Webseite kostenlos testen: was das Gratis-Kontingent abdeckt und wie Sie das Ergebnis gegenprüfen
Welche Prüfungen ein Gratis-Test wirklich abdeckt, wo sein Kontingent endet und mit welchen kostenlosen Gegenproben Sie das Ergebnis nachprüfen.

Ein kostenloser Webseiten-Test ist kein kleineres Bezahlprodukt, sondern ein Produkt mit einer eingebauten Grenze. Diese Grenze ist der eigentliche Punkt: Sie entscheidet, welchen Teil Ihrer Website Sie gratis überhaupt zu sehen bekommen und welcher Teil unsichtbar bleibt. Wer das nicht mitliest, hält am Ende einen Report mit einer Zahl in der Hand und weiß nicht, ob diese Zahl für eine Seite, für zwanzig Seiten oder für die ganze Domain gilt.
Diese Seite beantwortet deshalb zwei Fragen. Erstens: Wo genau endet das Gratis-Kontingent, und woran erkennen Sie das vor dem Test statt danach. Zweitens: Mit welchen kostenlosen Gegenproben Sie ein Testergebnis verifizieren, statt einem SEO-Score zu vertrauen.
Was ein kostenloser Test technisch überhaupt abdeckt
Die Gratis-Version eines Webseiten-Tests prüft in aller Regel das, was ein Crawler ohne Zugang zu Ihren Systemen von außen sehen kann. Das ist mehr, als viele erwarten, aber es ist klar begrenzt.
Sichtbar von außen sind: Seitentitel und Meta-Angaben, Überschriftenstruktur, Statuscodes und Weiterleitungen, interne Verlinkung im gecrawlten Ausschnitt, Bilder ohne Alternativtext, Auszeichnungen im Quelltext, Ladeverhalten und Mobilfreundlichkeit. Manche Anbieter erweitern diese Achse bewusst: Seitenreport prüft im kostenlosen Check neben SEO auch Barrierefreiheit, DSGVO und Tracking, Core Web Vitals sowie AI Readiness und vergleicht gegen mehr als 68.000 Benchmark-Domains. IONOS gruppiert seine kostenlose Analyse stattdessen in Sicherheit, Usability und Sichtbarkeit und liefert damit eine andere Prüfachse als ein reiner SEO-Check. SEORCH deckt im kostenlosen Umfang Page Speed, Core Web Vitals, OnPage, Offpage und Mobile Friendly ab.
Eine breitere Prüfachse macht ein Ergebnis allerdings nicht automatisch vollständiger. Ein Bericht kann viele Themen anreißen, ohne eines davon in die Tiefe zu prüfen. Lesen Sie deshalb zuerst den angegebenen Prüfumfang und erst danach die Fehlerliste.
Was ein externer Test nicht wissen kann
Nicht sichtbar von außen ist alles, was Zugriff auf Ihre eigenen Daten verlangt: echte Suchanfragen, echte Klicks, echte Impressionen, echte Indexierungsentscheidungen von Google.
Die Formulierung im Bericht verrät den Unterschied. „Nicht indexierbar" ist ein technisch nachvollziehbarer Befund, den ein Crawler tatsächlich erheben kann. „Nicht indexiert" wäre ohne Daten aus der Suchmaschine nur eine Vermutung. Kein externer Test kann Ihnen sagen, ob eine Seite im Index liegt. Er kann nur sagen, ob sie es dürfte. Genauso kann er einen Seitentitel bemängeln, über den die Seite seit Monaten zuverlässig Besucher gewinnt.
Wo das Kontingent endet: die vier Stellschrauben
Kostenlose Tests unterscheiden sich weniger im Prüfumfang als in vier Begrenzungen. Diese vier Stellschrauben sind die Kostenlos-Ökonomie.
Login-Pflicht
Die erste Grenze ist der Zugang. Manche Checks laufen anonym und ohne Registrierung, etwa der kostenlose SEO-Check von Seitenreport, der Website Check von Pergamon Interactive, der über 3.100 bereits getestete Seiten ausweist, oder der kostenlose SEO-Check der Online Solutions Group, der laut eigener Seitenstruktur anonym nutzbar ist. Andere verlangen eine Mailadresse, bevor der Report erscheint.
Der Unterschied ist nicht kosmetisch. Ein Test mit Login-Pflicht ist ein Lead-Generator, und der Report ist der Gegenwert für Ihre Adresse. Das macht ihn nicht schlechter, aber es erklärt, warum der Report gern mit einer Handlungsaufforderung endet. Prüfen Sie vorab drei Dinge: Ist der Bericht ohne Konto vollständig sichtbar oder nur als Vorschau? Bleibt er später abrufbar und exportierbar? Wozu stimmen Sie mit der Registrierung zu? Wer nur einmal eine Momentaufnahme braucht, fährt mit einem anonymen Check schneller. Ein Konto lohnt sich, wenn Sie Ergebnisse speichern und nach Änderungen erneut vergleichen wollen.
Anzahl geprüfter Unterseiten
Die härteste Grenze. Ein Test, der eine einzelne URL prüft, sagt nichts über Ihre Website aus, sondern über eine Seite davon. Der SEO-Schnellcheck von Seolingo prüft ausdrücklich nur eine einzelne Unterseite einer Homepage, unter anderem auf Meta-Angaben, Inhalt und WDF*IDF. Der kostenlose Check der Online Solutions Group erfasst dagegen bis zu 20 Unterseiten.
Zwischen einer Seite und zwanzig Seiten liegt ein Unterschied in der Aussage, nicht im Preis. Wenn Ihre Website 300 Seiten hat, ist auch ein Zwanziger-Crawl eine Stichprobe. Entscheidend ist zudem, welche zwanzig Seiten der Crawler nimmt: meist folgt er der Startseite in die Tiefe, also genau den Seiten, die ohnehin gut verlinkt sind. Verwaiste Seiten, alte Kampagnen-URLs und vergessene Unterverzeichnisse, bei denen die Probleme sitzen, sieht er nicht.
Notieren Sie deshalb zu jedem Report: Wie viele URLs hat die Website ungefähr, wie viele davon wurden geprüft, und fehlen ganze Bereiche wie Shop, Magazin oder Standortseiten? Erst diese drei Angaben machen aus einem allgemeinen Bericht ein einordbares Ergebnis.
Wiederholrate
Ein einzelner Test ist eine Momentaufnahme, eine Verbesserung erkennen Sie erst im Vergleich. Deshalb zählt, wie oft Sie prüfen dürfen. Manche Anbieter erlauben die Wiederholung ausdrücklich beliebig oft und dauerhaft kostenfrei, so die Online Solutions Group. Andere arbeiten mit einem Kontingent pro Konto: Seobility führt einen dauerhaft kostenlosen Basis-Tarif mit einem Kontingent von 5, während der Premium-Tarif bei 50 liegt, 49,90 EUR pro Monat kostet und 14 Tage kostenlos testbar ist.
Ein dauerhaft kostenloser Tarif und ein kostenloser Testzeitraum sind also zwei verschiedene Dinge. 14 Tage sind keine Dauerlösung, sondern ein Fenster. Wenn Sie es nutzen, legen Sie vor dem ersten Crawl fest, welche Änderung Sie messen wollen, sonst endet der Zeitraum nach der Vorher-Messung und vor der entscheidenden Kontrollmessung.
Tiefe der Backlink- und Wettbewerbsdaten
Hier ist die Gratis-Grenze am schärfsten, und sie wird am seltensten benannt. Onpage-Daten holt sich ein Anbieter mit einem eigenen Crawl, das kostet ihn wenig. Backlink- und Wettbewerbsdaten stammen aus einem laufend gepflegten Index, und dieser Index ist der teuerste Teil des Produkts. Typisch für die Gratis-Stufe sind deshalb: eine zusammengefasste Gesamtzahl, eine Handvoll Beispielverweise, keine vollständige Liste der verlinkenden Seiten, keine oder nur kurze Historie, stark begrenzte Wettbewerberdaten und fehlende Angaben zur Aktualität.
Praktische Konsequenz: Behandeln Sie Backlink-Zahlen aus einem kostenlosen Test als Größenordnung, nicht als Bestand. Auch ein Wettbewerbsvergleich bleibt unsicher, solange unklar ist, ob alle Domains mit derselben Tiefe erfasst wurden. Für eine Entscheidung reicht das nicht.
Warum ein Score kein Testergebnis ist
Fast jeder Gratis-Report mündet in eine Zahl, oft eine Prozentzahl oder eine Schulnote. Diese Zahl ist eine Zusammenfassung, keine Messung. Sie entsteht, indem der Anbieter Einzelprüfungen gewichtet, und die Gewichtung ist eine Hausmeinung. Zwei Tools können dieselbe Seite prüfen und zu deutlich verschiedenen Werten kommen, ohne dass einer von beiden falsch rechnet.
Bemerkenswert ist, dass die Anbieter das teilweise selbst sagen: SEORCH behandelt auf derselben Seite, auf der der kostenlose Check läuft, die Frage, warum ein SEO-Score nicht sinnvoll ist.
Nutzen Sie den Score deshalb als Inhaltsverzeichnis, nicht als Urteil. Interessant ist nicht die 72, sondern die Liste darunter: welche konkrete Prüfung an welcher konkreten URL durchgefallen ist, ob der Befund reproduzierbar ist und welche Wirkung nur vermutet wird. Genau diese Einzelbefunde können Sie gegenprüfen, den Score nicht.
Die drei kostenlosen Gegenproben
Ein Gratis-Report ist die Behauptung, drei kostenlose Google-Werkzeuge sind der Beleg. Zwei davon nutzen Sie ohne Anmeldung, das dritte verlangt Zugriff auf Ihre eigene Domain.
PageSpeed Insights für alles, was mit Tempo begründet wird
Wenn ein Report Ihre Ladezeit bemängelt, prüfen Sie dieselbe URL in PageSpeed Insights. Wichtig ist die Unterscheidung zwischen den Labordaten, also einer simulierten Messung, und den Felddaten aus echten Nutzerbesuchen. Ein Testtool misst typischerweise im Labor. Wenn die Felddaten der Core Web Vitals gut aussehen, ist ein schlechter Laborwert kein akutes Problem, sondern ein Hinweis auf eine ungünstige Testumgebung. Fehlen Felddaten ganz, hat die Seite zu wenige Besucher für eine Aussage, und auch das ist eine Information.
Search Console für alles, was mit Sichtbarkeit oder Indexierung begründet wird
Die Search Console ist die einzige Quelle, die Ihre eigenen Daten kennt. Sie verlangt die Berechtigung für die Property, deshalb kann kein externer Test sie ersetzen. Zwei Prüfungen genügen meist. Erstens die URL-Prüfung: Ist die bemängelte Seite indexiert, und wenn nein, mit welcher Begründung. Zweitens der Leistungsbericht: Bekommt die Seite Impressionen und Klicks. Eine Seite, die stabil Klicks liefert, ist kein Notfall, egal was ein Score sagt. Eine wichtige Seite ohne einzige Impression ist einer, auch wenn der Report sie durchwinkt.
Rich-Results-Test für alles, was mit strukturierten Daten begründet wird
Meldet ein Gratis-Check fehlende oder fehlerhafte Auszeichnungen, ist der Rich-Results-Test die maßgebliche Instanz. Er sagt nicht nur, ob Markup vorhanden ist, sondern ob Google daraus tatsächlich ein Suchergebnis mit Zusatzdarstellung bauen könnte. Markup kann syntaktisch gültig sein und trotzdem zu keinem unterstützten Rich Result passen. An diesem Unterschied scheitern viele Onpage-Meldungen.
So verifizieren Sie einen Gratis-Report in einer Sitzung
Nehmen Sie die Befundliste, nicht den Score. Sortieren Sie die Befunde in drei Stapel: Tempo, Sichtbarkeit und Indexierung, strukturierte Daten. Prüfen Sie jeden Stapel mit dem zugehörigen Werkzeug, und zwar an genau der URL, die der Report nennt. Ein gutes Ergebnis der Startseite widerlegt keinen Fehler auf einer Produktseite.
Kennzeichnen Sie danach jeden Befund als bestätigt, nicht bestätigt oder offen. Was die Gegenprobe bestätigt, ist eine Aufgabe. Was dort nicht auftaucht, ist eine Toolmeinung. Offen bleibt alles, was in keinen der drei Stapel passt, etwa Barrierefreiheit, Tracking-Hinweise oder Sicherheitsprüfungen. Solche Hinweise können berechtigt sein, sollten aber ohne unabhängige Prüfung keine weitreichende Entscheidung auslösen.
Wann das Gratis-Kontingent nicht mehr reicht
Drei Signale sprechen dafür, dass Sie an der Grenze angekommen sind. Erstens: Ihre Website hat deutlich mehr Seiten, als der kostenlose Crawl erfasst, und die Befunde wiederholen sich immer an denselben zwanzig URLs. Zweitens: Sie brauchen eine Entwicklung über Wochen, nicht eine Momentaufnahme, und Ihr Kontingent an Prüfungen ist vorher aufgebraucht. Drittens: Ihre Frage ist eine Wettbewerbs- oder Backlink-Frage, und genau dort ist die Gratis-Stufe am dünnsten.
Solange keines dieser drei Signale zutrifft, ist ein kostenloser Test plus die drei Gegenproben eine ehrliche Grundlage. Die Geschwindigkeit spricht ohnehin dafür: Rankeffect stellt für seinen kostenlosen SEO Check ein Ergebnis innerhalb von rund einer Minute in Aussicht. Eine Minute für die Behauptung, eine halbe Stunde für den Beleg. Diese halbe Stunde ist der Teil, der zählt.
