ONMA Ratgeber

Webseiten-Rating erstellen: Eine Website ganzheitlich und nachvollziehbar bewerten

Sie lernen, wie Sie ein Webseiten-Rating mit gewichteter Matrix erstellen, anwenden und daraus konkrete Verbesserungen ableiten.

Frau vor einer Wand mit bunten Haftnotizen, davor sechs Personen mit Laptops an einem Besprechungstisch

Ein Webseiten-Rating fasst die Qualität einer einzelnen Website in einer nachvollziehbaren Bewertung zusammen. Es betrachtet nicht nur technische Messwerte, sondern auch Inhalte, Vertrauenswürdigkeit, Bedienbarkeit, Barrierefreiheit und Sicherheit. Das Ergebnis ist eine belastbare Standortbestimmung, aus der sich konkrete Verbesserungen ableiten lassen.

Damit ein Rating aussagekräftig ist, braucht es drei Dinge: klar definierte Kriterien, eine transparente Gewichtung und eine einheitliche Bewertungsmethode. Eine bloße Schulnote nach persönlichem Eindruck genügt nicht. Ebenso wenig sollte ein einzelner automatisch erzeugter Score mit der Gesamtqualität der Website gleichgesetzt werden.

Was ist ein Webseiten-Rating?

Ein Webseiten-Rating ist die strukturierte Bewertung einer Website anhand einer gewichteten Kriterienmatrix. Die Prüferin oder der Prüfer untersucht dabei eine konkrete Website, dokumentiert Beobachtungen und vergibt Punkte für festgelegte Qualitätsmerkmale.

Das Rating beantwortet beispielsweise folgende Fragen:

  • Erfüllen die Inhalte die erkennbaren Bedürfnisse der Zielgruppe?
  • Können Besucher wichtige Aufgaben ohne unnötige Hindernisse erledigen?
  • Ist nachvollziehbar, wer hinter der Website und ihren Aussagen steht?
  • Ist die Website für Menschen mit unterschiedlichen Einschränkungen zugänglich?
  • Funktioniert sie auf verschiedenen Geräten zuverlässig?
  • Werden Daten und Verbindungen angemessen geschützt?

Der Gesamtwert dient als verdichtete Orientierung. Entscheidend bleiben jedoch die Einzelbewertungen und ihre Begründungen. Zwei Websites können denselben Gesamtwert erreichen, obwohl ihre Stärken und Schwächen vollkommen unterschiedlich verteilt sind.

Ein Webseiten-Rating ist deshalb kein Suchmaschinenranking. Es zeigt weder eine Position bei Google noch prognostiziert es diese. Auch ein SEO-Score oder die Punktzahl eines technischen Prüfdienstes ersetzt keine ganzheitliche Qualitätsbewertung. Google selbst empfiehlt, die Seitenerfahrung nicht auf einen oder zwei Messwerte zu reduzieren. Gute Werte in Core-Web-Vitals-Berichten oder Drittanbieter-Werkzeugen garantieren zudem keine Spitzenposition in der Suche.

Die sechs Bereiche einer belastbaren Bewertungsmatrix

Für eine ausgewogene Prüfung bietet sich eine Matrix mit sechs Bereichen an:

BewertungsbereichGewicht
Inhalt und Nutzerorientierung25 Prozent
Vertrauen und Transparenz20 Prozent
Bedienbarkeit20 Prozent
Barrierefreiheit15 Prozent
Technik und Zuverlässigkeit10 Prozent
Sicherheit und Datenschutz10 Prozent
Gesamt100 Prozent

Diese Gewichtung ist ein anbieterneutraler Ausgangspunkt. Sie priorisiert die tatsächliche Qualität für Menschen, ohne technische Grundlagen oder Sicherheitsfragen zu vernachlässigen.

Je nach Website-Typ darf die Gewichtung angepasst werden. Bei einem Online-Shop können Sicherheit, Transaktion und Bedienbarkeit stärker zählen. Bei einem medizinischen Informationsangebot sind inhaltliche Qualität, Quellen und fachliche Verantwortung besonders wichtig. Änderungen sollten vor der Prüfung festgelegt und im Ergebnis offengelegt werden. Nachträgliche Anpassungen würden die Vergleichbarkeit und Glaubwürdigkeit beeinträchtigen.

Einheitliche Punkteskala festlegen

Für jedes Kriterium eignet sich eine Skala von 0 bis 5 Punkten:

PunkteBedeutung
0Nicht vorhanden, nicht funktionsfähig oder gravierend mangelhaft
1Sehr schwach, wesentliche Anforderungen bleiben unerfüllt
2Schwach, mehrere deutliche Mängel
3Solide, grundlegende Anforderungen sind erfüllt
4Gut, nur kleinere Schwächen
5Sehr gut, konsequent und überzeugend umgesetzt

Eine klare Definition verhindert, dass Punkte allein aus dem Bauch heraus vergeben werden. Die Höchstwertung sollte nicht für bloße Fehlerfreiheit stehen, sondern für eine besonders durchdachte Umsetzung. Drei Punkte bedeuten entsprechend nicht mittelmäßig, sondern eine solide Erfüllung der Anforderungen.

Für eine feinere Abstufung sind halbe Punkte möglich. Mehr Nachkommastellen erzeugen dagegen meist nur Scheingenauigkeit.

1. Inhalt und Nutzerorientierung bewerten

Inhalte erhalten mit 25 Prozent das höchste Gewicht, weil sie den eigentlichen Nutzen vieler Websites bestimmen. Bewertet wird nicht die bloße Textmenge, sondern ob die Seite ihre Aufgabe für die vorgesehene Zielgruppe erfüllt.

Geeignete Kriterien sind:

  • Zweck und Zielgruppe sind schnell erkennbar.
  • Zentrale Fragen werden vollständig und verständlich beantwortet.
  • Aussagen sind konkret, korrekt und aktuell.
  • Inhalte besitzen einen erkennbaren eigenen Wert.
  • Quellen, Autorenschaft und Aktualisierungsstand sind angegeben, wenn sie für die Beurteilung relevant sind.
  • Überschriften und Absätze bilden eine verständliche Informationsstruktur.
  • Handlungsaufforderungen passen zum Inhalt und führen nachvollziehbar weiter.
  • Werbung oder Eigenwerbung verdrängt den Hauptinhalt nicht.

Bei fachlich sensiblen Themen steigen die Anforderungen. Gesundheitsinformationen, finanzielle Empfehlungen oder rechtliche Erläuterungen benötigen besonders klare Quellen, Verantwortlichkeiten und Grenzen.

Auch Google beschreibt hilfreiche, zuverlässige und für Menschen erstellte Inhalte als wesentlich. Als Prüffragen nennt das Unternehmen unter anderem Originalität, Vollständigkeit, klare Quellen und erkennbare Expertise. Diese Gesichtspunkte sind auch außerhalb der Suchmaschinenoptimierung nützlich, weil sie die inhaltliche Verlässlichkeit einer Seite betreffen.

2. Vertrauen und Transparenz prüfen

Eine professionell gestaltete Website ist nicht automatisch vertrauenswürdig. Besucher müssen beurteilen können, wer das Angebot verantwortet, welche Interessen bestehen und wie belastbar die dargestellten Aussagen sind.

Zu prüfen sind insbesondere:

  • Betreiber und verantwortliche Organisation sind eindeutig erkennbar.
  • Kontaktmöglichkeiten sind leicht zu finden und plausibel.
  • Autorinnen, Autoren oder fachlich Verantwortliche werden genannt.
  • Quellen und Belege sind nachvollziehbar zugeordnet.
  • Veröffentlichungsdatum und Aktualisierungen werden bei zeitabhängigen Inhalten kenntlich gemacht.
  • Preise, Bedingungen und mögliche Zusatzkosten sind transparent.
  • Werbung, Partnerschaften und Interessenkonflikte sind gekennzeichnet.
  • Bewertungen, Gütesiegel und Referenzen können überprüft werden.
  • Rechtlich erforderliche Informationen sind auffindbar und verständlich eingebunden.

Das Rating sollte zwischen fehlenden Vertrauenssignalen und konkreten Warnsignalen unterscheiden. Ein nicht genanntes Veröffentlichungsdatum ist ein Mangel. Widersprüchliche Unternehmensangaben, erfundene Referenzen oder irreführende Knappheitshinweise wiegen deutlich schwerer.

Bei einem gravierenden Täuschungsversuch kann zusätzlich eine Bewertungsgrenze gelten. So lässt sich festlegen, dass eine Website trotz guter Gestaltung insgesamt nicht mehr als 40 von 100 Punkten erreichen kann, wenn zentrale Angaben nachweislich irreführend sind.

3. Bedienbarkeit anhand echter Aufgaben testen

Bedienbarkeit lässt sich am besten anhand konkreter Nutzungssituationen beurteilen. Statt nur Navigationselemente zu zählen, sollte die prüfende Person typische Aufgaben durchführen.

Je nach Angebot können das folgende Aufgaben sein:

  • eine bestimmte Information finden
  • einen Kontaktweg auswählen
  • ein Produkt suchen und bestellen
  • einen Termin vereinbaren
  • ein Formular ausfüllen
  • eine Einstellung ändern
  • einen Vorgang abbrechen oder korrigieren

Bewertet werden Orientierung, Verständlichkeit und Aufwand. Wichtige Fragen sind:

  • Ist auf jeder Seite erkennbar, wo man sich befindet?
  • Sind Navigation und Bezeichnungen konsistent?
  • Lassen sich zentrale Funktionen ohne Umwege erreichen?
  • Sind Schaltflächen und Links eindeutig beschriftet?
  • Erhalten Nutzer verständliche Rückmeldungen auf ihre Aktionen?
  • Helfen Fehlermeldungen bei der Korrektur?
  • Funktionieren Formulare ohne vermeidbare Dateneingaben?
  • Bleiben wichtige Funktionen auf kleinen Bildschirmen nutzbar?
  • Stören Pop-ups oder Einblendungen die eigentliche Aufgabe?

Google nennt für eine gute Seitenerfahrung ebenfalls eine funktionierende mobile Darstellung, zurückhaltende Werbung und den Verzicht auf störende Interstitials. Für das Webseiten-Rating sind diese Punkte nicht wegen eines möglichen Sucheffekts relevant, sondern weil sie den Zugang zu Informationen und Funktionen unmittelbar beeinflussen.

4. Barrierefreiheit manuell untersuchen

Barrierefreiheit darf nicht auf einen automatischen Test reduziert werden. Automatische Prüfungen können beispielsweise fehlende Alternativtexte oder bestimmte Kontrastprobleme erkennen. Sie können aber nicht zuverlässig beurteilen, ob ein Alternativtext sinnvoll ist, die Tastaturreihenfolge logisch wirkt oder eine Fehlermeldung verständlich formuliert wurde.

Die Web Content Accessibility Guidelines 2.2 ordnen Barrierefreiheit vier Prinzipien zu: wahrnehmbar, bedienbar, verständlich und robust. Die Konformitätsprüfung ist ausdrücklich als Kombination aus automatisierten Tests und menschlicher Bewertung angelegt.

Eine manuelle Stichprobe sollte mindestens Folgendes umfassen:

  • Die Seite lässt sich vollständig mit der Tastatur bedienen.
  • Der Tastaturfokus ist jederzeit sichtbar.
  • Überschriften bilden eine logische Hierarchie.
  • Bilder besitzen passende Alternativtexte, sofern sie Informationen vermitteln.
  • Formulare haben verständliche Beschriftungen und Fehlermeldungen.
  • Text und Bedienelemente weisen ausreichende Kontraste auf.
  • Informationen werden nicht ausschließlich durch Farbe vermittelt.
  • Inhalte bleiben bei starker Vergrößerung lesbar und bedienbar.
  • Videos besitzen bei Bedarf Untertitel oder Alternativen.
  • Bewegte Inhalte lassen sich pausieren oder vermeiden.
  • Links und Schaltflächen haben verständliche Namen.
  • Die Struktur kann von assistiven Technologien sinnvoll interpretiert werden.

Ein vollständiges Konformitätsaudit ist deutlich umfangreicher als ein allgemeines Webseiten-Rating. Der Bericht muss daher offenlegen, welche Seiten, Komponenten und Erfolgskriterien geprüft wurden. Eine kleine Stichprobe darf nicht als Nachweis vollständiger Barrierefreiheit bezeichnet werden.

5. Technik und Zuverlässigkeit einordnen

Der technische Bereich beurteilt, ob die Website unter realistischen Bedingungen stabil funktioniert. Dazu gehören verschiedene Geräte, Browser, Bildschirmgrößen und Verbindungssituationen.

Relevante Prüfpunkte sind:

  • Seiten und Funktionen laden zuverlässig.
  • Das Layout passt sich unterschiedlichen Bildschirmgrößen an.
  • Interaktive Elemente reagieren erwartungsgemäß.
  • Bilder, Downloads und eingebettete Medien funktionieren.
  • Fehlermeldungen werden kontrolliert und verständlich dargestellt.
  • Inhalte springen beim Laden nicht störend.
  • Eingaben bleiben bei vermeidbaren Fehlern erhalten.
  • Die Website funktioniert in aktuellen verbreiteten Browsern.
  • Abhängigkeiten von Skripten oder externen Diensten führen nicht zu gravierenden Ausfällen.

Leistungswerte können die manuelle Beurteilung ergänzen. Zu den Core Web Vitals gehören LCP für die Ladeleistung, INP für die Reaktionsfähigkeit und CLS für die visuelle Stabilität. Als gut gelten ein LCP von höchstens 2,5 Sekunden, ein INP von höchstens 200 Millisekunden und ein CLS von höchstens 0,1. Maßgeblich ist jeweils das 75. Perzentil der Seitenaufrufe.

Diese Werte sind hilfreiche Indikatoren, aber kein vollständiges Qualitätsurteil. Eine schnell ladende Website kann inhaltlich wertlos oder kaum bedienbar sein. Umgekehrt kann eine grundsätzlich gute Website wegen eines einzelnen langsamen Elements einen schwächeren Messwert erhalten. Im Rating sollten Messdaten deshalb als Beleg innerhalb des technischen Bereichs dienen, nicht als Ersatz für die Gesamtprüfung.

6. Sicherheit und Datenschutz bewerten

Eine allgemeine manuelle Bewertung ersetzt weder einen Penetrationstest noch eine juristische Datenschutzprüfung. Trotzdem lassen sich wichtige Sicherheits- und Datenschutzmerkmale nachvollziehbar untersuchen.

Dazu zählen:

  • Die Website wird verschlüsselt über HTTPS bereitgestellt.
  • Browser zeigen keine offensichtlichen Zertifikatswarnungen.
  • Formulare fragen nur nachvollziehbar benötigte Daten ab.
  • Sensible Eingaben werden nicht ungeschützt übertragen.
  • Datenschutzhinweise sind auffindbar und verständlich zugeordnet.
  • Einwilligungen werden nicht durch irreführende Gestaltung erzwungen.
  • Ablehnen und Widerrufen sind ohne unangemessene Hürden möglich.
  • Externe Inhalte und Datenübertragungen werden transparent behandelt.
  • Anmelde-, Zahlungs- und Wiederherstellungsprozesse wirken plausibel abgesichert.
  • Veraltete oder unsichere Komponenten sind nicht offensichtlich erkennbar.

Besonders schwere Sicherheitsmängel sollten nicht in einem Durchschnittswert verschwinden. Eine unverschlüsselte Übertragung von Zugangsdaten kann deshalb als Ausschlusskriterium behandelt werden. Der Bericht weist dann trotz rechnerischer Gesamtpunktzahl auf einen kritischen Handlungsbedarf hin.

So wird der Gesamtwert berechnet

Zunächst wird für jeden Bereich der Mittelwert seiner Einzelkriterien gebildet. Anschließend wird dieser Wert auf 100 Punkte normiert und mit dem Bereichsgewicht multipliziert.

Beispiel:

BereichErgebnisGewichtGewichtete Punkte
Inhalt4,0 von 525 Prozent20,0
Vertrauen3,0 von 520 Prozent12,0
Bedienbarkeit3,5 von 520 Prozent14,0
Barrierefreiheit2,0 von 515 Prozent6,0
Technik4,0 von 510 Prozent8,0
Sicherheit3,5 von 510 Prozent7,0
Gesamt100 Prozent67,0

Die Beispielwebsite erreicht somit 67 von 100 Punkten.

Eine mögliche Interpretation lautet:

  • 90 bis 100 Punkte: ausgezeichnet
  • 75 bis 89 Punkte: gut
  • 60 bis 74 Punkte: solide, aber mit deutlichem Verbesserungspotenzial
  • 40 bis 59 Punkte: schwach
  • 0 bis 39 Punkte: kritisch

Die Klassen sollten nicht überinterpretiert werden. Ob 74 oder 75 Punkte erreicht werden, ist weniger wichtig als die Frage, welche Mängel Besucher tatsächlich behindern oder gefährden.

Auswahl der Prüfseiten und Testsituationen

Bei einer kleinen Website kann jede Seite geprüft werden. Bei umfangreichen Angeboten ist eine repräsentative Stichprobe erforderlich. Sie sollte verschiedene Seitentypen und Nutzungssituationen abdecken:

  • Startseite
  • zentrale Inhaltsseite
  • Übersichts- oder Kategorieseite
  • Kontaktseite
  • Formular oder Transaktionsstrecke
  • Seite mit Bildern, Video oder interaktiven Komponenten
  • rechtliche und datenschutzbezogene Informationen
  • mindestens eine mobile Darstellung

Die Prüfung sollte unter dokumentierten Bedingungen stattfinden. Dazu gehören Datum, verwendete Geräte, Browser, Bildschirmgrößen, Anmeldestatus und gegebenenfalls Nutzerkonto oder Spracheinstellung.

Dynamische Websites verändern sich. Ein Rating ist daher eine Momentaufnahme mit einem klar genannten Prüfzeitpunkt.

Beobachtungen nachvollziehbar dokumentieren

Jede Bewertung sollte aus vier Bestandteilen bestehen:

  1. Kriterium
  2. Beobachtung
  3. Beleg
  4. Punktwert und Begründung

Statt „Navigation schlecht, 2 Punkte“ sollte der Bericht beispielsweise festhalten: „Auf der mobilen Produktseite verdeckt das geöffnete Menü den Schließen-Button bei einer Breite von 320 Pixeln. Das Menü kann nur über die Zurück-Funktion des Browsers verlassen werden. Bewertung: 2 von 5 Punkten.“

Screenshots, Seitenadressen und kurze Ablaufbeschreibungen erhöhen die Nachprüfbarkeit. Personenbezogene oder vertrauliche Daten sollten dabei entfernt werden.

Ergebnisse richtig interpretieren und priorisieren

Ein Gesamtwert schafft Übersicht, beantwortet aber noch nicht, was zuerst verbessert werden sollte. Für die Priorisierung empfiehlt sich eine zusätzliche Einteilung:

  • Kritisch: Sicherheitsrisiko, Täuschung oder vollständige Blockade einer zentralen Aufgabe
  • Hoch: Viele Nutzer können ein wichtiges Ziel nur eingeschränkt erreichen
  • Mittel: Deutliche Qualitätsminderung ohne vollständige Blockade
  • Niedrig: kleinere Inkonsistenz oder Optimierungsmöglichkeit

Die Reihenfolge ergibt sich aus Schwere, Reichweite und Umsetzungsaufwand. Ein leicht zu behebendes Problem, das auf jeder Seite auftritt, kann wichtiger sein als ein auffälliger Einzelfehler auf einer selten besuchten Unterseite.

Auch Zielkonflikte gehören in die Interpretation. Zusätzliche Sicherheitsschritte können einen Vorgang verlängern. Große Medien können den Inhalt verbessern, aber die technische Belastung erhöhen. Ein gutes Rating macht solche Abwägungen sichtbar, statt sie durch eine Punktzahl zu verdecken.

Häufige Fehler bei Webseiten-Ratings

Ein Rating verliert an Aussagekraft, wenn Kriterien unklar bleiben oder während der Prüfung verändert werden. Weitere typische Fehler sind:

  • persönlicher Geschmack wird als Qualitätsmaßstab verwendet
  • automatisierte Ergebnisse werden ungeprüft übernommen
  • nur die Startseite wird untersucht
  • mobile Nutzung wird nicht getestet
  • Barrierefreiheit wird auf Alternativtexte reduziert
  • alle Mängel werden gleich schwer gewichtet
  • kritische Sicherheitsprobleme verschwinden im Durchschnitt
  • Punktwerte werden ohne Beobachtungen und Belege veröffentlicht
  • verschiedene Websites werden mit unterschiedlichen Maßstäben bewertet
  • der Gesamtwert wird mit einem Google-Ranking verwechselt

Wer mehrere Prüfer einsetzt, sollte zunächst dieselben Beispielseiten unabhängig bewerten. Anschließend werden Abweichungen besprochen und die Bewertungsregeln geschärft. Dieser Kalibrierungsschritt erhöht die Übereinstimmung und macht spätere Wiederholungen belastbarer.

Fazit: Die Matrix ist nur so gut wie ihre Anwendung

Ein aussagekräftiges Webseiten-Rating verbindet eine transparente Gewichtung mit manueller Prüfung, nachvollziehbaren Belegen und klaren Bewertungsregeln. Inhalt, Vertrauen, Bedienbarkeit, Barrierefreiheit, Technik und Sicherheit werden gemeinsam betrachtet, ohne einen einzelnen Messwert zum universellen Qualitätsurteil zu erklären.

Der Gesamtwert erleichtert die Orientierung. Der eigentliche Nutzen entsteht jedoch durch das dokumentierte Qualitätsprofil: Es zeigt, was bereits gut funktioniert, welche Probleme Menschen konkret betreffen und welche Verbesserungen zuerst umgesetzt werden sollten. Wird dieselbe Matrix nach einer Überarbeitung erneut angewendet, lässt sich außerdem nachvollziehen, ob sich die Website tatsächlich verbessert hat.