe Struktur und Kategorien, die tatsächlich gefüllt sind. Eine passende Kategorie mit zwei Einträgen ist ein Signal für ein totes Verzeichnis, nicht für eine Nische.

Prüfen Sie außerdem, ob es regionale und thematische Achsen gibt, die zu Ihrem Geschäft passen. Je genauer die Einordnung, desto eher findet ein Mensch den Eintrag über die Katalogsuche.

5. Nachbarumfeld

Dieses Kriterium wiegt am schwersten, weil es dem Wortlaut der Spam-Richtlinien am nächsten kommt. Ziehen Sie zehn Einträge aus genau der Kategorie, in der Sie stehen würden, und beantworten Sie drei Fragen: Laden die Ziele überhaupt? Gehören sie thematisch in diese Kategorie? Häufen sich Glücksspiel, Kredite, Medikamente, Erwachseneninhalte oder generische Ablageseiten ohne erkennbares Geschäft?

Ausschluss: Mehr als zwei der zehn Stichproben sind tot oder themenfremd, oder die Kategorie ist erkennbar von einer der genannten Spam-Branchen dominiert.

Vom Raster zur Entscheidung

Vergeben Sie pro Kriterium 0, 1 oder 2 Punkte. Maximal sind 10 Punkte erreichbar.

Kriterium0 Punkte1 Punkt2 Punkte
IndexierungsstatusKategorieseite nicht im Indexnur Teile der Domain indexiertKategorieseite indexiert und aktuell gecrawlt
Link-Attributungeprüfte Einträge ohne jedes Attributnofollow, sponsored oder ugcgeprüfte Einträge, Attribut nachvollziehbar vergeben
Redaktionelle PrüfungSofortveröffentlichung, keine KriterienKriterien genannt, Pflege lückenhaftKriterien genannt, Stichprobe sauber
Kategoriepassungnur Sammelkategorienpassende Kategorie, dünn besetztpräzise Kategorie, gefüllt und gepflegt
NachbarumfeldSpam oder viele tote Zielegemischt, einzelne Ausfälledurchgängig echte, passende Angebote

Auswertung: Von 8 bis 10 Punkten ist der Eintrag vertretbar. Von 5 bis 7 Punkten lohnt er sich nur, wenn Sie einen anderen Grund als SEO haben, etwa erwartbare Besucher aus einer regionalen oder fachlichen Nische. Unter 5 Punkten tragen Sie sich nicht ein. Eine Null bei Indexierungsstatus oder Nachbarumfeld ist ein Ausschluss, unabhängig von der Gesamtsumme.

Die Risikoseite kalkulieren

Bleibt die Frage, was ein schlechter Eintrag konkret kostet. Sortieren Sie die Kosten nach Wahrscheinlichkeit, nicht nach Dramatik.

Sicher fällt an: Ihre Zeit sowie die Veröffentlichung Ihrer Kontaktdaten. Ein ungeprüfter Katalog ist eine offene Datenquelle, aus der Adressen und Mailadressen abgegriffen werden. Rechnen Sie mit Werbeanrufen und Spam an genau die Adresse, die Sie dort hinterlegen. Verwenden Sie deshalb keine private Durchwahl und keine Postfachadresse, die Sie nicht öffentlich sehen wollen.

Wahrscheinlich fällt an: nichts. Der häufigste Ausgang eines schwachen Katalogeintrags ist Wirkungslosigkeit. Das ist kein Argument für den Eintrag, sondern gegen den Aufwand.

Selten, aber real ist der Fall, in dem eingehende Links zum Problem werden. Google stellt dafür das Disavow-Werkzeug bereit, empfiehlt es aber ausdrücklich nur für Fälle, in denen eine manuelle Maßnahme wegen unnatürlicher Links vorliegt oder droht. Der vorbeugende Einsatz nach jedem zweifelhaften Eintrag ist also nicht vorgesehen. Wer sein Linkprofil selbst mit Einträgen aus Kategorien füllt, die Google in seinen Spam-Richtlinien als Beispiel für Linkspam benennt, produziert allerdings genau das Muster, um das es dort geht. Die Absicherung liegt vorne im Prozess: prüfen statt später aufräumen.

Der Prüfdurchlauf in der Praxis

  1. Zielkategorie im Katalog öffnen und deren URL notieren.
  2. site:-Abfrage auf diese URL und auf die Katalogdomain.
  3. Quelltext eines bestehenden Eintrags auf das Link-Attribut prüfen.
  4. Aufnahmekriterien und Bearbeitungshinweise des Katalogs suchen.
  5. Zehn Nachbareinträge stichprobenartig aufrufen.
  6. Punkte vergeben, Summe bilden, Entscheidung schriftlich festhalten.

Für einen geübten Durchlauf reichen etwa 15 Minuten. Halten Sie das Ergebnis in einer schlichten Tabelle fest: Datum, Domain, Kategorie, Punktzahl je Kriterium, Entscheidung. Damit ist eine spätere Neubewertung billig, und Sie prüfen denselben Katalog nicht in einem Jahr ein zweites Mal von vorn. Setzen Sie eingetragene Kataloge zusätzlich auf Wiedervorlage: Ein Verzeichnis, das heute 9 Punkte erreicht, kann nach einem Betreiberwechsel in zwölf Monaten bei 3 stehen.

Häufige Fragen

Ist ein nofollow-Eintrag wertlos? Nein, aber er zahlt auf ein anderes Konto ein. Er kann Besucher und eine auffindbare Erwähnung bringen. Als Rankingfaktor sollten Sie ihn nicht einplanen, da Google die Attribute nofollow, sponsored und ugc als Hinweise für die Linkbewertung behandelt.

Warum kein einfacher Schwellenwert für die Domain-Autorität? Weil solche Kennzahlen von Drittanbietern stammen und über die Pflege der konkreten Kategorie nichts aussagen. Das Nachbarumfeld auf der Seite, auf der Ihr Eintrag landet, ist der aussagekräftigere Befund.

Wie viele Katalogeinträge sind sinnvoll? Die Frage ist falsch gestellt. Sinnvoll sind so viele, wie das Raster bestehen. Ein Zielwert für die Anzahl führt zwangsläufig dazu, dass Sie die Prüfung aufweichen, um ihn zu erreichen.