Zertifizierte AdWords Agentur: welche Nachweise es gibt und wie Sie sie selbst prüfen
Zertifikat, Partner Badge und Premier Status: was jeder Nachweis misst, wann er abläuft und wie Sie den Status im Partnerverzeichnis selbst prüfen.
Wenn eine Agentur mit dem Zusatz “zertifizierte AdWords Agentur” wirbt, steht dahinter kein einheitliches Siegel, sondern ein ganzes Bündel unterschiedlicher Nachweise: personengebundene Prüfungszertifikate, ein kontogebundenes Partner-Badge und in seltenen Fällen ein jährlich vergebener Premier-Status. Diese Nachweise messen verschiedene Dinge, laufen unterschiedlich schnell ab und lassen sich unterschiedlich gut überprüfen. Dieser Text ordnet sie ein, benennt die messbaren Kriterien dahinter und zeigt den Weg, mit dem Sie den aktuellen Status einer Agentur in wenigen Minuten unabhängig von deren Website nachschlagen. Am Ende steht der wichtigste Punkt: was ein Zertifikat nachweislich nicht belegt.
AdWords oder Google Ads: warum der Name des Nachweises zählt
Google hat AdWords am 24. Juli 2018 in Google Ads umbenannt. Seitdem heißt der Nachweis offiziell Google Ads Zertifizierung. Eine “AdWords Zertifizierung” im Wortsinn wird seit dieser Umbenennung nicht mehr ausgestellt.
Für die Prüfung ist das ein brauchbares erstes Signal, aber kein Urteil. Der Begriff AdWords hält sich im Sprachgebrauch hartnäckig, viele Agenturen bedienen ihn bewusst, weil Interessenten weiterhin danach suchen. Wenn allerdings ein abgebildetes Zertifikat selbst noch auf “AdWords” lautet, ist das Dokument mindestens aus der Zeit vor Juli 2018 und damit nach den geltenden Gültigkeitsregeln längst abgelaufen. Das ist prüfbar, ohne dass Sie fachlich urteilen müssen: Sie schauen auf das Ausstellungsdatum.
Zwei Nachweisarten, die regelmäßig verwechselt werden
Der häufigste Denkfehler bei diesem Thema: Zertifikat und Badge werden als dasselbe behandelt. Sie hängen an verschiedenen Objekten.
| Merkmal | Google Ads Zertifizierung | Google Partner Badge |
|---|---|---|
| Gebunden an | eine einzelne Person | ein Google Ads Manager-Konto der Agentur |
| Erwerb | bestandene Prüfung auf Google Skillshop | Erfüllung von drei Konto-Anforderungen |
| Aussage | diese Person hat eine Wissensprüfung bestanden | dieses Konto erfüllt Schwellenwerte für Zertifikatsquote, Optimierung und Ausgaben |
| Wandert bei Jobwechsel | mit der Person | bleibt beim Konto der Agentur |
| Prüfbar über | Zertifikatsnachweis der Person | öffentliches Partnerverzeichnis von Google |
Die praktische Folge dieser Trennung: Eine Agentur kann fünf zertifizierte Mitarbeitende beschäftigen und trotzdem kein Partner-Badge führen. Umgekehrt sagt ein Badge nichts darüber, ob die Person, die Ihr Konto später betreut, selbst ein gültiges Zertifikat besitzt. Und ein Zertifikat verlässt das Haus, sobald die Person kündigt, während das Badge am Konto bleibt.
Was hinter dem Personenzertifikat steht
Die Zertifizierungsprüfungen werden kostenlos über Googles Lernplattform Skillshop abgelegt. Es gibt sie für mehrere Bereiche, unter anderem Suchnetzwerk, Displaynetzwerk, Video, Shopping, Apps, Messung und KI-gestützte Performance (Performance Max).
Messbar sind daran drei Dinge:
- Bestehensgrenze: 80 Prozent richtige Antworten.
- Gültigkeit: die Standardgültigkeit beträgt 12 Monate, danach muss die Prüfung erneut abgelegt werden.
- Umfang: jedes Zertifikat gilt nur für seinen Bereich. Ein Suchnetzwerk-Zertifikat belegt nichts über Shopping oder Video.
Der letzte Punkt ist der, der beim Gespräch am meisten trägt. Wenn Ihr Vorhaben ein Shopping-Vorhaben ist, ist ein Suchnetzwerk-Zertifikat schlicht ein Nachweis für eine andere Prüfung. Fragen Sie deshalb nicht “sind Sie zertifiziert”, sondern “welche Zertifizierungen, ausgestellt wann, auf welche Personen”. Die Antwort ist entweder konkret oder sie ist keine.
Weil die Prüfung kostenlos und beliebig wiederholbar ist, ist ihr Aussagewert nach oben begrenzt. Sie belegt Wissen über die Bedienoberfläche und die Systematik des Werbesystems zu einem bestimmten Zeitpunkt. Sie belegt keine Berufserfahrung und keine Ergebnisse.
Was hinter dem Partner-Badge steht
Der Partner-Status ist strenger, weil er nicht an einer Prüfung hängt, sondern an gemessenen Kontodaten. Google prüft dafür drei Anforderungen am Manager-Konto der Agentur:
- Zertifikatsquote: ein Mindestanteil der Account-Strategen im Manager-Konto muss zertifiziert sein.
- Optimierungsfaktor: ein Mindestwert des Optimierungsfaktors über die verwalteten Konten.
- Werbeausgaben: ein Mindestvolumen an Werbeausgaben über die letzten 90 Tage.
Die konkreten Schwellenwerte passt Google von Zeit zu Zeit an. Die jeweils geltende Fassung steht in der Google Ads-Hilfe unter den Anforderungen des Partners-Programms, und dort gehört sie auch nachgeschlagen, wenn es im Einzelfall auf die Zahl ankommt.
Der Premier-Partner-Status funktioniert anders als der Partner-Status: Er wird jährlich vergeben und ist auf einen festen Spitzenanteil der Partner je Land begrenzt. Er ist damit ein Ranking, keine Schwelle. Wer ihn trägt, gehört im jeweiligen Land zum oberen Ausschnitt der Partner nach Googles eigenen Kriterien. Wer ihn nicht trägt, kann die Partner-Anforderungen dennoch vollständig erfüllen.
Ein Detail mit Prüfwert: Die drei Anforderungen messen Volumen und Quote. Der Optimierungsfaktor bewertet, wie weit Konten Googles Empfehlungen folgen. Keines der drei Kriterien misst, was Ihre Kampagne am Ende kostet oder einbringt.
In fünf Minuten selbst nachprüfen
Google führt ein öffentliches Partnerverzeichnis unter partnersdirectory.withgoogle.com. Dort steht der aktuelle Status einer Agentur, unabhängig davon, was auf ihrer eigenen Website steht. So gehen Sie vor:
- Agenturnamen im Partnerverzeichnis suchen. Nutzen Sie den Firmennamen, wie er im Impressum steht, nicht die Marketing-Schreibweise.
- Status ablesen. Das Verzeichnis zeigt, ob ein Partner- oder Premier-Partner-Status besteht. Kein Eintrag bedeutet: kein aktueller Status.
- Auf Namensdopplungen achten. Standort und Website im Eintrag müssen zu der Agentur passen, mit der Sie sprechen. Ähnliche Firmennamen sind in dieser Branche häufig.
- Personenzertifikate getrennt erfragen. Sie stehen nicht im Verzeichnis. Lassen Sie sich die Zertifikatsnachweise der Personen zeigen, die Ihr Konto betreuen sollen, mit Ausstellungsdatum.
- Das Badge auf der Website ignorieren. Dazu der nächste Abschnitt.
Warum ein Badge auf einer Website kein Nachweis ist: Google stellt das Badge über das Manager-Konto bereit, und es darf nur während bestehendem Partner-Status verwendet werden. Ein auf einer Website eingebundenes Bild ist aber technisch nur eine Grafik. Es aktualisiert sich nicht, wenn der Status endet, und niemand hindert einen Anbieter daran, es stehenzulassen. Die einzige belastbare Quelle für den heutigen Status ist das Verzeichnis. Das ist keine Unterstellung gegenüber der einzelnen Agentur, sondern eine Eigenschaft von Bilddateien.
Was ein Zertifikat nachweislich nicht aussagt
Hier lohnt sich Präzision, weil an dieser Stelle die meisten Erwartungen entstehen, die später enttäuscht werden.
- Keine Ergebnisqualität. Die Partner-Anforderungen messen Zertifikatsquote, Optimierungsfaktor und Ausgabenvolumen. Kennzahlen wie CPA, ROAS oder Conversion-Rate einzelner Kundenkampagnen gehen in keines der Kriterien ein. Ein Badge ist also kein Beleg dafür, dass Kampagnen dieser Agentur wirtschaftlich laufen.
- Keine Branchenerfahrung. Weder Prüfung noch Badge kennen Ihre Branche, Ihre Margen oder Ihren Wettbewerb.
- Keine Aussage über Ihr Team. Das Badge hängt am Manager-Konto der Agentur, nicht an der Person, die Ihr Konto anfasst.
- Keine Aussage über den Betreuungsaufwand. Wie viele Stunden monatlich tatsächlich in Ihr Konto fließen, ist von keinem der Nachweise berührt.
- Nur eine Momentaufnahme. Zertifikate laufen nach der Standardgültigkeit von 12 Monaten ab, der Partner-Status wird laufend gegen die Anforderungen geprüft, der Premier-Status jährlich neu vergeben. Ein Screenshot von vorletztem Jahr belegt den heutigen Stand nicht.
Umgekehrt ist das Fehlen jeglichen Nachweises ebenfalls kein Urteil, sondern eine offene Frage. Kleine Teams erfüllen die Ausgabenschwelle des Partner-Programms häufig nicht, weil sie schlicht weniger Budget verwalten. Das sagt über handwerkliche Qualität nichts aus. Was ein fehlender Nachweis bedeutet, müssen Sie dann an anderer Stelle klären.
Häufige Fragen zur Zertifizierung
Gibt es noch eine AdWords Zertifizierung? Nein. Seit der Umbenennung am 24. Juli 2018 heißt der Nachweis Google Ads Zertifizierung. Der Begriff AdWords wird umgangssprachlich weiterverwendet, ein Zertifikat mit diesem Namen wäre aber älter als Juli 2018 und damit abgelaufen.
Was kostet eine Zertifizierung? Die Prüfungen werden kostenlos über Google Skillshop abgelegt. Ein Zertifikat ist deshalb kein Investitionsnachweis.
Wie lange gilt ein Zertifikat? Die Standardgültigkeit beträgt 12 Monate. Danach ist eine erneute Prüfung nötig, um den Status zu halten.
Wo sehe ich, ob der Partner-Status heute noch besteht? Im öffentlichen Partnerverzeichnis von Google. Nicht am Badge auf der Agenturwebsite, weil dieses Bild sich beim Verlust des Status nicht von selbst entfernt.
Ist Premier Partner besser als Partner? Premier Partner ist enger: Der Status wird jährlich vergeben und ist je Land auf einen festen Spitzenanteil der Partner begrenzt. Er ist ein Ranking innerhalb der Partner, keine zusätzliche Anforderungsschwelle, und sagt über die Ergebnisse in Ihrem Konto ebenso wenig aus wie der Partner-Status selbst.
