ONMA Ratgeber

Website Hits: warum diese Zahl keine Besucherzahl ist

Ein Hit zählt eine Serveranfrage, kein Publikum. Hier steht, warum ein Seitenaufruf dutzende Hits erzeugt und welche Kennzahl die Hit-Zahl ersetzt.

Zwei Männer arbeiten in einem hellen Büro nebeneinander am Laptop, auf dem Bildschirm Programmcode

Ein Hit ist eine einzelne Anfrage, die ein Webserver beantwortet und in seinem Logfile protokolliert: ein HTML-Dokument, ein Bild, eine CSS-Datei, ein Skript, eine Schriftart. Weil eine einzige Seite viele solcher Dateien nachlädt, erzeugt ein Seitenaufruf regelmäßig ein Vielfaches an Hits. Wer eine alte Hit-Zahl vor sich hat, liest deshalb keine Besucherzahl, sondern eine Summe technischer Zugriffe.

Diese Seite klärt, was genau gezählt wird, warum die Zahl systematisch nach oben verzerrt, wie sie sich von Seitenaufruf, Sitzung und Nutzer unterscheidet, und welche Kennzahl an ihre Stelle gehört.

Was ein Hit im Logfile technisch ist

Der Browser fordert beim Öffnen einer Seite zuerst das HTML-Dokument an. Anschließend fordert er alles nach, was im Dokument referenziert ist. Jede dieser Anfragen ist ein eigener Request und damit ein eigener Hit. Typischerweise entstehen Hits durch:

  • HTML-Dokumente und dynamisch erzeugte Seiten
  • Bilder, Grafiken und Icons
  • CSS-Dateien und JavaScript-Dateien
  • Webfonts und Favicons
  • Video- und Audiodateien
  • API-Aufrufe und Tracking-Pixel
  • Weiterleitungen und Fehlerseiten

Der letzte Punkt ist der wichtigste und der am häufigsten übersehene: Auch eine nicht gefundene Datei, eine abgebrochene Übertragung oder eine Umleitung erscheint als Zeile im Logfile. Ein Hit belegt also, dass eine Anfrage gestellt wurde, nicht dass ein Mensch etwas gesehen hat.

Hinzu kommt, dass der Umfang der Zähleinheit vom System abhängt. Werden Bilder über ein Content Delivery Network ausgeliefert, fehlen diese Anfragen im Logfile des Ursprungsservers. Ressourcen aus dem Browser-Cache lösen gar keine neue Serveranfrage aus. Zwei Websites mit identischer Nutzung können deshalb sehr unterschiedliche Hit-Zahlen ausweisen.

Ein Hit ist auch kein genormtes Zählverfahren. Für den deutschen Markt sind Page Impressions und Visits über die IVW-Richtlinien als Zählverfahren definiert und prüfbar. Für Hits existiert keine solche Definition. Was in einem Report als Hit gilt, entscheidet die Software, die das Logfile ausgewertet hat.

Warum ein Seitenaufruf viele Hits erzeugt

Eine Beispielseite mit Bildern, Stylesheets und Skripten:

Angeforderte RessourceAnzahl der Hits
HTML-Dokument1
Stylesheets3
JavaScript-Dateien6
Bilder12
Schriftdateien2
Favicon1
Gesamt25

Ein Seitenaufruf, 25 Hits. Das Verhältnis ist aber keine Konstante, sondern eine Eigenschaft des Seitenaufbaus. Eine schlanke Textseite kommt mit einer Handvoll Requests aus, eine medienreiche Startseite mit eingebundenen externen Komponenten kann ein Mehrfaches auslösen. Innerhalb derselben Website unterscheiden sich Seitentypen deutlich.

Daraus folgt die eigentliche Schwäche der Kennzahl: Sie reagiert auf Technik, nicht auf Nachfrage. Werden mehrere CSS-Dateien zusammengefasst, sinkt die Hit-Zahl. Werden zusätzliche Bildvarianten für verschiedene Bildschirmgrößen ausgeliefert, steigt sie. In beiden Fällen hat sich am Nutzerverhalten nichts geändert. Eine Hit-Kurve über die Zeit kann also einen Relaunch abbilden statt einen Trend.

Hit, Seitenaufruf, Sitzung, Nutzer: vier verschiedene Ebenen

KennzahlWas gezählt wirdWozu die Zahl taugt
HitEine einzelne beantwortete ServeranfrageTechnische Serveraktivität
SeitenaufrufEine geladene beziehungsweise angezeigte SeiteNutzung einzelner Inhalte
SitzungEine zusammenhängende Folge von InteraktionenAnzahl der Besuche
NutzerEine als eigenständig erkannte Person oder InstanzAnnäherung an die Reichweite

Hit. Kleinste Einheit, gebunden an eine Datei oder Ressource. Bots, Crawler und Monitoring-Dienste erzeugen sie genauso wie Menschen.

Seitenaufruf. Auch Pageview oder Page Impression genannt. Gezählt wird die Seite, nicht das, was sie nachlädt. Wer fünf Seiten besucht, erzeugt fünf Seitenaufrufe und leicht über hundert Hits.

Sitzung. Fasst zusammenhängende Interaktionen zu einem Besuch zusammen. Nach einer definierten Zeit ohne Aktivität beginnt üblicherweise eine neue Sitzung. Die Sitzung beantwortet nicht, wie viele Seiten geladen wurden, sondern wie oft jemand vorbeigekommen ist.

Nutzer. Soll wiederkehrende Interaktionen derselben Person oder desselben Geräts bündeln. Eine exakte Personenzählung ist das nicht: Einwilligungen, gelöschte Cookies, mehrere Browser und mehrere Geräte verschieben den Wert.

Die vier Ebenen stapeln sich. Ein Nutzer kann mehrere Sitzungen erzeugen, eine Sitzung mehrere Seitenaufrufe enthalten, ein Seitenaufruf mehrere Hits auslösen. Jede Ebene nach unten vervielfacht die Zahl, ohne dass mehr Menschen beteiligt wären.

Warum die Zahl systematisch überzeichnet

Die Verzerrung entsteht nicht zufällig, sondern immer in dieselbe Richtung, aus vier unabhängigen Gründen:

  1. Gezählt wird die Anfrage, nicht der Mensch.
  2. Jeder Seitenaufruf löst mehrere Anfragen aus, oft zweistellig.
  3. Automatisierte Zugriffe durch Bots, Crawler, Uptime-Checks und Sicherheitsscanner laufen im selben Logfile mit.
  4. Fehlgeschlagene Anfragen zählen mit, obwohl sie niemandem etwas angezeigt haben.

Deshalb scheitert auch der naheliegende Rettungsversuch, eine alte Hit-Zahl mit einem Pauschalfaktor in Seitenaufrufe umzurechnen. Die Annahme, 20 Hits entsprächen einem Seitenaufruf, unterstellt ein festes Verhältnis, das es nicht gibt: Es schwankt zwischen Seitentypen, verändert sich mit jedem technischen Umbau und wird von Caching, CDN-Auslieferung und Bot-Anteil zusätzlich verschoben. Aus Hits lassen sich Seitenaufrufe, Sitzungen oder Nutzer nachträglich nicht rekonstruieren. Dafür bräuchte es die Rohdaten, also Statuscodes, Ressourcentypen und User-Agents.

Eine alte Hit-Zahl bleibt damit höchstens ein technischer Aktivitätswert innerhalb desselben Messsystems. Selbst ein Vergleich zweier Jahre trägt nur, wenn Seitenaufbau und Protokollierung dazwischen unverändert geblieben sind.

Welche Kennzahl stattdessen

Die Ersatzkennzahl richtet sich nach der Frage:

  • Wie oft wurde ein Inhalt abgerufen? Seitenaufrufe.
  • Wie viele Besuche gab es? Sitzungen.
  • Wie viele unterscheidbare Personen ungefähr? Nutzer.
  • Wie stark ist der Server belastet? Requests, Statuscodes, übertragenes Datenvolumen und Antwortzeiten. Hier ist die Anfrageebene die richtige, aber differenziert und nicht als eine Gesamtsumme.

Ein Punkt zur Datenherkunft, der bei alten Zahlen oft mitschwingt: Am eigenen Server gemessene Werte und von außen geschätzte Werte sind nicht dasselbe. Externe Traffic-Schätzungen weichen systematisch von der eigenen Messung ab und je nach Anbieter auch voneinander, für kleinere Websites liefern sie teilweise gar keine Daten. Wer eine Hit-Zahl aus dem eigenen Logfile mit einer Schätzung von außen vergleicht, vergleicht zwei verschiedene Erhebungsarten und dazu zwei verschiedene Zähleinheiten.

Grenzfälle: Traffic und Impressions

Website-Traffic ist im Online-Marketing der Oberbegriff für den Datenverkehr und die Zugriffe auf eine Internetpräsenz und wird üblicherweise über die Menschen beschrieben, die eine Seite in einem Zeitraum besuchen, nicht über einzelne Dateiabrufe. Gängig ist außerdem die Trennung nach Herkunft, etwa organischer und bezahlter Traffic. Hits sind darin nur die technische Unterschicht. Der Satz “Die Website hatte 500.000 Hits” benennt eine Menge Serveranfragen und sonst nichts.

Impressions wiederum zählen die Einblendung einer Anzeige oder eines Suchergebnisses, also Sichtbarkeit vor dem Klick, und haben mit Anfragen an den eigenen Webserver nichts zu tun.

Woran man eine Hit-Zahl im Report erkennt

Alte Hosting- und Logfile-Auswertungen haben Hits gern als Erfolgswert nach vorn gestellt. Erkennungsmerkmale:

  • Die Zahl liegt um ein Vielfaches über den ausgewiesenen Seitenaufrufen.
  • Daneben stehen Spalten wie Files, Pages, Visits oder Sites.
  • Bilder, CSS-Dateien und Fehlercodes werden separat aufgeschlüsselt.
  • Die Daten stammen erkennbar aus einer Logfile-Analyse und nicht aus einem Analytics-Tag.
  • Der Wert springt nach einem Relaunch, während Sitzungen und Seitenaufrufe stabil bleiben.

Genau hier liegt die praktische Abkürzung: Steht im selben Report eine Spalte “Pages” oder “Visits”, enthält der Report die brauchbare Zahl bereits. Pages entspricht der Seitenaufrufebene, Visits der Sitzungsebene. Man muss die Hits also nicht umrechnen, sondern nur die richtige Spalte lesen. Maßgeblich ist immer die Definition des jeweiligen Systems, denn der Name einer Kennzahl garantiert keine einheitliche Messmethode.

Fazit

Hits zählen Requests, nicht Besucher. Weil ein Seitenaufruf viele Ressourcen nachlädt und weil Bots und Fehleranfragen mitzählen, liegt die Zahl zwangsläufig über jeder Nutzungsgröße und lässt sich nicht in eine zurückrechnen. Für Inhalte gehören Seitenaufrufe in den Report, für Besuche Sitzungen, für die ungefähre Reichweite Nutzer. Hits bleiben, was sie immer waren: eine Kennzahl für die technische Auswertung des Servers.