Einen Webprogrammierer beauftragen: Auswahl, Briefing, Zusammenarbeit
Briefing, Angebotsvergleich, Referenzen und Wartung: wie Sie den passenden Webprogrammierer auswählen und was vor Auftragserteilung geklärt sein muss.

Wer nach einem Webprogrammierer sucht, sucht selten eine Berufsbeschreibung, sondern jemanden, der eine Website zum Laufen bringt und danach am Laufen hält. Wie unscharf der Begriff im Markt geführt wird, zeigt schon die Trefferliste: Von elf organischen Ergebnissen zu “Webprogrammierer” sind sieben Job- oder Karriereseiten, der Rest sind Dienstleister. Sie bewegen sich also zwischen zwei Antworten auf dieselbe Frage: jemanden einstellen oder jemanden beauftragen. Dieser Text nimmt die Auftraggeberperspektive ein.
Wen Sie eigentlich brauchen
In der Praxis sind die Rollen oft eine Person, in der Verantwortung aber nicht. Der Webdesigner verantwortet, wie eine Seite aussieht und sich bedienen lässt. Der Webprogrammierer verantwortet, dass daraus funktionierender Code wird: Templates, Formulare, Schnittstellen, Datenbank, Ladeverhalten. “Webentwickler” ist in Stellenanzeigen meist der weiter gefasste Begriff für dieselbe Arbeit.
Praktisch heißt das: Sobald Ihr Vorhaben etwas tun soll und nicht nur etwas zeigen, brauchen Sie diese Rolle, etwa bei einem Konfigurator, einem Buchungsformular mit Anbindung an Ihre Warenwirtschaft oder einem Login-Bereich. Bei einer reinen Visitenkartenseite brauchen Sie sie vermutlich nicht getrennt.
Was ins Briefing gehört
Schlechte Angebote sind meist eine Folge schlechter Briefings. Vier Punkte lohnen die halbe Stunde:
Nennen Sie das bestehende System beim Namen. In Stellenausschreibungen für Webprogrammierer tauchen regelmäßig Contao, Joomla, WordPress und TYPO3 als geforderte Systeme auf, und wer mit dem einen täglich arbeitet, ist mit dem anderen nicht automatisch schnell. Läuft Ihre Seite auf einem dieser Systeme, ist das die wichtigste Zeile im Briefing.
Beschreiben Sie Funktionen, nicht Lösungen: was passieren soll, nicht, wie es gebaut wird. Die technische Entscheidung ist die Leistung, die Sie einkaufen. Nennen Sie außerdem jede Schnittstelle, mit der die Website reden muss, von der Warenwirtschaft bis zum Zahlungsanbieter: Sie sind der häufigste Grund, warum Projekte teurer werden als geplant, weil sie sich vorher schwer vollständig einschätzen lassen. Und klären Sie, wer Texte und Bilder liefert. Das ist fast nie Teil des Programmierauftrags, und ungeklärt wartet am Ende jeder auf den anderen.
Angebote vergleichen, ohne Preise zu vergleichen
Die Anbieterseiten selbst helfen wenig weiter: Die ausgewerteten Wettbewerberseiten liegen zwischen 279 und 468 Wörtern, im Median bei 294, und einen konkreten Stundensatz oder Projektpreis nennt keine von ihnen. Der Verweis lautet durchgehend auf ein individuelles, kostenfreies Angebot.
Verlangen Sie deshalb eine Struktur statt einer Summe. Ein belastbares Angebot benennt den Leistungsumfang in einzelnen Positionen, sagt, was ausdrücklich nicht enthalten ist, und trennt einmalige Umsetzung von laufenden Kosten. Ein Pauschalpreis ohne Positionen ist kein günstiges Angebot, sondern ein unvergleichbares. Fragen Sie zusätzlich, was passiert, wenn sich der Umfang während des Projekts ändert, das sagt mehr über die spätere Zusammenarbeit als jede Referenzliste.
Referenzen richtig prüfen
Eine Referenz ist erst dann eine, wenn Sie sie öffnen können. Rufen Sie die genannten Seiten auf, testen Sie genau die Funktion, die Sie selbst brauchen, und prüfen Sie das Ladeverhalten auf dem Handy. Fragen Sie nach einem Projekt in vergleichbarer Größe, nicht nach dem größten, und fragen Sie bei Agenturen, wer konkret arbeiten wird.
Zu den Arbeitssprachen: Anbieter auf den vorderen Positionen nennen C-Sharp, PHP, Java, Perl, MySQL und JavaScript. Das ist kein Prüfkriterium für Sie, sondern ein Hinweis auf die Bandbreite der technischen Hintergründe. Relevant ist nur die Überschneidung mit dem, worauf Ihre Seite läuft.
Freelancer, Agentur oder eigene Stelle
| Modell | Passt, wenn | Worauf Sie achten sollten |
|---|---|---|
| Freelancer | die Aufgabe klar abgegrenzt ist und direkte Abstimmung zählt | Verfügbarkeit ist das Risiko, sichern Sie sich über Zugänge und Dokumentation ab |
| Agentur | Design, Programmierung und Betrieb aus einer Hand sinnvoll sind | Sie zahlen Koordination mit und sprechen seltener direkt mit der Person, die baut |
| Festanstellung | dauerhafter, planbarer Bedarf besteht | Sie treten in einen umkämpften Markt ein |
Wie umkämpft, zeigen die Stellenbörsen: StepStone listet unter “Web Programmierer/in” 6.228 Treffer, Indeed rund 300, karriere.at 64 offene Stellen zum selben Zeitpunkt. Für ein einzelnes Projekt ist die Festanstellung damit selten der richtige Weg.
Nach dem Launch beginnt der teure Teil
Klären Sie vor Auftragserteilung schriftlich: Wem gehören Code und Zugangsdaten, wer spielt Sicherheitsupdates ein, und wie schnell wird reagiert, wenn die Seite ausfällt. Ohne Wartungsvereinbarung veraltet ein System still, bis ein Update es umwirft. Und lassen Sie sich alle Zugänge zu Hosting, Domain und System auf Ihren eigenen Namen anlegen, das ist der Punkt, an dem ein späterer Anbieterwechsel sonst wirklich scheitert.
